mini|XL 1200 C mini|883 Iron mini|V-Rod mini|XLCR 1000 Sportster Cafe Racer (1977–1978)

Harley-Davidson Inc., gegründet 1903 als Harley-Davidson Motor Co., ist ein börsennotiertes US-amerikanisches Unternehmen (NYSE: HOG) mit Sitz in Milwaukee, Wisconsin. Es ist für seine typischen Motorräder bekannt. Der Marke Harley-Davidson wurde in Motorradfahrer-Kreisen vielfach ein Kultstatus zugeschrieben.

Unternehmensstruktur + Besitzverhältnisse 2012 8,4 % Capital Research Global Investors 5,57 % The Vanguard Group, Inc. 86,3 % Streubesitz

President und Chief Executive Officer der Harley-Davidson, Inc. war bis Ende Februar 2020 Matthew Levatich. Die Außendarstellung des Unternehmens nehmen häufig der Senior Vice President und (bis 2012) Chief Styling Officer Willie G. Davidson sowie der Vice President of Core Customer Marketing William „Bill“ Davidson vor.

Marken und Geschäftsfelder links|mini|Harley-Davidson Store in Deutschland

Harley-Davidson, Inc. ist gegenwärtig auf zwei Geschäftsfeldern aktiv. Die Harley-Davidson Motor Company produziert und vermarktet Motorräder der Marke Harley-Davidson sowie Ersatzteile, Zubehör (Custom Parts), Bekleidung und Merchandising-Artikel. Das Tochterunternehmen Harley-Davidson Financial Services, Inc. stellt Finanzdienstleistungen für Groß- und Einzelhändler, Versicherungsdienstleistungen für Händler und Motorradfahrer sowie allgemeine Finanzprodukte bereit. Ferner hält es die Rechte an den Marken Buell und MotorClothes.

Fabrikstandorte Die Produktionsstätten für Harley-Davidson-Motorräder in den USA in den 2020er Jahren sind: York (Pennsylvania), Endfertigung der Modellreihen Touring und Softail sowie von Sondermodellen und Trikes harley-davidson.com Kansas City (Missouri), Endfertigung der Modellreihen Sportster, Dyna und der Modelle der VRSC-Familie sowie Produktion deren Antriebsstränge harley-davidson.com Menomonee Falls (Wisconsin), Produktion der Motoren und Getriebe harley-davidson.com Zusätzlich unterhält Harley-Davidson Fabriken in Brasilien und Indien für den lokalen Markt.

Die Buell Motorcycle Company produzierte die Motorräder der Marke Buell, Teile und Zubehör und vermarktete eine eigene Bekleidungs- und Merchandising-Linie. Seit Ende 2009 ist die Produktion von Buell-Motorrädern eingestellt.

Während im amerikanischen Markt der Marktanteil von Harley-Davidson bei schweren Motorrädern (über 651 cm³) bei 57,2 % liegt, erreicht der Marktanteil in Europa in diesem Segment 13,3 %. Harley-Davidson verkaufte weltweit 247.625 Motorräder, der stärkste Markt sind nach wie vor die USA mit 160.477 verkauften Einheiten (Stand 2012). Abgerufen am 2. April 2013.

Markenstrategie mini|Harley-Kult zwischen Retro-Kitsch, Drag Style und Hog-Chop-Art links|mini|hochkant|Ein Mitglied der Hells Angels auf einer Harley

Statt in den 1980er Jahren mit den Japanern auf dem Gebiet technologischer Fortschritte zu konkurrieren, stellte Harley-Davidson mit seiner neuen Werbestrategie in erster Linie den Charakter und den Erlebniswert der Produkte in den Vordergrund. Aus psychologischer Sicht wurden der Mythos des amerikanischen Traums von Freiheit und Abenteuer und die Zugehörigkeit zur großen Harley-Davidson-Familie,Seit 1916 verlegt Harley-Davidson ein eigenes Magazin für Harley-Davidson-Fahrer, The Enthusiast. auch durch die Gründung der Harley Owners Group (HOG) 1983, angestrebt. Zur Strategie zählt die Produktausweitung auf Motorrad- und Freizeitkleidung, Wohn- und Geschenkartikel classic-leather.com; abgerufen am 30. März 2013. und vor allem der Individualismus der Marke, die gezielt durch das Customizing angesprochen wird.

