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mini|Die Totenrichter Minos, Aiakos und Rhadamanthys(Ludwig Mack: Die Unterwelt, um 1826)

„Eid des Rhadamanthys“ Lateinisch

Rhadamanthys war ein mythologischer Richter über die Toten, der zuvor als Herrscher auf Kreta einen hervorragenden Gesetzeskodex eingeführt haben soll, den die Spartaner später kopierten. Er wurde aber von Minos vertrieben und floh zu den südlichen Ägäischen Inseln, wo er von der Bevölkerung aus Hochachtung vor seiner Gesetzgebung zum König ernannt wurde.

Nach seinem Tod richtete Rhadamanthys in der Unterwelt, gemeinsam mit Minos und Aiakos, über die Schatten der Verstorbenen. Andererseits ist er in der Odyssee der Herrscher über das Elysion, der richtete, wenn die Schatten der Verstorbenen in Streit gerieten.

Platon schreibt voll Bewunderung, wie Rhadamanthys seine gerichtlichen Entscheidungen fällte:Platon: Nomoi (Die Gesetze), Übersetzung Franz Susemihl; zitiert nach ; auch Nomoi, Kap. 12 (Opera Platonis; PDF, 151 KB).

Jetzt aber, meint Platon, wo viele Menschen nicht an Götter glauben, würde dieser Kunstgriff nicht mehr greifen.

mini|hochkant|Nemesis-Statuette

„Du bist ein Rhamnusier.“ Lateinisch „“

Rhamnusia oder Rhamnousia ist der Beiname der Nemesis, der Göttin des „gerechten Zorns“, die im attischen Ort Rhamnous besonders verehrt wurde. Daher ihr Beiname .

Ihre Statue war von Phidias aus einem Marmorblock gemeißelt worden, den die Perser mitgebracht hatten, um daraus ein Siegeszeichen zu bilden, wenn die Griechen besiegt sein würden.

Nemesis bestraft vor allem die menschliche Hybris und die Missachtung von Themis, der Göttin des Rechts und der Sittlichkeit.

„Steter Tropfen höhlt den Fels.“

In dieser Version ist das bekannte Sprichwort „Steter Tropfen höhlt den Stein“ in der Sprichwortsammlung des byzantinischen Gelehrten Michael Apostolios aus dem 15. Jahrhundert überliefert., c15.19 (Bibliotheca Augustana)

Siehe ausführlicher unter der älteren Variante „“ („Den Fels höhlt steter Wassertropfen aus“).

mini|hochkant|Guido Reni: Kindermord in Betlehem (Detail)

„Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren nicht mehr.“

Aus dem Bericht über den Kindermord in Betlehem im Evangelium nach Matthäus. Der Evangelist Matthäus zitiert dabei den Propheten Jeremia und erzählt, dass Herodes sehr zornig wurde, als er feststellte, dass er von den Weisen hintergangen worden war, und alle männlichen Kinder in Bethlehem töten ließ, die jünger als zwei Jahre alt waren.

Als König Herodes von Judäa durch die Sterndeuter aus dem Morgenland von der Geburt eines neuen Königs der Juden erfuhr, ließ er die Weisen Israels befragen, wo diese Geburt stattgefunden habe. Diese identifizierten Betlehem als Geburtsort. Beim Propheten Micha steht dazu: „Aber du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.“

Betlehem aber war die Stadt Davids, dem Gott verheißen hatte, sein Nachkomme werde auf ewige Zeiten den Thron erben. Nachdem die Sterndeuter ihm nicht wie gewünscht auf ihrem Rückweg über das Gefundene berichtet hatten, wurde Herodes wütend und beschloss, den Konkurrenten auszuschalten, indem er in Bethlehem alle Knaben unter zwei Jahren töten ließ. Joseph wurde jedoch in einem Traum bedeutet, nach Ägypten zu fliehen, so dass Jesus dem Kindermord entgehen konnte.

„Rückgrat des Volkes“

Propagandistische Bezeichnung der griechischen Militärjunta für den Bauernstand. Diese Bezeichnung ist im Unterschied zu anderen Slogans der Junta, die sonst in Katharevousa gehalten waren, in der Volkssprache Dimotiki, wohl damit die weniger gebildeten Bauern diesen Slogan auch selbst verstanden.

Der Anführer der Obristen, Giorgios Papadopoulos, der selbst bäuerlicher Herkunft war, fand unter den Bauern am meisten Unterstützung und förderte dies noch durch Erlass von landwirtschaftlichen Darlehen und die Förderung des ländlichen Raums.

„Ein Wort zur Unzeit wirft das ganze Leben um.“

Sentenz aus den Monosticha des Dichters Menander, die man im Zusammenhang mit der folgenden sehen kann:

Beide Sätze zielen darauf an, dass das Glück leicht auf der Kippe stehen kann.

