Aílton (* 19. Juli 1973 in Mogeiro, Paraíba; bürgerlich Aílton Gonçalves da Silva) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballspieler. Mit Werder Bremen wurde der antrittsschnelle Mittelstürmer 2004 Deutscher Meister, Pokalsieger und Torschützenkönig der Bundesliga. Im selben Jahr wurde er zudem als erster Nichtdeutscher zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt.
In der Bundesliga spielte er auch für den FC Schalke 04, den Hamburger SV und den MSV Duisburg. Er erzielte in seiner Karriere insgesamt 106 Bundesligatore und ist damit der dritte von bislang insgesamt sieben ausländischen Spielern, die mehr als 100 Tore in der Bundesliga erzielten. International war der in Deutschland auch Toni und wegen seiner Leibesfülle und Schnelligkeit auch Kugelblitz genannte Brasilianer neben seiner Heimat auch in Mexiko, der Türkei, Serbien, der Schweiz, der Ukraine, Österreich und China als Spieler tätig. Insgesamt kam er in einem Zeitraum von 20 Jahren für 21 Vereine zum Einsatz. Seine Laufbahn ließ er ab 2009 bei unterklassigen Vereinen in Deutschland ausklingen.
Spielerkarriere Brasilien und Mexiko (1993–1998) Aíltons Karriere begann in Rio Grande do Sul beim Ypiranga FC aus Erechim. Nach einem kurzen Ausflug zum Mogi Mirim EC im Staat São Paulo kehrte er zum Ypiranga FC zurück, mit dem er 1995 Sechster in der Staatsmeisterschaft und mit 16 Treffern zugleich Torschützenkönig des Wettbewerbs wurde.
Danach war er kurz beim SC Internacional in Porto Alegre, der Hauptstadt des südbrasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul, beim Santa Cruz FC im nordostbrasilianischen Recife und beim Guarani FC in Campinas, São Paulo beschäftigt.
1997 zog es ihn ins Ausland, als er von den UANL Tigres im mexikanischen San Nicolás de los Garza (nahe Monterrey) angeheuert wurde.
Werder Bremen (1998–2004) Im Oktober 1998 wechselte Aílton zum SV Werder Bremen. Nach Anlaufschwierigkeiten unter Trainer Felix Magath„Ich habe ein reines Gewissen“ Interview mit Felix Magath auf spiegel-online vom 6. April 2000, abgerufen am 6. August 2010 und nur zwei Bundesliga-Toren in seiner Einstandssaison entwickelte er sich dort schrittweise zum Leistungsträger. 1999/2000 erzielte er zwölf Treffer, 2000/01 13, 2001/02 16, 2002/03 ebenfalls 16. 2003/04 wurde er mit 28 Toren Torschützenkönig der Bundesliga. In dieser Saison wurde er mit Werder Bremen Deutscher Meister und gewann zum zweiten Mal nach 1999 den DFB-Pokal, zu dessen Gewinn er ebenfalls als Torschützenkönig sechs Tore beisteuerte. Insgesamt erzielte er 88 Bundesligatore, davon 15 durch Elfmeter, gab 30 Torvorlagen und erzielte elf Tore im Pokal für Werder. Er stellte mit 37 PunktenBundesliga Scorer 2003/04 34. Spieltag. In: kicker.de. einen neuen zwischenzeitlichen Rekord in der seit der Saison 1995/96 geführten Scorer-Wertung auf. Zudem wurde er als erster ausländischer Spieler zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.Nach 18 Jahren – „Bedeutet mir alles“: Ailton kauft seine kicker-Torjägerkanone zurück. In: kicker.de, 28. Dezember 2025.
FC Schalke 04 (2004–2005) mini|Aílton beim FC Schalke 04
Zur Saison 2004/05 wechselte er ablösefrei zum FC Schalke 04 nach Gelsenkirchen. Dort konnte er mit 14 Toren in 29 Bundesligaspielen erneut eine starke Torquote vorweisen und stieg mit insgesamt nun 102 Treffern zum dritterfolgreichsten ausländischen Bundesligatorschützen hinter Giovane Élber und Stéphane Chapuisat auf. Außerdem ist er Schalkes „schnellster“ Bundesliga-Torschütze; er traf am 30. Oktober 2004 beim 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart nach 38 Sekunden. Aufgrund anhaltender Konflikte mit der Vereinsleitung des FC Schalke 04 stimmte diese einem vorzeitigen Vertragsende und einem Vereinswechsel gegen eine Ablösezahlung zu. Am Ende sicherte sich der türkische Spitzenklub Beşiktaş Istanbul für 3,5 Millionen Euro die Rechte an Aílton für die Saison 2005/06. Aílton wurde mit Schalke Vizemeister und erreichte das Pokalfinale 2005.
