mini|hochkant=1.2|Luitpold-Leusser-Platz mit Kurhaus
Bad Wörishofen (bis 1920: Wörishofen) ist ein Kneippkurort und mit rund 17.000 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2024) die größte Stadt im schwäbischen Landkreis Unterallgäu sowie eine von 13 leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern. Sebastian Kneipp wirkte im 19. Jahrhundert in Bad Wörishofen als Pfarrer und verbreitete von hier aus seine naturheilkundlich erlangten Erkenntnisse von der heilenden Kraft des Wassers, der Grundlage der Kneipp-Kur.
Geografie Lage innerhalb Bayerns Die Stadt liegt in der Region Donau-Iller in Mittelschwaben, etwa 80 Kilometer westlich von München und 35 Kilometer östlich von Memmingen am Wörthbach, einem Nebenflüsschen der Mindel.
Ausdehnung des Stadtgebietes mini|hochkant=1.2|Gemeindeteil Kirchdorf Es gibt 12 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Auf dem Gemeindegebiet befanden sich folgende Orte, die mittlerweile allesamt zu Wüstungen geworden sind:
Geschichte Frühgeschichte und Antike Im Ortsgebiet gefundene Basaltwerkzeuge sowie 1959 in Hartenthal gefundene Steinwerkzeuge aus Jurahornstein belegen eine Besiedelung des Gebietes bis zurück in die Mittelsteinzeit – entsprechende Funde gibt es aus dem ganzen südlichen Schwaben. Weitere Funde zwischen Stockheim und Bad Wörishofen umfassen ein jungsteinzeitliches Steinbeil sowie Gräberfelder der Hallstattzeit am sogenannten Jaudesbühel bei Bad Wörishofen. Funde aus keltischer Zeit sind nicht belegt; aus römischer Zeit sind es zwei Münzfunde sowie die Grundmauern eines römischen Wachturms bei Schlingen.
Mittelalter Ortsnamen wie Irsingen und Schlingen belegen, dass das Gebiet Ende des 5. Jahrhunderts von den Alemannen in Besitz genommen und besiedelt wurde. In Schlingen wurden aus dieser Zeit Reihengräber mit gut erhaltenen Skeletten und Beigaben gefunden. Der Ort ist im Juni 1067 als Herrschaft „Werenshova“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet „beim Hof oder den Höfen des Werin“. Er könnte die erste Nennung des Edelgeschlechts der Werinhere, spätere Grafen von Schwabegg, sein. Zu dieser Zeit gehörte der einst freie Ort schon zum Bistum Augsburg. 1243 vermachte Christina von Fronhofen den Ort dem Dominikanerorden mit Auflage, ihn zu einer Klostergründung zu verwenden. Die Dominikaner gaben den Ort an das eben gegründete Augsburger Kloster St. Katharina, als dessen Stifterin Christina verehrt wird. Das Kloster kaufte im Lauf der folgenden Jahrzehnte weitere Besitzungen der Gegend und richtete im 15. Jahrhundert ein Amt ein, dessen Ammann damit auch Richter der Herrschaft Wörishofen wurde. Zum Klosteramt gehörten die Weiler Schmiechen, Ober- und Untergammenried sowie Hartenthal und das um 1450 gegründete Schöneschach.
Neuzeit Auf päpstliche Anordnung zur Einhaltung der Ordensregeln ließen die Augsburger Dominikanerinnen von 1719 bis 1721 unter Leitung des Baumeisters Franz Beer das Kloster Wörishofen als Tochterkloster erbauen. 1723 wurde diesem die Herrschaft Wörishofen zunächst übertragen, aber 1725 gingen die Einkünfte aus hoher und niederer Gerichtsbarkeit, Wald und Einzug der Steuergelder wieder nach Augsburg. 1773 gingen die Rechte gegen ein jährliches Bestandsgeld wieder an das Kloster Wörishofen.
Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster am 29. November 1802 aufgehoben. 1804 wurden Wörishofen und seine fünf Weiler in das Landgericht Türkheim eingegliedert und 1808 bis 1818 die Gemeinde Wörishofen gebildet. Die zum Kloster gehörigen Liegenschaften wurden vom Staat verkauft. Das ehemalige Amtshaus im Schlößl kaufte die Gemeinde und riss es 1829 zugunsten eines Schulhauses ab.
