mini|hochkant|DJ Spooky mit den klassischen zwei Plattenspielern (2003) mini|DJ-Kanzel des ehemaligen Techno-Clubs Bob Beaman, mit drei DJ-CD-Playern (oben), drei Analog-Plattenspielern und DJ-Mischpult

Als DJ [] (Abkürzung von Discjockey bzw. Diskjockey), Kompositum aus Disc (Scheibe beziehungsweise „Schallplatte“) und Jockey (ursprünglich etwa Handlanger), wird eine Person bezeichnet, die auf Tonträgern gespeicherte Musik in einer individuellen Auswahl vor Publikum abspielt. Für die Tätigkeit wird der Begriff Auflegen (von Schallplatten auf das Abspielgerät, ursprünglich dem Plattenspieler) verwendet.

Für weibliche Discjockeys kam Mitte der 1990er Jahre in der Jugendsprache im deutschen Sprachraum das Neulexem DJane auf,Dieter Herberg; Michael Kinne, Doris Steffens: Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 978-3-11-017750-3, S. 76. das zum Teil von Musikerinnen kritisiert und als Bezeichnung zurückgewiesen wird.Philipp Katzer, Romy Sickmüller: Weiblicher DJ. „Ich will nicht mehr sexy sein“. In: Der Spiegel. 12. Mai 2014 (spiegel.de).Gender oder nicht. „DJane sagt man nicht“. In: Die Tageszeitung. 17. April 2015 (taz.de). In: Das Filter. Kultur, 25. September 2015 (Clara Moto über Sexismus und Nachholbedarf in der elektronischen Musikszene). In der Schweiz wird manchmal der Begriff She-DJ verwendet.

Begriff Trotz gleicher Aussprache und Etymologie unterscheidet sich DJ vom jamaikanischen Deejay. Wie Discjockey sind auch die Begriffe Lightjockey (LJ), Visual Jockey (VJ) und Video Jockey (VJ), die die eng mit einer DJ-Performance verbundenen Tätigkeiten visueller Unterstützung bezeichnen, abgeleitet vom Wort Jockey.

Geschichte mini|hochkant|Eine junge Frau legt 1940 in einem Londoner Luftschutzbunker Musik auf Discjockey (DJ) war ursprünglich die Bezeichnung für einen Rundfunkmoderator, der im Radio Tonträger präsentiert. Der Begriff wurde im Rahmen des Top40-Radios in den USA ab 1940 geprägt, dehnte sich später durch Verlagerung auf andere Medien auch auf Fernsehmoderatoren und Diskothekenansager aus.

Bereits Weihnachten 1906 kam bei der ersten Radioübertragung an der amerikanischen Ostküste eine Schellackplatte zum Einsatz. Als erster Vollzeit-DJ gilt Elman B. Meyers in New York (1911), als erster Star-DJ ebendort Martin Block (um 1935). Radio-Discjockeys wie Alan Freed verhalfen um 1951 dem Rock ’n’ Roll zum Durchbruch. Freeds illegale Aktivitäten waren es, die die Anfälligkeit der Musikindustrie für jede Art von Bestechung aufdeckten. Freed war sowohl beim Cut In beteiligt als auch maßgeblich in die Payola-Affäre verwickelt.

Nach der Erfindung der Langspielplatte (LP) 1948 wurde aus Tonträgern ein kreatives Medium (John Cage: 33 1/3, 1969) und aus DJs ein Mythos der Popkultur (George Lucas: American Graffiti, 1973). Mit dem Discotrend der siebziger, dem Rap/Hip-Hop der achtziger und Techno der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts emanzipierten sich DJs als Klangkünstler (DJ-Culture) und Produzenten. Scratching, Sampling, Remixe und Computertechnik machten Tonträger zur beliebig veränderbaren Rohmasse für Metamusik. DJs wurden zu Stars (Sven Väth, Paul van Dyk), Experimentatoren (Coldcut) oder „Philosophen“ (DJ Spooky). Für die Musikindustrie sind die Discjockeys bei Radiosendern nach wie vor von großer Bedeutung, weil durch deren Programmgestaltung die Verkaufszahlen von einzelnen Musiktiteln bzw. Künstlern beeinflusst werden.

DJs im Rundfunk Die Entwicklung der DJ-Kultur nahm ihren Anfang mit dem Aufkommen von Musiksendungen im Rundfunk. Als einer der ersten gilt der Brite Christopher Stone, der 1927 bei der BBC eine Unterhaltungssendung mit Schallplatten startete. Einer der bedeutendsten Pioniere war der Amerikaner Alan Freed, der als erfolgreichster DJ der Rock-’n’-Roll-Ära gilt und den Begriff selbst entscheidend mitgeprägt hat.

