mini|hochkant=0.8|Der Ordensgründer Franziskus von Assisi (Tafelbild von Guido di Graciano, nach 1270, Siena, Pinacoteca Nazionale)
Franziskanische Orden sind verschiedene vornehmlich römisch-katholische Ordensgemeinschaften, die sich an den von Franziskus von Assisi (1181/1182 bis 1226) für die von ihm gegründeten Orden verfassten Ordensregeln orientieren.
Zu den bedeutendsten franziskanischen Theologen und Philosophen des 13. und 14. Jahrhunderts gehörten Antonius von Padua, Alexander von Hales, Bonaventura von Bagnoregio, Roger Bacon, Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham. Der Franziskaner-Publizist Thomas Murner war ein Gegner Martin Luthers in der Reformationszeit. 2013 wählte Jorge Mario Kardinal Bergoglio in Anlehnung an Franz von Assisi nach seiner Wahl zum Papst den Namen Franziskus.
Ordensgemeinschaften Die Gemeinschaften, die sich auf den heiligen Franziskus berufen, teilen sich in drei Gruppen: Der erste Orden, der auf die von Franziskus gegründeten Orden der Minderen Brüder zurückgeht, umfasst die heute Minoriten genannten Konventualen (OFMConv), die Franziskaner (OFM) und die Kapuziner (OFMCap). Bis zur Teilung des Ordens 1517 findet sich auch für den gesamten Orden die Bezeichnung Minoriten (Ordo fratrum minorum, „Minderbrüder“). Der zweite Orden besteht aus den Nonnen der verschiedenen Zweige der Klarissen, der Colettinnen und der Kapuzinerinnen, deren Regel auf die heilige Klara von Assisi zurückgeht. Der 1289 gegründete dritte Orden (Terziaren) bestand aus Menschen, die die franziskanischen Ideale außerhalb der Klausur eines Klosters umsetzen wollten. Es handelt sich um einen Laienorden, dessen Mitglieder im Regelfall keine Religiosen (Ordensleute) im Rechtssinn sind, da sie kein Ordensgelübde ablegen. Im deutschsprachigen Raum ist der franziskanische Drittorden unter der Bezeichnung Franziskanische Gemeinschaft (FG) organisiert; seit 2012 nennt er sich international einheitlich Ordo Franciscanus Saecularis (OFS, „Franziskanischer Säkularorden“). Aus dem Laienorden heraus bildeten sich besonders im 19. Jahrhundert eine Vielzahl neuer Ordensgemeinschaften, die im sogenannten Regulierten dritten Orden mit eigener Ordensregel zusammengefasst wurden. Zu diesem Orden, dessen Mitglieder reguläre Ordensleute mit Gelübden sind, gehören heute nahezu alle Gemeinschaften der Franziskanerinnen und Kapuzinerinnen außerhalb des zweiten Ordens sowie weitere männliche und weibliche Verbände, darunter verschiedene Barmherzige Schwestern und Liebfrauenschwestern, Amigonianer (TC), Elisabethinnen (OSE), Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz (FFSC), Missionsbrüder des heiligen Franziskus (CMSF) oder Regulierte Franziskaner-Terziaren (TOR).
Auch in anderen Konfessionen gibt es franziskanische Gemeinschaften, so anglikanische Franziskaner und evangelische Terziaren.
Heute betrachten sich alle genannten Gemeinschaften als Äste der franziskanischen Familie.
Im deutschsprachigen Raum haben sich die franziskanischen Gemeinschaften zunächst in der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft (INFAG) organisiert. Die INFAG wurde 2026 durch die Konferenz der franziskanischen Gemeinschaften (KFG) abgelöst. Der Konferenz unter dem Dach der Deutschen Ordensobernkonferenz gehören nach eigenen Angaben über 50 Ordensgemeinschaften und weitere Gruppen der franziskanisch-klarianischen Familie im deutschen Sprachraum an. Seit 2005 treten sie unter dem Logo clara.francesco (Ökumenisch-geschwisterliche Netzwerkinitiative franziskanischer Orden) etwa bei Kirchentagen, beim Weltjugendtag oder bei der Europäischen Ökumenischen Versammlung auf.Website der Interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft.
