Rodheim ist nach Einwohnerzahl der der zweitkleinste Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage Rodheim liegt südöstlich von Hungen. Südlich und westlich am Ort vorbei verläuft die Bundesstraße 457. Am Ortsrand trifft die Landesstraße 3188 auf die B 457.

Geschichte Schon zur Keltenzeit siedelten hier Menschen.

Ortsgeschichte Der Ortsname leitet sich vermutlich von umfangreichen Rodungen in diesem Bereich ab. In der Namenforschung werden die Namen der benachbarten Orte Rodheim und das später ausgegangene +Feldheim als „Gegensatzbildung“ gesehen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 309 f. Die älteste schriftliche Erwähnung von Rodheim findet sich in einer Urkunde des Jahres 778. Darin schenkt der iroschottische Abt Beatus von Honau dem Kloster Honau acht Eigenkirchen in Mainz, Wieseck und sechs Orten der Wetterau. Dort heißt es „... sextem ecclesiam quae est in Rhodaheim et septimam quae est Hornufa“.Michael Gockel, Mathias Werner: Die Urkunde des Beatus von Honau von 778. In: Die Wüstung Hausen MOHG 56 (1971). S. 137–167. Übersetzt: Eine sechste Kirche in Rodheim und eine siebte, die ist Hornufa (heute Hof Grass). Trotz des inhaltlichen Gegensatzes zwischen iroschottische Mission und katholischer Kirche gibt es zur gleichen Zeit in Rodheim und seiner Mark Schenkungen an das Kloster Fulda.

Zwischen 780 und 817 wurde die Rodheimer Mark, Rodoheimeremarca, erstmals in einer Urkunde im Codex Eberhardi erwähnt. „Rutheri tradidit deo et sancto Bonifatio in Wetereiba in Rodoheimeremarca in villa Suabileheim predia et familiam cum substantia.“ (deutsch: Ruther schenkt Gott und dem heiligen Bonifatius in der Wetterau in der Rodheimer Mark und in Grund-Schwalheim Besitz und Familien mit allem Zubehör.)Mayer zu Ermgassen, Cod. Eberhardi 2, S. 208 Auszug 114. (Datierung über: Edmund Ernst Stengel, UB Kloster Fulda, S. 435, Nr. 331, Vorbemerkung.)

Der Tradent Ruther ist ebenso in Dauernheim nachweisbar.Jürgen Steen, Königtum und Adel, S. 183 Die Datierung erfolgt nach der Amtszeit der beiden Äbte Baugulf von Fulda (780–817) und Ratgar (802–817), des zweiten und dritten Abtes des Klosters Fulda.

1252 wird ein „Adolphus de Rodeheim“ (Adolf von Rodheim) erwähnt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. 5 Bände. Band I. Darmstadt 1860. Nr. 1288, S. 868.

1352 heißt es: „vz vnseme hobe zv Radeheim“ (aus unserem Hof zu Rodheim).Ludwig Baur: Hessische Urkunden I, Nr. 870, S. 592.

Von etwa 1255 bis 1835 war Rodheim Gerichtsort.

Die Nachkommen des Balthasar von Schrautenbach hatten den Wald Glaubzahl als landgräfliches Lehen erhalten. Davon überließen sie nach dem Niddaer Salbuch von 1537 achtzig Morgen Land zum Roden den Rodheimer Einwohnern für vier Gulden jährlich. Darüber beschwerten sich wiederum die Einwohner von Borsdorf.Karl Ernst Demandt, Das hessische Verwaltungszentrum Nidda im 15. und 16. Jahrhundert, in: Ottfried Dascher, Reinhard Pfnorr, Hrsg., Nidda. Die Geschichte einer Stadt und ihres Umlandes. Nidda 2003, ISBN 978-3980391580, S. 90.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rodheim:

Der Räuber Conrad Anschuh, eigentlich Unschick, stammte aus Rodheim. Er war ein Mitglied der Wetterauer Bande. Sein Vater war der übel beleumundete Viehhirte und Tagelöhner Conrad Unschick.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Am 31. Dezember 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung der bis dahin selbständige Gemeinde Rodheim in die nächstgelegene Kleinstadt Hungen. Für Rodheim wurde, wie für alle Stadtteile, ein Ortsbezirk eingerichtet.

