Treisbach ist ein Dorf und als solches ein Ortsteil der Stadt Wetter (Hessen) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt in der Wetschaft-Senke in unmittelbarer westlicher Nachbarschaft zu den Sackpfeifen-Vorhöhen am gleichnamigen Fluss Treisbach.
Geschichte mini|hochkant|Evangelische Kirche
Ortsgeschichte Das Dorf Treisbach entstand vermutlich in der sogenannten 2. Siedlungsperiode vor der 1. Jahrtausendwende. Es lag unmittelbar nordöstlich der Burg Hollende, von der in dieser Zeit das Grafengeschlecht der Gisonen weite Teile des Oberlahngaues beherrschte und die Vogtei über das Königsstift Wetter innehatte. Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des Dorfes Treisbach erfolgte im Jahr 1250 unter dem Namen Dreysbach in einer Urkunde des Klosters Haina.
Ältestes erhaltenes Gebäude ist die evangelische Kirche, seinerzeit der heiligen Barbara geweiht, ein markanter einschiffiger gotischer Bau mit Kreuzgewölben und reicher Innenausstattung.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Treisbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Wetter eingegliedert. Für den Ortsteil Treisbach, wie für alle Ortsteile von Wetter, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Treisbach angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Wetter ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt WetterDie Zugehörigkeit des Amtes Wetter anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Wetter ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wetter ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wetter 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Wetter ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Wetter ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Justizamt Wetter) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg, Stadt Wetter ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Wetter ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Wetter
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Treisbach zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094).Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (). Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde das Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch diese Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Treisbach 609 Einwohner. Darunter waren 9 (1,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 99 Einwohner unter 18 Jahren, 249 zwischen 18 und 49, 132 zwischen 50 und 64 und 129 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 219 Haushalten. Davon waren 42 Singlehaushalte, 60 Paare ohne Kinder und 96 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 132 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 29 Männer • 1577: 57 Hausgesesse • 1580: 27 Ackerleute, 25 Einläuftige • 1630: 50 Hausgesesse (14 zweispännige, 12 einspännige Ackerleute, 25 Einläuftige) • 1681: 42 hausgesessene Mannschaften • 1747: 66 Haushalte • 1820: 77 Häuser, 498 Einwohner • 1838: Familien: 63 nutzungsberechtigte, 17 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 6 Beisassen
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch • 1885: 555 (= 100 %) evangelische Einwohner • 1961: 630 (= 96,92 %) evangelische, 11 (= 1,69 %) römisch-katholische Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1782: Erwerbspersonen: 6 Schmiede, drei Wagner, zwei Schreiner, ein Küfer, drei Schneider, zwei Müller, drei Pottaschensieder, 27 Leineweber, ein Wirt, 6 Tagelöhner. • 1838: Familien: 68 Ackerbau, 6 Gewerbe, 12 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 249 Land- und Forstwirtschaft, 87 Produzierendes Gewerbe, 20 Handel und Verkehr, 13 Dienstleistungen und Sonstiges.
Religion In Treisbach bestehen zwei Kirchengemeinden mit eigenen Kirchengebäuden.
Landeskirche Die Evangelische Kirche Treisbach stammt aus dem 13. Jahrhundert. Seit 2025 gehören die Gemeindeglieder gemeinsam mit denen der Orte Münchhausen, Niederasphe, Simtshausen und Wollmar zur Evangelischen Kirchengemeinde Christenberg-Hollende. Diese gehört zum Kirchenkreis Kirchhain und Sprengel Marburg der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Derzeitiger Pfarrer ist seit 2022 Konrad Draude.
Selbständige Ev.-Luth. Kirche (SELK) Die Evangelisch-Lutherische Kirche Treisbach wurde 1891 aus Bruchsteinen errichtet. Die altlutherische Gemeinde war entstanden, als sich Anfang der 1870er Jahre Treisbacher und Niederaspher Familien von der Landeskirche lösten, weil in dieser seit der preußischen Annexion Kurhessens 1866 Tendenzen zum Unionismus und Rationalismus immer deutlicher wurden. 1873 wurde das lutherische Konsistorium zu Marburg aufgelöst und mit dem reformierten zu Kassel vereinigt. Die von oben oktroyierte Aufweichung des Luthertums äußerte sich auch in einer veränderten Abendmahlsliturgie, die bei traditionellen Lutheranern auf Ablehnung stieß. Die Treisbacher und Niederaspher wandten sich an Pfarrer Theodor Groß, mit dem sie im August 1874 in die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche aufgenommen wurden.Hans Mahlke: Geschichte der Selbständigen Evang. Lutherischen Gemeinde Warzenbach. In: Festschrift zum hundertjährigen Kirchweihjubiläum der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Warzenbach am 4. Mai 1997, Warzenbach 1997, S. 14–20. Heute gehört die Gemeinde zum Pfarrbezirk Marburg-Treisbach-Warzenbach der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Derzeitiger Pfarrer ist seit 2009 Manfred Holst.
Politik Für Treisbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Treisbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat für den Ortsbezirk Wetter besteht aus fünf Mitgliedern. Die Wahlbeteiligung zur Wahl des Ortsbeirats bei der Kommunalwahl 2021 betrug 22,20 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste“ an. Der Ortsbeirat wählte Andreas Garthe zum Ortsvorsteher.
Wappen
Das Wappen wurde in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Staatsarchiv Marburg und dem Ortsbeirat Treisbach von Hermann Dersch aus Treisbach entworfen.Das Treisbacher Wappen auf www.wetter-hessen.de
Kultur In Treisbach sind Musikvereine, Sportvereine, ein Taubenverein, Freiwillige Feuerwehr sowie eine Burschenschaft ansässig. An der Straße Am Bergacker finden sich seit 2021 in einem so genannten Kunstweg verschiedene Skulpturen des ortsansässigen Künstlers Stephan Jürgens-Jahnert.Marburg Stadt und Land Tourismus: Kunstweg Treisbach, abgerufen am 19. April 2021.
Treisbach besitzt zwei Kirchengemeinden: Die Evangelische Kirchengemeinde Treisbach und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Treisbach. Sie machen Treisbach zu einem Ort, in dem gerade die evangelische Religion sehr gepflegt wird. mini|Wappen in der Kugelkirche Marburg. Rechts das der Elisabeth von Treisbach mit Hirschkopf
Literatur
Weblinks
Stadtteil Treisbach In: Webauftritt der Stadt Wetter.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974 Kategorie:Geographie (Wetter (Hessen))