mini|Lambda
„Nimm! – Finde! – Komm! – Sieh! – Sag!“
Fünf altgriechische Verben bilden den Imperativ im Aorist unregelmäßig mit Endbetonung:
„Sag! – Komm! – Finde! – Sieh! – Nimm!“
Dazugehörige Aorist-Infinitive (in Klammern: Präsens-Infinitive): sagen: () kommen: () finden: (; dazu gehört auch ) sehen: ( [attisch]) nehmen: ()
Wenn man die Reihenfolge anders wählt:
… gibt es dafür einen Merkspruch: „Labet eure Eltern in der Kneipe.“
Für weitere Merksprüche zum Altgriechischen siehe in der Liste von Merksprüchen.
mini|Darstellung des Abendmahls in Blaubeuren
„Nehmet, esset; das ist mein Leib.“
Einsetzungsworte des Abendmahls nach dem Evangelium nach Matthäus:Matthäus 26,26Matthäus, Kapitel 26 – Lutherbibel 1912 (Bibel-Online.net)
Die Einsetzungsworte sind für alle christlichen Kirchen, die das Abendmahl feiern, konstitutiv.
Als Einsetzungsbericht bezeichnet man jenen Abschnitt des Eucharistischen Hochgebetes, in dem vom Handeln und Reden Jesu beim Letzten Abendmahl die Rede ist.
„Lebe im Verborgenen!“
Das von Plutarch in seiner Schrift , lateinisch (Vom verborgenen Leben), überlieferte Motto der Epikureer galt nicht unter allen Umständen: Wo sie ihre Belange zur Geltung bringen konnten, sollte das auch geschehen. Aber anderseits „erwächst doch die deutlichste Sicherheit aus der Ruhe und dem Rückzug vor den Leuten“, denn die Lehre Epikurs ist auf das individuelle Lebensglück ausgerichtet. Plutarchs Auseinandersetzung mit dem epikureischen Lebensideal ist eine Antithese zu Epikurs Maxime, denn Plutarch hebt die Bedeutung eines öffentlich verantworteten Lebens hervor.
Stephan Hohmann schreibt unter der Überschrift Die Vorfrage nach der Sinnhaftigkeit eines politischen Engagements:Das Sozialengagement bei Epikur und der Stoa, Navicula Bacchi (Egon Gottwein), 2000 (Hervorhebung im Original)
Dieser Vermeidung von Leid entspricht eine Askese auf seelischer Ebene, die Epikur Ataraxie (), heitere Seelenruhe, nennt. Aus diesem Streben nach Ataraxie folgt, dass der Weise versucht, ungestört von äußeren Einflüssen seine seelische Balance zu finden. Dafür fand Epikur die berühmte Formel „Lebe im Verborgenen!“.Epikur: Fragment 551 Als Vorbild für diese Lebensweise dienen ihm die Götter, die seiner Lehre zufolge zwischen den unendlich vielen Welten („Intermundien“) wohnen, von dort aus aber keinen Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen.
„nach lakonischer Art“
Lakonien ist eine Präfektur im Süden der Verwaltungsregion Peloponnes. In der Antike war Lakonien der Name des spartanischen Staates, dessen freie Einwohner Lakonier oder Lakedaimonier genannt wurden. Als lakonisch wird eine knappe aber treffende Ausdrucksweise bezeichnet, die einst als charakteristisch für die Bewohner von Lakonien galt.
Als Philipp II. mit seinem Heer herannahte, sandte er der Legende nach folgende Drohung nach der lakonischen Hauptstadt Sparta:
Darauf antworteten die Spartaner trocken:
„Mit dem Fuß tritt auf das Volk!“
Anfang eines antidemokratischen Verses des Aristokraten Theognis von Megara. Theognis lebte in der Umbruchzeit von der Aristokratie zur Demokratie und musste als Vertreter der Adelsherrschaft in die Verbannung.
Das vollständige Distichon lautet in der deutschen Übersetzung:Hans Poeschel: Die griechische Sprache. S. 308 Mit dem Fuße tritt auf das Volk, (das) eitlen Sinns, schlag’ es mit der Stachel, dem scharfen, und leg’ ihm ein Joch auf, schwer für den Nacken!
