mini|Sigma

„Ich liebe dich.“

Beim Eurovision Song Contest 2002 trat der Sänger Michalis Rakintzis mit dem Titel S.A.G.A.P.O. an, der allerdings in Englisch gesungen wurde. Dieses Lied hatte den folgenden Kehrvers: „Say (Say, Say) Say the password, S’ agapo, S.A.G.A.P.O.“

Rakintzis erreichte damit lediglich den 17. von 24 Plätzen.

„Ich liebe dich.“

Die klassische griechische Sprache verwendet unterschiedliche Wörter für den Begriff Liebe: Eros (): körperliche Liebe Philia (): unbedingte Freundschaft Agape (): Hochschätzung (nur im Neuen Testament und in der Sprache der Kirche gebräuchlich, ansonsten wird gebraucht) Storge (): Zuneigung Thelema (): Verlangen

mini|hochkant|Caravaggio: Bekehrung des Saulus

„Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“

In der Apostelgeschichte wird das Damaskuserlebnis des Paulus von Tarsus erzählt, dessen hebräischer Vorname Saulus lautete und der ursprünglich ein fanatischer Verfolger der jungen christlichen Gemeinden war. Er drang in die Häuser der Christen ein, verschleppte Männer und Frauen und sorgte für ihre Verhaftung. Auf dem Weg nach Damaskus soll er dann in einer Vision dem auferstandenen Jesus selbst begegnet sein. Dieser habe ihm zugerufen: „Saul, Saul! Warum verfolgst du mich?“

Saulus habe zurückgefragt: „Wer bist du, Herr?“

Darauf habe die Stimme geantwortet: „Ich bin Jesus, den du verfolgst!“

Der Ausdruck Damaskuserlebnis bezieht sich auf dieses Ereignis, durch das Paulus von einem Verfolger der Urchristen zum Apostel Jesu Christi wurde.

„sardonisches Lachen“ Lateinisch

Sardonismus bezeichnet den grimmigen, schmerzvollen Spott (im Unterschied zum Sarkasmus).

Bereits im antiken Griechenland kannte man den Ausdruck, aber der Ursprung ist unsicher: Bei der Urbevölkerung Sardiniens (lateinisch ) soll die Sitte bestanden haben, die alten Leute zu töten; dabei sollte gelacht werden. Das war der berüchtigte , ein krampfartiges Lachen, an dem die Seele unbeteiligt ist. Gelegentlich wird das krampfhafte Lächeln auf die Wirkung einer bitteren Pflanze (je nach Quelle Lachkraut, oder ) aus Sardinien zurückgeführt, die das Gift Oenanthotoxin enthalten soll und somit die Überlieferung von der Tötung der Alten erklären würde. Als mögliche echte Pflanzen für dieses Kraut wurden der Röhrige Wasserfenchel und die Safranrebendolde genannt.

Im antiken Griechenland unterschied man zwischen zynisch (, „zur Weltsicht der Kyniker gehörig“), sardonisch (, „grimmiges Hohngelächter eines Zornigen, bei eigenem Schaden“) und sarkastisch (, „höhnender Spott, verletzende Rede“).

So lacht Odysseus als Bettler verkleidet sardonisch in sich hinein, um seinen Zorn zu verbergen, als er, endlich heimgekehrt, einem von einem Freier nach ihm geworfenen Kuhfuß ausweicht.Homer, Odyssee 20,302

Risus sardonicus bezeichnet heutzutage ein Symptom, das bei Strychnin-Vergiftungen und Infektionen mit dem Tetanus-Erreger auftritt.

„unheilvolle Zeichen“

Phrase aus Homer, Ilias 6,168.Homer, Ilias 6,168. griechischer Originaltext und deutsche Übersetzung (Navicula Bacchi [gottwein.de])

In der Erzählung über Bellerophontes schickte der König Proitos diesen Helden des Trojanischen Kriegs zu seinem Schwiegervater nach Lydien und gab ihm eine Tafel mit eingeritzten Zeichen mit, in denen ausgedrückt war, dass der Überbringer zu töten sei.

Vergleiche auch („Bellerophon-Brief“).

„Sogar einen Felsen zerstört viel Zeit.“

Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia zu diesem Sprichwort:Erasmus von Rotterdam: Adagia, III 2,100

Gleichzeitig verweist Erasmus auch auf das berühmte Ovid-Zitat „“ („Der Tropfen höhlt den Stein.“).Ovid: Briefe vom Pontus, IV

Andere lateinische Version: „“ („Steter Tropfen höhlt den Fels aus.“)

Siehe auch: „“ („Den Fels höhlt steter Wassertropfen aus.“)

. .

