mini|300px|Steinway-Flügel (Modell D-274 aus der Steinway-Fabrik Hamburg)
Steinway & Sons (oft Steinway genannt) ist ein deutsch-US-amerikanischer Hersteller von Flügeln und Klavieren. Das Unternehmen wurde von Heinrich Engelhard Steinweg (Henry E. Steinway) und seinen Söhnen 1853 in New York City (Manhattan) gegründet.
Flügel und Klaviere der Marke Steinway & Sons werden in Hamburg und New York (Queens) gefertigt. Steinway & Sons fertigt Flügel und Klaviere außerdem in Japan mit der Markenbezeichnung Boston und in China mit der Markenbezeichnung Essex. Zum Vertriebsnetz gehören die Steinway-Häuser.
Das Mutterunternehmen, die Aktiengesellschaft Steinway Musical Instruments, die viele weitere Musikinstrumentenhersteller und -marken besitzt, wurde 2013 von John Paulsons Paulson & Co. gekauft und von der Börse genommen.
Geschichte Die Familie Steinway mini|links|hochkant|Heinrich Engelhard Steinweg (Henry E. Steinway) fotografiert von Mathew B. Brady
Der gebürtige Deutsche Heinrich Engelhard Steinweg war gelernter Möbeltischler, später wurde er Orgelbauer und Kirchenorganist.Zur deutschen und amerikanischen Familie siehe auch Aus musikalischem Interesse beschäftigte er sich mit dem Bau von Musikinstrumenten. In der Küche seiner Wohnung fertigte Steinweg 1836 seinen ersten Flügel, der heute Küchenflügel genannt wird und noch erhalten ist.
Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte er mit seiner Frau Juliane (Johanna Juliane Henriette Thiemer), drei Töchtern und vier seiner Söhne 1850 in die USA aus. Der zweitälteste Sohn Karl war schon ein Jahr zuvor, 1849, kundschaftend in die USA gegangen. In New York nahm die Familie den anglisierten Nachnamen Steinway an, auch die Vornamen wurden anglisiert. Anfangs arbeiteten Henry E. Steinway und seine Söhne in verschiedenen Klavierfabriken, bis sie sich 1853 als Familienunternehmen selbständig machten. Schnell stellte sich für Henry E. Steinway mit seinem amerikanischen Familienunternehmen Steinway & Sons der Erfolg ein. Ein weiterer Sohn, C. F. Theodor, war in Deutschland verblieben und führte das väterliche Geschäft fort. Wenig später siedelte er den Betrieb nach Wolfenbüttel um. Mit der Aufnahme von Friedrich Grotrian als Geschäftspartner wurde der Betrieb ein weiteres Mal ins benachbarte Braunschweig verlegt. Trotz der räumlichen Distanz entwickelte die Familie einen regen, bis heute dokumentierten Schriftverkehr, um sich über den Fortschritt in der Klavierbautechnik auszutauschen.
Die Steinway-Söhne Heinrich (Henry Jr.) und Karl (Charles) starben im März 1865. Auf dringlichen Wunsch der Familie siedelte nun auch C. F. Theodor in die USA über, um in der Nachfolge seiner verstorbenen Brüder in die Geschäftsführung von Steinway in New York einzutreten. Er verkaufte noch im gleichen Jahr die Familienanteile am Braunschweiger Unternehmen für 20.000 Taler an Wilhelm Grotrian, Sohn und Erbe seines verstorbenen kurzzeitigen Partners Friedrich Grotrian, und an die Mitarbeiter Adolf Helfferich und H. O. W. Schulz. Die Instrumente des Braunschweiger Unternehmens sollten gemäß Kaufvertrag noch zehn Jahre lang den Verweis auf Th. Steinweg Nachfolger tragen dürfen und in Lizenz nach Plänen der US-Konstruktionen gebaut werden. Sie wurden mit Grotrian, Helfferich, Schulz, Th. Steinweg Nachfolger auf der Tastaturklappe beschriftet und trugen bis 1875 auch – wie die US-Instrumente – die charakteristischen Kurven der Wangen von Erard, des Flügels, der den Steinway-Technikern als Vorlage gedient hatten. Es gibt aus der Zeit um 1875 sogar Instrumente aus Braunschweig, in deren Tastenklappe Steinway New York, Braunschweig steht. Aus dem Braunschweiger Unternehmen entstand Grotrian-Steinweg. Unterschiedliche Sichtweisen zu den Namensbezeichnungen lösten in den folgenden Jahrzehnten zwischen Steinway und Grotrian-Steinweg eine Vielzahl an Rechtsstreitigkeiten aus.
