mini|Dampfbremsfolie auf einer Rolle alternativtext=|mini|Verlegte Dampfbremse Eine Dampfbremse ist eine flächig zusammenhängende Schicht mit einem definierten Wasserdampfdiffusionswiderstand, welche die Diffusion von dampfförmigem Wasser aus Luft in ein Bauteil vermindert. Die meisten Dampfbremsen können auch den Durchtritt von flüssigem Wasser verhindern oder verlangsamen.

Im Bauwesen sollen Dampfbremsen verhindern, dass sich innerhalb von Wänden und Decken Kondenswasser bildet, was bei unzureichender Abtrocknung zu Feuchteschäden wie Schimmelbefall führen kann.

Traditionelle massiv gemauerte Wände aus mineralischen Baustoffen konnten an der Wandoberfläche oder innerhalb der Wand kondensierende Feuchtigkeit absorbieren und später wieder nach außen abführen. Bei heutigen mehrschaligen Wandkonstruktionen mit zwischenliegenden Luft- oder Dämmschichten kann es zur Akkumulation größerer Feuchtigkeitsmengen kommen, zumal Werkstoffübergänge ebenso wie Kunststoffe häufig die kapillare Abfuhr des Wassers verhindern. Da im Trockenbau und vielen anderen Arten des Wandaufbaus eine ausreichende, durchgängige Kapillarität kaum herzustellen ist, werden Dampfbremsen vorgesehen, um den Eintritt von Feuchtigkeit in das Bauteil zu beschränken.

In gemäßigten und kalten Breiten muss der Zutritt des Wasserdampfs von der Innenseite der Außenwände her verhindert werden. Bei den für tropisches Klima charakteristischen feucht-heißen Wetterlagen wird der Wasserdampf hingegen eher von der Außenseite in die Wand eindringen. An ungedämmtem Kellermauerwerk tritt Kondensation auf, wenn feucht-warme Luft in den Keller gelangt.

Eine Dampfbremse kann zugleich die Aufgabe der Luftdichtheitsschicht übernehmen.

In manchen Fällen ist ein zuverlässig luftdichter Einbau einer Dampfbremse nicht möglich. Bei besonders gefährdeten Wand- und Deckenaufbauten kann durch eine Unterdrucklüftung ein zusätzlicher Schutz erreicht werden.

Feuchteschutztechnische Bemessungswerte Die Einstufung eines Baustoffes als Dampfbremse wird definiert durch seine wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke . Sie berücksichtigt auch die tatsächliche Stärke des Bauteils und nicht nur die Materialeigenschaft wie die dimensionslose Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl . Berechnet wird sie zu .

In Deutschland werden Bauteilschichten nach DIN 4108-3 (10/2018) als diffusionsoffen, -bremsend, -hemmend, -sperrend und -dicht definiert. Im Sprachgebrauch beziehungsweise der Baupraxis wird zudem zwischen Dampfbremsen und Dampfsperren unterschieden. sd-Wert Grad der Dichtheit sd ≤ 0,5 m diffusionsoffen 0,5 m < sd ≤ 10 m diffusionsbremsend 10 m < sd ≤ 100 m diffusionshemmend100 m < sd ≤ 1500 mdiffusionssperrendsd ≥ 1500 mdiffusionsdicht

Dampfsperre Dampfsperren sind mit einem sd-Wert von über 1500 m praktisch völlig dampfdiffusionsdichte Schichten.Susanne Rexroth, Friedrich May, Ulrich Zink: Wärmedämmung von Gebäuden: Zeitgemäß und wandlungsfähig. VDE-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-8007-3570-9, Seiten 175 ff.Eberhard Schunck, Thomas Finke, Richard Jenisch, Hans J. Oster: Dach Atlas: Geneigte Dächer. Birkhäuser, Berlin 1996, ISBN 3-7643-6479-3, Seite 204. Der Begriff Dampfsperre wird teilweise synonym zur Dampfbremse genutzt. Im strengen Sinne sind nur Metalle und Glas völlige Dampfsperren.

Im Baubereich werden einseitig oder beidseitig mit Alufolie kaschierte Hartschaumplatten sowie Mineral- beziehungsweise Glasfaserdämmung angeboten, um eine Durchfeuchtung des Dämmstoffs vom Gebäudeinneren her zu verhindern. Problematisch ist, dass Wasser durch jede kleine Verletzung der dünnen Folie eindringen, aber anschließend durch die Sperrschicht im Grunde nicht wieder nach innen verdunsten kann, wenn die Verdunstung nach außen ebenfalls durch sperrende Schichten verhindert wird, wie es zum Beispiel in nicht belüfteten Flachdächern der Fall ist.

