mini|250px|Schriftzug „Taekwondo“ in Hangeul (MR)

Taekwondo (, auch Tae-Kwon-Do oder Taekwon-Do, kurz TKD) ist eine koreanische Kampfkunst (, kurz KMA), die oft als Kampfsport ausgeübt wird. Die drei Silben des Namens stehen für Fußtechnik (tae), Handtechnik (kwon) und Weg (do). Obwohl Taekwondo anderen asiatischen Kampfsportarten sehr ähnelt, unterscheidet es sich in einigen wesentlichen Punkten von diesen. So ist die Taekwondo-Technik sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt, was nicht zuletzt durch den Wettkampf bedingt ist. Im Taekwondo dominieren Fußtechniken deutlicher als in vergleichbaren Kampfsportarten.

Begriff mini|Olympische Spiele 2008

Das Wort Taekwondo setzt sich aus den drei sinokoreanischen Silben tae, kwon und do zusammen und kann als „Der Weg des Fuß- und Faustkampfes“ oder als „Das Dao der Fuß- und Fausttechnik“ interpretiert werden.

Heute haben sich zwei Schreibweisen für die Kampfkunst durchgesetzt: Taekwon-Do und Taekwondo. Der Unterschied liegt in der Entwicklung der beiden großen Verbände.

Taekwon-Do: Diese Schreibweise wurde von Choi Hong-hi geprägt und ist vor allem im International Taekwon-Do Federation (ITF) verbreitet. Sie betont die Trennung von Tae, Kwon und Do, um die philosophische Bedeutung jedes Elements hervorzuheben.

Taekwondo: Die durchgängige Schreibweise wurde von der World Taekwondo (WT, ehemals WTF) übernommen. Damit setzte sich der jüngere Weltverband von der ITF ab. Er orientierte sich aber auch an moderner Linguistik und der internationalen Vermarktung des Sports, insbesondere im Zuge der Anerkennung als olympische Disziplin.

Allgemein RR MR Hangeul Hanja Bemerkung Tae bedeutet wörtlich „trampeln“, „auf etwas treten“, kontextabhängig hier für „Fußtechniken“ Kwon bedeutet wörtlich „Faust“, kontextabhängig hier für „Hand- und Armtechniken“ Do bedeutet wörtlich „Weg“, „Pfad“ – sinngemäß ist „Weg“ als Methode oder Zielstreben zu verstehen, kontextabhängig hier für „Lehre“, „Schule“ – einer „Denkrichtung“

Die Kampfkunst entstand nach der japanischen Herrschaft in Korea (1905–1945). Sein Gründer war General Choi Hong-hi. Als Referenz dienten dabei Shotokan-Karate und Taekgyeon. Die grundlegenden Theorien und Prinzipien des Taekwon-Do unterscheiden sich jedoch grundlegend von denen jeder anderen Kampfkunst der Welt. Er nannte seine Kampfkunst zuerst nach seinem Pseudonym als Schriftsteller „Chang Hun“ und am 11. April 1955 dann in der Öffentlichkeit „Taekwon-Do“. Am 22. März 1966 wurde in Seoul die International Taekwondo Federation (ITF) gegründet und er wurde der erste Präsident und blieb es bis zu seinem Tod im Juni 2002. In der Folgezeit entwickelte er das „Taekwon-Do“ insbesondere hinsichtlich der Fußtechniken und Formenläufe eigenständig weiter. Choi Hong-hi emigrierte 1972 aus politischen Gründen nach Kanada und mit ihm die ITF. Die Folge war, dass das Regime in Südkorea am 28. Mai 1973 die WTF (heute WT) gründete. General Choi versuchte noch vor seinem Tod, seinen Sohn Choi Jung Hwa als Nachfolger zu ernennen, dieses wurde aber von vielen Mitgliedern abgelehnt, womit die ITF sich in viele verschiedene Verbände auflöste.

Weltweit gibt es hauptsächlich drei Taekwondo-Stile (ITF traditionell, ITF reformiert und WT), die sich in der Formausübung (Hyeong, Tul und Pumsae) und im sportlichen Kampf unterscheiden. Im olympischen Wettkampfsystem (nur WT) wurde das Verbot ergänzt, mit der Faust den Kopf zu treffen.

