La Spezia () ist eine norditalienische Stadt in der Region Ligurien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz La Spezia. Mit Einwohnern (Stand: ) ist La Spezia die zweitgrößte Gemeinde der Region nach der Regionalhauptstadt Genua.
Die Stadt liegt am östlichen Ende der Riviera di Levante und der Region Ligurien, wenige Kilometer von der Regionalgrenze zur Toskana entfernt. Sie liegt an einem tiefen Naturgolf, dem Golf von La Spezia, der auch unter dem Namen Golfo dei Poeti (zu deutsch: Golf der Poeten) bekannt ist. Dieser ist von einer Hügelkette umgeben, deren höchsten Punkt der Monte Parodi (673 Meter) westlich des Stadtzentrums bildet. Das Gemeindegebiet stellt einen Teil der Verwaltungszone Autorità di Bacino Interregionale del Fiume Magra dar. Ein kleiner Abschnitt des Territoriums von La Spezia, nämlich die Siedlung Tramonti, gehört zum Nationalpark der Cinque Terre.
mini|Satellitenbild La Spezias mini|Sicht aus östlicher Richtung auf die Stadt mini|Die Uferpromenade Morin im Zentrum der Stadt Geographie La Spezia liegt auf einem engen Landstreifen, den im Norden und Westen Berge und im Süden das Meer begrenzen. Eine Folge davon ist, dass eine größere Anzahl von Stadtvierteln auf den umliegenden Hügeln entstanden ist und die urbane Struktur daher relativ unregelmäßig ist. Um dem Stadtkern die Expansion in östlicher Richtung zu ermöglichen, wurde in den 1930er Jahren sogar der Hügel Colle dei Cappuccini abgetragen. An dessen Stelle befindet sich heute die Piazza Europa. Die Entwicklung in Richtung Westen verhindert die Marinebasis La Spezia.
Im Laufe der Stadtentwicklung wurden zahlreiche Arbeiten zur Urbarmachung notwendig. So bestand die Zone des heutigen Hafens weitestgehend aus Sumpfland (im Volksmund: Stagnoni). Der Golf von La Spezia, mit einer Ausdehnung von circa 150 Hektar wird mittels eines 2210 Meter langen Wellenbrechers vom Ligurischen Meer abgetrennt. Zwei Öffnungen von ungefähr 400 und 200 Metern ermöglichen die Zufahrt. Die Bucht selbst hat eine Länge von 4,6 Kilometern und eine Breite von 3,2 Kilometern. Die besondere Beschaffenheit des Golfes, die Schutz vor Unwettern und feindlichen Angriffen bietet, war Grund dafür, dass in La Spezia eines der größten Marinearsenale gebaut wurde und sich dort im Laufe der Zeit einer der bedeutendsten Handelshäfen des Mittelmeers entwickeln konnte.
Gliederung Die 39 Stadtviertel La Spezias sind in fünf Munizipien zusammengefasst. Die Viertel der Stadt sind: Antoniana, Buggi, Buonviaggio, Canaletto, Chiappa, Cittadella, Colli, Fabiano, Favaro, Felettino, Foce, Fossitermi, Fossamastra, Isola, La Lizza, La Pianta, La Pieve, Limone, Marinasco, Mazzetta, Melara, Migliarina, Montepertico, Pagliari, Pegazzano, Pianazze, Poggio, Porta Rocca, Prione, Rebocco, Ruffino, San Bartolomeo, Sant’Anna, Scorza, Spallanzani, Termo, Umbertino, Valdellora und Vicci.
Die Gemeinde La Spezia umfasst neben La Spezia selbst die Orte Biassa, Campiglia, La Foce, Pitelli, San Venerio und Sarbia. Der Ballungsraum La Spezia hat eine Bevölkerung von über 180.000 und schließt die angrenzenden Gemeinden Vezzano Ligure, Lerici, Santo Stefano di Magra, Arcola, Follo, Riccò del Golfo di Spezia und Porto Venere ein.
Klima La Spezia liegt in einer gemäßigt warmen Klimazone; charakteristisch ist das Mittelmeerklima mit atlantischen Einflüssen. Die Winter sind relativ mild, was durch die ablindernden Eigenschaften des Ligurischen Meers und des aus Afrika stammenden Scirocco bedingt ist. Trotzdem sind durch balkanische Kaltluftströme hervorgerufene Kälteeinbrüche nicht selten, so dass La Spezia im Winter mitunter Minusgrade verzeichnet. Der Temperaturdurchschnitt des kältesten Monats, dem Januar, beträgt 7,6 °C. bei ENEA.it. Der Sommer ist im Mittel relativ warm mit 24 °C im Juli.
