Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben A beginnende Phrasen.
150px|ohne|rahmenlos|Initiale A
A A.E.I.O.U. Devise Kaiser Friedrichs III. Zahlreiche Deutungen, die häufigsten: „Alles Erdreich ist Österreich untertan“. (Offenkundig kein Latein.) „Austriae Est Imperare Orbi Universo.“ („Es ist Österreich bestimmt, den ganzen Erdkreis zu beherrschen.“) „Austria Erit In Orbe Ultima“ („Österreich wird auf dem Erdkreis das letzte [Land]> sein.“) Diese Auflösung wählte Grillparzer im Jahr 1848 als Überschrift für ein satirisches Gedicht („Flicke, flicke, flicke zu!“).Gedicht in: Grillparzers sämtliche Werke, Band 3, S. 125 ().
A barba stulti discit tonsor. „Vom Bart des Dummen lernt der Barbier.“
A bonis bona disce. „Von den Guten lerne das Gute!“
A bove ante, ab asino retro, a stulto undique caveto! „Hüte dich vor einem Ochsen vorn, vor einem Esel hinten, vor einem Dummkopf von überall!“
A bove maiore discat arare minor. „Vom älteren Ochsen lerne der jüngere pflügen.“ – Ein Vers aus den Fabeln des Äsop.Äsop, Fabulae 50.10
Die Lehre aus dieser Fabel: Der Jüngere soll sich auf die Erfahrung und Verantwortung des Älteren verlassen dürfen.
A cibo bis cocto, a medico indocto, a mala muliere, libera nos, Domine. „Von aufgewärmtem Essen, einem ungelehrten Arzt, einem bösen Weib befreie uns, Herr!“
Auch bekannt in der Form „A medico indocto, a cibo bis cocto, ab amicitia reconciliata, a mala muliere libera nos, Domine“ („Von einem ungelehrten Arzt, einer zwei Mal gekochten Speise, einer versöhnten Freundschaft und einer schlechten Frau befreie uns, Herr“).
A dato (a d.) „vom Datum an“ – „von diesem Datum an“, „vom Tage der Ausstellung an“
Bei Wechseln und Verträgen.
A fortiore (a fortiori) „vom Stärkeren her“
Wendung mit den Bedeutungen „erst recht“, „umso mehr“ beziehungsweise „umso weniger“, „nach dem stärker überzeugenden Grunde“. Für den Erst-recht-Schluss auch a maiore ad minus („vom Größeren zum Kleineren“).
A fronte praecipitium, a tergo lupi. „Vorn der Abgrund, hinten die Wölfe.“
Ausdruck für Ausweglosigkeit, etwas freier übersetzt: „Vor mir klafft der Abgrund, hinter mir lauern die Wölfe.“
In den Adagia des Erasmus von Rotterdam zweisprachig überliefert, griechische Version: ().
Entspricht dem deutschen „Wahl zwischen Pest und Cholera“.
A furore Normannorum libera nos, Domine. „Vom Wüten der Normannen befreie uns, o Herr!“
Anrufung im Stil einer Litanei angelsächsischer Mönche im 9. und 10. Jahrhundert, die Gott um Hilfe vor den Überfällen der Normannen anflehten.
A limine „von der Schwelle weg“
Dieser Rechtsbegriff bezeichnet die mehrheitliche oder einstimmige Bescheidung eines Begehrens gleich zu Anfang eines Verfahrens und ohne weitere Verfahrensschritte.
A maiore ad minus „vom Größeren zum Kleineren“ – Schlussfolgerung zum Beispiel vom Allgemeinen auf das Einzelne
A mari usque ad mare „von Meer zu Meer“
Wahlspruch Kanadas, abgeleitet von Psalm 72 (; in der Vulgata 71,8 []). Der Schild ist außerdem umgeben von einem Band, das die ebenfalls lateinische Aufschrift „desiderantes meliorem patriam“ („voll Sehnsucht nach einer besseren Heimat“) trägt.
A mensa et toro „von Tisch und Bett“
Eine Ehe kann geschieden werden, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft (mensa et torus; in Deutschland gemäß BGB) nicht mehr besteht und eine Wiederherstellung nicht mehr zu erwarten ist.
A minore ad maius „vom Kleineren auf das Größere“
A mundo condito „Seit Erschaffung der Welt“ – Chronicon Paschale (Osterchronik): „A mundo condito ad Heraclii Imperatoris annum vigesimum“ („Von der Erschaffung der Welt bis zum zwanzigsten Regierungsjahr des Kaisers Heraklius“).
A pedibus usque ad caput „von den Füßen bis zum Kopf“
Eine Redewendung, die in verschiedenen Formulierungen das Gliederungsschema medizinischer Darlegungen war. In diesem Wortlaut belegt aus der Zeit der lateinischen Patristik.
Vergleiche die deutsche Redewendung „von Kopf bis Fuß“.