Disziplinen Taekwondo als moderner Sport unterteilt sich in einzelne Disziplinen. Je nach Verein oder Schule werden die Schwerpunkte im Training unterschiedlich gesetzt. mini|Sportler bei einem Bruchtest

Grundschule (Gibon Yeonseup): Üben einzelner Bewegungen und Techniken durch mehrfaches Wiederholen, ohne Gegner. Formenlauf (Teul, Hyeong, Pumsae – Taegeuk/Palgue): Festgelegte Techniken werden in vorgegebener Reihenfolge durchgeführt. Einschrittkampf (Hanbon Gyeorugi, Ilbo Matsogi, Ilbo Daeryeon): Ein Übungskampf mit festgelegter Technikenreihenfolge gegen einen Gegner. Neben dem Einschrittkampf gibt es auch noch den Zwei- und Dreischrittkampf (Ibo- bzw. Sambo-Matsogi, Ibo- bzw. Sambo-Daeryeon); sie haben eher untergeordnete Bedeutung. Bruchtest (Gyeokpa): Zerstören von Holzbrettern, Ziegeln oder sonstigen Materialien mittels Taekwondo-Techniken. Freikampf (Daeryeon, Matsogi oder Gyeorugi): Freier Übungskampf gegen einen Gegner, häufig ohne Berührung. Wettkampf (Chayu Matsogi): Leicht-, Semi- oder Vollkontaktkampf gegen einen Gegner. Selbstverteidigung (Hosinsul): Selbstverteidigung gegen einen oder mehrere unbewaffnete oder bewaffnete Gegner. Gymnastik (Dosu Dallyon) Theorie (Ilon)

Moral Durch kontinuierliches Training und bewusste Ausübung dieser Disziplinen soll der Taekwondoin, so wird ein Taekwondo-Betreibender genannt, seinen Geist schulen. General Choi Hong-hi, der Begründer des ursprünglichen Taekwondos, hat dies in fünf zu erreichenden Zielen zusammengefasst, die als „Grundsätze des Taekwondo“ gelten:

Ye-ui ( Hanja RR yeui), die Höflichkeit Yom-chi ( Hanja RR yeomchi), die Integrität In-nae ( Hanja RR innae), das Durchhaltevermögen, die Geduld Guk-gi ( Hanja RR geukgi), die Selbstdisziplin Beakjul-bool-gul ( Hanja RR baekjeolbulgul), die Unbezwingbarkeit

Um diese Ziele zu erreichen, stellte Choi Hong-hi einen Eid auf, dem sich alle Taekwondo-Schüler verpflichtet fühlen sollen:

Ich verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwondo einzuhalten Ich verpflichte mich, meinen Trainer und alle Höhergestellten zu achten Ich verpflichte mich, Taekwondo nie zu missbrauchen Ich verpflichte mich, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen Ich verpflichte mich, bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten

Theorie der Kraft nach Choi Hong-hi Um mit einer Taekwondo-Technik die nötige Kraft und die damit verbundene durchschlagende Wirkung zu erzielen, bedient sich der Taekwondoin bestimmter physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Das Wissen um diese physikalischen Gesetze nannte Choi Hong-hi „Theorie der Kraft“, wobei im Taekwondo der Begriff „Kraft“ synonym mit der physikalischen Kraft und den physikalisch verwandten Begriffen Druck und Impuls verwendet wird. Die „Theorie der Kraft“ besteht aus:

Konzentration: Die gesamte Kraft genau im Moment des Schlages auf eine möglichst kleine Fläche wirken zu lassen. Große Fläche = kleine Kraftwirkung, kleine Fläche = große Kraftwirkung. Reaktionskraft: Gegnerische Kraft plus eigene Kraft = Kraft, die auf den Gegner einwirkt. Gleichgewicht: Angriff wird wirksamer und Abwehr wird stabiler, wenn der Körper sich im Gleichgewicht befindet. Atmungskontrolle: Eigene Schlagwirkung und Schutz des eigenen Körpers erhöhen sich durch Anspannen der Bauchmuskeln (Ausatmen und Pressen) im Moment des Schlages. Schnelligkeit: Je größer die Geschwindigkeit, desto größer ist die wirksame Kraft. Masse: Je größer die am Schlag beteiligte Masse (Hüfte und gesamter Körper, nicht nur der schlagende oder tretende Körperteil), desto größer die wirksame Kraft.

