mini|300px|Bozen von Westen
Bozen (, ladinisch Bulsan oder Balsan) ist die Landeshauptstadt Südtirols, einer autonomen Provinz in Italien, und als solche Sitz der Landesregierung sowie des Landtags. Seit 1948 ist die Stadt überregionaler Messestandort, seit 1964 Bischofssitz der neugeschaffenen Diözese Bozen-Brixen, seit 1997 mit der Freien Universität Bozen auch Universitätsstadt.
Bozen wird zu den großen städtischen Zentren im Alpenraum gerechnet und gilt auf Grund seiner Bikulturalität als wichtiger Begegnungsort zwischen dem deutsch- sowie dem italienischsprachigen Kultur- und Wirtschaftsraum. Mit 107.407 (2019) Einwohnern ist Bozen größte Stadt Südtirols und nach Innsbruck und Trient die drittgrößte Stadtgemeinde in der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino. In ihrem Ballungsraum leben rund 250.000 Menschen.Demografisches Handbuch für Südtirol 2017 abgerufen am 9. Jänner 2019.
Ortsnamen mini|hochkant|Bozner Stadtwappen im Jahr 1893 Die amtlichen Namen der Stadt sind das deutsche Bozen [] und das italienische []. Die ladinischen Varianten Bulsan [] (Grödnerisch) oder Balsan (Gadertalisch) sind zwar ebenfalls in amtlichen Texten anzutreffen, genießen aber keinen offiziellen Status. In den deutschen Südtiroler Dialekten wird der Ortsname Bozen [] oder [] ausgesprochen.
Die Etymologie des Ortsnamens, in seiner ältesten Form als belegt, ist nicht geklärt. Die am häufigsten vertretene These nimmt an, dass sich der Siedlungsname aus dem Gentilnamen Baudius (oder Bautius) entwickelte, nämlich über eine angenommene Ausgangsform Baudianum (bzw. Bautianum) mit der Bedeutung „Siedlung des Baudius“.
Geographie Lage mini|Luftbild von Bozen aus nordöstlicher Richtung mini|Bozen von Nordwesten gesehen mini|Blick Richtung Bozen aus südwestlicher Richtung von Schloss Sigmundskron Das Stadtgebiet von Bozen liegt mitten in den Alpen zentral im Süden Südtirols und umfasst eine Fläche von 52,3 km², wovon lediglich 28 km² als permanenter Siedlungsraum genutzt werden. An dieser Siedlungsfläche hat die dichte städtische Bebauung den größten Anteil. Bozen liegt im Etschtal in einem Talkessel, der an drei Seiten von hohen Gebirgsgruppen eingerahmt wird: im Norden von den Sarntaler Alpen (Ritten und Tschögglberg), im Südosten von den Fleimstaler Alpen (Regglberg) und im Westen von der Nonsberggruppe (Mendelkamm). Im Bozner Talkessel trifft das Etschtal (von Nordwesten kommend und ab Bozen nach Süden streichend) auf das von Nordosten einmündende Eisacktal und das von Norden zulaufende Sarntal. Dementsprechend wird der Talkessel von den Flüssen Etsch, Eisack und Talfer durchflossen. An dieser Stelle gabeln sich die Alpentransversalen der oberen Etschtal- und der Eisacktalfurche, welche über historische Handelswege zum Reschen- und zum Brennerpass führen und damit die Stadt in den Mittelpunkt eines überregionalen Wegenetzes rücken. Bis 1911 beschränkte sich das Bozner Stadtgebiet auf eine vergleichsweise kleine Fläche östlich der Talfer, weshalb die Stadt von der einheimischen Bevölkerung bis heute auch als Talferstadt bezeichnet wird.Vom Isonzo in die Talferstadt. Artikel auf der Homepage der Stadt Bozen. Abgerufen am 18. Dezember 2012.Talferstadt (città del Talvera), auf rete comuni italiani, abgerufen am 18. Dezember 2012.
Die Altstadt liegt auf einer Höhe von Die höchste Erhebung des Bozner Stadtgebiets, der Titschen über Kohlern am Regglberg, liegt auf Die niedrigste Stelle mit befindet sich am Etschufer an der Südgrenze der Stadt. Bozens Nachbargemeinden sind Leifers und Pfatten im Süden im Unterland, Eppan im Westen Richtung Überetsch und Terlan im Nordwesten im Etschtal; nordseitig grenzt Bozen am Tschögglberg bzw. Guntschnaberg an Jenesien und am Ritten an die gleichnamige Gemeinde Ritten; im Osten bilden im unteren Eisacktal zunächst der Eisack, im unteren Eggental dann der Eggentaler Bach die Grenze zu Karneid; im Südosten stößt Bozen auf dem Regglberg an die Gemeinde Deutschnofen. Die nächsten Großstädte sind Trient 51 kmwww.luftlinie.org: Bozen–Trient: 51 km. in südlicher und Innsbruck 85 kmwww.luftlinie.org: Bozen–Innsbruck: 85 km. in nördlicher Richtung. Die Entfernung zur Hauptstadt Rom beträgt 520 km.www.luftlinie.org: Bozen–Rom 520 km.