A posse ad esse non valet (consequentia) „Vom Können zum Sein gilt (der Schluss) nicht.“ – Scholastisches Prinzip der Logik.
A posteriori „Im Nachhinein“ – nur durch Erfahrung gültig.
Bezogen auf die Geltung von Wahrheiten (Erkenntnisse/Wissen/Einsichten), nicht bezogen auf deren psychologische Genese; zum Beispiel ist naturwissenschaftliches Wissen gültig aufgrund dessen empirischer Nachweisbarkeit.
A priori „Von vornherein“ – vor jeder Erfahrung beziehungsweise unabhängig von Erfahrung gültig.
Bezogen auf die Geltung von Wahrheiten (Erkenntnisse/Wissen/Einsichten), nicht bezogen auf deren psychologische Genese; zum Beispiel gelten mathematische Wahrheiten, auch ohne einen empirischen Nachweis dafür führen zu müssen.
A solis occasu, non ab ortu, describe diem. „Vom Untergang der Sonne her, nicht vom Aufgang beschreibe den Tag.“
Vergleiche das deutsche Sprichwort: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“
A verbis ad verbera „Von Worten zu Schlägen“ – bezogen auf eine handgreiflich werdende Auseinandersetzung.
A verbis legis non est recedendum. „Vom Wortlaut des Gesetzes darf man nicht abweichen.“
Ab Ab esse ad posse valet (consequentia) „Vom Sein zum Können gilt (der Schluss).“ – Scholastisches Prinzip der Logik.
Ab hinc „von hier an“
Ab igne ignem „Feuer vom Feuer“
Die Wendung stammt aus Ciceros Werk De officiis (I 52) und lautet im Zusammenhang „sunt illa communia: […] pati ab igne ignem capere, si qui velit.“ („sind allgemeine Leistungen: […] Feuer vom Feuer nehmen zu lassen, wenn jemand will.“)
Dieser Satz bezieht sich auf die Pflicht, anderen deren Grundbedürfnisse nicht zu verweigern. (Um Zigaretten ging es damals eher nicht.)
Ab imo pectore „Aus tiefster Brust“ – nach Lukrez, De rerum natura 3,57, oder Catull, Carmina 64,198, oder Vergil, Aeneis 1,371 und 485; pluralisch („ab imis pectoribus“) bei Ovid, Metamorphosen 2,655f.
Im metrischen Zusammenhang lautet die Stelle: „pectore ab imo“.
Siehe auch toto pectore.
Ab initio „von Anbeginn“ oder „von Anfang an“
Wird häufig in den Naturwissenschaften verwendet. In der Chemie ist zum Beispiel eine Ab-initio-Synthese die Herstellung einer chemischen Verbindung aus grundlegenden Chemikalien. In der Luftfahrt versteht man unter ab initio eine Flugausbildung vom Fußgänger zum Piloten.
Ab Iove principium generis. „Der Ursprung des Geschlechts rührt von Jupiter her.“ – Vergil, Aeneis 7,219.
Ab origine „vom Ursprung an“ – „von Anfang an“
mini|hochkant|Geburt der Helena aus dem Ei (rotfigurige Pelike) Ab ovo „vom Ei an“
Das heißt, ein Ereignis umständlich und von dem fernsten Anfangspunkt her zu berichten. Bezieht sich auf das Ei der Leda und die Geburt der Helena, deren Entführung später zum Trojanischen Krieg führte. Horaz lobt in seiner Ars poetica (Vers 147) Homer, der die Geschichte des Trojanischen Kriegs nicht vom Anfang an aufrollt: „nec gemino bellum Troianum orditur ab ovo“ („Und nicht von dem Zwilling-Ei an beginnt er den Trojanischen Krieg“).
Ab ovo usque ad mala „Von den Eiern bis zu den Äpfeln“ (wörtlich: „Vom Ei bis …“) – Horaz, Sermones 1,3,6f.
Gemeint: Von der Vorspeise bis zum Dessert; denn das römische Mahl begann traditionell mit einem Eiergericht und endete mit Früchten.
Ab urbe condita (A. U. C.) „im Jahre … seit der Gründung der Stadt (Rom)“
Nach der von Marcus Terentius Varro begründeten varronischen Zeitrechnung wurde Rom 440 Jahre nach dem Fall Trojas von Romulus und Remus gegründet, nach Varro im Jahr 753 v. Chr. Seltener wird auch die Bezeichnung „post urbem conditam“ verwendet. Erst in der Spätantike begann sich dieser Bezugspunkt für die Jahreszählung durchzusetzen.
Abiit/Abiturus
Abiit ad plures. „Er ging weg zu den Mehreren.“ – Das heißt, er ist gestorben. Zitat von Petronius, Satyricon 42,5.
Ähnlich Plautus über Dichter, die Jüngeren nicht mehr bekannt sind:Plautus, Prolog der Komödie Casina 19. „qui nunc abierunt hinc in communem locum“ („die jetzt abgegangen sind von hier an den Ort für alle“).