Kirchengeschichte Die Evangelische Kirche Rodheim steht auf einer Erhebung. In ihr befindet sich ein Taufstein aus dem 11. Jahrhundert.

Die Reformation erfolgte schon früh in Rodheim. Die ersten Pfarrer waren: Johannes Ulichius bis 1542, der dann in Gießen Pfarrer wurde, Sebastian Lesch um 1548, Johannes Porsius (1592–1636)Wilhelm Diehl, Reformationsbuch der evangelischen Pfarreien des Großherzogtums Hessen. = Hessische Volksbücher Bd. 31–36. Friedberg 1917, S. 134. Während der Reformation wurde auch eine Schule eingeführt.

Schulgeschichte Conrad Kornmesser wurde am 26. Februar 1669 in Ober-Widdersheim geboren und studierte in Gießen. 1689/1690 war er Schulmeister in Trebur, dann in Rodheim. 58 Jahre lebte er als Schulmeister in Berstadt. Diese Stelle teilte er sich 17 Jahre mit seinem zweitjüngsten Sohn Christian Moritz Kornmesser, der die Tochter des Begründers der Buderus-Werke, Johann Wilhelm Buderus, heiratete.Eugen Rieß, Willy Roth, Berstadt. 2 Bde. Rockenberg 2005. Bd. 1, ISBN 3-923907-08-7, S. 296 f.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rodheim angehört(e):

vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nidda, Amt Nidda 1450–1495: Heiliges Römisches Reich, Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Nidda, Gericht Rodheim 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Nidda, Gericht Rodheim 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda und Lißberg, Gericht Rodheim ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Nidda ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Nidda ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Nidda) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Hungen ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Hungen

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rodheim 393 Einwohner. Darunter waren 3 (0,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 51 Einwohner unter 18 Jahren, 174 zwischen 18 und 49, 81 zwischen 50 und 64 und 84 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 183 Haushalten. Davon waren 63 Singlehaushalte, 45 Paare ohne Kinder und 54 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 36 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 117 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1577: 32 Hausgesesse • 1630: 6 zweispännige, 7 einspännige Ackerleite, 17 Einläuftige • 1742: 24 Untertanen, 10 Junge Mannschaften, keine Beisassen/Juden • 1791: 232 Einwohner • 1800: 225 Einwohner • 1806: 243 Einwohner, 27 Häuser • 1829: 333 Einwohner, 61 Häuser • 1867: 329 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude • 1875: 326 Einwohner, 62 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 332 evangelische, 1 römisch-katholischer Einwohner • 1961: 372 evangelische, 51 römisch-katholische Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 93 Land- und Forstwirtschaft, 104 Prod. Gewerbe, 13 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 24 Dienstleistung und Sonstiges.

Politik Für den Stadtteil Rodheim besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rodheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,68 %. Dabei wurden gewählt: Je ein Mitglied der SPD, der „Bürgerliste Pro Hungen“ (ProH) und der „Freien Wähler Hungen“ (FW), sowie zwei Mitglieder der CDU. Der Ortsbeirat wählte Norbert Marsfelde (CDU) zum Ortsvorsteher.

Vereine Die Tischfußballabteilung des VfB Rodheim/Horloff spielt momentan in der 1. Deutschen Tischfußball-Liga (Senioren) Freiwillige Feuerwehr Rodheim/Horloff Landfrauenverein Rodheim/Steinheim/Rabertshausen

Persönlichkeiten Karl Weber (1864–1929), hessischer Forstmeister und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohner mit Nebenwohnsitzen: 1999–2007; 1971–2015 2020

Die Zugehörigkeit des Amtes Nidda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und

Literatur 1200 Jahre Rodheim an der Horloff: 804–2004. Festschrift anlässlich der 1200-Jahrfeier (2004), Herausgeber: Festschriftausschuss, 216 S., Auflage: 1000 Stück. Festbuch zur 1150-Jahrfeier der Gemeinde Rodheim/Horloff, Heinz Gregor, 19. Juni bis 21. Juni 1954, Gemeinde Rodheim/Horloff, 1954, 68 S.

Weblinks

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Hungen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971