mini|Clown Dimitri mit seinen Kindern, Oktober 1966, Foto: Heinz Baumann, Comet Photo, Bildarchiv der ETH Zürich mini|Dimitri bei einem Auftritt 1962 mini|Dimitri in Ascona, 1962 mini|Dimitri und Gunda Salgo in Amsterdam, 1962, Quelle: Nationaal Archief Dimitri (* 18. September 1935 in Ascona als Dimitri Jakob Müller; † 19. Juli 2016 in Borgnone) war ein Schweizer Clown. Sein bürgerlicher Name lautete seit einer Namensänderung Jakob Dimitri.Urs-Peter Zwingli: In: Schweizer Illustrierte. 2. Oktober 2009, abgerufen am 26. April 2011.
Leben Dimitri verbrachte seine Kindheit in Ascona im Kanton Tessin. Sein Vater war der Bildhauer, Maler und Architekt Werner J. Müller, seine Mutter Maja geborene Tschirren war Kunsthandwerkerin; durch die Eltern begegnete er der Anthroposophie. Als er im Alter von sieben Jahren den Schweizer Clown Andreff im Circus Knie erlebte, entschloss er sich, auch Clown zu werden. Nach zehn Schuljahren im Tessin und in Zürich absolvierte er eine Töpferlehre bei Margrit Linck-Daepp in Zollikofen bei Bern. In dieser Zeit nahm er bereits Unterricht in Schauspiel, Musik, Ballett und Akrobatik. Er spielte erste komische Rollen an Studentenbühnen und schuf erste kurze Clown- und Pantomime-Nummern.
Nach Abschluss der dreijährigen Lehre zog er 1954 nach Aix-en-Provence und 1955 weiter nach Paris; dort studierte er Pantomime bei Etienne Decroux, Akrobatik und Seiltanz bei Zirkusartisten und lernte Gitarre bei Flamenco-Spielern. Es folgte ein kurzer Aufenthalt in Schweden, wo er als Töpfer arbeitete und gleichzeitig Kurse bei einem Kunstturner besuchte. Wieder in Paris, wurde er 1958 Schüler von Marcel Marceau, der ihn bald für zwei Mimodramen in seine Truppe aufnahm. Darauf arbeitete er als dummer August mit dem Weissclown Maïss an verschiedenen Galas, in einem Wanderzirkus in Frankreich und schliesslich im Cirque Medrano in Paris.
mini|Dimitri, 2016 1959 fand die Uraufführung seines ersten Soloprogramms in Ascona statt. In Innsbruck hatte er sein erstes Engagement als Clown im Ausland, danach spielte er drei Monate lang im Berner Kleintheater Kramgasse 6. In den folgenden Jahren schuf er drei weitere Soloprogramme (Porteur, Teatro und Ritratto). Daneben zeichnete und malte er und sang Volkslieder. So kamen verschiedene Platten und Bücher von ihm heraus, und seit 1990 fanden regelmässig Ausstellungen seiner Bilder und Objekte statt. 1970, 1973 und 1979 war er mit dem Circus Knie unterwegs. Tourneen führten ihn durch Europa, Nord- und Südamerika, China, Japan und Australien. Nebst anderen Projekten gab Dimitri mit seinen Soloprogrammen und der Familienshow La Famiglia Dimitri zuletzt mehr als 100 Vorstellungen pro Jahr.Die besten Videos von Dimitri. In: 20 Minuten. 20. Juli 2016.Clown Dimitri ist tot. In: SRF. 20. Juli 2016.
1961 heiratete er Gunda Salgo (1934–2020);È morta Gunda Salgo, un’esistenza intera sul sentiero con Dimitri. In: Il Giornale del Ticino. 17. Mai 2020. 1964 wurden sie in Borgnone im oberen Centovalli sesshaft. Von ihren fünf Kindern sind vier im Umkreis von Theater und Zirkus tätig geworden; bekannt sind besonders der Seiltänzer David Dimitri, die Sängerin und Schauspielerin Nina Dimitri sowie die Akrobatin Masha Dimitri. 1971 gründete Dimitri mit seiner Frau ein Theater in Verscio und 1975 die Scuola Teatro Dimitri, heute Hochschule für Bewegungstheater und Theaterkreation. 1978 entstand die Compagnia Teatro Dimitri, für die er fast alle Stücke selber kreiert hat (Idee, Regie, Kostüme, Plakate), 1981 die Fondazione Dimitri.
Im Jahr 2000 gründete Dimitri zusammen mit Harald Szeemann das Museo Comico in Verscio. Die Gemeinde Verscio hat ihm 2005 die Ehrenbürgerschaft verliehen. Dimitri engagierte sich als Botschafter für die Christoffel-Blindenmission in der Schweiz. Er starb im Juli 2016 im Alter von 80 Jahren.
Auszeichnungen 1969: Kulturpreis der Stadt Winterthur 1973: Grock-Trophäe 1976: Hans Reinhart-Ring 2000: Ehren-Prix WaloEhren-Prix Walo. 2009: Preis der Stiftung Dr. J. E. Brandenberger 2009: SwissAward – Auszeichnung Kultur 2013: SwissAward – Auszeichnung Lifetime Award
Schriften mini|Teatro Dimitri in Verscio, Tessin Clown Dimitri – Ich. Benteli, Bern 1970. Dimitri Album. Vorwort von Max Frisch. Benteli, Bern 1973; erw. Ausgabe 1979, ISBN 3-7165-0312-6. Der Schlaufenclown. 81 Geschichten. Benteli, Bern 1980. Dimitri malt. Sauerländer, Aarau 1990, ISBN 3-7941-3308-0. Mein Humofant. Pro Juventute, Zürich 1994, ISBN 3-7152-0298-X. Humor. Gespräche über die Komik, das Lachen und den Narren. Herausgegeben von Corina Lanfranchi, Verlag am Goetheanum, Dornach, von Corina Lanfranchi 1995, ISBN 3-7235-0900-2.
Literatur Patrick Ferla (Hrsg.): Dimitri – Clown. Classen, Zürich 1980, ISBN 3-7172-0295-2.
Hanspeter Gschwend: Dimitri. Der Clown in mir. Autobiographie mit fremder Feder. Benteli, Bern 2003, ISBN 3-7165-1318-0. Hanspeter Gschwend: Dimitri – Die Welt des Clowns, ein Gesamtkunstwerk. Benteli, Bern 2010, ISBN 978-3-7165-1641-6.
Charlotte Seemann: Toi, toi, toi Dimitri! SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk, Zürich 1980, Nr. 1525.
Filmografie Dimitri – Clown. Dokumentarfilm von Friedrich Kappeler. T&C Film, Zürich 2004. Dimitri. Auf dem Monte Verità. Das letzte Interview. In: art-tv.ch. 16. Juli 2016 (zu seiner Rolle im Stück Träume eines anderen Lebens des Teatro Monte Verità).
Weblinks
Dimitri in Swisscovery, dem schweizerischen Suchportal der wissenschaftlichen Bibliotheken clowndimitri.ch teatrodimitri.ch ninadimitri.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Clown Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Autobiografie Kategorie:Pseudonym Kategorie:Darstellender Künstler (Schweiz) Kategorie:Ehrenbürger im Kanton Tessin Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann