Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben C beginnende Phrasen.
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Cacoëthes Cacoëthes „eingewurzelte, bösartige Krankheit, Sucht“, ironisch auch „schlechte Angewohnheit“
Eigentlich ein medizinischer Fachausdruck, Latinisierung oder lateinisches Fremdwort von („arglistig, boshaft, bösartig, von schlechtem Charakter“).
Davon speziell: Cacoëthes carpendi„Kritiksucht“ Cacoëthes regnandi„Die Sucht zu herrschen“ Cacoëthes scribendi„Schreibsucht“ – Juvenal, Saturae 7,51f.Bei Juvenal mit umgekehrter Wortstellung: „insanabile […] scribendi cacoethes“ („des Schreibens unheilbare Sucht“). In Wanders Deutschem Sprichwörter-Lexikon von 1867 als „Federkrampf“ übersetzt.
Cacumen Cacumen radicis loco ponis. „Du stellst den Wipfel an die Stelle der Wurzel.“ (Gemeint: „In deiner Theorie nimmst du das Ziel bereits als Anfang vorweg.“) – Seneca, Epistulae morales 124,7.
Deutsche Pendants sind etwa „das Pferd von hinten aufzäumen“ oder „den zweiten Schritt vor dem ersten tun“. Von der Denkweise her passt „etwas vom Kopf auf die Füße stellen“, was aber eine Reaktion auf die zuvor falsche Heransgehensweise meint.
Caeca/Caeci/Caecior Caeca amore est. „Sie ist blind vor Liebe.“ – Plautus, Miles gloriosus 1259.
Caeca invidia est. „Neid ist blind.“ – Livius, Ab urbe condita 38,49.
Der Satz aus der Rede des Manlius lautet vollständig: „Caeca invidia est nec quidquam aliud scit quam detrectare virtutes“ („Blind ist der Neid und kann nichts anderes als Vorzüge heruntersetzen“).
Caeci sunt oculi, cum animus alias res agit. „Die Augen sind blind, wenn der Geist andere Dinge treibt.“ – Publilius Syrus: Sententiae 115.
Caecior Tiresia „Blinder als Teiresias“
Teiresias war ein blinder Wahrsager der Griechen vor Troja. Seine Blindheit war so sprichwörtlich, dass Juvenal „Tiresias“ metonymisch für „blind“ einsetzen konnte:Juvenal, Saturae 13.249. „Du wirst mit Freuden zugeben, dass keiner der Götter taub oder ein Tiresias ist.“ „Blinder als Tiresias“ bedeutet also „blinder als blind“.
Caedite Caedite eos. Novit enim Dominus qui sunt eius. „Tötet sie alle! Gott kennt die Seinen schon.“
Im Albigenserkreuzzug (1209 bis 1229) soll der päpstliche Gesandte, Abt Arnaud Amaury, den Kreuzfahrern auf die Frage, wie sie denn die Ketzer von den normalen Bewohnern unterscheiden sollten, mit diesem Befehl geantwortet haben.
Caelebs Caelebs caelestium vitam ducens. „Ein Junggeselle führt ein Leben wie im Himmel.“ – Priscianus, Institutiones grammaticae 1.23.
Caelestem/Caelestis Caelestem ergo admirabilem ordinem incredibilemque constantiam, ex qua conservatio et salus omnium omnis oritur, qui vacare mente putat is ipse mentis expers habendus est. „Wer nun meint, die wunderbare Ordnung und unglaubliche Beständigkeit des Himmlischen, aus der alle Aufrechterhaltung und alles Leben von allem herrührt, sei ohne Geist, der ist selbst für geistlos zu halten.“ – Cicero, De Natura Deorum 2,56.
Cicero äußerte sich derart angesichts der gleichmäßigen Planetenbewegung, die als kosmischer Garant aller Bewegung und damit allen Lebens angesehen wurde.
Caelestis aqua ad bibendum omnibus antefertur. „Regenwasser wird zum Trinken allem vorgezogen.“ – Palladius, Opus agriculturae 1.17,4.
Caelestis ira quos premit, miseros facit, humana nullos. „Der Zorn der Götter stürzt, wen er trifft, ins Elend, der Zorn der Menschen vernichtet.“ – Seneca, Hercules Oetaeus 441–442.
Caelo Caelo demissa „Vom Himmel herabgeschickt“ – durch übernatürliche Macht entstanden; Livius, Ab urbe condita 22,29,3.
Caelo tegitur, qui non habet urnam. „Vom Himmel wird bedeckt, wer keine Urne hat.“ – Lucan, Pharsalia 7,819.
Caelo tonantem credimus Iovem regnare. „Im Himmel, glauben wir, regiert der donnernde Zeus.“ – Horaz, Carmina 3.5,1-2.
Caelum Caelum ac terras miscere „Himmel und Erde vermischen“ – alles durcheinanderbringen; Livius, Ab urbe condita 4.3,6.