mini|Zuschauer, die Eintrittskarten für eine Charles-Dickens-Lesung in der Steinway Hall in New York 1867 kaufen
C. F. Theodor (C. F. Theodore) folgte dem Ruf der Familie nach New York. Henry E. Steinway verstarb am 7. Februar 1871 im Alter von 74 Jahren. Sein ältester Sohn C. F. Theodore sowie die beiden jüngeren Söhne Wilhelm (William) und Albert übernahmen die Leitung des Unternehmens. William war Hauptanteilseigner und Vorsitzender der Geschäftsführung, der jüngste Sohn Albert der Leiter der Fabriken und der älteste Sohn C. F. Theodore der Entwickler. William ging in die Steinway-Geschichte als Marketing-Genie ein. Er war der Erfinder der Steinway Hall, der Steinway-Concert & Artist-Abteilung sowie zusammen mit C. F. Theodore Wegbereiter der Hamburger Fabrik, die die beiden 1880 eröffneten und zunächst zu zweit besaßen. C. F. Theodore entwickelte in den nächsten Jahren viele der Steinway-Patente, orientierte sich an der Forschung zur Akustik und ließ sich hierzu von dem Physiker Hermann von Helmholtz beraten, dem um 1870 für seine Forschungsarbeiten von Steinway ein großer Konzertflügel zur Verfügung gestellt wurde. Der Flügel wurde von New York nach Berlin geschickt und dort von Carl Bechstein in Empfang genommen, auch die Steuer von 20 Thalern wurden von Bechstein bezahlt. Diese 20 Thaler wurden Bechstein von William persönlich erstattet. Dieser Flügel wird heute im Deutschen Museum in München ausgestellt. Wesentliches Ergebnis dieser Untersuchungen war die für Steinway patentierte Duplex-Skala, die genaue Bestimmung der mit den Saiten mitschwingenden Anhanglängen und damit die Möglichkeit, diese den Ton im Diskant bereichernden Nebenschwingungen zu stimmen.
C. F. Theodore setzte sich auch gegen seine Brüder mit dem Wunsch durch, ein aufrecht stehendes Klavier zu bauen. Sein Bestreben war es, neben dem Bau hochwertiger Flügel immer auch preisgünstigere Instrumente für breitere Bevölkerungsschichten anbieten zu können und Herstellungstechniken zu optimieren. Zwischen den Steinway-Söhnen C. F. Theodore, Henry Jr. und Charles hatte es, auch zuvor schon in den Jahren der Trennung, einen intensiven Schriftverkehr über den Atlantik hinweg und auch einen brüderlichen Wettstreit um die besten Wege in der Klaviertechnik gegeben. Letztlich entschied das Schicksal, indem C. F. Theodore nach dem Tode seiner Brüder in der Familie neben seinem Vater als einziger Techniker verblieb. Mit der grundlegenden Neugestaltung der Flügel (Klaviaturmechanik von 1871, einteiliger Gussrahmen in Kuppelform, Längsstreben über der Saitenanlage, mit abgedecktem Stimmstock, Prototypen 1869, Konzertflügel 1875, mit dem Rim-Gehäuse aus verleimten Holzdickten 1878) und deren konsequenter Umsetzung in allen Flügelgrößen entstammten nach 1886 (Einführung des Semikonzertflügels C-227) alle Instrumente der Handschrift C. F. Theodores. Mit der Style II-Flügelgröße, Vorläufer des C-227, verschwanden die Instrumente nach Konstruktionen Henry Jr. aus der Produktion.
C. F. Theodore ging nach Jahren in New York im Alter wieder nach Deutschland zurück; er starb am 26. März 1889 in Braunschweig. William leitete die Geschicke des Unternehmens noch über viele Jahre bis zu seinem Tode 1896. Er arbeitete ab 1891/1892 auch mit Gottlieb Daimler zusammen und baute in der Rikers-Fabrik in Queens Daimler-Wagen in Lizenz. Er verstand es auch, passende Nachfolger in der Familie in die richtigen Positionen zu heben. William wurde am 21. Januar 1896 von Kaiser Franz Joseph I. zum k.u.k. Hoflieferanten ernannt. William starb am 30. November 1896. Williams Neffen Charles H. und Frederick übernahmen nun die Führung, ihr Vetter Henry Ziegler wurde Leiter der Forschungsabteilung.
Steinway war außerdem britischer, italienischer, preußischer, sächsischer, osmanischer, spanischer, norwegischer, schwedischer und russischer Hoflieferant.
