mini|Lage an der Grenze zum Niedergermanischen Limes – „proto-fränkische“ germanische Stämme vor der „fränkischen Genese“ Die Franken (sinngemäß „die Mutigen, Kühnen“) sind Rhein-Weser-Germanen, die sich ab dem 3. Jahrhundert im Umfeld derjenigen Teile Germaniens, die von den Römern besetzt waren, durch Bündnisse mehrerer Kleinstämme als Gruppe formierten.

Die Franken (lateinisch Franci) wurden im Jahre 291 in einem Panegyricus, also einer prunkvollen Rede, auf die Kaiser Diokletian und Maximian erwähnt. Um 360/61 berichtete der spätantike römische Historiker Aurelius Victor in seinen Kaiserviten, dass die Völker der Franken (Francorum gentes) bereits Ende der 250er Jahre Gallien verwüstet hätten.Aurelius Victor, Caesares, 33,3. Salische Franken (auch Salier genannt) und Rheinfranken expandierten zunächst räumlich getrennt. Die Salier breiteten sich über Toxandrien nach Gallien aus, die Rheinfranken über den Mittelrhein und das Moselgebiet nach Süden und in die ehemals linksrheinische römische Provinz Gallia Belgica. Fränkische Krieger dienten dem Kaiser im 4. und 5. Jahrhundert als foederati, bevor sie im Übergang von der Spätantike ins Frühmittelalter das bedeutendste germanisch-romanische Nachfolgereich im Westen gründeten. Dort wurde der letzte weströmische Kaiser 476 abgesetzt.Vgl. zu den Hintergründen Henning Börm: Westrom. Stuttgart 2013. Der merowingische König Chlodwig I. vereinigte in den Jahren um 500 erstmals die Teilverbände der Salfranken und Rheinfranken und schuf das Fränkische Reich, das unter dem Karolinger Karl dem Großen seine größte Ausdehnung erfuhr.

Franken und die ortsansässigen Bevölkerungen vermischten sich im Laufe der Zeit sprachlich und kulturell. Im Westen dominierte die galloromanische Volkssprache, im Osten die fränkische Sprache. Dazwischen bildete sich bis zum 9. Jahrhundert eine Sprachgrenze aus. Die moderne Region Franken bildete historisch das östlichste Siedlungsgebiet des Volksstammes.

Unter den Enkeln Karls des Großen erfolgte zunächst eine Dreiteilung des großen Frankenreiches. Das mittlere Königreich Lothringen wurde 870 zwischen dem Ostfrankenreich und Westfrankenreich aufgeteilt. Aus dem ostfränkischen Reich wurde später das Heilige Römische Reich. Aus dem westfränkischen Reich entstand Frankreich.

Der Name der Franken Das Ethnonym der Franken ist – wie die Namen anderer germanischer Stämme – als Quelle mit großer Nähe zum historischen Geschehen auch von Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft. In den zeitgenössischen, meist in Latein verfassten historischen Darstellungen blieben die Ethnonyme als germanischsprachige ‚Fremdkörper‘ stehen und wurden damit relativ wenig von der jeweiligen Interpretation des Autors beeinflusst. Ähnliches gilt für germanische Personennamen.

Grundsätzlich stellt sich auch für die Deutung des Frankennamens die Frage der Fremdbenennung oder Eigenbenennung.Vgl. unter anderem Heike Hawicks: Der Name und die Sprache der Franken. In: Dieter Geuenich, Thomas Grünewald, Reinhold Weitz (Hrsg.): Chlodwig und die „Schlacht bei Zülpich“. Geschichte und Mythos 496-1996. Begleitbuch zur Ausstellung in Zülpich, 30.08.-26.10.1996. Euskirchen 1996, S. 40–47. Ein bekanntes Beispiel stellt die anhaltende Diskussion des Germanen-Begriffs dar.Jörg Jarnut: Germanisch. Plädoyer für die Abschaffung eines obsoleten Zentralbegriffes der Frühmittelalterforschung. In: Walter Pohl (Hrsg.): Die Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters. Wien 2004, S. 107–111. Der Name der Franken folgt einem häufigen Motiv bei germanischen Stammesnamen, die nach einer charakteristischen Eigenart oder Eigenschaft vergeben wurden. Dies geschah aus einer Beobachtung entweder aus der Fremd- oder Eigensicht.Ludwig Rübekeil: Völkernamen Europas. In: Ernst Eichler, Gerold Hilty, Heinrich Löffler, Hugo Steger, Ladislav Zgusta (Hrsg.): Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik Zweiter Halbband, De Gruyter, Berlin / New York 2008, ISBN 978-3-11-020343-1, S. 1330–1343, hier: 1330–1332; Ludwig Rübekeil: Stammes- und Völkernamen. In: Andrea Brandler (Hrsg.): Namenarten und ihre Erforschung – Ein Lehrbuch für das Studium der Onomastik. Festschrift für Karl-Heinz Hengst. Baar, Hamburg 2004, ISBN 3-935536-34-8, S. 744–771, hier: S. 757–761 (zur grundlegenden Methodik etc.).