Abiit, excessit, evasit, erupit. „Er ging weg, entwich, entschlüpfte, brach aus.“ – Kommentar des Redners Cicero über Lucius Sergius Catilina, der durch die Häufung und Steigerung (Klimax) von Synonymen seinen Gedanken nachdrücklich hervorhebt.
Abiit, non obiit. „Er/Sie ist weggegangen, nicht von uns gegangen.“ – Auf Grabsteinen verwendete Inschrift.
Der Satz wird meist Cicero zugeschrieben, ist in seinen Werken aber nicht nachweisbar. Bei Ausonius findet man dagegen eine sehr ähnliche Formulierung. Er schrieb in den Epitaphia heroum über ein dem Kyniker Diogenes gewidmetes Epitaph (im antiken Sinn, vergleiche geschichtliche Entwicklung des Begriffs Epitaph); ein Ausschnitt lautet:Decimus Magnus Ausonius, Epitaphia heroum qui Bello Troico interfuerunt (Nummerierung unterschiedlicher Ausgaben uneinheitlich: 28, 29, 30 oder 31). Die Textüberlieferung ist wie bei den meisten antiken Texten auch in Bezug auf diese Phrase nicht einheitlich. In der Loeb Classical Library und Bibliotheca Teubneriana haben die Editoren sich für das schwerer verständliche „Non obiit, set abit“ entschieden, weisen aber auf die andere Schreibung hin (, ). Eine 1823 in London verlegte Ausgabe hat „Non obiit, sed abit“ (). In vielen späteren Zitaten findet man aber die hier verwendete Form, wie etwa in der Ausgabe der Epitaphia heroum von Jacques-Paul Migne, 1846 –vergleiche im Corpus Corporum der Universität Zürich: Epitaphia heroum (Ausonius Burdigalensis), In Diogenis Cynici Sepulcro In Quo Pro Titulo Canis Signum Est (diese auch in der lateinischen Wikisource: Epitaphia heroum) – oder im Dicionário de Expressões e Frases Latinas (portugiesisch, lateinisch; Phrase N 2556; keine direkte Verlinkung möglich). „Diogenes. Obiit? Non obiit, sed abiit.“ („Diogenes. Ist er von uns gegangen? [Nein,] Er ist nicht von uns gegangen, sondern [nur] weggegangen.“)
Abiturus „Im Begriff wegzugehen.“ (PFA von abīre) – Das Abitur bezeichnet in Deutschland den höchsten erreichbaren Schulabschluss.
Absens/Absente/Absit Absens heres non erit. „Ein Abwesender kann nicht Erbe werden.“
Absente reo „in Abwesenheit des Angeklagten“
Absit omen. „Fern sei ein böses Vorzeichen.“ – Möge sich die Vorahnung nicht bestätigen.
Absit invidia dicto. „Neid sei dem Gesagten fern.“ – Zitat aus den Werken des Geschichtsschreibers Titus Livius.
Absolvo Absolvo. (A.) „Ich spreche frei.“
Der Buchstabe A auf dem Stimmtäfelchen stand für die Freisprechung eines Delinquenten.Cicero, Pro Milone 15
Absolvo te. „Ich spreche dich frei.“ – Absolution bei der Beichte.
Der ganze Satz lautet: „Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Amen.“ („Ich spreche dich frei von deinen Sünden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“). Es handelt sich um eine trinitarische Formel.
Abusus Abusus digitorum „Missbrauch der Finger“ – Masturbation/Selbstbefriedigung
Abusus non tollit usum „Missbrauch hebt den [richtigen] Gebrauch nicht auf.“
Der Satz richtet sich gegen die Neigung, etwas abzulehnen, weil es durch falsche Anwendung schädliche Wirkungen verursachen kann.
Abusus optimi pessimus „Der Missbrauch des Besten ist der schlimmste.“
Abyssus Abyssus abyssum invocat. „Ein Fehler zieht den anderen nach sich.“ – Wörtlich: „Der Abgrund ruft nach dem Abgrund.“ Psalm 42 (; in der Vulgata 41,8 [].)
Accedo Accedo „Ich trete bei.“ – Beipflichten zu einer Äußerung, Annahme eines Vorschlags.
Accidit Accidit in puncto, quod non speratur in anno. „In einem Augenblick kann geschehen, was man sich in einem Jahr nicht erhofft hätte.“
Accipe/Accipere Accipe, frater (vel soror), viaticum corporis Domini nostri Jesu Christi, qui te custodiat ab hoste maligno et perducat in vitam aeternam. „Empfange, Bruder (oder Schwester), als Wegzehrung den Leib unseres Herrn Jesus Christus, der dich behüte vor dem bösen Feind und führe zum ewigen Leben.“ – Formel des Sterbesakraments.
Accipe, cape, rape sunt tria verba Papae. „Nimm, greif und raub sind die drei Worte des Papstes.“