Zwischen Türkei, Deutschland, Serbien und der Schweiz (2005–2007) Im Juli 2005 begann Aíltons Arbeitsverhältnis bei Beşiktaş Istanbul. Dabei erzielte er u. a. im Oktober in der Gruppenphase des UEFA-Pokal 2005/06 gegen die Bolton Wanderers ein Tor. Im Dezember 2005 wurde Aílton für die weiteren Spiele aus dem Kader gestrichen, nachdem er zuvor einen Fluchtversuch in Richtung Brasilien unternommen hatte, aber von Beşiktaş-Manager Mehmet Eksi noch am Flughafen gestoppt werden konnte. Grund für die Flucht war, dass er nach einem Kreislaufkollaps nicht für die Startaufstellung berücksichtigt wurde. Weil er jedoch während der Winterpause keinen neuen Verein gefunden hatte – er wollte gerne wieder in die Bundesliga – kehrte er im Januar 2006 an den Bosporus zurück.
Eine Woche vor Schluss der Winter-Transferliste verpflichtete der Hamburger SV Aílton im Januar 2006 für eine geschätzte Leihsumme von 450.000 Euro bis zum 30. Juni 2006. Bei den Hamburgern verdiente er pro Monat 55.000 Euro netto, dazu bekam er pro Bundesligaspiel weitere 10.000 Euro netto. Die Hamburger sicherten sich zudem die Option, Aílton am 30. Juni 2006 für eine Summe von geschätzten 1,75 Mio. Euro zu kaufen. Der Verein entschied sich aber gegen die Option. Aílton zog sich am 8. Februar 2006 im Spiel gegen Hannover 96 einen Unterkieferbruch zu, kehrte jedoch bald ins Mannschaftstraining zurück und erzielte insgesamt drei Treffer für den HSV.
Aílton war nach der Rückkehr zu Beşiktaş Istanbul weiterhin aus dem Kader verbannt, musste aber zweimal täglich ein Einzeltraining absolvieren. Sein angestrebter Verbleib in der Bundesliga kam nicht zustande, so dass er zu Beginn der Saison 2006/07 für sechs Monate in die serbische Liga zu Roter Stern Belgrad wechselte. Belgrad zahlte eine Ablösesumme von 300.000 Euro.fussballportal.de: 31. August 2006, abgerufen am 4. Dezember 2009 Roter Stern gewann die serbische Meisterschaft der Saison 2006/07.
In der Winterpause der Saison 2006/07 konnte Aílton Roter Stern Belgrad verlassen. Der Grasshopper Club Zürich verpflichtete ihn auf Leihbasis (mit Kaufoption) bis zum Sommer 2007. Im ersten Spiel (gegen den FC Aarau) am 24. Februar 2007 gelang ihm gleich sein erstes Tor, das spielentscheidende zum 1:0-Sieg für GC. Insgesamt erzielte er in 13 Spielen neun Tore. Zürich verzichtete jedoch auf die Kaufoption.
Weltenbummler mit wechselnden Stationen (2007–2009) In der Sommerpause 2007 wechselte Aílton zum MSV Duisburg. Dafür wurden 100.000 Euro an Roter Stern Belgrad, bei dem Aílton formell unter Vertrag stand, gezahlt.welt.de vom 14. Juli 2007 abgerufen am 4. Dezember 2009. Sein einziges Bundesligator für den MSV, das 106. und letzte insgesamt, erzielte er beim 1:3-Heimspiel gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen und zog dabei mit Stéphane Chapuisat als kurzzeitig zweiterfolgreichster ausländischer Torschütze gleich; in der folgenden Saison wurde er von Claudio Pizarro von Werder Bremen überholt. Er wurde in der 65. Minute unter Standing Ovations der eigenen und sogar unter frenetischem Jubel und Sprechchören der gegnerischen Fans ausgewechselt, wobei sich Aílton nach seinem Tor bei den Werder-Fans entschuldigte. Am 4. Januar 2008 wurde er von Trainer Rudi Bommer suspendiert, weil er nicht zum Rückrunden-Trainingsbeginn erschienen war. Bereits am 25. Februar wurde der Vertrag aufgelöst.kicker.de: Aíltons Vertrag aufgelöst, 25. Februar 2008.
Als Nächstes unterschrieb er einen Zweijahresvertrag bei der ukrainischen Erstliga-Mannschaft von Metalurh Donezk. (russisch) Am 12. April 2008 erzielte Aílton dort beim 2:1-Sieg gegen Naftowyk-Ukrnafta Ochtyrka sein erstes Tor für den Verein.Spielergebnis bei kicker.de Nach nur zwei Ligaspielen wollte Aílton Donezk jedoch schon wieder verlassen, worum auch bald gestritten wurde: Donezk verlangte eine Ablöse, sollte Aílton den Vertrag vorzeitig auflösen; Aílton dagegen meinte, dass Donezk Vertragsinhalte nicht eingehalten habe. Letztlich einigte man sich darauf, dass Aílton auf Leihbasis einen neuen Verein suchen, Donezk aber die Transferrechte behalten dürfe.