Deutschlands erste Hörfunk-DJs waren z. B. Rudi Rauher, der bei der damaligen WERAG (Westdeutsche Rundfunk AG), später Reichssender Köln, dem Vorläufer des heutigen WDR, ein Vormittagsprogramm mit Schallplatten fuhr, die er selbst hinter dem Mikrofon auflegte. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es Günter Discher und der Engländer Chris Howland: Dieser legte einmal die Woche im Radio auf und ist auch heute noch unter seinem Spitznamen Mr. Pumpernickel bekannt. In den 1950er Jahren erklang seine Erkennungsmelodie Melody Fair von Robert Farnon aus dem UKW-Studio des WDR. Millionen Menschen saßen vor dem Radio und lauschten dieser beliebten Sendung, in der locker geplaudert wurde. Howland galt mit seiner natürlichen Art als Vorreiter; hunderte Funk-Disc-Jockeys folgten ihm im Laufe der Jahre.

Die damals „Großen“ im deutschsprachigen Bereich – mit Rundfunk- und teilweise auch Fernsehkarriere – waren neben Howland Camillo Felgen, Mal Sondock, Dieter Thomas Heck, Manfred Sexauer und der seit den 1980er-Jahren bis heute (2023) im Radio aktive Frank Laufenberg.Eigener Sender POPSTOP: Einer der weltweit bekanntesten und einflussreichsten Radio-DJs war der Brite John Peel.Eigene, nicht mehr gepflegte Homepage bei der BBC:

DJs im Rundfunk gibt es heute noch bei Spezialsendungen. Bei 1 Live gab es vor ein paar Jahren den mittlerweile eingestellten Partyservice mit Piet Blank und Mike Litt. Der Dance-Sender sunshine live hat auch heute noch Sendungen, wo DJs wie Klubbingman und Felix Kröcher auflegen. Auch die Autorensendungen 1 Live Fiehe (Eins live; früher Raum und Zeit) und Schwarzmarkt (eldoradio) werden von DJs moderiert, wobei diese hier nur nach ihren eigenen Geschmäckern und nicht nach Redaktionsvorgaben auflegen.

Als „richtiger“ Discjockey beim Hörfunk galt eigentlich nur, wer seine Platten im Studio selbst auflegte. Dazu hatten z. B. die ARD-Anstalten spezielle Discjockey-Studios eingerichtet, in denen dem DJ ein Pult mit mindestens zwei Plattenspielern zur Verfügung stand und der Tontechniker lediglich unterstützende Arbeit leistete, bis in den 1980er Jahren die autarken „Selbstfahrerstudios“ (zuerst bei den privaten und kleineren Sendern und später auch beim österreichischen Hörfunk) aufkamen. In denen mischt der Radio-DJ die Musik ohne Techniker in das laufende Programm. Ebenso „fährt“ er dazu die Jingles, Drop-Ins, Pre- und Backseller.

Besondere Beispiele mini|Uncle Ray, der lt. Guinness-Buch der Rekorde „ausdauerndste DJ der Welt“ Der rumänische Radiodiscjockey Cornel Chiriac wurde von seinen Fans auch als der einflussreichste, bekannteste und gleichzeitig einsamste Radiodiscjockey der Welt bezeichnet. Im Januar 2023 starb im Alter von 98 Jahren in Hongkong der im Guinness-Buch der Rekorde seit dem Jahr 2000 als der „ausdauerndste DJ der Welt“ aufgeführte Reinaldo Maria Cordeiro (* 1924 Hongkong), auch Uncle Ray.Eigene Web-Seite: uncleraydj.com (15. Januar 2023) Über seine mehr als 70 Jahre beim Radio interviewte er zahlreiche Stars wie Ella Fitzgerald, Elvis Presley oder Frank Sinatra, dazu Bands wie die Bee Gees und The Beatles.

DJs in Diskotheken Definiert man eine Diskothek als einen Raum, in dem sich Menschen für Geld und zu Tanzzwecken von einem schallplattenauflegenden DJ mit aufgenommener Musik unterhalten lassen, so gab es die erste Diskothek im nordenglischen Leeds, und zwar bereits 1943. Hauptinitiator und DJ für den Abend war Jimmy Savile.

Die frühen Jahre Mitte der 1960er begannen die ersten DJs, sich von der Funktion des reinen Plattenauflegers zu emanzipieren. Hatten sie bis dahin ein Stück nach dem anderen aufgelegt und zwischendurch moderiert, war es insbesondere Terry Noel, der 1965 im Arthur in New York City auflegte, der begann, das musikalische Repertoire des DJs zu erweitern und selbst neue Musik zu schaffen. Noel begann, persönlich die Kontrolle über die Lichtanlage zu übernehmen, baute ein Soundsystem auf, das ihm erlaubte, einen Sound quer durch den Raum wandern zu lassen und begann sich bis dato unbekannte Freiheiten im Mixen von Stücken zu erlauben. Er legte mehrere Stücke übereinander, um neue Sounds zu kreieren und aus Schallplatten eine Musik zu erzeugen, die so nicht auf einer Schallplatte aufzufinden war.