Durch die Lage im ligurischen Bogen mit dem Apennin unmittelbar angrenzend an die Stadt wird das Abregnen der gesättigten Meeresluft begünstigt, so dass La Spezia relativ hohe Niederschlagsmengen im Jahr verzeichnet. Maximale Niederschläge werden im Herbst und Frühling erreicht. Das jährliche Niederschlagsmittel beträgt 1343 Millimeter. Obwohl Schneefall untypisch für das Mittelmeerklima ist, trat dieser insbesondere in den letzten Jahren gehäuft auf.
Geschichte Von der Vorzeit bis zum Spätmittelalter Ausgrabungen belegen, dass es in der Gegend des Golfs von La Spezia bereits in der Eisen- und Bronzezeit menschliche Siedlungen gegeben hat. Zur Zeit der Gründung Roms befanden sich diese am Rande des etruskischen Einflussbereiches. Die Ursprünge der römischen Kolonisation hängen eng zusammen mit der Geschichte von Luna, einer römischen Ansiedlung nahe der heutigen Gemeinde Ortonovo im Südosten der Provinz La Spezia. Wegen der zum Teil steilen Apenninabfälle entlang der ligurischen Küste war die Anbindung an die Straßenverbindungen des Römischen Reichs recht begrenzt. Dennoch zeugen zahlreiche Ausgrabungsstätten davon, dass auch das Umland des heutigen Golfes von La Spezia fest in die Infrastruktur des Reiches eingegliedert war.
Das Christentum fasste vermutlich ab dem 3. Jahrhundert Fuß in der Region. Einhergehend mit der Völkerwanderung sowie den militärischen Auseinandersetzungen zwischen west- und oströmischem Reich fielen Heruler und Goten in Ligurien ein. 643 fiel die Region unter die Herrschaft der Langobarden. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Küste regelmäßig von arabischen und normannischen Piraten heimgesucht – ein Faktor, der sich erst mit dem Aufkommen der italienischen Stadtrepubliken langsam änderte.
Die Ansiedlung La Spezia, ursprünglich nicht mehr als ein Fischerdorf, entstand im 12. Jahrhundert.Sibylle Geier: Ligurien. Cinque Terre, italienische Riviera. Reise Know-How-Verlag, Bielefeld. Unter der Herrschaft von Nicolò Fieschi von 1256 bis 1273 entwickelte sich das durch seine Lage am Ende einer Bucht begünstigte Dorf zum Vorposten im Kampf gegen die Vorherrschaft Genuas. Aus dieser Zeit stammen auch die bis heute erhaltenen Grundmauern des Castello San Giorgio. Nach der Eroberung 1273 wurde La Spezia Teil der Republik von Genua und zum Außenposten zur Verteidigung gegen die Konkurrenz der toskanischen Stadtrepubliken, insbesondere Pisa.
Von der Renaissanceära bis zum Ende des 19. Jahrhunderts In den Jahrhunderten zwischen dem Spätmittelalter und dem Ausbruch der Französischen Revolution entwickelte sich La Spezia langsam aber stetig zur zweitwichtigsten Stadt an der ligurischen Küste. Die zerstörte Stadtmauer wurde zu dieser Zeit wieder aufgebaut, ebenso die Kathedrale Santa Maria, die Mitte des 15. Jahrhunderts von den Genovesen geplündert und niedergebrannt worden war. Wie die gesamte Region wurde auch La Spezia von einer Malaria-Epidemie im Jahr 1656 schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Die Dynamik hin zur Etablierung als großstädtisches Regionalzentrum setzte erst im Zuge der Napoleonischen Kriege ein. Als Teil der Ligurischen Republik gehörte La Spezia seit 1805 zum französischen Empire. Nachdem die Bedeutung der Stadt bereits durch die Befestigung der Hafenanlagen im 18. Jahrhundert gestiegen war, erhob die französische Regierung im Jahr 1808 die Stadt zum Verwaltungssitz und baute das Hafenareal zu einem wichtigen Militärhafen aus. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden auch einige repräsentative Gebäude wie etwa das Civic Teatre im Altstadt-Viertel in der Nähe des Hafens.