20. und 21. Jahrhundert mini|hochkant=0.8|Brunnen am Kurpark, Pfarrer Sebastian Kneipp zum 76. Geburtstag gewidmet
mini|Therme Bad Wörishofen, Luftaufnahme 2009 Das gemächliche Leben im Ort änderte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Schon bevor Sebastian Kneipp im Jahr 1881 Pfarrer von St. Justina wurde, stellten sich Kurgäste in Wörishofen ein. 1886 erschien Kneipps Buch Meine Wasserkur und begründete einen zunehmenden Zustrom von Kurgästen. Um 1889 begann der reguläre Kurbetrieb unter der Leitung von Pfarrer Sebastian Kneipp. Er war am 2. Mai 1855 als Beichtvater für das Dominikanerinnenkloster hierhergekommen. Seine Therapie, mit Wasser allerlei Leiden zu lindern, zog Reiche und Gesundheitsbewusste in das Dorf, die Heilung suchten. Wörishofen zählte 1886 183 Häuser mit 1030 Einwohnern. Zwischen 1891 und 1896 entstanden in einem Bauboom über 120 neue Gebäude, vor allem Hotels und Pensionen. Anfang der 1890er Jahre wurde eine neue Wasserleitung gebaut, 1895 ein neuer Friedhof angelegt. 1896 wurde die Bahnstrecke Türkheim–Bad Wörishofen in Betrieb genommen. 1905 wurde an der Stelle des abgebrannten Museum artis ein Spielcasino errichtet, das 1906 eröffnet wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg zählte Wörishofen bereits über 10.000 Kurgäste pro Jahr.
Der Kurbetrieb ging während des Ersten Weltkriegs stark zurück, die Hotels und Kurkliniken wurden als Lazarette genutzt. Die Gästezahlen stiegen aber ab 1918 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wieder Jahr für Jahr an.
Am 6. März 1920 erhielt Wörishofen das Prädikat Bad.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kurort abermals zum Lazarettstandort. Nach dem Krieg gehörte Bad Wörishofen zur Amerikanischen Besatzungszone und wurde ein Schwerpunkt der Aufnahme von Flüchtlingen. Die amerikanische Militärverwaltung richtete zur Unterbringung von „Displaced Persons“ (DP) ein DP-Lager ein. Die meisten von ihnen stammten aus Litauen. Das Lager wurde von der UNRRA betreut und hatte sein eigenes von der UNRRA herausgegebenes Zahlungsmittel. Daneben wurden der Stadt aufgrund der vielen Gästebetten viele Kriegsflüchtlinge zugewiesen. In der Nachkriegszeit beherbergte die Stadt 5036 Einwohner und 5231 Flüchtlinge.
Im Jahr 1949 folgte die Erhebung zur Stadt. Mit dem Freiwerden der Hotels und Pensionen stieg auch der Kurbetrieb in der Stadt wieder an und bescherte der Stadt einen erneuten Bauboom. Am Eichwald entstand das Sanatorium Eichwald, eine von dem Arzt Wilhelm Weiss betriebene Krankenanstalt für Ruhe- und Erholungsuchende.Deutsche Heilbäder und Kurorte. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXXVIII. Gäste- und Übernachtungszahlen steigerten sich von 1955 mit 39.000 Gästen und 719.000 Übernachtungen auf 69.000 Gäste und 1,44 Millionen Übernachtungen im Jahr 1975.Landkreis Unterallgäu, Mindelheim 1987, Band 1
Von den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen, unter anderem mit Einschränkungen von Kuren, in den 1990er Jahren blieb die Stadt nicht verschont. Die jährlich bis zu 1,5 Millionen Übernachtungen sackten im Jahr 2003 auf die Zahl von 800.000 ab. Viele Kurbetriebe und Pensionen mussten schließen.
Von Teilen der Bevölkerung kritisch verfolgt wurden Pläne zum Bau eines Thermalbades an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Man befürchtete eine Verwässerung der inzwischen von den Einheimischen längst geschätzten Kneippschen Lehre. Unterdessen ist die im Mai 2004 eröffnete Therme Bad Wörishofen mit Südsee-Flair und Saunawelt ein Anziehungspunkt Bad Wörishofens geworden.Das Wasser als Zauberformel (= Unsere Städte. Nr. 11). In: Augsburger Allgemeine, 15. April 2006.
Eingemeindungen Mit der Ernennung zur Stadt im Jahr 1949 wurden die Gemeindeteile Hartenthal, Oberes und Unteres Hart, Ober- und Untergammenried und Schöneschach eingemeindet. Am 1. Juli 1972 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die Gemeinde Schlingen eingegliedert. Am 1. Januar 1977 kam Kirchdorf hinzu. Dorschhausen und Stockheim folgten am 1. Mai 1978. Bad Wörishofen ist damit die einwohnerstärkste Gemeinde im Landkreis Unterallgäu.
Einwohnerentwicklung Bad Wörishofen wuchs von 1988 bis 2008 um 1.626 Einwohner bzw. um ca. 13 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 12.312 auf 15.963 um 3.651 Einwohner bzw. um 29,7 %.
Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche (Stand: 1978).