In Deutschland gab es 1963 etwa zehn, 1965 bereits 50 (zum Teil reisende) DJs. Die erste berufsständige Organisation für DJs wurde 1963 in Aachen gegründet. Als einer der Pioniere des DJing in der Bundesrepublik Deutschland gilt Klaus Quirini. 1959 begann er im Aachener Scotch Club, spontan Schallplatten nicht nur abzuspielen, sondern sie – inspiriert von Radiomoderatoren wie Lord Heinrich von Radio Luxemburg – auch an- und abzumoderieren. Er nutzte daraufhin das Pseudonym DJ Heinrich.

Diese Vorgehensweise, bei der der DJ das Programm aktiv gestaltete, gilt als Geburtsstunde der Diskothek in Deutschland, im Gegensatz zum bloßen Abspielen von Platten (durch Jukeboxen oder "Plattenaufleger"). Quirini war auch Mitbegründer der 1963 in Aachen gegründeten Berufsständischen Organisation für DJs, die im Artikel bereits erwähnt wird. 1971 grenzte sich der Musikredakteur im Jugendfunk des RiAS Kai Bloemer von DJs ab: „Diskjockeys sind eigentlich Menschen, die mehr oder weniger banale Äußerungen zu Platten machen.“Interview zur 1000. Jugendsendung Treffpunkt, 19. Mai 1971. Deutsches Rundfunkarchiv

DJs in der DDR In der DDR wurden DJs zur Vermeidung des englischen Begriffes Diskjockey gesetzlich als Schallplattenunterhalter oder kurz als SPU bezeichnet. Es existierte jedoch auch die Bezeichnung Diskjockei. Es gab auf Grundlage der Anordnung über Diskothekveranstaltungen vom 15. August 1973 (Gbl. der DDR Teil I Nr. 38 vom 27. August 1973) frei- oder nebenberuflich tätige Schallplattenunterhalter. Jeder zukünftige SPU musste dazu einen Eignungstest bestehen und einen einjährigen speziellen Grundlehrgang mit anschließender staatlicher Prüfung bei dem dafür zuständigen Kreis- bzw. Stadtkabinett für Kulturarbeit durchlaufen. Anschließend wurde eine Spielerlaubnis erteilt.

Nur der „staatlich geprüfte Schallplattenunterhalter“ durfte Tonträger vor einem größeren Publikum spielen und musste regelmäßig an Weiterbildungsveranstaltungen, sogenannten Monatskonsultationen, teilnehmen. Alle zwei Jahre erfolgte eine Neueinstufung durch die Einstufungskommission. Das beinhaltete auch die Einstufung der mitreisenden „Techniker“ (Roadies) und legte gleichzeitig die Höhe der erlaubten Gage fest. Eine weitere Besonderheit in der DDR bestand in zahlreichen Vorschriften und Empfehlungen, zu deren Einhaltung der SPU verpflichtet war. Die wohl bekannteste Regelung der „Anstalt zur Wahrung der Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte auf dem Gebiet der Musik“ (AWA) war die 60/40-Regelung, die SPU dazu verpflichtete, 60 Prozent der Programmfolge mit Musikproduktionen aus der DDR und dem sozialistischen Ausland zu gestalten.

Zeitweilig waren SPU verpflichtet, vor jedem Auftritt Titellisten an die AWA einzureichen. Obwohl die SPU mit Kontrollen und Lizenzentzug rechnen mussten, sah die Praxis in den meisten Diskotheken anders aus. Ende der 1970er Jahre wurden in der DDR 6000 Schallplattenunterhalter gezählt. In den 1980er Jahren wurden die Begriffe „Diskotheker“ und „Disko-Moderator“ geprägt.1-2-tip für immer – Disko in der DDR, mdr.de, abgerufen am 28. Dezember 2020, Videolänge 45 min Ardmediathek Der Diskotheker in der DDR war fast ausnahmslos als reisender DJ auf Tour.

Die Revolution der 1970er Jahre In den 1970er Jahren, mit dem Aufkommen der Disco-Musik in den USA, veränderten sich bald die Techniken der DJs. Statt der Ansagen wurden rhythmische Elemente bestimmend, es entstanden die ersten Club-Mixe, die verlängerte Versionen der Songs waren. Die DJs begannen, die Beats der verschiedenen Songs mit derselben Geschwindigkeit, also kaum merklich, ineinanderzumixen, was in der Szene der Elektronischen Tanzmusik bis heute gängig ist.