Geologie Das historische Stadtgebiet liegt auf einem Schwemmfächer der Talfer, während der Großteil des Etschtals im Bereich des Bozner Talkessels lange Zeit ein unbewohnbares und häufigen Überschwemmungen ausgesetztes Sumpfgebiet blieb. Der Untergrund des Talbodens besteht aus fluvialen Ablagerungen und ist reich an Grundwasser, dessen Wasserspiegel durchschnittlich bei zwei bis fünf Meter unter der Oberfläche liegt.Erläuterungen zur geologischen Karte von Italien im Maßstab 1:50.000 (Blatt 026 – Eppan) (PDF; 4,9 MB), S. 169–170, auf isprambiente.gov.it, abgerufen am 19. Dezember 2012.
Lithostratographisch ist der Raum Bozen in die Etschtaler Vulkanit-Gruppe eingebettet, weshalb der Großteil der die Stadt umschließenden Bergketten (Regglberg, Ritten, Tschögglberg) aus Ignimbriten gebildet ist. Auch im Talkessel sind Schotter und Sande, die eine grobe Schichtung oder eine konkave Schrägschichtung aufweisen, die vorherrschenden Lithofazies. Die maximale Größe der Steine und Gerölle variiert zwischen 35 und 50 cm.Erläuterungen zur geologischen Karte von Italien im Maßstab 1:50.000 (Blatt 026 – Eppan) (PDF; 4,9 MB), S. 136, auf isprambiente.gov.it, abgerufen am 19. Dezember 2012. Im nordöstlichen Stadtgebiet bei St. Magdalena sowie im Süden bei der Haselburg sind aber auch Moränen und Schotterflächen erhalten, die sich in der Würm-Kaltzeit gebildet haben.Geologische Karte von Italien im Maßstab 1:50.000 (Blatt 027 – Bozen), auf isprambiente.gov.it, abgerufen am 19. Dezember 2012.
Stadtgliederung Bozen ist in fünf Stadtviertel gegliedert, die wiederum mehrere historische Viertel und ehemals selbständige Gemeinden umfassen. Die historische Stadtgemeinde Bozen beschränkte sich bis 1910 auf ein begrenztes Gebiet im Mündungszwickel zwischen Talfer und Eisack im Nordosten des Bozner Talkessels, wobei etwa 45 % der Gesamtbevölkerung im räumlich beengten Altstadtbereich wohnte. Dieses Gebiet ist im Stadtviertel Zentrum-Bozner Boden-Rentsch aufgegangen, welches innerhalb der gegenwärtigen Stadtgrenzen den Osten der Gemeinde einnimmt. Der Großteil dieses Viertels besteht aus Gebieten der früher selbstständigen Landgemeinde Zwölfmalgreien, die 1911 eingemeindet wurde. Ähnlich erging es der einstigen Landgemeinde Gries westlich der Talfer, welche 1925 Bozen einverleibt wurde und die dem heutigen Stadtviertel Gries-Quirein im Norden des Stadtgebiets seinen Namen gab. Sowohl Zwölfmalgreien als auch Gries sind bis in die Gegenwart aber eigene Katastralgemeinden geblieben.
Geographisch im Zentrum des heutigen Stadtgebiets von Bozen liegt Europa-Neustift, das kleinste unter den Bozner Stadtvierteln. Westlich davon erstreckt sich das Stadtviertel Don Bosco, welches ebenso wie Europa-Neustift im Gebiet der alten Gemeinde Gries entstanden ist und auch auf das orographisch rechte Ufer der Etsch mit dem Nordende des Mitterbergs übergreift. Auf der orographisch linken Seite des Eisack vom Virgl Richtung Süden breitet sich schließlich das Stadtviertel Oberau-Haslach aus, das früher zur Gemeinde Zwölfmalgreien gehörte und die Ortsteile Haslach, Oberau sowie St. Jakob-Unterau mit dem so genannten „Grutzen“ umfasst.