Caelum et terra transibunt, verba autem mea non transibunt. „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.“ – Vulgata: Evangelium nach Markus .
Caelum undique et undique pontus „Ringsum nur Himmel und Meer“ – Vergil, Aeneis 3.193.
Caelum, non animum mutant, qui trans mare currunt. „Den Himmelsstrich, nicht ihr Bewusstsein, ändern die, die übers Meer eilen.“ – Ein Hexameter aus Horaz, Epistulae (1,11,27).
Metrisches Schema:
Caelum vituperare „Den Himmel tadeln“ – Phaedrus, Liber fabularum 4.7,26.
Selbst am Himmel etwas auszusetzen haben.
Caesar/Caesarem
Caesar ad Rubiconem „Caesar am Rubikon“ – am Scheideweg
Der Rubikon war der Grenzfluss zwischen der römischen Provinz Gallia cisalpina und dem eigentlichen Italien. Gegen das Senatsmandat überschritt Caesar den Grenzfluss mit der berühmten Bemerkung alea iacta est (siehe dort mehr).
Caesar citra Rubiconem „Caesar diesseits des Rubicon“ – Cicero, Orationes Philippicae 6,5.
Caesar non supra grammaticos „Der Kaiser steht nicht über den Grammatikern.“
Der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Sigismund hatte auf dem Konzil von Konstanz das griechische Wort Schisma als Femininum gebraucht und befahl, es auch in Zukunft so zu gebrauchen, um seinen Fehler zu beschönigen. Konkret soll Sigismund gesagt haben:
„Ego sum rex Romanus et supra grammaticam.“ („Ich bin römischer König und stehe über der Grammatik.“)
Die Szene hat ein Vorbild in Suetons De grammaticis 22:
Bertolt Brecht soll dem Vorwurf, in manchen seiner Gedichte die Regeln der Grammatik missachtet zu haben, mit folgenden Worten begegnet sein:Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Werner Hecht: Bertolt Brecht: Leben und Werk im Bild, G. Kiepenheuer, 1981, S. 275
Das Wortspiel mit der Doppeldeutigkeit der übertragenen Bedeutung von „germanus“, das zunächst leibliche Verwandtschaft bezeichnet und einerseits „leibhaftig, echt, wahr“ bedeutet, andererseits aber auch „deutsch“ beziehungsweise ursprünglich „germanisch“ – im Singular wird allerdings viel häufiger die Variante „germanicus“ verwendet –, geht bis zu den deutschen Humanisten und Luther zurück.Gerhard Härle: Reinheit der Sprache, des Herzens und des Leibes: Zur Wirkungsgeschichte des rhetorischen Begriffs puritas in Deutschland von der Reformation bis zur Aufklärung, Max Niemeyer Verlag, 1996, S. 93.
Caesarem vehis eiusque fortunam. „Du fährst Caesar und sein Glück.“
Der Historiker Plutarch erzählt, dass Cäsar in einer Winternacht des Jahres 48 von Epirus aus trotz Sturms nach Italien zurückfahren wollte, um fehlenden Legionen gegen Pompeius nachzuziehen. Doch der Schiffer zögerte, bei diesem Seegang die Überfahrt zu wagen, bis ihm Cäsar auf Griechisch zurief: „“ ( „Cäsar fährst du und Cäsars mitsegelndes Glück!“)
Calamitas Calamitas virtutis occasio est. „Unglück ist eine Gelegenheit, seine Stärke zu zeigen.“ – Seneca: De providentia 4,6.
Calceos Calceos mutare „seine Schuhe wechseln“ – seinen gesellschaftlichen Stand; Erasmus von Rotterdam, Adagia 3713
Calumnia Calumnia est quaevis versutia, qua alteruter litigantium adversarium suum circumvenire conatur. „Rechtsverdrehung ist jegliche Art von List, mit der einer der Prozessierenden seinen Gegner zu täuschen versucht.“ – Rechtsregel.
Candida Candida candidis „Rein für die Reinen“ – wörtlich „Weiß für die Weißen“.
Devise der Königin Claude de France, neben ihrem Wappentier, dem Schwan.
Canem/Canes Canem timidum vehementius latrare quam mordere. „Ein ängstlicher Hund bellt heftiger als er beißt.“ – Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni 7.4,13.
Canes mordent ultimum. „Den Letzten beißen die Hunde.“
Canes plurimum latrantes raro mordent. „Hunde, die sehr viel bellen, beißen selten.“
Ähnlich dem deutschen Sprichwort „Hunde, die bellen, beißen nicht.“
Canes timidi vehementius latrant. „Ängstliche Hunde bellen heftiger.“
Canis Canis a non canendo. „[Das Wort] ‚Hund‘ kommt davon, dass er nicht singt.“ – Parodie auf falsche etymologische Ableitungen (Volksetymologie).