mini|Wladimir Putin mit russischer OMCG auf HD-Tri Glide

Problematisch war und ist die Abgrenzung zu Rockergruppen wie Hells Angels und anderen Outlaw Motorcycle Gangs, die zu ihrer Identität und Mitgliedschaft mehr oder weniger Harley-Davidson-Motorräder vorschreiben.Chris Denove, James Power: Satisfaction, How Every Great Company Listens to the Voice of the Customer. Portfolio Trade, 2007, ISBN 978-1-59184-164-7, S. 195, 196.

Harley-Davidson wurde, gerade weil der Hersteller Retro-Motorräder mit der Technik der 1940er Jahre anbietet, endgültig zur Kultmarke und positioniert seine Produkte im (preislichen) Premium-Sektor. Für Harley-Käufer, deren Durchschnittsalter bei 47 Jahren (2006) liegt, sind es nicht einfach nur Motorräder, sondern „Kunstwerke“ beziehungsweise nostalgischer Warenfetisch.Glen Rifkin: How Harley Davidson Revs Its Brand. strategy-business.com; abgerufen am 30. März 2013.Harley Just Keeps On Cruisin. businessweek.com; abgerufen am 30. März 2013. Für Harley-Davidson-Kritiker wird schon durch die Masse mancher Modelle die Marke als „ineffizientes Relikt“ einer vergangenen Zeit bewertet, dessen Bestätigung durch Rückrufaktionen erfolgt.Gigantischer Rückruf bei Harley-Davidson. focus.de; abgerufen am 30. März 2013.

Geschichte

Überblick

William S. Harley war ab 1896 bei der Meiselbach Bicycle Factory in North Milwaukee tätig. Von 1901 bis 1903 arbeitete er mit Arthur Davidson bei der Pawling & Harnischfeger in Milwaukee, einem Elektromotoren-Hersteller, Harley als Technischer Zeichner und Davidson als Modellbauer. Als einschneidendes Erlebnis für Harley und Davidson wird vor allem der Auftritt der Schauspielerin Anna Held im Jahr 1901 genannt. Sie fuhr mit einem De-Dion-Bouton-Motordreirad durch die Straßen von Milwaukee.

Von 1901 an benutzten Harley und Davidson für ihre ersten Versuche Räumlichkeiten von Henry Melk, einem Eisenwarenhändler. 1903 bezogen sie ihre erste eigene Werkstatt, einen kleinen Schuppen hinter dem Haus der Familie Davidson in Milwaukee.Ecke 38th Str. Highland Avenue, „Schuppen“. Abgerufen am 17. März 2013. Die Räumlichkeiten wurden knapp und die beiden Tüftler benötigten mehr Platz. Hilfe kam von Ole Evinrude. Diese geschäftlichen Verbindungen bestanden bis 1904. Später schlossen sich die Brüder William und Walter Davidson den beiden an.

mini|links|Harley-Davidson (1903) – das erste Motorrad von Bill Harley und Arthur Davidson (nach Stephen Wright)

Gründung mini|William, Walter und Arthur Davidson, W. Harley (von links nach rechts) mini|Harley-Davidson-Fabrikhalle, 1911

Am 17. September 1907 wurde bei einem Notar die Harley-Davidson Motor Company of Milwaukee gegründet. Die Aufgabenverteilung war klar geregelt. Präsident wurde Walter Davidson, Sekretär und Verkaufsmanager Arthur Davidson, William Harley wurde Chefingenieur, William Davidson Vizepräsident und Produktionsleiter. Die Geschäftsanteile wurden bei einem Einlagevermögen von 14.200 US-Dollar folgendermaßen aufgeteilt: Walter Davidson: 50 Anteile, Arthur Davidson: 47 Anteile, William A. Davidson: 40 Anteile und William S. Harley: 5 Anteile.Wolfgang Wiesner: Harley Davidson. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-613-01097-6, S. 24. Begründet wurde dies vom Unternehmen damit, dass Walter Davidson eine Familie zu ernähren hatte, während William Harley studierte.

