Rabertshausen ist der nach Einwohnerzahl kleinste Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage Rabertshausen liegt östlich von Hungen am Rande des Vogelsberges. Durch den Ort verlaufen keine überörtlichen Straßen.

Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des kleinen Dorfs findet sich in einer Schenkungsurkunde des Grafen Berthold I. von Ziegenhain aus dem Jahre 1252: „curiam nostram in Rabinhusen sitam“ (Unser Gericht, in Rabinhusen gelegen ...)Ludwig Baur: Hessische Urkunden Band I. Darmstadt 1860. Nr. 1288, S. 868. Eine weitere Erwähnung erfolgte 1335: „uf allin unsirn guden, die wir han zu Rabinshusen ...“ (auf allen unseren Gütern, die wir zu Rabinhusen haben).Ludwig Baur: Hessische Urkunden I, Nr. 756, S. 526. „unßern freiyin hoff zu Rabertzhaußen“ heißt es 1478.StAD Urkunden Oberhessen, Rabertshausen. 1570 wird ein Einwohner mit Namen „Eisser Wendel“ zu Rabertshausen genannt.StAD Urkunden Oberhessen, Rabertshausen- Der Ortsname geht zurück auf den Rufnamen „Hraban“ in seiner späteren Form „Rathbert“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 290.

Zu dem Gericht Rodheim zählten 1577StAM Amtsbücher S/40, Blatt 141 ff. neben der Mühle Reinhausen auch die Höfe Rabertshausen und Ringelshausen. Nach einem Salbuch von 1537 waren dem hessischen Landgrafen in Rabertshausen nur einzelne Höfe zinspflichtig.Karl Ernst Demandt: Das hessische Verwaltungszentrum Nidda im 15. und 16. Jahrhundert. Nidda 2003. S. 83–122. S. 93, S. 116, Anm. 18

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rabertshausen:

Zum 31. Dezember 1970 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung in die nächstgelegene Kleinstadt Hungen. Für Rabertshausen wurde wie für alle Stadtteile ein Ortsbezirk eingerichtet.

Exklave Zu Rabertshausen gehörte ehemals auch eine 53 ha große Exklave nordwestlich von Unter-Schmitten mit den Weilern Haubenmühle und Reinhäuser Hof mit der Weißmühle. Der Betrieb der Haubenmühle wurde Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben, der der Weißmühle erst 1965.Patrick Dehnhardt: Das zweigeteilte Dorf. In: Kreis-Anzeiger für Wetterau und Vogelsberg, Lokales Nidda und Gedern, 8. Januar 2025, S. 20. Die zusammenhängende Exklave wurde auch als Rabertshausen II bezeichnet und hatte im Jahr 1970 50 Einwohner. Bei der Gebietsreform in Hessen kam diese Exklave zunächst mit Rabertshausen zur Stadt Hungen, was bei Niddaer Politikern auf großes Unverständnis stieß. Erst nach zähen Verhandlungen mit dem damaligen Landrat des Landkreises Gießen Ernst Türk gelang die Umgliederung der Exklave vom Landkreis Gießen in den Landkreis Büdingen und die Eingliederung in die Stadt Nidda. Die Bezeichnung Rabertshausen II existiert als Flurname weiterhin.Tauziehen um 50 Einwohner und 53 Hektar Hungener Stadtgebiet - Gießener Anzeiger Der Reinhäuser Hof ist der „Rest einer Teilwüstung“Lutz Reichardt: Ortsnamen. S. 299. Reinhausen. Der Ort wird 1313 erwähnt: „den Luden von Reinhusin“ (den Leuten von Reinhausen).StAD Urkunden Oberhessen, Reinhausen. 1315 lautet es in einer Urkunde: „zu Renhusin, zu Wedershem, zu Salzhusen ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden I. Nr. 479, S. 332 Der Ortsname wird als „Siedlung eines Regino“ gedeutet.Lutz Reichardt: Ortsnamen. S. 299. Bei der Belehnung des Landgrafen Ludwig I. durch den Abt Johann von Fulda im Juli 1434 fiel die Mühle zu Reinhausen in das Gericht Rodheim zusammen mit Orten Langd und Steinheim.Karl E. Demandt: Das hessische Verwaltungszentrum Nidda S. 85.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rabertshausen angehört(e):

vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nidda, Amt Nidda 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Nidda, Gericht Rodheim 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Nidda, Gericht Rodheim 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Nidda und Lißberg, Gericht Rodheim ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Nidda ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Nidda ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk NiddaTrennung zwischen Justiz (Landgericht Nidda) und Verwaltung ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreise Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Hungen ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Hungen

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rabertshausen 138 Einwohner. Darunter waren 6 (4,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 27 Einwohner unter 18 Jahren, 51 zwischen 18 und 49, 29 zwischen 50 und 64 und 24 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 57 Haushalten. Davon waren 18 Singlehaushalte, 15 Paare ohne Kinder und 15 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 39 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1633: 22 Hausgesesse • 1669: 86 Seelen • 1742: 24 Untertanen, 10 Junge Mannschaften, keine Beisassen/Juden • 1791: 167 Einwohner • 1800: 167 Einwohner • 1806: 139 Einwohner, 27 Häuser • 1829: 219 Einwohner, 35 Häuser • 1867: 211 Einwohner, 36 bewohnte Gebäude • 1875: 187 Einwohner, 35 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 219 evangelische Einwohner • 1961: 191 evangelische, 41 römisch-katholische Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 77 Land- und Forstwirtschaft, 23 Prod. Gewerbe, 6 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 10 Dienstleistung und Sonstiges.

Politik Für den Stadtteil Rabertshausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Rabertshausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 79,25 %. Dabei wurden gewählt: Je ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen und der „Bürgerliste Pro Hungen“ (ProH) und zwei Mitglieder der „Freien Wähler Hungen“ (FW). Der Ortsbeirat wählte Jochen Zschiedrich (FW) zum Ortsvorsteher.

Persönlichkeiten Irmgard Reichhardt (1935–1994), Politikerin, bewirtschaftete das Hofgut Ringelshausen

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohner mit Nebenwohnsitzen: 1999–2007; 1971–2015 2020

Die Zugehörigkeit des Amtes Nidda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und

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