Am 25. August 2008 unterschrieb Aílton einen Vertrag bis 2009 in der Österreichischen Bundesliga beim SCR Altach, der den Spieler von Donezk auslieh. Nach anfänglichen Turbulenzen – bei einem Interview sagte er, Altach sei „keine Profimannschaft“ – erzielte er am 5. Oktober bei einem 3:1-Auswärtssieg gegen LASK Linz das erste Tor für sein neues Team. Im Januar 2009 stieg er aus seinem Vertrag bei Altach aus und kehrte auch nicht mehr zu seinem Stammverein nach Donezk zurück. Zu diesem Zeitpunkt war Aílton aber nach eigenen Aussagen klar, dass er seine Karriere noch nicht beenden wolle.
Im März 2009 nahm der brasilianische Zweitligist Campinense Clube Aílton unter Vertrag. Der Vertrag lief bis Ende November 2009, wurde aber im Juli 2009 wieder aufgelöst.Abgerufen am 16. März 2009.
Im Sommer 2009 wechselte Aílton zu Chongqing Lifan in die chinesische Superliga. Dieser Verein war in den vergangenen fünf Jahren bereits seine zehnte und insgesamt seine siebzehnte Station. Damit spielte Aílton, exklusive seiner Heimatnation, in acht verschiedenen Ländern Profifußball. Ende Oktober 2009 endete hier sein Engagement.
Karriereausklang in unteren Ligen (2009–2013) Im Dezember 2009 wechselte Aílton zum Niederrheinligisten KFC Uerdingen 05, was von einigen zunächst als PR-Gag abgetan wurde. Dort erhielt er einen Vertrag bis 2011. Am 24. Februar 2010 debütierte er beim Ligaspiel gegen die zweite Mannschaft des Wuppertaler SV Borussia (1:1), als er nach 62 Minuten eingewechselt wurde, allerdings torlos blieb. Bei seinem achten Einsatz gegen den VfB Homberg schoss er sein erstes Tor.
In der Sommerpause 2010 kehrte Aílton zur Saison 2010/11 nach Bremen zurück, um für den dortigen Regionalligisten FC Oberneuland zu spielen. Dort wurde er von Mike Barten trainiert, der zu seiner Werderzeit noch ein Mannschaftskollege gewesen war. Das erste Pflichtspiel für seinen neuen Verein absolvierte Aílton am 14. August 2010 in der 1. Runde des DFB-Pokals. Er wurde in der 61. Minute eingewechselt, konnte die knappe 0:1-Niederlage gegen den Bundesligisten SC Freiburg jedoch nicht mehr verhindern. In seinem zweiten Ligaspiel am 27. August 2010 (3. Spieltag) erzielte er bei der 2:3-Niederlage gegen Holstein Kiel den ersten Saisontreffer. Ende Januar 2011 trennten sich die Wege von Aílton und dem FC Oberneuland wieder. Abgerufen am 9. Februar 2011. Zuvor hatte Aílton den Trainingsauftakt für die Rückrunde verpasst und erschien erst kurz vor Beginn der Rückrunde in Bremen. Als Grund für die Trennung gab Aílton an, dass er Heimweh nach Brasilien habe. Dementsprechend kehrte er im Februar 2011 nach Brasilien zurück und unterschrieb beim in der Staatsmeisterschaft von São Paulo vertretenen Verein Rio Branco Esporte Clube.
Finanziell sah Aílton einer ungewissen Zukunft entgegen, weil er mit den Einnahmen während seiner Karriere nicht auskam.Nach der Karriere sind sie Verlierer: Die „Pleite-Profis“ der Bundesliga
Im Juli 2012 absolvierte Aílton den medizinischen Check beim sechstklassigen rheinhessischen Verbandsligisten Hassia Bingen, allgemeine-zeitung.de, abgerufen am 20. Juli 2012. und unterschrieb am 26. Juli 2012 einen Einjahresvertrag mit Option auf Verlängerung. In seinem ersten Spiel für die Hassia am 11. August 2012 wurde er in der 68. Minute eingewechselt und erzielte beide Treffer zum 2:0-Endstand gegen die SpVgg Ingelheim. allgemeine-zeitung.de, abgerufen am 13. August 2012.Ailton über Werder, Hassia Bingen und Kaffee-Werbung: »Werder ohne Schaaf? Das geht doch gar nicht« Trotz seiner bis Saisonende erzielten 13 ToreAilton will in Bingen bleiben, Bericht auf weser-kurier.de vom 5. Juli 2013, abgerufen am 5. April 2023Ailton hält Hassia Bingen mit vier Toren im Rennen konnte er den Abstieg in die Landesliga nicht verhindern. Dennoch verlängerte er seinen Vertrag bei Hassia Bingen um ein weiteres Jahr. Es war das erste Mal seit seinem Abschied von Werder Bremen 2004, dass er einem Verein über eine Spielzeit hinaus treu blieb.