Nach der Niederlage Frankreichs 1815 wurde Ligurien Bestandteil des Königreichs Piemont. 1849 entschied sich die piemontesische Regierung unter dem Camillo Benso Graf von Cavour, einem der Hauptbetreiber der italienischen Einigung, den Militärhafen auszubauen. Die Arbeiten daran begannen 1857 und dauerten bis 1869. In der Folge verstärkte sich die Zuwanderung in die Stadt substanziell. 1861 lag die Bevölkerungsanzahl bei rund 15.000. Bis 1881 war sie bereits auf über das Doppelte angestiegen. Nach der Gründung des Königreichs Italien wurden die Befestigungsanlagen des Arsenals weiter ausgebaut. Seitdem fungiert das Arsenale Militare Marittimo von La Spezia als einer der wichtigsten, zeitweilig sogar der wichtigste Militärhafen Italiens. In den 1870er Jahren wurde ein weiteres Infrastrukturprojekt fertiggestellt – das bautechnisch anspruchsvolle und großteils durch Untertunnelungen realisierte Teilstück der Bahnstrecke Pisa–Genua zwischen Sestri Levante und La Spezia.
20. und 21. Jahrhundert Als Militär- und Industriestadt sowie Verwaltungsmetropole der gleichnamigen Provinz wartete La Spezia zu Anfang des Jahrhunderts mit einer Einwohnerzahl von über 70.000 Bewohnern auf. 1911 gründete der Futurist Ettore Cozzani die Zeitschrift „Eroica“. 1913 begann der Architekt Vincenco Bacigalupi mit dem Bau des Trianon-Theaters. Weitere Bauten und Denkmäler folgten nach der faschistischen Machtübernahme 1922 – darunter auch der 1933 entstandene, neoklassizistische Palazzo delle Poste in der parallel zum Hafenkai verlaufenden Via Vittorio Veneto.
Ebenso wie in anderen Regionen Italiens, die traditionell eher zur politischen Linken tendierten, ging auch in La Spezia die Etablierung der faschistischen Diktatur nicht ohne Konflikte vonstatten. Der Autor Roger Engelmann berichtet in seinem Buch Provinzfaschismus in Italien. Politische Gewalt und Herrschaftsbildung in der Marmorregion CarraraRoger Engelmann: Provinzfaschismus in Italien. Politische Gewalt und Herrschaftsausübung in der Marmorregion Carrara 1921–1924. Oldenbourg, München 1992, S. 102/103. Google Book sowohl von renitentem Verhalten als auch von Versuchen, politisch zu taktieren. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Region stark in Mitleidenschaft gezogen. 1943 griffen alliierte Luftwaffenverbände die Stadt an und zerstörten große Teile der zivilen und militärischen Infrastruktur. Nicht zuletzt als Reaktion auf Massaker an der Zivilbevölkerung, die von der deutschen Wehrmacht sowie Verbänden der SS begangen wurdenBericht bei Spiegel Online, 23. Juni 2005. Anlass des Artikels war ein Prozess wegen Kriegsverbrechen vor dem Militärgericht in La Spezia., kam es 1944/1945 auch in der ligurischen Bergregion zu einer starken Zunahme von Aktivitäten unterschiedlicher Partisanengruppierungen. Am 23. April 1945 gelang es den in der Resistenza zusammengefassten Organisationen schließlich, auch in La Spezia die militärische Kontrolle zu übernehmen.La Spezia #Il XX secolo in der italienischsprachigen Wikipedia.
In den unmittelbaren Nachkriegsjahren wurde La Spezia unter anderem bekannt als „Citta di Exodus“, als Hafen für die Ausreise jüdischer Flüchtlinge und Displaced Persons nach Palästina. Insgesamt verließen vom Sommer 1945 bis zum Frühjahr 1948 rund 23.000 Juden Italien mit dem Ziel Palästina. Im April 1946 legten die Schiffe Fede und Fenice aus dem Golf von La Spezia ab – ein Vorfall, der damals auch als „La-Spezia-Affäre“ bekannt wurde und der dazu führte, dass die ligurische Hafenstadt auf israelischen Karten bis heute als Schàar Zion, als das Tor Zions, aufgeführt ist. Als Gedenken an diese Vorfälle vergibt die Stadt jedes Jahr den Exoduspreis mit dem Ziel, die interkulturellen Beziehungen zu fördern. (deutsch) Dieser Preis erhielt seinen Namen in Anlehnung an die Exodus-Affäre. Das Schiff Exodus ist insofern mit La Spezia verbunden, dass es in Porto Venere nahe La Spezia zum Flüchtlingsschiff umgebaut wurde.