Flächennutzung Das Bozner Stadtgebiet besteht zu knapp drei Viertel aus unbebauter Fläche, von der aber mehr als ein Drittel landwirtschaftlich genutzt wird. Als Baufläche, die in mehrere Nutzungs- bzw. Bebauungsarten unterteilt ist, werden derzeit 1320,9 ha verwendet. Im Stadtkern ist die Bebauung sehr dicht. Die älteren Siedlungsgebiete im Altstadtzentrum und Zwölfmalgreien sind durch enge Straßenzüge und hohe Altbauten geprägt, während sich im alten Gries besonders nach Westen hin eine ländliche Struktur erhalten hat. Im Quireiner Teil des Viertels hingegen beherrschen Monumentbauten und Machtsymbole des italienischen Faschismus sowie Wohnblöcke und monumentale Laubengänge, welche die rationalistische Strömung innerhalb der italienischen Architektur der 1920er- und 1930er-Jahre vertreten, das Bild. Ein ähnlicher Stil ist vereinzelt auch im Viertel Europa-Neustift anzutreffen. In den Vierteln Oberau-Haslach und Don Bosco hingegen tauchen vermehrt Hochhaussiedlungen der Nachkriegsmoderne auf. Im Süden befindet sich das ausgedehnte Industriegebiet Bozen, welches 1935 angelegt worden ist, um den Zuzug italienischer Arbeiter aus dem Süden zu fördern. Eisackaufwärts zwischen Brennerautobahn und Bahnhofsareal liegt im Ortsteil Bozner Boden ein weiteres Gewerbegebiet, in dem auch ein Zollhof untergebracht ist. Wasserflächen machen weniger als 3 % aus, da es auf dem Stadtgebiet keine Seen gibt und die fließenden Gewässer allesamt in schmale Flussbetten gedrängt sind.
Nutzungsart Flächein haFlächenstatistik der Provinz Bozen auf Gemeinde- und Bezirksebene (MS Excel; 157 kB), auf provinz.bz.it, abgerufen am 20. Dezember 2012. Prozent Wohnbauflächen 610,14 11,66 % Industrie- und Gewerbeflächen 341,67 6,53 % Öffentliche Einrichtungen (inkl. Friedhof) 172,94 3,30 % Militärflächen 14,98 0,29 % Straßenverkehr 92,41 1,77 % Flächen für Bahnanlagen 42,60 0,81 % Flughafen, Lifte, Seilbahnen und Zubehörflächen 29,43 0,56 % Deponien, Abraumhalden und Entsorgungsanlagen 16,72 0,32 % Landwirtschaftlich genutzte Flächen 1.431,89 27,36 % Grün- und Freiflächen (inkl. Wald) 2.335,77 44,63 % Feucht- und Wasserflächen 139,75 2,67 % Sonstige oder nicht klassifizierbare Flächen 5,70 0,10 % Gesamt 5.234 100,00 %
Klima Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur in den Sommermonaten liegt zwischen 28 und 31 °C, die durchschnittlichen nächtlichen Tiefstwerte in den Wintermonaten bei −1 bis −3 °C. Die durchschnittliche Lufttemperatur in Bozen beträgt 13 °C, der jährliche Niederschlag 735,4 mm. Im Schnitt ergibt sich die höchste Niederschlagsmenge im August mit 88,1 mm, während der Februar mit 19,9 mm der trockenste Monat ist. Der Juli weist mit rund siebeneinhalb Stunden täglich die längste Sonnenscheindauer auf. Der Dezember bringt es durchschnittlich immerhin noch auf drei Stunden pro Tag.
Das Stadtklima von Bozen wird sowohl durch die Kessellage als auch durch die dichte Bebauung beeinflusst. So steigen während der wärmeren Jahreszeit Wärmebelastung und Schwüle, da der Luftaustausch im Stadtkern stark eingeschränkt ist. Problematisch ist vor allem die Luftverschmutzung im Stadtgebiet, die gegenwärtig am meisten auf den innerstädtischen Autobahnverkehr (in der Vergangenheit auch auf die Industrie) zurückzuführen ist. So ist die Belastung durch die klassischen Schadstoffe Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und die Schwermetalle spätestens seit der Jahrtausendwende im Rahmen aller Grenzwertvorgaben. In Sachen Feinstaub lässt sich zwar für den Zeitraum zwischen 2000 und 2009 eine Halbierung der Belastung feststellen, allerdings überschreiten die Werte nach wie vor die Jahresmittel-Richtlinien der WHO von 20 µg/m³ für PM10 und 10 µg/m³ für PM2,5 Partikel. Hinsichtlich der Stickstoffoxide (NO, NO2) ist die Situation bereits seit einigen Jahren unverändert. In der Stadt Bozen werden immer noch Überschreitungen des Jahresmittelgrenzwertes von 40 μg/m³ gemessen. Besonders problematisch sind schließlich auch die hohen Ozon-Werte in höheren Lagen, da es hier bisweilen auch an Lösungsansätzen fehlt, zumal lokale Maßnahmen allein kaum Wirksamkeit zeigen würden.Beurteilung der Luftqualität 2005–2015, auf provinz.bz.it, abgerufen am 22. Dezember 2012.Maßnahmenkatalog zur Reduzierung und Vorbeugung der Luftverschmutzung, auf provinz.bz.it, abgerufen am 22. Dezember 2012.
Geschichte
Siehe auch: Bozner Bürgerbuch, Bozner Chronik, Bozner Stadtbuch, Bozner Stadtrecht und Urbar der Marienpfarrkirche Bozen von 1453–1460 mini|Bozens Stadtansicht von 1649 aus der Topographia Provinciarum Austriacarum (3. Aufl., 1679) von Matthäus Merian