Beispiel für von antiken Autoren ernsthaft vertretene Theorien zu Wortherkünften. Varro erklärt in seiner Schrift De lingua Latina (7,32):
„Canes quod latratu signa dant, ut signa canunt, canes appellatae“ („Die Hunde [canes] heißen Hunde [canes], weil sie mit ihrem Bellen Signale geben, wie man Signale erklingen lässt [canunt].“)
Weitere Beispiele sind lucus a non lucendo und lupus a non lupendo.
Canis Canem Edit. „Hund frisst Hund.“
So viel wie „Fressen und Gefressenwerden“, Titel eines Videospieles.
Canis caninam non est. „Ein Hund frisst kein Hundefleisch.“ – Varro, De lingua Latina 7.31.
Canis festinans caecos parit catulos. „Ein eiliger Hund bringt blinde Jungen zur Welt.“
Entspricht dem deutschen Sprichwort „Gut Ding will Weile haben.“
Canis fidele animal. „Der Hund ist ein treues Geschöpf.“
Canis mortuus non mordet. „Ein toter Hund beißt nicht.“ – Sprichwort.
Canis peccatum sus dependit. „Das Schwein büßt, was der Hund ausgefressen hat.“ – Erasmus von Rotterdam, Adagia 2299.
Canis timidus vehementius latrat quam mordet. „Ein furchtsamer Hund bellt heftiger als er beißt.“ – Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni 7.4,13.
Entspricht dem deutschen Sprichwort „Hunde, die bellen, beißen nicht.“
Cantare/Cantat Cantare amantis est. „Wer liebt, singt.“ – Augustinus, Sermones 336.
Cantat avis quaevis, sicut rostrum sibi crevit. „Jeder Vogel singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.“ – Sprichwort.
Canticum Canticum canticorum „Lied der Lieder“ – Vulgata: das Hohe Lied
Cantilenam Cantilenam eandem canere „Immer dasselbe Lied singen“ – die alte Leier; Terenz, Phormio 495.
Cantores Cantores amant humores. „Sänger lieben Feuchtes.“ – Origenes, Homiliae in librum iudicum 3,1.
Cantus Cantus avis talis, rostri formatio qualis. „Der Gesang des Vogels ist so, wie die Beschaffenheit seines Schnabels ist.“
Ein Sprichwort mit dem Sinn: Jeder Vogel singt so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Cantus firmus (c. f.) „fester Gesang“
Gemeint ist damit ursprünglich im mehrstimmigen musikalischen Satz die feststehende Hauptmelodie. Dies wird, als c. f. abgekürzt, vor allem dann angegeben, wenn sie nicht in der obersten Stimme liegt.
Cantus planus „ebenmäßiger Gesang“ – einstimmiger Choral des 12. Jahrhunderts
Capiat Capiat qui capere possit. „Es greife zu, wer greifen kann.“
Ein häufig falsch interpretiertes Diktum. Die ursprüngliche Formulierung findet sich im Evangelium nach Matthäus 19,12 (): „Qui potest capere, capiat“ („Wer es fassen kann, der fasse es“ [Lutherbibel, ], fassen im Sinn von verstehen, daher besser in der Einheitsübersetzung: „Wer es erfassen kann, der erfasse es“).
Captatio Captatio benevolentiae „Erhaschen des Wohlwollens“ – Einleitungsfloskel, mit der man am Beginn einer Rede oder eines Schreibens dem Hörer beziehungsweise Leser ein Kompliment macht.
Caput Caput cenae „Haupt des Mahls“
Als Hauptgericht ließen die Römer gerne ein ganzes Tier auftragen.
mini|Der Kapitolsplatz in Rom mit dem real erst 1940 gepflasterten Stern des Michelangelo Caput mundi „Haupt der Welt“ – In der Formel „Roma Caput Mundi“, Rom als Hauptstadt der Welt. In der Pflasterung des Kapitolsplatzes befindet sich ein vielstrahliger Stern, das Universum, mit der Sonne und dem Kaiser in der Mitte. Michelangelo wollte damit das Selbstverständnis des antiken Roms als Haupt der Welt darstellen.
Caput Nili quaerere „Die Quelle des Nils suchen“ – bei den Römern ein geflügeltes Wort für eine unlösbare Aufgabe.
Cardo Cardo duplex „Doppelte (Erd-)Achse“ – gemeint sind die beiden Pole der Erde.
Cardo maximus „Hauptachse“ eines römischen Lagers beziehungsweise einer römischen Stadt oder eine Linie im Gelände, stets in Nord-Süd-Richtung verlaufend, während die in Ost-West-Richtung verlaufende als decumanus bezeichnet wurde.
Caritas Caritas numquam excidit. „Liebe hört niemals auf.“ – Vulgata: 1. Brief des Paulus an die Korinther 13,8 (, ).
Caritas omnia potest. „Liebe vermag alles.“ – Hieronymus, Epistulae 1,2.
Caritas omnia sustinet.