In der Antike und der Spätantike wurde der Stammesname mit „die Kriegerischen“ (Libanios) beziehungsweise „die Wilden “ (Isidor von Sevilla) erklärt. Ein Teil der zeitgenössischen Etymologen schließt sich hier an. Nach ihnen geht der Stammesname auf ein urgermanisches Adjektiv *franka- ‚kampfbegierig‘ zurück, das als Nasalinfixbildung zu urgermanisch *fraka- ‚mutig, gierig‘ gehört; verwandt sind mittelniederländisch vrac ‚gierig‘ und altnorwegischen frakkr ‚schnell, mutig‘. Die Franken wären demnach „die Kampfbegierigen“.Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Band III: fadum – fûstslag. Hrsg. von Albert L. Lloyd und Rosemarie Lühr. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 520–524.Ulrich Nonn: Die Franken. Stuttgart 2010, S. 11 ff. Andere Etymologen möchten den Stammesnamen an ein germanisches Wort *frank- ‚frei‘ anschließen, das schon früh in die romanischen Sprachen entlehnt worden ist; die Franken wären hiernach „die Freien“.Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. De Gruyter, Berlin/Boston 2011; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Bearbeitet von Wolfgang Pfeifer und anderen. Akademie, Berlin 1989; je s. v. Die Problematik an dieser Herleitung liegt allerdings darin, dass das romanische Adjektiv *frank- wohl selbst eine Ableitung von mittellateinisch Francus ‚Franke‘ ist, da die Franken in ihrer merowingischen Herrschaftsstellung als die Freien schlechthin galten.Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. München 1970, S. 1–3 (Kapitel: „Stammesbildung“).Ulrich Nonn: Die Franken. Stuttgart 2010, S. 14. Problematisch ist auch der ebenfalls geäußerte Vorschlag, den Stammesnamen mit altenglisch franca und altisländisch frakka, frakki ‚Lanze, Spieß‘ in Verbindung zu bringen.

Die Franken und das Römische Reich 250px|mini|Detail der Tabula Peutingeriana, mit der Francia, dem Frankenland am oberen Rand Der Niedergermanische Limes war zur Zeitenwende die Grenze zwischen der linksrheinischen römischen Provinz Germania inferior und der kaum kontrollierten Germania magna rechts des Rheins. Dieser Limesabschnitt begann etwa beim heutigen Bad Breisig und endete im Mündungsbereich des Altrheins in die Nordsee. Er wurde vorrangig vom Flusslauf selbst bestimmt, weniger von Wällen oder Mauern. Am Fluss entlang zogen sich römische Kastelle und Befestigungen über Nijmegen, Xanten, Neuss, Köln bis Bonn, wo etwas rheinaufwärts gegenüberliegend der Obergermanische Limes begann. In dieser Schutzzone waren im linksrheinischen Hinterland eine Vielzahl von römischen Landgütern (Villae Rusticae) und Siedlungen (Vici) entstanden. Als bedeutendes Zeichen römischer Macht im gallorömisch-germanischen Grenzland fungierte die Kaiserresidenz Augusta Treverorum (heute Trier).

Im großen Raum zwischen Rhein und Ardennen gab es aber auch germanische Dörfer und Siedlungen, die in Abhängigkeiten zu den römischen Einrichtungen lebten. Die rechts und links des Rheins siedelnden Germanen waren generell mit römischer Kultur, Zivilisation und Militärtechnik vertraut. Germanen waren dort in unterschiedlichem Umfang in Diensten der Römer tätig, nicht selten als militärische Bündnistruppen. Der Stamm der Ubier wurde von den Römern um 15 v. Chr. im heutigen Köln angesiedelt und nach und nach romanisiert. Das galt auch für die Bataver in der niederländischen Betuwe.Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München 1970, S. 35 ff. Es kam immer wieder zu Raubzügen germanischer Gruppen gegen römische Einrichtungen, die sich auch zu größeren Auseinandersetzungen ausweiten konnten.