mini|Walter Davidson mit Modell 4 (1908)

1908 gewann Walter Davidson ein Verbrauchsrennen in der Hubraumklasse bis 30,5 ci über 50 Meilen, bei dem er mit dem Modell 4 (1908) „ein Quart und eine Fluid ounce“ (etwa 0,95 Liter) an Kraftstoff benötigte – dies entspricht einem Gesamtverbrauch von etwa 1,2 Litern auf 100 Kilometer. Der Erfolg von Walter Davidson (durch „Eile mit Weile“) wurde in ganzseitigen Anzeigen angepriesen. Daraufhin folgten erste Aufträge für die Lieferung von Motorrädern für Polizei und die Bell Telephone Company. Die Firma beschäftigte 18 Mitarbeiter,Rafferty, S. 14. zwei Jahre später waren es bereits 149.Rafferty, S. 18. Im selben Jahr wurde ein größeres Anwesen an der Chestnut Street für die Produktion bezogen. Abgerufen am 9. Mai 2013.

1912 wurde das neue Gebäude an der Juneau Avenue in Milwaukee bezogen. Abgerufen am 17. März 2013.

Krisen

1960er Jahre Ende der 1950er Jahre waren die US-amerikanischen Modelle von Harley-Davidson nicht auf der Höhe der Zeit, was sich in zahlreichen Tests der Fachpresse niederschlug. Der bis 1965 gebaute Panhead-Motor war ein für damalige Verhältnisse simpler OHV-Motor mit 2 Ventilen pro Zylinder. Die Leistung von 55 PS aus 1200 cm³ war mit einer Literleistung von 45,83 PS/L nicht zeitgemäß. Die Verkaufszahlen sanken. Um überleben zu können, wurde Harley-Davidson 1965 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, um dem Unternehmen frisches Kapital zum weiteren Bestehen zu verschaffen. Die Aktienmehrheit blieb im Besitz der Familie Davidson. 1966 war jedoch das Börsenkapital aufgebraucht, während die italienischen Werke nur Verluste erwirtschafteten. Auch konnten ihre veralteten Zweitakter gegen die etablierte europäische und die erblühende japanische Konkurrenz nicht bestehen. Der vorläufige Tiefpunkt war 1968 mit 26.748 gebauten und nur 15.475 verkauften Motorrädern erreicht.

AMF-Debakel (1969–1981) Rettung in der Not versprach der Mischkonzern AMF (American Machine and Foundry) im Januar 1969. Auch unter deren Ägide blieb William H. Davidson zunächst bis 30. September 1973 geschäftsführender Präsident. Ihm folgten bis 1981 fünf Manager, denen es infolge ihrer mangelnden Branchenkenntnis trotz erheblicher Investitionen nicht gelang, Harley-Davidson dauerhaft in die Gewinnzone zu führen.Wolfgang Wiesner: Harley Davidson. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-613-01097-6, S. 156. Vor diesem Hintergrund wurden die 1960 erworbenen Anteile an den italienischen Werken 1978 an Cagiva verkauft. Dies geschah nicht zuletzt aus Gründen der Imagepflege, denn seit den 1970er Jahren war die Chopper-Bauform eine gewinnbringende Modeerscheinung im Motorradbau. Auch wenn die japanische Konkurrenz ebenfalls Chopper in ihr Programm aufnahm, so galt Harley-Davidson als deren Ursprung. Kleine Modelle mit Zweitaktmotor passten nicht ins Bild. Die Belegschaft wurde angesichts fragwürdiger Entscheidungen der durch AMF eingesetzten Geschäftsleitung, insbesondere im Hinblick auf die Modellpolitik, zunehmend unzufriedener. In der Folge sank die Produktqualität; es kam zuerst zu Bummelstreiks, danach zu ausgedehnten Arbeitsniederlegungen. AMF drohte im Gegenzug mit der Schließung.

1980er Jahre