Theognis übte auch einen großen Einfluss auf den Philosophen Friedrich Nietzsche aus, der sich in seiner Erstlingsschrift mit dessen 700 Distichen beschäftigte. Dieser Text ist, bis auf die griechischen Originalzitate, vollständig lateinisch abgefasst. Nietzsche behandelt in drei Teilen das Leben des Theognis, die Zeitumstände sowie seine Ansichten über die Götter, die Sitten und über den Staat. Nietzsches wäre wegen Mathematik in Schulpforta durchgefallen und verdankte das Abitur nur der Fürsprache seines Lehrers Corrsens, der sagte:Zitiert nach „Wünschen Sie vielleicht, daß wir den begabtesten Schüler, den Pforta, so lange ich hier bin, gehabt hat, durchfallen lassen?“
„Überlieferungen überliefern“
Die Wendung stammt aus den Historien des Herodot.Historien des Herodot (7,152 und passim) Der ganze Satz des Herodot lautet:
Der Ausdruck wird sehr oft in einer anderen lateinischen Form zitiert:
„“ war auch das Motto der Frankfurter Postzeitung – eine der ersten Zeitungen überhaupt, die vermutlich im Jahr 1615 in Frankfurt am Main gegründet wurde.
Die Wendung wird verwendet, um klarzustellen, dass man selbst den wiedergegebenen Sachverhalt nicht inhaltlich beurteilen kann, da man ihn nur vom Hörensagen kennt.
Lateinische Variation (Plinius der Ältere): „“.
mini|Illustration von Julius Schnorr von Carolsfeld
„Mein Name ist Legion.“
Im Evangelium nach Markus antwortet der „unsaubere Geist“ auf die Frage nach seinem Namen:Markus 5,9Bibelwissenschaft.de: Markus 5,9 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)
Im Evangelium nach Lukas sagt er, er heiße „Legion. Denn es waren viele böse Geister in ihn gefahren.“Zitiert nach .Bibelwissenschaft.de: Lukas 8,30 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)
Der Dämon Legion, der Dämon von Gadara, war beeindruckt von der Macht Jesu und bat ihn, ihn nicht zurück in die Hölle zu schicken. Jesus trieb die Dämonen aus und kam gleichzeitig ihrer Bitte nach: Er erlaubte ihnen, in eine Schweineherde einzufahren. Die Schweine ertränkten sich daraufhin im See Genezareth.
mini|Ausschnitt aus da Vincis Abendmahl: Petrus (Mitte) fragt den Lieblingsjünger Johannes, während Judas distanziert daneben sitzt und im Begriff ist, etwas aus einer Schüssel zu greifen.
„Denn ich sage euch.“
Eine Wendung, die Jesus mehrfach im Neuen Testament verwendet, wie zum Beispiel im Evangelium nach Matthäus:Matthäus 26,21Bibelwissenschaft.de: Matthäus 26,21 – Novum Testamentum Graece (NA28), Lutherbibel 2017 (LU17) (griechisch, deutsch)
Die Jünger reagierten auf diese Prophezeiung hin entsetzt und fragten: „Herr, bin ich es?“ Jesus aber sagte: „Der mit der Hand mit mir in die Schüssel tauchte, der wird mich verraten.“ Das aber war Judas Ischariot, der scheinheilig fragte: „Bin ich es, Rabbi?“ Und Jesus antwortete ihm: „Du sagst es.“
Es ist diese Szene, die Leonardo da Vinci in seinem Abendmahl darstellte. Während die Jünger bestürzt diskutieren, verharrt Judas unbeweglich. Er ist platziert zwischen dem aufbrausenden Petrus und dem sanften Johannes.
„Die Ehebetten füllen sich durch den Kriegszug der Männer mit Tränen.“
In der Tragödie Die Perser des Dramatikers Aischylos beklagt der Chor der von ihren Männern zurück gelassenen Kriegerfrauen das traurige Schicksal:Aischylos, Die Perser V. 133Aeschylus, Persians, line 133–139 (Perseus Project) λέκτρα δ’ ἀνδρῶν πόθῳ πίμπλαται δακρύμασιν: Περσίδες δ’ ἁβροπενθεῖς ἑκά- στα πόθῳ φιλάνορι τὸν αἰχμάεντα θοῦρον εὐνα- τῆρ’ ἀποπεμψαμένα λείπεται μονόζυξ.
Dies übersetzt der Bremer Schriftsteller Ludwig Wolde folgendermaßen:Zitiert nach Hans Poeschel: Die griechische Sprache. München: dtv, 1975 (S. 321) Sehnsuchtszähren nach dem Gatten feuchten die Lager; Perserfraun, zärtlich trauernd, mannver- langend, schickten jede doch Den speerstarken, kampflust’gen Bettge- fährten hinaus und wohnen nun einsam im Haus.
