mini|Kirche Heilig Kreuz 2022 Die Heilig-Kreuz-Kirche in Frankfurt (Oder) ist eine römisch-katholische Kirche im Stadtgebiet Halbe Stadt, westlich des Lennéparks.
Geschichte Vorgeschichte mini|Inneres der Katholischen Kirche in der Grapengießer Gasse In Frankfurt (Oder) bestand nach der Reformation seit Ende des 18. Jahrhunderts wieder eine katholische Gemeinde. Der Kaufmann Ballabene bot 1747 an, eine katholische Kapelle errichten zu lassen, was jedoch abgelehnt wurde. König Friedrich II. erteilte am 15. August 1776 die Konzession, das ehemalige Ballhaus in der Grapengießergasse zu kaufen, und für Gottesdienste und eine Schule herzurichten. Erst am 5. Januar 1784 konnte der Kauf für 3.000 Taler abgeschlossen werden. Die Gemeinde war so arm, dass sie zunächst nur 100 Taler anzahlen konnte. An vier weiteren Terminen wurden weitere 400 Taler gezahlt. Der Rest von 2.500 Talern belastete als Hypothek das Haus. Der Erblandhofmeister von Schlesien Johann Nepomuk Schaffgotsch zahlte später die Hypothekenschuld; die letzte Rate von 1.000 Talern erst 1797. Das Haus wurde umgebaut und am 17. Juli 1786 von Pater Bernardus Schorrnstein (auch Bernhard Schornstein), Kaplan in der Hedwigskirche zu Berlin, zur Abhaltung von öffentlichen Gottesdiensten feierlich eingeweiht.
Die Gemeinde fragte nach einem eigenen Seelsorger und erhielt vom König den Befehl, sich an dirigierenden Minister in Schlesien Karl Georg von Hoym zu wenden. Dieser trug dem Breslauer Domprediger und Provinzial des Kapuzinerordens auf, einen Geistlichen seines Ordens nach Frankfurt zu senden. Pater Renatus Tietz († 1818), der zuvor im Kloster Breslau als Lektor angestellt war, trat am 12. September 1789 sein Amt als katholischer Seelsorger an. Er fand jedoch nichts als mit Schulden belastete, leere Kirchenwände vor. Er erreichte, dass eine Sakristei und ein Altar gebaut sowie Kirchengestühl und eine Orgel beschafft wurden. Messgewänder und Kirchenwäsche erhielt er vom Abt des Zisterzienserklosters Neuzelle. Ihm standen jedoch keine Einnahmen aus Parochialrechten zur Verfügung und er musste im Jahr mit 24 Talern von der Gemeinde, 18 Talern von der Garnison und im Übrigen mit Almosen zu Rande kommen. Erst ab 1796 erhielt er ein Jahresgehalt von 150 Talern und ab 1803 eine Zulage von 100 Talern aus der Breslauer Universitätskasse. 1809 wurde der lutherische Pfarrzwang aufgehoben. 1816 schließlich wurde sein Gehalt aus verschiedenen Säkularisationsfonds auf 400 Taler angehoben. Renatus Tietz starb 1818. Sein Nachfolger wurde Placidus Höferle (27. Februar 1781–21. Februar 1837).
Die katholische Gemeinde in Frankfurt (Oder) gehörte zur nordischen Mission und stand unter dem Bischof von Hildesheim. 1821 wurde die Pfarrei dem Fürstbischof von Breslau unterstellt. Die Mitgliederzahl der katholischen Gemeinde wuchs von 800 im Jahr 1776 auf 4.560 in der Stadt und 1.686 in der nächsten Umgebung im Jahr 1905.
Die Kirche in der Grapengießer Gasse (heute Regierungsstraße) war für die 3.000 Gemeindemitglieder zu klein geworden. Darum sollte eine neue Kirche errichtet werden. Zunächst wurde ein Grundstück an der heutigen Wieckestraße ins Auge gefasst, der höchsten Stelle über der Frankfurter Innenstadt. Dies wurde jedoch von der evangelischen Kirche und der Stadtverwaltung hintertrieben. 1863 erwarb der Pfarrer Erzpriester Theodor Warnatsch für 9.600 Taler ein Grundstück für eine neue Kirche.
1865 sammelten die Schülerinnen der katholischen Mädchenschule durch einen offenen Brief an Mitschülerinnen in Schlesien, Westfalen und im Rheinland Geld für das Marienstift, das am 8. September 1867 eingeweiht wurde. Bezogen wurde es von der katholischen Waisen- und Kommunikantenanstalt für Knaben und Mädchen sowie einer Niederlassung der Grauen Schwestern.