Material Einfache Dampfbremsen bestehen meist aus dickeren Kunststofffolien, oft Polyethylen-Folien. Diese hat bei einer Dicke von 0,1 mm (0,0001 m) und einer Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (µ) von 100.000 demnach eine Sperrwirkung wie 10 m Luft. Aluminiumfolie weist bei einer Dicke von 0,05 mm einen sd-Wert von 1500 m auf. Das ist ein 300fach größerer Wert im Vergleich zu einer gleichdicken Polyethylen-Folie.

Aber auch andere Materialien (zum Beispiel PVC-Folien oder Holzplatten) können je nach Wasserdampfdiffusionswiderstand, verwendeter Materialdicke und Dampfoffenheit als Dampfbremse dienen.

Bauphysikalische Funktion Im Winter kann die beheizte Innenraumluft bewohnter Räume mehr Feuchtigkeit aufnehmen als die kalte Außenluft, was zu einem höheren Wasserdampfpartialdruck in der warmen Raumluft führt. In dieser Situation diffundiert Wasserdampf durch die Außenwände oder Dachausbauten von innen (hoher Partialdruck) nach außen (niedriger Partialdruck), weil Konzentrations- oder Druckgefälle stets den Ausgleich suchen. In Bauteilen wird das eindiffundierte dampfförmige Wasser aufgrund des geringeren Wasserdampfaufnahmevermögens kalter Luft, also wegen des Taupunkts innerhalb der Wand, an dieser Stelle auskondensieren und dort Feuchteschäden oder gar Frostsprengungen verursachen.

Die Kondensation oder Vernässung findet also an jenem Punkt des Wandquerschnitts (in der Wand an einer flächigen Front) statt, wo die Taupunkte unterschritten werden. Sofern eine Dämmschicht vorhanden ist, findet die Kondensation im äußeren Bereich des Dämmstoffs an dessen kälterer Seite statt. Zur Vermeidung solchen Kondensats kann die Gebäudehülle an der Innenseite generell eher dampfdicht ausgeführt und von innen nach außen immer diffusionsoffener werden. Dampfbremsen werden daher in der Regel raumseitig, also an der beheizten Seite der Wärmedämmschicht angeordnet.

Dabei ist zu beachten, dass Wärmedämmverbundsysteme an der Fassade nachts oft schnell unter den Taupunkt der Außenluft auskühlen, so dass sich dort Tauwasser bildet. Meist ist der verwendete Edelputz relativ diffusions- und kapillardicht. Der Tau verbleibt dann an Ort und Stelle und kann im Laufe der Zeit ein Algenwachstum auf der Fassade begünstigen.

Da damit gerechnet werden sollte, dass durch unplanmäßige Durchfeuchtung oder kleine Beschädigungen der Dampfbremse mehr Wasser(dampf) in die Dämmung eintritt, als vorgesehen, soll dieser durch die wasserdampfdiffusionsoffenen äußeren Schichten des Bauteils ausdiffundieren können. In einem Warmdach etwa verwendet man darum heute diffusionsoffene Unterspann- bzw. Unterdeckbahnen. Als Faustregel sollten die luftdichten Schichten auf der kalten Seite des Bauwerks etwa sechs Mal so wasserdampfdiffusionsoffen sein wie die Schichten auf der Innenseite. Beim Bauen in südlichen Breitengraden ist zu beachten, dass bei feuchtheißem Klima sowie bei dauerhaft durch eine Klimaanlage abgekühlten Räumen der Dampfstrom auch von außen nach innen gerichtet sein kann.

Bei Flachdächern (zum Beispiel nichtbelüftete „Warmdächer“ mit Unter- oder Zwischensparrendämmung) ist das Prinzip „außen diffusionsoffener als innen“ nicht umsetzbar, weil die Materialien der äußere Dachabdichtung, zum Beispiel Bitumen-Schweißbahn oder Blech, oft vollkommen diffusionsdicht sind. Dringt in einen solchen nicht belüfteten und beidseitig eingekapselten Dachaufbau durch Fehlstellen in der Dampfbremse Wasser ein oder wird die Wärmedämmung in nicht völlig trockenen Zustand eingebaut, so kann dieses die Konstruktion nicht mehr selbsttätig verlassen und müsste durch technische Trocknung entfernt werden.

