Niederbrechen ist Verwaltungssitz sowie nach Einwohnerzahl größter der drei Ortsteile der Gemeinde Brechen im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.
Geographische Lage Der Ort liegt im Tal des Emsbachs und an der Bundesstraße 8 sowie der Main-Lahn-Bahn. Westlich des Ortsrands mündet der Wörsbach in den Emsbach. Niederbrechen selbst liegt auf 140 bis 210 Metern Höhe. Im nordwestlichen Gemarkungsteil werden in der nur leicht hügeligen Landschaft bis zu 232 Meter erreicht. Südlich des Orts verlaufen die Bundesautobahn 3 und die ICE-Strecke Frankfurt-Köln. Die Gemarkung weist nur kleinere Waldstücke und vor allem landwirtschaftliche Nutzfläche auf. Westlich und südwestlich des Orts befinden sich größere Kiesgruben, die teilweise bereits ausgebeutet und stillgelegt sind.
Die Niederbrechener Gemarkung grenzt im Nordwesten an Lindenholzhausen. Im Uhrzeigersinn folgen Villmar, Weyer, Oberbrechen, Werschau, Nauheim und Mensfelden.
Geschichte mini|hochkant|Gefangenenturm
Ortsgeschichte Ein in der Nähe von Niederbrechen entdecktes Reihengräberfeld deutet auf eine bereits in der Merowingerzeit bestehende Besiedlung hin. In der ältesten bekannten urkundlichen Erwähnung des Orts in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch aus dem Jahr 772 ist von „Brachina“ die Rede, ohne Unterscheidung zwischen Ober- und Niederbrechen. Auf 1023 datiert die erste Benennung, die sich klar als Niederbrechen identifizieren lässt, damals unter der Bezeichnung „Burg Brechen“. Am 15. Januar 1363 erhielt Niederbrechen von Kaiser Karl IV. Stadtrechte, die es jedoch Mitte des 16. Jahrhunderts wieder verlor.Inhaltsangabe zu Christoph Waldecker: 1363. Verleihung der Stadtrechte an Niederbrechen. Schriftenreihe Gemeindearchiv Brechen, Heft 11, 2014, abgerufen am 10. November 2024.Abschrift der Verleihungsurkunde, OnlineChronikBrechen, Arbeitskreis Historisches Brechen, abgerufen am 10. November 2024. In den Jahren 1367 bis 1379 entstand eine Stadtmauer mit vorgelagertem Graben. In kleinen, meist in Wohnhäusern eingebauten Resten ist die Mauer bis heute erhalten. Als letzter von einst sieben Türmen steht noch der Gefangenenturm.
Die ersten Anordnungen der Verhütung eines Brandes im Zusammenhang mit häuslichen Feuerstätten in Textform im Kurfürstentum Trier vom 9. Mai 1721 führten auch in Niederbrechen zu erheblichen Verbesserungen der Bauweise der Gebäude.
Am 30. April 1872 brannten rund 80 Häuser und damit etwa die Hälfte des Orts ab.
Die heutige, dem Heiligen Maximin geweihte Pfarrkirche wurde von 1899 bis 1901 erbaut, wobei Reste der alten Kirche in den Bau einbezogen wurden. 1952 wurde der Kirchturm erneuert. Die Katholiken von Niederbrechen pilgern seit vielen Jahrzehnten zur Wallfahrtskapelle Maria Hilf Beselich und geben dort ihren Glauben kund.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 fusionierten die bis dahin selbstständigen Gemeinden Niederbrechen und Werschau im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Gemeinde Brechen. Oberbrechen kam am 1. April 1974 kraft Landesgesetz hinzu. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Niederbrechen angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Trier, Unteres Erzstift, Amt Limburg, Gericht Niederbrechen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Weilburg, Amt Limburg ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Limburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt LimburgAbtrennung der Justiz (Justizamt Limburg) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Limburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, UnterlahnkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Limburg a. d. Lahn) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Unterlahnkreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Limburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Limburg ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Limburg, Gemeinde Brechen ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Brechen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg, Gemeinde Brechen
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Niederbrechen 3867 Einwohner. Darunter waren 162 (4,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 705 Einwohner unter 18 Jahren, 1729 zwischen 18 und 49, 753 zwischen 50 und 64 und 780 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1575 Haushalten. Davon waren 432 Singlehaushalte, 465 Paare ohne Kinder und 540 Paare mit Kindern, sowie 114 Alleinerziehende und 21 Wohngemeinschaften. In 354 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1050 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 23 evangelische (= 1,49 %), 1524 katholische (= 98,51 %) Einwohner • 1961: 150 evangelische (= 4,54 %) und 3141 (= 95,04 %) katholische Einwohner
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Vereine Auf Ortsebene bestehen folgende Vereine: Brieftaubenverein Luftpost 1863, Brieftaubenverein Taunusbote, Computer-Club Commodore, DLRG-Ortsgruppe Brechen/Runkel/Vilmar, DRK-Ortsverein, Förderverein der Schule Niederbrechen, Freiwillige Feuerwehr (gegründet 1897, seit 1947 mit ihrem Blasorchester), Freundeskreis Berger Kirche, Fußballclub Alemannia 1911, Gebrauchshunde-Verein, Geflügel- und Vogelzuchtverein 1929, Gewerbeverein Brechen, Jazz-Club Brechen, KAB-Ortsverein St. Josef, Kath. Frauengemeinschaft, Katholische Junge Gemeinde, Kirchenchor Cäcilia, Landfrauen-Verein Brechen, Männergesangverein Concordia, Männergesangverein Frohsinn 1912, Mandolinenclub Wanderlust, PeeZ, Radfahrverein Torpedo, Schachklub 1948, Tennisclub 77 Brechen, Tennisclub 80 blau-weiß, Turnverein 1901 (mit Blasorchester), VdK-Ortsgruppe Brechen, Verschönerungsverein, Vogel- und Naturschutzverein und der Volks- und Gebirgstrachtenverein D'Emsbachthaler.