1871 übernahm Pfarrer Julius Winkler die Pfarrei. Er sammelte Gelder, um den Bau der Kirche beginnen zu können, konnte den Baubeginn selbst aber nicht mehr erleben. Damit wurde sein Nachfolger Linus Schramm zum Bauherren der Kirche. Der Bau der Kirche wurde aber zuerst von der Baupolizei und vom Magistrat der Stadt mit den vorgeschobenen Gründen abgelehnt, der Bau würde den umliegenden Häusern Licht und Luft wegnehmen und es gäbe eine erhöhte Brandgefahr durch den hohen Turm bei Blitzschlag. Nach einer Beschwerde beim preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin wurde die Bauerlaubnis dann doch am 21. September 1896 erteilt. Die Genehmigung der städtischen Baupolizei folgte im Februar 1897.
Errichtung Der Bau nach Plänen des Architekten Engelbert Seibertz begann im März/April 1897, die Einsegnung als Kirche zum Heiligen Kreuz und zur Rosenkranzkönigin durch den fürstbischöflichen Delegaten Karl Neuber fand am 3. Mai 1897 und die Grundsteinlegung am 4. Mai 1897 statt. Der Bau der Kirche kostete 193.456 Mark, zuzüglich der Kosten für den Innenausbau von 48.000 Mark. Beides zusammen entspricht heute Kosten von ca. EUR (Stand: Mitte 2017). Der Bau erfolgte trotz ständiger Geldknappheit. Pfarrer Schramm zahlte die Kosten von 1.502,16 Mark für Pflasterung und Entwässerung erst nach Androhung einer Pfändung. Am 5. Mai 1898 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Kirchweihe als Heilig-Kreuz und Königin-des-Heiligen-Rosenkranz-Kirche erfolgte am 3. Mai 1899 wiederum durch den fürstbischöflichen Delegaten Karl Neuber. Die Kirche war das erste öffentliche Gebäude Frankfurts, das vollständig mit elektrischem Licht ausgestattet war.
In der Kirche gab es fünf Altäre (Hochaltar, Altar der Heiligen Familie, Herz Jesu Altar, Josephsaltar und Marienaltar) und 27 Kreuze. Der Hochaltar war nach Zeichnungen des Kirchenarchitekten Engelbert Seibertz vom Breslauer Kunstschreiner Carl Buhl gefertigt worden. Er zeigte in Reliefs Begebnisse aus dem Leben von Jesus. Auch die Nebenaltäre der Heiligen Familie und des Herz Jesu stammten von Carl Buhl. Marien- und Josephsaltar zeigten von Hermann Hidding aus weißem Baumberger Kalksandstein gehauene Reliefs, die mit Eichenholz umrahmt waren.
Das Glasmosaik der Rosenkranzkönigin über dem Hauptportal stammte von der Rixdorfer Firma Puhl & Wagner.
Haupt- und Nebenchöre zeigten in 15 Fenstern die 15 Rosenkranzgeheimnisse. Die Fenster stammten von der Kunstanstalt von Josef Scherer Glasmalerei & Kunstglaserei Berlin-Wilmersdorf.
Das Kirchengebäude in der inzwischen in Regierungsstraße umbenannten Grapengießer Gasse wurde für 110.000 Mark verkauft. Der Erlös floss in den Bau der neuen Kirche.
Stiftungen Für den Altar der Heiligen Familie und den Herz Jesu Altar spendete der Katholische Sammel- und Paramentenverein 3.000 Mark. Auswärtige Geistliche sammelten weitere 3.000 Mark. Für den Josephsaltar spendeten der Männergesangsverein Unitas und der Meister-, Gesellen- und Arbeiterverein Frankfurt (Oder) 2.000 Mark. Zwei Damen aus der Gemeinde gaben 2.000 Mark für den Marienaltar. Aus Spenden der Gemeinde und von außerhalb wurden des Weiteren angeschafft: eine prächtige Kanzel, eine Kommunionbank, das Bild von der immerwährenden Hilfe mit einer kostbaren Umrahmung und einem schmiedeeisernen Kunstgitter, das Glasmosaik über dem Hauptportal, zwei Beichtstühle, Altarleuchter, die ewige Lampe, sechs Weihwasserbecken und die Bekleidung der fünf Altäre. Die Stadt Frankfurt (Oder) stiftete die Turmuhr.
Restaurierung 1937 1937 wurde die Ausstattung der Kirche durch Unterstützung des Rosenkranzvereins sowie private Spenden renoviert. Zu den Geldspenden aus der Kirchengemeinde und den Einnahmen aus der Kirchensteuer kamen 3.000 Reichsmark von der Wehrmacht und 1.200 Reichsmark von der Stadt Frankfurt (Oder). Die Gesamtkosten lagen bei 60.000 Reichsmark. Das entspricht heute (Stand: Mitte 2017) ca. EUR. Baubeauftragter war Kaufmann Busch, Architekt Josef Gesing und Rendant Herr Galke.