„Eisen willst du das Schwimmen beibringen.“ Lateinisch: „“

Erasmus von Rotterdam erklärt dazu:

mini|hochkant|Gustave Dorés Illustration für La Fontaines Version

„(Der) Sizilier (schaut über das) Meer.“ Lateinisch

Diese Phrase geht auf eine Fabel Äsops zurück und ist in fast allen griechischen Sprichwörtersammlungen verzeichnet (z. B.: ). Sie bezieht sich auf Leute, die ein zweites Mal in Versuchung kommen, sich einer Gefahr auszusetzen.

In der Fabel wird von einem Sizilianer (Sikeler) erzählt, der mit einem Feigentransport Schiffbruch erlitt. Als er bei ruhiger See wieder daran dachte, dass der Handel mit Feigen über das Meer doch wohl sehr lukrativ wäre, sagte er zum Meer:Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften. Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1972.

Der französische Fabeldichter Jean de La Fontaine erzählt diese Fabel neu unter dem Titel (Der Schäfer und das Meer).

„Eine bittere Gurke? Wirf sie weg!“

Zitat aus den Selbstbetrachtungen des römischen Kaisers Mark Aurel, das vollständig folgendermaßen lautet.Mark Aurel: Selbstbetrachtungen VIII, 50; vergleiche (griechische Wikisource)

Lateinisch:

mini|hochkant|Georg Büchmanns Grab in Berlin-Schöneberg, Inschrift

„Eines Schattens Traum ist der Mensch.“

Der Satz stammt aus Pindars Achter Pythischer Ode:Pindar, Pythische Oden 8,95–96; Übersetzung: Uvo Hölscher, zitiert nach Wilfried Stroh, 15. Oktober 2002, . Tagwesen! Was ist Sein? Was ist Nichtsein? Eines Schattens Traum ist der Mensch. Aber wenn gottgeschenkter Glanz kommt, Liegt helles Licht auf den Männern und freundliche Lebenszeit.

Georg Büchmann, der Autor der Zitatensammlung Geflügelte Worte, wählte eine Abwandlung dieses Spruchs in griechischer Sprache als seine Grabinschrift:

Vom spanischen Dichter Pedro Calderón de la Barca stammt das berühmte Bühnenstück „“ – „Das Leben ein Traum“, dessen Bearbeitung von Franz Grillparzer „Der Traum ein Leben“ heißt. Diese pessimistische Metapher verwendet Grillparzer auch in seinem Drama Medea; in einem der letzten Sätze sagt Medea zu Jason: „Was ist der Erde Glück? – Ein Schatten! Was ist der Erde Ruhm? – Ein Traum! Du Armer! der von Schatten du geträumt! Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.“

mini|Krösus auf dem Scheiterhaufen; Abbildung auf einer rotfigurigen Vase, frühes 5. Jahrhundert v. Chr.

„Auf das Ende einer jeden Sache muss man schauen, wie sie einmal ausgehen wird.“

Herodot ließ diese Worte in seinen Historien den Athener Solon sagen, einen der Sieben Weisen, der damit den reichen Lyderkönig Krösus mahnen wollte.Historien des Herodot, 1,32,9; vergleiche (griechische Wikisource), In dieser historisch nicht sehr wahrscheinlichen Sage sprechen die beiden über die Nichtigkeit menschlicher Glückseligkeit.

Nach Herodot führte Krösus Solon durch seinen Palast. Dann, als er ihm seine Reichtümer gezeigt hatte, fragte er Solon, welchen Menschen er für den glücklichsten halte. Er war nämlich überzeugt, dass ihn Solon wegen seines Reichtums als den glücklichsten Menschen nennen werde. Solon aber antwortete, dass Krösus zwar reich sei und ein großes Volk regiere, fügte aber noch hinzu:Historien des Herodot, 1,32,5

Siehe dazu auch („Schau auf das Ende eines langen Lebens!“)

Nach der Niederlage gegen die Perser rief Krösus auf dem Scheiterhaufen drei Mal laut den Namen Solon, was sich der Perserkönig Kyros nicht erklären konnte. Er forderte von Krösus eine Erklärung. Doch der weigerte sich zuerst, berichtete dann aber von seinem Gespräch mit Solon. Kyros zog daraufhin seinen Exekutionsbefehl zurück, doch ließen sich die Flammen nicht mehr löschen. Nun flehte Krösus den Gott Apollon an, der aus heiterem Himmel einen Platzregen bewirkte.Historien des Herodot, 1,85-91; danach Diodor, Bibliotheke 9, 34; Plutarch, Solon 28.