Gemeinsamer Ursprung Ordensgründung Franziskus von Assisi hatte zunächst nicht den Plan, einen Orden zu gründen; er wollte lediglich in vollständiger Nachfolge Christi leben gemäß dem Gebot des Evangeliums:
Als charismatische Persönlichkeit fand er jedoch begeisterte Gefährten, vor allem unter seinen zahlreichen Freunden. Der schließlich von Franziskus gegründete Orden der Minderen Brüder wurde um 1210 von Papst Innozenz III. bestätigt. Die Gemeinschaft lebte auf dem Gelände der kleinen Kirche Portiunkula unterhalb von Assisi. 1212 gelobte hier Klara von Assisi, die 1216/1217 das Regelwerk des 2. Ordens schrieb, ein Leben nach den Evangelischen Räten.
mini|Franziskus von Assisi vor dem Sultan (Giotto di Bondone zugeschriebenes Fresko, ab 1296, Assisi, Basilika San Francesco) Der Orden der Minderen Brüder entwickelte sich zu einem der vier großen Bettelorden des Mittelalters. Mit der Zeit stellte sich allerdings heraus, dass zu große Freiheit zu Verweltlichung und Auflösung führte. Deshalb wurden die Brüder nach und nach immer fester organisiert und die Ordensregeln stärker an den „klassischen“ benediktinischen Regeln ausgerichtet. Schon zu Lebzeiten von Franziskus von Assisi machte der Orden den Schritt von einer Wanderbewegung zur Sesshaftigkeit; Franziskus selbst geht in seinem Testament am Ende seines Lebens davon aus, dass die Brüder „Kirchen und ärmliche Wohnungen“ haben.Lothar Hardick OFM: Die Entwicklung des Ordens der Minderbrüder nördlich der Alpen. (Testament des hl. Franziskus, Nr. 7). In: Geistliches Vermächtnis IV. Studientag der Franziskanischen Arbeitsgemeinschaft 1977. Werl 1977 (Wandlung in Treue Bd. 20), S. 18–29, jetzt auch in: Dieter Berg (Hrsg.): Spiritualität und Geschichte. Festgabe für Lothar Hardick OFM zu seinem 80. Geburtstag., Werl 1993, ISBN 3-87163-195-7, S. 137–146, hier S. 137. 1212 wurde das erste Franziskanerkloster in der Toskana gegründet: der Convento di San Francesco bei Cetona, derzeit als Frateria di Padre Eligio in Verwendung. Schon zwischen 1215 und 1217 fasste der Orden auch außerhalb Italiens Fuß; frühe Chroniken berichten über die – zunächst erfolglose – Ausbreitung nach Deutschland und England.Lothar Hardick OFM (Hrsg.): Chronica fratris Iordani a Iano – deutsch: Nach Deutschland und England. Die Chroniken der Minderbrüder Jordan von Giano und Thomas von Eccleston. (Franziskanische Quellenschriften, Band 6). Werl 1957. Ab 1217 teilte man den Orden in Provinzen und Kustodien ein. Obere werden als ministri (von lat. minister „Diener“) und custodes (lat. custos „Hüter“) bezeichnetfranziskaner.net, Bullierte Regel (deutscher Text), da Franziskus die in anderen Orden übliche Bezeichnung Prior (von lat. prior „vorderer, bevorzugter“) ausdrücklich abgelehnt hatte zugunsten des Dienstcharakters des Oberenamtes.Regula non bullata 6, dazu: Alfred Dollmann: Bruder und Diener. Das Apostolat bei Franziskus und in der Frühzeit seines Ordens. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1968, S. 128.Lothar Hardick OFM: Das franziskanische Amtsverständnis (Testament Nr. 12). In: Geistliches Vermächtnis VI. Studientag der Franziskanischen Arbeitsgemeinschaft 1979. Werl 1980 (Wandlung in Treue Bd. 22), S. 46–59, jetzt auch in: Dieter Berg (Hrsg.): Spiritualität und Geschichte. Festgabe für Lothar Hardick OFM zu seinem 80. Geburtstag. Werl 1993, ISBN 3-87163-195-7, S. 91–102, hier S. 94. Die franziskanischen Orden weisen weniger eine zentralistische, eher eine föderale Struktur auf; innerhalb der universellen Lebensgemeinschaft des Gesamtordens ist die Provinz der natürliche Lebensraum für den einzelnen Bruder, in deren Traditionen, Probleme und Anstrengungen er eingebettet ist und in der er bleibt, auch wenn er innerhalb der Provinz in andere Konvente versetzt werden kann. Ein Übertritt in eine andere Provinz ist eher selten.Herbert Schneider: Die Franziskaner im deutschen Sprachgebiet. Leben und Ziele. Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1988, S. 14.