Ende Oktober 1938 war die Renovierung weitgehend abgeschlossen. So hatte der Turm eine neue Dachdeckung erhalten und war mit einer Außenbeleuchtung versehen und die Taufkapelle teilweise erneuert worden. Die Orgel war zerlegt, entstaubt und neu zusammengesetzt. Die Kirche war neu ausgemalt und mit einer Warmluftheizung ausgestattet. Es gab eine neue Lichtanlage und die äußeren Strebpfeiler waren neu verfugt. Zudem wurde das Pfarrhaus erneuert. Pfarrer Felix Hasse hatte im vorderen Apsisbereich einen freistehenden, Opferaltar genannten Tisch aus Sandstein errichten lassen, an dem er der Gemeinde zugewandt zelebrieren konnte. Das wurde vom Bischöflichen Ordinariat verboten, weil das nicht den Vorschriften der Liturgie entsprach. Aus gleichem Sandstein ließ Hasse eine neue Kommunionbank fertigen.
Eine Gruppe des Katholischen Frauenbunds besserte die kirchlichen Gewänder aus, spendete neue Altar- und Kelchwäsche und Ministrantenchorhemden. Das Bischöfliche Ordinariat spendete drei Messgewänder und von privater Seite kam ein violettes Chorgewand. Alle Messkelche, Speisekelche, die ewige Lampe und der Feuerkessel wurden neu vergoldet. Sämtliche Leuchter, Kreuze und andere Metallgegenstände wurden erneuert.
Bischof Konrad Graf von Preysing leitete die Konsekration nach Abschluss der Bauarbeiten am 14. Mai 1939.
Umbau 1967 30 Jahre nach Restaurierung von 1937 erfolgte 1967 ein Umbau der Kirche unter Architekt Artur Becker. Dabei wurden die Richtlinien der Liturgischen Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) und der von ihr ausgegangenen Liturgieform berücksichtigt. Das schloss ein, dass der Pfarrer die Messe der Gemeinde zugewandt zelebrierte.
Im Frühjahr 1967 mussten die von Holzwurm und Schwamm befallenen Bankpodeste entfernt und 40 cm darunter liegendes Erdreich ausgewechselt werden. Die Gesamtfläche wurde wärmeisoliert und mit Terrazzoplatten ausgelegt.
Der Hochaltar war nicht zu retten. Der neue Altartisch wurde in der Mitte der Vierung aufgestellt. Die vier Tischbeine bestehen aus kreuzförmig angeordneten rechtwinkligen Dreiecken aus Ziegelmauerwerk, deren eine spitze Ecke sich am Mittelpunkt der Vierung berühren, während auf die andere spitze Ecke eine Platte aus bulgarischem Sandstein aufgelegt ist. Die Konstruktion soll an eine Opferschale erinnern. Über dem Altar wurde ein Kreuz aus zwei angekohlten Balken aufgehängt, das an die Stadtbrände von 1945 erinnern soll. An diesem Kreuz ist ein barockes Kruzifix befestigt, das aus dem Kloster Neuzelle stammt.
Der neue bronzene Ambo ist beweglich. Sieben neue bronzene Leuchter wurden aufgestellt. Der Sitz des Vorstehers der Liturgie wurde von überall gut einsehbar an einer Säule eingerichtet. Der neue Tabernakel steht in einer Konche, in der früher ein Altar stand. Das Halbrelief des Josephsaltars aus weißem Baumberger Kalksandstein von Hermann Hidding zerbrach beim Ausbau. Das Halbrelief des Marienaltars wurde in die Seitenwand eingelassen. An Stelle der zwei Seitenaltäre wurden zwei Beichtstühle aufgestellt, die neben der Beichte mit Gitter und Kniebank die Möglichkeit eines Gesprächs zweier gegenübersitzender Personen ermöglichte. Von der alten Kanzel wurden sechs kupfergetriebene Arbeiten von Hermann Hidding abgenommen, die die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes um Petrus und Paulus zeigen. Sie wurden an der Außenwand im Zugang zum Kolbehaus angebracht. Die zuvor das Retabel des Hochaltars krönende Marienstatue wurde in der zweiten Konche aufgestellt. Die Bleiglasfenster der Kirche wiesen Einwurfschäden auf. Ein Teil noch vom Zweiten Weltkrieg her zugemauert. Die Fenster waren sehr undicht und konnten weder Straßenlärm noch Temperaturunterschiede abwehren. Sie wurden durch Betonglasfenster ersetzt. Beim Umbau wurden neben zahlreichen anderen Veränderungen auch zahlreiche alte Zierelemente entfernt, wodurch der Innenraum der Kirche heller wurde. Den neuen Kreuzweg gestaltete Katharina Volbers geb. Golek (geb. 1925 in Frankfurt (Oder); gest. 19. November 1995 in Eisenach), eine Schülerin Karl Schmidt-Rottluffs.
Die Konsekration führte Weihbischof Johannes Kleineidam im September 1971 durch.
Kolbehaus