Im Alten Testament findet sich bei Jesus Sirach ein ähnlicher Satz:Sirach 7,36Bibelwissenschaft.de: SIRACIDES 7,36 – Septuaginta (LXX), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)

Lateinisch:in der Vulgata mit abweichender Nummerierung 7,40: LIBER IESU FILII SIRACH 7,40 – Biblia Sacra Vulgata (VUL) (lateinisch, Bibelwissenschaft.de)

Die Sentenz und der Bibelspruch sind vermutlich Vorbilder für die spätmittelalterliche lateinische Maxime „“ („Was auch immer du tust, tu es klug und bedenke das Ende.“)

Zu weiteren wahrscheinlichen Vorbildern siehe („Überlege vor der Tat, damit nichts Törichtes daraus entstehe.“)

mini|Das Schloss von Scilla

„Skylla und Charybdis“

Das Ungeheuer Skylla trieb an einer Meerenge, die bereits in der Antike mit der Straße von Messina gleichgesetzt wurde, mit dem Ungeheuer namens Charybdis sein Unwesen. Beide bedrohten sowohl Odysseus als auch die Argonauten. Die Skylla lebte auf einem Felsen und fraß unvorsichtige Seefahrer, die sich ihr näherten, um Charybdis zu entgehen. Als Odysseus durch die Enge fuhr, fraß sie sechs seiner Gefährten. Die Charybdis sog dreimal am Tag das Meerwasser ein, um es danach brüllend wieder auszustoßen. Schiffe, die in den Sog gerieten, waren verloren.

Die Redewendung „zwischen Skylla und Charybdis“ steht für eine Situation, in der man sich zwischen zwei Gefahren befindet. Weicht man der einen Gefahr aus, begibt man sich in die andere. Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:

Lateinisch: „“ („Indem ich Charybdis fliehe, falle ich in die Skylla.“)

Nach der Skylla ist heute noch der süditalienische Ort Scilla an der Straße von Messina benannt. Scilla ist das antike Scyllaeum.

mini|hochkant|Druckerzeichen der Aldus-Presse

„Eile mit Weile!“

Der ganze Satz lautet:Vergleiche Euripides, Die Phönikerinnen 599: EURIPIDES, Phoenician Women 598–605 (Loeb Classical Library)

Die lateinische Übersetzung „“ war gemäß Sueton ein Lieblingsausspruch des römischen Kaisers Augustus.Sueton: Divus Augustus 25,4

Der Wahlspruch des Augustus wurde durch einen Kreis und einen Anker, um den sich ein Delphin windet, bildlich wiedergegeben. Der Humanist Erasmus von Rotterdam erklärt das 1508 in seiner Sprichwörtersammlung Adagia so:Zitiert nach

Weiter führt Erasmus aus:

mini|„Gib uns Barabbas!“

„Kreuzige ihn!“ Lateinisch: „“

Worte, die dem Evangelium nach Markus zufolge die Menschenmenge rief, als Pontius Pilatus fragte, ob er Jesus oder Barabbas freilassen sollte. Barabbas war zusammen mit einigen Aufrührern, die einen Mord begangen hätten, gefangen worden:

Pilatus schafft eine Chance zur Rettung Jesu und schiebt damit die Verantwortung auf das aufgewiegelte Volk. Anschließend wäscht er seine Hände in Unschuld.

„Phormions Strohlager“ Lateinisch:

Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:

In der Komödie Frieden des Dichters Aristophanes heißt es:Aristophanes, Frieden 1,346–348

Ach, wäre es mir doch vergönnt, diesen frohen Tag zu schauen! Denn erduldet hab’ ich viele Mühsal, lag auf einer Schütte von Stroh, wie sie Phormion hatte.

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„blutiger Punkt“

Aristoteles sprach in seiner TierkundeAristoteles, Historia Animalium VI,3 (561a12 f.); (griechische Wikisource). vom Springen eines blutigen Punktes. Er gebraucht dafür das Verb („springen, hüpfen“). Der Ausdruck springender Punkt bezeichnet den pulsierenden Blutpunkt, der sich im Experiment – zum Beispiel am bebrüteten Hühnerei – etwa am vierten Tage nach der begonnenen Bebrütung bemerkbar macht:

Der Aristoteliker Theodorus Gaza übersetzte im 15. Jahrhundert die letzten Worte mit den lateinischen Worten „“ („Dieser Punkt springt/hüpft schon und bewegt sich wie ein Tier“), was bei William Harvey 1651 zum „“, dem „springenden Punkt“ wurde.Gulielmi Harvei (William Harvey), Opera II, Exercitationes de Generatione Animalium, Leyden 1737, S. 66.

„nach deutscher Art“

Griechische Bezeichnung für das getrennte Bezahlen der Rechnung beim gemeinsamen Ausgehen in einer Gruppe (). Diese Wendung wird übrigens auch in der Türkei gebraucht (, „deutsche Art“), wo ebenfalls die Sitte vorherrscht, dass bei größeren Gesellschaften einer für alle zahlt und sich darauf verlässt, dass bei anderen Gelegenheiten die anderen zahlen, so dass sich alles irgendwie ausgleicht. Aus diesem Grund wird die Rechnung üblicherweise für den gesamten Tisch ausgestellt.