„Löwenfell über Safrankleid“
Diese Phrase bezieht sich auf die Kostümierung, in der Dionysos in dem Drama Die Frösche des Aristophanes in den Hades hinabsteigt. Dionysos trägt ein feines Frauenkleid, über das er ein Löwenfell geworfen hat, damit man ihn für Herakles hält und sich vor ihm fürchtet. Über diese Maskerade macht sich Herakles mit folgenden Worten lustig:
Der Humanist Erasmus von Rotterdam kommentiert in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften. Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 1972
mini|hochkant|Giorgiones Gemälde Das Gewitter wurde auch als Begegnung von Adrastos und Hypsipyle gesehen
„Lemnischer Frevel“
Weil Aphrodite ihre Heiligtümer auf Lemnos vernachlässigt sah, strafte sie alle Frauen der Insel mit übelriechendem Atem. Als Folge blieben ihnen ihre Gatten fern und vergnügten sich stattdessen mit thrakischen Sklavinnen. Die eifersüchtigen Gattinnen brachten daraufhin in einer Nacht alle männlichen Bewohner der Insel um. Allein Thoas wurde von seiner Tochter Hypsipyle versteckt und überlebte.
Als aber die Männer zur Fortpflanzung fehlten, versuchten die Frauen, die Argonauten zum Bleiben zu bewegen, und Königin Hypsipyle spricht zu den Argonauten:Gustav Schwab: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums
Iason, der Anführer der Argonauten, schwängerte Hypsipyle und schwor ihr ewige Treue. Hypsipyle gebar die Zwillinge Euneos und Deipylos. Iason machte sich jedoch davon und vergaß seinen Schwur. Als die Lemnierinnen entdeckten, dass Hypsipyle ihren Vater verschont hatte, vertrieben sie ihre Königin. Sie wurde von Piraten gefangen genommen und an Lykurg, den König von Nemea, verkauft. Hypsipyle wurde daraufhin mit der Erziehung des Kronprinzen betraut. Als die Sieben gegen Theben durch Nemea zogen, zeigte Hypsipyle ihnen eine Quelle und ließ ihr Mündel dabei aus den Augen. Dieses wurde aber von einer Schlange gebissen und starb. Adrastos bewahrte Hypsipyle vor der Rache Lykurgs.
mini|Eckstein an einer Kirche
„Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“
Der Eckstein ist der wichtigste Stein im ganzen Bau. An ihm werden die anderen Steine ausgerichtet. Im Neuen Testament steht der Eckstein für Jesus Christus. Die Wendung „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden“ kommt mehrfach vor.
Im Evangelium nach Matthäus zitiert Jesus diese Bibelstelle, um damit anzukündigen, dass die Früchte des Reiches Gottes bald nicht mehr allein den Juden gehören werden ().
Siehe auch , , und .
Im Brief des Paulus an die Epheser wird dieser Gedanke noch vertieft:
„Ein Hafen ist die Bildung allen Sterblichen.“ Lateinisch:
Sentenz aus den Monosticha des Dichters Menander, die die Bedeutung der Bildung herausstreicht.Sentenz 312 in: Menander: Monosticha - Sententiae (Gnomai), – Navicula Bacchi (Egon Gottwein)
Diese Sentenz ähnelt einer anderen Sentenz Menanders:Sentenz 309 in: Menander: Monosticha - Sententiae (Gnomai), – Navicula Bacchi (Egon Gottwein) „“
„Ein Hafen im Unglück für die Menschen ist die Kunst.“ Lateinisch: oder .
Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt dazu in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:
Im gleichen Zusammenhang steht auch das folgende Zitat des Kynikers Diogenes:Diogenes Laertios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 68
mini|hochkant|Demosthenes übt am Strand
„Philippische Reden“
Der Ausdruck Philippische Reden geht zurück auf die zwischen 351 v. Chr. bis 341 v. Chr. von Demosthenes gehaltenen Reden gegen König Philipp von Makedonien, der Athen bedrohte. Das Wort Philippika bezeichnet eine Angriffs-, Brand-, Straf- oder Kampfrede.
Der römische Politiker Marcus Tullius Cicero wählte die Bezeichnung Philippica für seine Reden gegen Marcus Antonius, den er als eine Bedrohung für die Römische Republik sah. Die Bezeichnung Philippica legte den Gedanken nahe, dass er sich dem größten griechischen Redner Demosthenes ebenbürtig fühlte.
Die Erste Rede gegen Philipp entstand vielleicht noch vor der Rede für die Freiheit der Rhodier. Die Zweite Rede gegen Philipp ist ein Bericht über eine Gesandtschaftsreise nach Messene und Argos, zwei Staaten, die bei Philipp Schutz vor Theben und Sparta suchten. Die Dritte Rede gegen Philipp ist die leidenschaftlichste. Die Vierte Rede gegen Philipp diskutierte die Möglichkeit, von den Persern im Kampf gegen Philipp unterstützt zu werden.
mini|Antigone vor der Leiche ihres Bruders Polyneikes
„Ich mag nicht Liebe, die mit Worten liebt.“