„Worte statt Mehl“ Lateinisch:

Diese sprichwörtliche Wendung bedeutet so viel wie „viel versprechen und nichts geben“. Eine deutsche Entsprechung ist:

Der Humanist Erasmus von Rotterdam zieht in seiner Sprichwörtersammlung Adagia eine Parallele zu einem anderen Sprichwort: Erasmus von Rotterdam: Adagia. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2005. ISBN 3-15-007918-7

Vor diesem antiken Hintergrund kritisiert Erasmus seine Zeit, in der zum Beispiel die Kirche aus Totenmessen Profit zieht:

„Redekunst“ Lateinisch

Die Redekunst war die Kunst der freien, öffentlichen Rede, deren Aufgabe es war, die Möglichkeiten zu erforschen und die Mittel bereitzustellen, die nötig sind, um eine Gemeinsamkeit zwischen Redner und Zuhörern herzustellen, auf deren Basis es ermöglicht wird, eine subjektive Überzeugung allgemein zu machen.

Aristoteles entwickelte als erster eine systematische Darstellung der Redekunst (). Die Rhetorik ist wie die Dialektik ein fachübergreifendes Grundwissen, denn sie beschäftigt sich mit „Themen, deren Erkenntnis allen Wissenschaftsgebieten zuzuordnen ist“.

In Platons Dialog Gorgias heißt es:Platon, Gorgias 453a; zitiert nach

+ Die drei Redegattungen griechisch lateinisch deutsch Anmerkungen Gerichts­rede Bezieht sich grundlegend auf die Vergangenheit: „Hat der Angeklagte XY ermordet?“

aktive Entscheidung, die durch die Rede beeinflusst werden soll Beratungs­rede z. B.: Parlamentsrede. Bezieht sich grundlegend auf die Zukunft: „Soll Krieg geführt werden oder nicht?“

aktive Entscheidung, die durch die Rede beeinflusst werden soll Fest­rede Bezieht sich grundlegend auf die Gegenwart. Die Lobrede hört man, um sie zu genießen.

Publikum weitgehend unbeteiligt

Siehe auch das sophistische Prinzip: „“ („die schwächere Sache zur stärkeren machen“).

„Ich werfe die Perlen vor die Säue.“

Diese neugriechische Wendung geht zurück auf eine Stelle im Evangelium nach Matthäus. Jesus sagt dort:Matthäus 7,6Bibelwissenschaft.de: Matthäus 7,6 – Novum Testamentum Graece (NA28), Lutherbibel 2017 (LU17) (griechisch, deutsch)

Die Bedeutung dieser Bibelstelle ist, dass man anderen etwas bietet, was diese nicht zu schätzen wissen.

Der Ausdruck ist (mit Varianten) in viele Sprachen eingegangen: Englisch: „“ Französisch: „“ Italienisch: „“

Adriano Farano schrieb unter der Überschrift Marmelade vor die Säue werfen:

Eine Variante ist: „.“ („Ich werfe den Hunden Diamanten vor.“)

mini|Die rosenfingrige Eos

„die rosenfingrige Eos“

Bei Homer häufig verwendetes Epitheton ornans der als Göttin verehrten Morgendämmerung, griechisch Eos. Ihre Aufgabe bestand darin, allmorgendlich mit ihrem Gespann aus dem Okeanos aufzutauchen und damit den Tag anzukündigen. Bei Homer wird die Schönheit der Eos gepriesen. Sie erscheint als eine anmutige Göttin in einem Kleid aus Safran.

Einer der homerischen Verse lautet im größeren Zusammenhang in der Übersetzung von Johann Heinrich Voss: „Als die dämmernde Frühe mit Rosenfingern erwachte.“

Eos verliebte sich in einen schönen jungen Mann namens Tithonos und erbat sich von Zeus für ihn ewiges Leben. Doch da Eos vergaß, auch um ewige Jugend zu bitten, alterte Tithonos schließlich und schrumpfte immer mehr zusammen, bis zur Größe einer Zikade, deren Zirpen schließlich seine Stimme glich. Deshalb hält es Eos nicht lange bei ihm aus und verlässt in aller Frühe ihr Lager.

Eos und Tithonos hatten zwei Söhne, Emathion (den Herakles tötete) und Memnon (den Achilles tötete). Diese beweint Eos noch immer und ihre Tränen fallen jeden Morgen als Tau vom Himmel.

Ähnlich: eulenäugige Athene: Z. B. Homer, Ilias 1,206 kuhäugige Hera: Z. B. Homer, Ilias 1,568 listenreicher Odysseus: Z. B. Homer, Ilias 1,311

mini|Herbst-Adonisröschen

„Du vergleichst eine Rose mit einer Anemone.“ Lateinisch „“

Nach der Mythologie sollen weiße Rosen aus den Tränen der Aphrodite entsprossen sein, als diese den Tod des Frühlingsgottes Adonis beweinte und das Blut des sterbenden Adonis die Blüten rot färbte. Aus jedem Blutstropfen soll ein rotes Adonisröschen (Anemonen) gewachsen sein.

Als sterbender und auferstehender Gott personifiziert Adonis die alljährlich im Sommer verdorrende, im Frühling wieder neu sprießende Vegetation. Zu Ehren des Adonis fanden an vielen Orten mehrtägige Trauerfeste statt, die in einer fröhlichen Feier der Auferstehung des Gottes endeten.

Einzelnachweise