Geschichte Vorgeschichte Wie in vielen Ländern, aus denen Kampfsportarten hervorgegangen sind, gibt es auch in Korea eine alte Tradition an Kampfkünsten. Diese Tradition reicht etwa anderthalb Jahrtausende zurück, wobei die miteinander verwandten Kampfkünste Subak und Taekgyeon hervorzuheben sind, die vielfältige Handtechniken bzw. auch Fußtechniken und Tänze verwenden. Der Ursprung des Taekwondo ist umstritten, wenngleich die Einflüsse von Subak und besonders Taekgyeon mit Hinblick auf die Fußtechniken als wahrscheinlich angesehen werden, zumal diese Kampfkünste ab 1171 bzw. 1789 dokumentiert sind.Jeong Deok Ahn, Suk ho Hong, Yeong Kil Park: The Historical and Cultural Identity of Taekwondo as a Traditional Korean Martial Art. In: The International Journal of the History of Sport. Nr. 26(11), 2009, S. 1716–1734, doi:10.1080/09523360903132956. Dagegen wird auch die Ansicht vertreten, dass Taekwondo nach 1945 nur aus dem japanischen Karate entwickelt wurde.Udo Moenig, Kim Minho: The Invention of Taekwondo Tradition, 1945–1972: When Mythology Becomes ‘History’. In: Acta Koreana. Nr. 19(2), 2016, S. 131–164. doi:10.18399/acta.2016.19.2.006 (PDF; 647 kB), abgerufen am 22. Dezember 2024. Karate selbst entstand unter diesem Namen erst in den 1920er Jahren im Wesentlichen aus dem Okinawa-Te. Die gelegentlich anzutreffende Behauptung, Taekwondo stamme bereits vom legendären Staatengründer Dangun ab und sei somit letztlich über 4000 Jahre alt, entbehrt jeder historischen Grundlage.

Nach 1910 wurde Groß-Korea von Japan annektiert. Alles, was Kultur und Geschichte Koreas ausgemacht hatte, wurde systematisch unterdrückt und verboten. Das galt auch für traditionelle koreanische Kampfarten wie Taekgyeon und Ssireum (Ringen). Die japanischen Kolonialherren brachten Kampfarten wie Jiu Jitsu, Kendo, Judo und Karate von zu Hause mit. Während der Besatzungszeit Koreas zerstreuten die Japaner Versammlungen von mehr als zehn Koreanern mit ihren Gerten.Song, Interview von 1984, auf YouTube als Video und die schriftliche Übersetzung des Interviews (PDF; 78 kB) dazu auf taekkyon.de, abgerufen am 24. Januar 2024 (deutsch, englisch). Kampfkunst bzw. Kampfsport war in Korea traditionell jedoch eine gesellige Aktivität. Anders als in Japan gab es auch keine Formen, so dass ein Training alleine nicht üblich war. Wie u. a. Song Dok-ki für das Taekgyeon überlieferte, spielten Wettkämpfe immer eine große Rolle. Es gab also zwar kein direktes Verbot von Kampfsport oder -kunst, aber das Versammlungsverbot traf natürlich Taekgyeon, Ssireum und Gungsul (Bogenschießen) genau wie alle anderen koreanischen Traditionen, so dass sie beinahe ausgelöscht wurden.

Die fünf Ursprungsstile Nach der Unabhängigkeit Koreas im Jahr 1945 kehrten Koreaner zurück in ihr Heimatland, die in Japan und der Mandschurei japanisches Karate gelernt hatten. Sie eröffneten die fünf ursprünglichen Kampfkunst-Schulen, aus denen später das Taekwondo entstehen sollte. Die Namen dieser Schulen endeten alle auf Kwan, was im wörtlichen Sinne „Halle“ bedeutet.

Lee Won-Guk hatte Shōtōkan-Karate bei Gichin Funakoshi gelernt und begann bereits 1944, Dangsudo in seiner Schule, dem Chung Do Kwan („Halle des wahren Weges“ – ; ) in Seoul, zu unterrichten. Lee flüchtete 1953 aus politischen Gründen nach Japan und emigrierte 1976 in die USA. Hwang Ki lernte ab 1936 in der ebenfalls japanisch besetzten Mandschurei vermutlich Karate, auch wenn er den Stil später als einen chinesischen ausgab (siehe Ursprung von Karate). 1945 gründete er in Seoul den Moo Duk Kwan („Halle der Kampftugenden“ – ; ). Seinen Stil nannte er zunächst ebenfalls Dangsudo, später dann, in Korea, Subakdo (meist Soo Bahk Do geschrieben) – , . Auf internationaler Ebene behielt er den Namen Dangsudo (meist geschrieben als „Tang Soo Do“, auch „Tangsoodo“, kurz TSD) bei, unter dem sein Stil vor allem in den USA heute noch betrieben wird. Hwang Kis Kampfkunstschule nennt sich heute international wie in Korea bzw. USA offiziell Soo Bahk Do Moo Duk Kwan. Chun Sang-Sup hatte Judo und Karate während seines Studiums in Japan gelernt und schloss sich 1946 dem Yun Moo Kwan an, der größten Seouler Judo-Schule, wo er neben Judo auch Gongsudo bzw. Kongsoodo (jap. Karatedo) unterrichtete. Chun gilt als im Korea-Krieg verschollen. Seine Schüler änderten den Schulnamen daraufhin in Jidokwan („Weg der Weisheit“ – ; ).