Das Unternehmen Steinway Ende 19. Jahrhundert mini|Steinway-Fabrik an der 4. Avenue, 52. Straße, Manhattan, New York, 1876
Die Steinways begannen nach offizieller Firmenhistorie in einem Hinterhof der Varick Street 85, wo mit der Baunummer 483 ein Tafelklavier entstand, das die Baunummernzählung von Steinweg-Instrumenten aus Deutschland fortsetzen sollte und das erste in den USA gefertigte Tafelklavier von Steinway wurde. Das Gehäuse war noch von dem angesehenen Klavierbauunternehmen Pirsson eingekauft worden, wo einer der Söhne als Arbeiter beschäftigt war.
Aus der Literatur und dem New Yorker Zensus von 1851 ergibt sich, dass bereits im Wohnhaus der Steinways in der Hester Street 199 Klaviere und deren Teile als zweites Standbein neben der Arbeitnehmer-Tätigkeit gefertigt wurden. Der Zensus weist an derselben Adresse neben Heinrich Steinweg und seiner Familie auch Theodore Vogel, piano maker, und seine Frau Wilma Vogel aus – Wilhelmina Steinweg, eine der drei Steinweg-Töchter, die damals bereits mit dem späteren Steinway-Vorarbeiter Vogel verheiratet war. Das steinerne Steinweg-Wohnhaus war neben den Wohnzwecken auch eine Klavierbauwerkstatt.
Fostle weist u. a. die Beschaffung einer Kran-Schiene für 60 Dollar für das Wohnhaus Hester Street 199 nach. Die Steinwegs verkauften ihre Heimarbeits-Produktion an mehrere Händler auf dem Broadway, die die Klaviere unter Eigennamen verkauften – das so genannte Stenciling, welches später von William Steinway vor allem gegen den Billigklavier-Fabrikanten Joseph Hale scharf bekämpft wurde. Beim Stenciling wurde oft auf eine winzige Abwandlung eines bekannten Namens gesetzt, um einerseits den Kunden irrezuführen, ein sehr bekanntes, begehrtes Klavier zu erwerben, andererseits aber sich herausreden zu können, dass der Name schließlich ein anderer sei als der des Klavierfabrikanten, der sich über die Namensverwendung beschweren wollte.
Zu bezweifeln ist auch, dass die Lücke vor den angeblich 483 Klavieren so groß war, dass sie aus der Summe der in Seesen und in der Hester Street 199 hergestellten Klavieren gefüllt werden könne – man kann die Anzahl auf nur etwa 300 Tafelklaviere schätzen, die vermutlich vor der offiziellen Steinway-Unternehmensgründung entstanden sind. Auch das Datum der Gründung ist im Detail zu hinterfragen; die Familie nennt als Datum den 5. März 1853, was identisch ist mit dem 18. Geburtstag von Sohn Wilhelm/William, jedoch war allgemein in New York der 1. Mai der Umzugstag für Privatleute und Gewerbe. William wurde zu Anfang nicht in die Riege der Anteilseigner Heinrich, Karl/Charles und Henry Jr. aufgenommen, weil er mit 18 noch zu jung war – an seinem 21. Geburtstag am 5. März 1856 wurde er dann volljährig und Anteilseigner.
Mit dem späteren Tod seiner Brüder Charles und Henry jr. 1865 und dem Tod des Vaters 1871 übernahm William deren Anteile zur Verwaltung für die Witwen, was ihn mitsamt seinen eigenen Anteilen zum unangefochtenen Vorstandsvorsitzenden machte. Auch der jüngste Sohn Albert starb in jungen Jahren, in 1877 (im selben Jahr wie die Mutter Juliane), nachdem er lange Jahre der Produktionsleiter der Fabrik an der 4th Avenue war, und im Amerikanischen Bürgerkrieg eine Militärkarriere erwogen hatte.
Die Steinways mieteten in den folgenden sieben Jahren zwischen 1853 und 1860 eine Vielzahl teils heute nicht mehr nachvollziehbarer Werkstätten im Süden Manhattans an, um ihr schnell expandierendes Unternehmen zu betreiben. Bekannt ist die erstmalige Anmietung der Werkstatt Varick Street 85 für ein Jahr, sodann drei Werkstätten im Süden Manhattans, dann nochmals auch wieder Varick Street 85, weiter ein Holzlagerplatz in der 23. Straße, bevor dann 1860 die große Fabrik an der 4th Avenue und 52nd Street East die Aktivitäten der Produktion zu bündeln erlaubte.
Eine große Hilfe waren auch die Töchter, die – obwohl von Vater und Brüdern aus der Unternehmensleitung herausgehalten – sich als Verkaufstalente betätigten, sowie die Mutter Juliane, die die Bücher führte – der Vater war zwar handwerklich sehr beschlagen, aber des Lesens und Schreibens nicht kundig.