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1988 1991 1995 2000 2005 2010 2015 20202024 Einwohner 2.205 3.997 6.030 9.514 9.641 11.327 12.195 12.312 13.115 13.592 13.511 13.956 14.105 15.446 16.32716.933
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren von den Einwohnern 60,1 % römisch-katholisch, 14,7 % der Einwohner evangelisch und 25,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten dazu keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken.Bad Wörishofen Einwohnerstatistik abgerufen am 24. April 2022 Ende 2025 waren von den 18.312 Einwohnern 40,1 % (7.334) katholisch, 8,5 % evangelisch und 51,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Bad Wörishofen Einwohnerstatistik abgerufen am 15. Februar 2025BEVÖLKERUNGSZAHLEN DER KNEIPPSTADT
Politik Stadtrat + Ergebnisse der Stadtratswahlen Partei / Liste Wahl 2026Stadt Bad Wörishofen: Ergebnis Stadtratswahl 8. März 2026, abgerufen am 27. Juni 2026 Wahl 2020Stadt Bad Wörishofen: Ergebnis Stadtratswahl 15. März 2020, abgerufen am 1. Dezember 2021 Wahl 2014Stadt Bad Wörishofen: Ergebnis Stadtratswahl 16. März 2014, abgerufen am 16. April 2014 Wahl 2008Stadt Bad Wörishofen: Ergebnis Stadtratswahl 2. März 2008 Wahl 2002Stadt Bad Wörishofen: Ergebnis Stadtratswahl 3. März 2002, abgerufen am 16. April 2014Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze CSU 36,3 % 9 32,27 % 8 42,10 % 10 55,45 % 14 59,82 % 15 SPD 7,4 % 2 6,13 % 1 13,13 % 3 13,10 % 3 15,43 % 4 GRÜNE 14,0 % 3 14,75 % 4 13,37 % 3 10,00 % 2 6,96 % 1 FWV 22,5 % 5 22,91 % 5 28,78 % 7 17,37 % 4 17,79 % 4 FDP – – 2,10 % 1 2,63 % 1 4,07 % 1 – – Generation Fortschritt – – 17,25 % 4 – – – – – – ÖDP – – 4,59 % 1 – – – – – – BWB 6,5 % 2 AfD13,3 % 3 Gesamt 100 % 24 100 % 24 100 % 24 100 % 24 100 % 24 Wahlbeteiligung 57,4 % 52,92 % 52,77 % 50,83 % 55,43 %
Bürgermeister Amtierender Erster Bürgermeister von Bad Wörishofen ist seit dem 1. Mai 2026 der parteilose Daniel Pflügl. Er hatte sich bei der Bürgermeisterwahl am 8. März 2026 als gemeinsamer Kandidat von CSU, Grünen und SPD mit einem Stimmanteil von 62,3 Prozent gegen den bisherigen Ersten Bürgermeister Stefan Welzel sowie gegen den ehemaligen Ersten Bürgermeister Paul Gruschka (Freie Wähler) durchgesetzt. Welzel war seit 2020 im Amt gewesen und ursprünglich Mitglied der CSU, verließ diese jedoch kurz vor den Kommunalwahlen 2026 und wechselte zur BWB Bad Wörishofen über.
Bisherige Bürgermeister von Bad Wörishofen waren: 1952–1977: Anton Ledermann (CSU) 1977–1996: Ulrich Möckel (CSU) 1996–2002: Erwin Singer 2002–2013: Klaus Holetschek (CSU) 2014–2020: Paul Gruschka (Freie Wähler) 2020–2026: Stefan Welzel (bis 2025 CSU, danach BWB Bad Wörishofen)
Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-blau gestreift mit aufgelegtem Stadtwappen.
Städtepartnerschaften Bad Wörishofen unterhält zwei internationale Verbindungen: in Kärnten, Österreich, seit 1966 („Kontakt“) , Hauptstadt der Föderationsrepublik Tschuwaschien, Russland, seit 2009 (Partnerschaft)
Kultur, Religion und Sehenswürdigkeiten Der städtische Kurpark enthält eines der größten Rosarien Deutschlands mit über 8000 Rosenstöcken und mehr als 530 Sorten. In der Stadt gibt es zahlreiche Bauwerke, die in der Geschichte Pfarrer Kneipps eine wichtige Rolle spielen, etwa sein erstes, ursprünglich zur Unterbringung hilfesuchender Geistlicher 1889 gegründetesBernhard Uehleke: Workshop „Geschichte der Naturheilverfahren“ aus Anlaß des 100jährigen Bestehens des KneippÄrztebundes am 22./23. Oktober 1994 in Bad Wörishofen. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 558–562; hier: S. 562. Kurhaus Sebastianeum, erbaut 1890–1891. Dort ist heute noch sein Sprechzimmer zu besichtigen, wie es damals war. Mit der Therme Bad Wörishofen ist Bad Wörishofen das östliche Ende der Schwäbischen Bäderstraße.
Museen