Veranstaltungen Die Niederbrechener Kirmes wird regelmäßig am zweiten Oktoberwochenende gefeiert. Eine Besonderheit ist der seit dem Jahr 1985 etablierte Rockabend am Freitagabend zur Eröffnung der Kirmes. Auch überregional bekannte Bands wie die Rodgau Monotones (1983, 1993, 2000, 2008, 2015 und 2018), Liquido (2004), J.B.O. (2005), Donots, Die Happy, Mickie Krause und Die Crackers sind dort aufgetreten.
Zudem wird jährlich im Herbst ein Krammarkt veranstaltet.
Anlässlich der Ersterwähnung von „Brachina“ im Jahr 772 wurde im Rahmen einer Veranstaltungsreihe im Jahr 2022 das 1250-jährige Jubiläum des Ortes Niederbrechen gefeiert.
Wirtschaft und Infrastruktur Einrichtungen und Freizeitmöglichkeiten mini|Sport- und Kulturzentrum
In dem Ort existieren seit dem Jahr 1897 die Freiwillige Feuerwehr Niederbrechen, die den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe sicherstellt, sowie die katholische öffentliche Bücherei. Für die Kinderbetreuung stehen der Kindergarten „St. Maximin“ in der Westerwaldstraße, das Kinderhaus in der Schlei sowie seit August 2011 die neu errichtete Kinderkrippe zur Verfügung. Weiterhin sind die Schule im Emsbachtal, das Kultur- und Sportzentrum in der Runkeler Straße und die neu gebaute Sportanlage im Mittelweg vorhanden.
Verkehr mini|right|Der Bahnhof Niederbrechen Der Bahnhof Niederbrechen liegt an der Main-Lahn-Bahn. Zudem führte die Bundesstraße 8 durch die Ortschaft.
Kommunikation/Internet Der Ortsteil Niederbrechen ist aufgrund der historisch erfolgten Telefon-Kupferverkabelung auf DSL-Technologie für die kabelgebundene Telekommunikation und das Internet angewiesen. Nach der erfolgreichen Vorvermarktung erfolgt allerdings zurzeit die Erschließung der Ortsgemeinde mit Glasfaser (FTTB/FTTH).
Daneben ist ergänzend Mobilfunk als Kommunikations- und Internet-Alternative im Ortsbereich nahezu flächendeckend verfügbar. Im Jahr 2022 betrug die Mobilfunkabdeckung in der Gemeinde Brechen durchschnittlich ca. 2 % für 5G, ca. 94 % für 5G DSS, ca. 100 % für LTE, ca. 100 % für 2G.
Söhne und Töchter des Ortes
Georg Heinrich Schupp (1762–1848), Schultheiß und Mitglied des Nassauischen Landtags Amtmann Johannes Jacobus Finger († 1802), Stifter des Amtmann-Finger’schen Stipendienfonds Jakob Fluck (1810–1864), katholischer Theologe und Hochschullehrer Johann Stilger (1817–1876), nassauischer Landtagsabgeordneter Martin Richard (* 1951), Bürgermeister der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn (1997–2015) Willi Steul (* 1951), Ethnologe, Journalist und Rundfunkmanager (ehemaliger Intendant des Deutschlandradio)
Weblinks
Internetauftritt der Gemeinde Brechen
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Limburg-Weilburg Kategorie:Geographie (Brechen, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Limburg-Weilburg) Kategorie:Ersterwähnung 772 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971