Alle Brüder trafen sich jährlich zu sogenannten Ordenskapiteln, um miteinander zu diskutieren und Beschlüsse zu fassen. Mit dem schnellen Anwachsen der Zahl der Brüder und der räumlichen Ausdehnung wurde jedoch schon bald die Beschränkung der Kapitelsteilnehmer auf „Kapitulare“ üblich, und eine gewisse Hierarchisierung setzte ein. Für größere Reisen musste der Obere eine förmliche Erlaubnis erteilen, ab etwa 1225 sind Versetzungsschreiben von einer Kustodie in eine andere sowie Ernennungsschreiben für Oberenämter bekannt. Von England her setzte sich ab etwa 1230 die Praxis durch, Oberenämter mit Priestern zu besetzen.Lothar Hardick OFM: Die Entwicklung des Ordens der Minderbrüder nördlich der Alpen. (Testament des hl. Franziskus, Nr. 7). In: Geistliches Vermächtnis IV. Studientag der Franziskanischen Arbeitsgemeinschaft 1977. Werl 1977 (Wandlung in Treue Bd. 20), S. 18–29, jetzt auch in: Dieter Berg (Hrsg.): Spiritualität und Geschichte. Festgabe für Lothar Hardick OFM zu seinem 80. Geburtstag., Werl 1993, ISBN 3-87163-195-7, S. 137–146, hier S. 143f.145f.
Das Generalkapitel beschloss 1219, auch heidnische Länder zu besuchen und die Heiden zu missionieren. Franziskus selbst zog in die Kustodie des Heiligen Landes, die damals den gesamten südöstlichen Mittelmeerraum umspannte. Er predigte und versuchte unter anderem, den Sultan zu bekehren. Diese Missionsversuche in Damiette und später in Jerusalem blieben aber ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr 1220 aufgrund von Nachrichten über Streitigkeiten bestimmte er Pietro Catanii zum Leiter des Ordens. 1221 starb Bruder Pietro, und Elias von Cortona übernahm die Ordensleitung.
Auf Anweisung der römischen Kurie verfasste Franziskus 1223 in der Einsiedelei Fonte Colombo eine dritte Fassung der Ordensregel. Sie wurde im Juni auf dem Generalkapitel behandelt und am 29. November von Papst Honorius III. mit der Bulle Solet annuere bestätigt (darum „Bullierte Regel“). 1226 starb der Ordensgründer.
Franziskus hatte die Bestellung von Brüdern für höhere kirchliche Ämter abgelehnt; kein Bruder dürfe, so die nicht bestätigte Regel 1221, ein leitendes Amt in dem Haus versehen, in dem er diene. Die Aufforderung von Kardinal Hugolin von Ostia, Bischöfe aus dem Kreis seiner Brüder vorzuschlagen, wies er zurück mit der Begründung: „Mindere sind meine Brüder deswegen genannt, damit sie sich nicht herausnehmen, Höhere zu werden. Lasset sie daher unter keinen Umständen zu kirchlichen Ämtern emporsteigen, damit sie nicht umso stolzer werden, je ärmer sie sind, und gegen die übrigen sich überheblich zeigen.“Thomas von Celano: Das Leben des heiligen Franciscus von Assisi: Cap. CIX, nach: Andreas Rüther: Bettelorden in Stadt und Land. Die Straßburger Mendikantenkonvente und das Elsaß im Spätmittelalter (= Berliner historische Studien, Band 26: Ordensstudien XI). Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-09235-X (Dissertation, Freie Universität Berlin, 1994), S. 177f., auch zum folgenden. Im Zuge der Klerikalisierung des Ordens wurden jedoch bereits ab der Mitte des 13. Jahrhunderts Ernennungen von Minderbrüdern zu Bischöfen üblich, einige wurden zu Kardinälen erhoben wie etwa der Ordensgeneral Bonaventura 1273. Der erste Papst aus dem Franziskanerorden war Girolamo Masci d’Ascoli als Nikolaus IV. (1288–1292). mini|Die Ausbreitung des Ordens in Deutschland in den 1220er-Jahren