Das Berg-Johanniskraut (Hypericum montanum), auch Berg-Hartheu genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) innerhalb der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae).
Beschreibung mini|links|Gegenständige, sitzende, einfache Laubblätter mini|Blütenstand mini|Radiärsymmetrische Blüte im Detail mini|Frucht und Samen
Vegetative Merkmale Das Berg-Johanniskraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 Zentimetern erreicht. Je Pflanzenexemplar sind mehrere aufrechte Stängel vorhanden, sie sind stielrund und kahl.
Die Laubblätter sitzen gegenständig am Stängel und umfassen diesen etwas am Grund. Die Abstände der Blattpaare sind im oberen Stängelteil deutlich größer als die Laubblätter selbst. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 6 Zentimetern breit-eiförmig bis elliptisch. Nur am glatten Blattrand ist eine Reihe mit sechs bis acht sitzenden oder sehr kurz gestielten schwarzer Drüsenpunkte, aber meist ohne durchscheinende Punkte, vorhanden. Die Blattunterseite ist entlang der Blattadern kurz behaart.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli oder August. Der Blütenstand ist nur am oberen Ende der Stängel dicht (fast kopfig). Nach unten hin wird er durch in den oberen Blattachseln sitzende kurze Seitenäste mit armblütigen Teilblütenständen aufgelockert.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind bei einer Länge von 5 bis 6 Millimetern lanzettlich mit spitzem oberen Ende und tragen nur am Rand deutlich gestielte schwarze Drüsen. Die Kronblätter sind etwa doppelt so lang wie die Kelchblätter. Die fünf gelben Kronblätter sind etwa 10 Millimeter lang. Es sind zahlreiche Staubblätter vorhanden.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 vor.
Ökologie Das Berg-Johanniskraut tritt in kleineren bis größeren Gruppen auf. Beim Berg-Johanniskraut handelt es sich um einen plurien-pollakanthen, hygromorphen, mesomorphen Hemikryptophyten, es überwintert also bedeckt von Laub oder Erde.
Die Blüten sind homogam, die männlichen und weiblichen Blütenorgane sind also gleichzeitig fertil. Blütenökologisch handelt es sich um Pollenblumen. Als Belohnung für Bestäuber ist reichlich Pollen vorhanden. Bestäuber sind kurzrüsselige Bienen, Syrphiden, Käfer sowie Fliegen. Bei ausbleibender Fremdbestäubung durch Insekten führt spontane Selbstbestäubung innerhalb einer Blüte erfolgreich zur Befruchtung. Es liegt gemischte Befruchtung vor, sowohl Selbst- als auch Fremdbefruchtung sind häufig. Es liegt Selbstkompatibilität vor, Selbstbefruchtung führt erfolgreich zum Samenansatz.
Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Samen, erfolgt hauptsächlich durch den Wind (Anemochorie).
Vorkommen Das Berg-Johanniskraut ist in weiten Teilen Europas bis in eine Höhenlage von 1500 Metern verbreitet. Es gibt Fundortangaben für Algerien, Marokko, Gibraltar, Spanien, Portugal, Andorra, Frankreich, Monaco, Korsika, Sardinien, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, die Niederlande, Luxemburg, Belgien, das Vereinigte Königreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Estland, Litauen, Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien, Kosovo, Rumänien, Albanien, Moldawien, Montenegro, Griechenland, Belarus, den europäischen Teil Russlands, die Ukraine, die Krim, die Türkei sowie Georgien.
In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands nach Metzing et al. 2018 befindet sich das Berg-Johanniskraut in der Vorwarnliste, denn es ist in Deutschland mäßig häufig und es erfolgt ein nur mäßiger Rückgang.
In den Allgäuer Alpen steigt es im Tiroler Teil am Heuberg bei Häselgehr bis zu einer Höhenlage von 1500 Metern auf. Im Puschlav wurde das Berg-Johanniskraut noch in Höhenlagen von 1800 Metern, in den Tessiner Alpen und im Kanton Wallis bei 1900 Metern beobachtet. In Nordeuropa kommt das Berg-Johanniskraut in Norwegen noch bei Vaardal in 63° 45' nördlicher Breite vor. Das Berg-Johanniskraut ist trotz seines Namens keine reine Gebirgspflanze. Es ist in Mitteleuropa weit verbreitet, tritt aber nirgends besonders häufig auf. In den Alpen findet man es bis in eine Höhenlage von 1500 Metern, selten höher.
Man findet das Berg-Johanniskraut vorwiegend auf Trocken- und Halbtrockenrasen sowie in Laub- und Tannenwäldern und Gebüschen an trockenwarmen Standorten. Als ökologische Zeigerwerte nach Ellenberg wird Hypericum montanum als Halbschattenpflanze für mäßigwarme bis warme Standorte bei gemäßigtem Seeklima angegeben. Die angezeigte Bodenbeschaffenheit ist danach gleichmäßig trocken bis mäßig feucht, niemals stark sauer, sondern stickstoffarm. Es ist eine schwache Charakterart der Ordnung Quercetalia pubescenti-petraeae, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Fagion, Carpinion, Berberidion oder Geranion sanguinei vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Hypericum montanum erfolgte 1755 durch Carl von Linné in Flora Suecica 2. Auflage, S. 266. Das Artepitheton montanum bedeutet „am Berg wachsend“. Synonyme für Hypericum montanum sind: Hypericum elegantissimum , Hypericum glandulosum nom. illeg.
Quellen und weiterführende Informationen Der Artikel beruht hauptsächlich auf folgenden Unterlagen: Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5.
Einzelnachweise Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 221.
Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5, S. 67. Karol Marhold, 2011+: Clusiaceae. Datenblatt Hypericum montanum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Weblinks
Günther Blaich: Datenblatt Hypericum montanum mit Fotos. Steckbrief mit Fotos. Datenblatt Hypericum montanum mit Fotos und Verbreitung auf den Britischen Inseln bei Online Atlas of the British and Irish flora. Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt Hypericum montanum mit Foto bei The Finnish Biodiversity Information Facility = FinBIF. Datenblatt Hypericum montanum mit Fotos und Verbreitung in Tschechien bei Pladias – Database of the Czech Flora and Vegetation. Datenblatt Hypericum montanum mit Fotos und Verbreitung in Frankreich bei Tela Botanica. Datenblatt Hypericum montanum mit Fotos und Verbreitung in Italien bei Portale della Flora d'Italia - Portal to the Flora of Italy. Datenblatt Hypericum montanum mit Verbreitung in Griechenland bei An annotated checklist of Vascular plants of Greece. Datenblatt Hypericum montanum mit Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel bei Flora Vascular. Datenblatt Hypericum montanum mit Verbreitung in Portugal bei Flora On. Datenblatt Hypericum montanum - Berg-Johanniskraut mit Fotos bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 2012.
Kategorie:Heilpflanze Kategorie:Johanniskrautgewächse