Es ist in der Regel nicht dauerhaft auszuschließen, dass nach und nach geringe Mengen Feuchtigkeit durch die Dampfsperre gelangen und sich in der Dämmschicht akkumulieren oder an der Unterseite des Dachhaut ansammeln. Die feucht-warme Luft findet häufig einen Weg durch kleine Fehlstellen an Durchdringungen der Dampfsperrschicht, wie beispielsweise an Leitungs-Durchführungen, rissigen Holzstielen, undichten Anschlussstellen, sowie durch die angrenzenden Wände über „Flankendiffusion“.

Eine Dampfsperre an der Warmseite von nicht-belüfteten Flachdächern wurde im Oktober 2008 vom „Informationsdienst Holz“ als nicht mehr dem Stand der Technik entsprechend eingestuft. Die DIN 4108-3:2017-09 setzt für Bauteile, für die kein Nachweis nach dem Glaser-Verfahren durchgeführt werden muss, äquivalente Luftschichtdicken der Dampfbremsen in Abhängigkeit zu den Luftschichtdicken der äußeren diffusionshemmenden Schichten fest. Es wird gefordert, dass bei Dächern und Außenwänden eine maximale flächenbezogene Tauwassermenge von 1,0 kg/m² nicht überschritten wird sowie dass Holzwerkstoffe nur bis zu einer zulässigen Materialfeuchte verbaut werden dürfen. Die DIN 68800-2 zum Holzschutz setzt eine Trockenreserve von mehr als 250 g/m² zur Berücksichtigung des konvektiven Feuchteeintrags voraus. Das Merkblatt Wärmeschutz bei Dach und Wand des Deutschen Dachdeckerhandwerks empfiehlt bei einer äquivalenten Luftschichtdicke der äußeren Dachabdichtung von sd,e > 2,0 m auf den Verbau von gegen Feuchteeinwirkung nicht langfristig dauerhaften Baustoffen wie Holz zu verzichten., auf dachdecker.org

Wenn der eingedrungene Dampf an der kältesten Stelle in der Dämmschicht zu Wasser kondensiert, kann es regelrecht zur Bildung von Kondenswasserpfützen kommen. Nichtbelüftete Flachdächer mit Mineralwolldämmung zwischen den Sparren und unterseitiger Dampfsperre sind langfristig immer durch die stetig in kleinen Mengen eindringende Feuchtigkeit gefährdet. miniatur|Kondenswasserpfützen auf der Dampfsperre eines Flachdachs miniatur|Feuchteschaden eines nach oben und unten dampfdichten Dachs; die oberseitig installierten Lüfterpilze konnten keine ausreichende Unterlüftung herstellen und hatten daher nur eine sehr begrenzte Reichweite

Ein Artikel auf Bau.net benennt lediglich zwei Anwendungsfälle, in denen unter Umständen eine Dampfsperre sinnvoll eingesetzt werden könnte:ARGE: Dampfsperre – Die Dampfsperre schützt die Baukonstruktion und hilft Heizkosten sparen, In: baunet.de. an der Innenseite von gedämmten Dächern an der Innenseite von Kellerwänden, die mit einer Innendämmung versehen sind

In der Literatur werden jedoch auch Anwendungen von Dampfbremsen im Aufbau von Außenwänden (bei Verwendung von dampfdichten Außenverkleidungen oder fehlender Hinterlüftung) oder zum Schutz von Estrichen auf jungem Beton beschrieben.

Alternativen zur klassischen Dampfbremse Eine seit den 1990er Jahren erprobte Alternative ist die Verwendung von sorptiven und kapillaraktiven Dämmstoffen, wie Zelluloseflocken oder Calciumsilikatplatten, in Kombination mit einer feuchtevariablen Dampfbremse. Sorptive (saugfähige) Dämmstoffe können eingedrungene Feuchtigkeit zwischenspeichern und verteilen, die feuchtevariable Dampfbremse sorgt für eine Rücktrocknung in Zeiten, in denen die Porenluftfeuchtigkeit zwischen den Dämmfasern die Luftfeuchte im beheizten Innenraum übersteigt.Konsens der Referenten des Kongresses „Holzschutz und Bauphysik“ am 10./11.02.2011 in Leipzig zum Thema: „Unbelüftete Flachdächer in Holzbauweise“. Sieben goldene Regeln für ein nachweisfreies Flachdach.