Die inneren Probleme Roms mit Nebenkaisern und Gegenkaisern im 3. Jahrhundert (siehe Reichskrise des 3. Jahrhunderts) wirkten sich auch destabilisierend auf die Situation in Gallien und Germanien aus. Hinzu kamen später die Unruhen der beginnenden Völkerwanderungszeit und die Auseinandersetzungen der Römer mit Goten und anderen germanischen Stämmen. In diesem Zeitraum formierten sich germanische Gruppen und Stämme der rechtsrheinischen Germania magna zu Aktionsgemeinschaften. Diese formierten sich zu Stammesbünden und schließlich zu neuen Völkern. Dieser Ablauf gilt für die Franken, ebenso für die Sachsen, Alamannen, Thüringer, Bajuwaren und Burgunder.Margot Klee: Grenzen des Imperiums. Leben am römischen Limes. Verlag Konrad Theiss, Stuttgart 2006, S. 33–40, ISBN 3-8053-3429-X.

Insbesondere für das 4. Jahrhundert ist ein reger ökonomischer und sozialer Austausch mit dem Römischen Reich feststellbar. In rechtsrheinischen Orten finden sich teilweise genauso viele römische Münzen wie in Orten innerhalb des Reiches.Eugen Ewig: Die Franken und Rom (3.–5. Jahrhundert). Versuch einer Übersicht. In: Rheinische Vierteljahrsblätter. Band 71, 2007, S. 1–42, hier S. 7 (Digitalisat). Auch stiegen fränkische Adlige seit Konstantin dem Großen im römischen Heer auf. Ein frühes Beispiel ist Bonitus, der vielleicht aus einer Familie von im Reich angesiedelten fränkischen Laeten stammte. Unter Constantius II. findet sich eine im Heer und am kaiserlichen Hof einflussreiche Gruppe fränkischer Militärs um Silvanus, Malarich und Mallobaudes. Mit Merobaudes, Richomer, Bauto und Arbogast finden sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts Franken als Heermeister (magistri militum) sogar an den Schaltstellen der Macht vor allem im Westen des Reiches. Mit dieser Gruppe stieg auch Mallobaudes auf, der zunächst als comes im römischen Heer diente und dann als Kleinkönig der Franken in seine Heimat zurückkehrte.Zu den Franken im Heer vgl. u. a. Karl Friedrich Stroheker: Zur Rolle der Heermeister fränkischer Abstammung im späten vierten Jahrhundert. In: Historia. Band 4, 1955, S. 314–330. Diese Beispiele zeigen die Durchlässigkeit der Grenze und die gegenseitige Beeinflussung des Römischen Reiches und der germanischen Gebiete.

Die Franken vor den Franken Die (proto)-fränkischen Stämme bzw. Verbände siedelten zunächst rechts des Rheins, wechselten oft ihr Siedlungsgebiet und stießen immer wieder zu Raubzügen in gallo-römisches Gebiet vor. Wenngleich die Abgrenzung der Teilstämme untereinander und gegenüber anderen germanischen Stämmen manchmal mit Unsicherheiten behaftet ist, so erschienen die Frankenstämme den Römern als sprachliche und ethnische Einheit, die über den engeren Stammesnamen hinausging.Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München 1970, S. 109.

Die „innere Wahrnehmung“ der Stämme untereinander war aber zunächst differenzierter. Sie bildeten anfangs nur lose Allianzen, wie sie für Raubzüge oder Abwehrmaßnahmen geeignet waren. Aus diesem „Stammesschwarm“ entstand im Laufe der Zeit ein Stammesverband oder Stammesbund (von diesem ist nach Zöllner unbedingt zu reden) und erst im Laufe der Zeit schließlich das Volk.Erich Zöllner: Geschichte der Franken bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. C. H. Beck, München 1970, S. 2; Ulrich Nonn: Die Franken. Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-017814-4, S. 18. In der jüngeren Forschung (zum Beispiel Patrick Geary, Michael Kulikowski) wird dabei verstärkt davon ausgegangen, dass der Zusammenschluss der Franken anfangs von den Römern befördert wurde, die auf diese Weise das Limesvorland unter Kontrolle bringen wollten.