mini|hochkant=1.5| Wohn- und Jagdgebiet der Miami vor 1650

Die Miami bzw. Myaamiaki oder Miami-Konföderation waren eine lose Konföderation mindestens sechs algonkinsprachiger Indianerstämme, deren Stammesgebiet zu Beginn des 17. Jahrhunderts sich südlich des Michigansees über große Teile des heutigen US-Bundesstaats Indiana sowie der angrenzenden Gebiete von Illinois und Ohio im Mittleren Westen erstreckte. Die „Miami / Myaamiaki“ sind nicht mit den weder ethnisch noch sprachlich verwandten Mayaimi (Maymi/Maimi) im Gebiet rund um den Lake Mayaimi (Lake Okeechobee) im südlichen Florida zu verwechseln.

Sprache, Namen, Stammesgebiet und zugehörige Stämme Sprache Als Ende des 17. Jahrhunderts die ersten französischen Siedler kamen, trafen sie im Gebiet der heutigen Staaten Ohio, Indiana, Illinois, Michigan, Wisconsin und Arkansas auf Stämme die alle Dialekte einer gemeinsamen Sprache sprachen: die „Miami/Myaamiaki“ entlang des Wabash River (Waapaahšiki siipiiwi) („weißglänzender, scheinender Fluss“) und die „Illinois/Inoca“ entlang des Illinois River (Inoka Siipiiwi) („Fluss der Inoka, d. h. der Illinois“). Die Sprache unterteilte sich in einen „Illinois/Inoca“-Dialekt sowie in einen „Miami/Myaamiaki“-Dialekt und ist daher meist mit unter dem Sammelbegriff „Miami-Illinois“ bekannt.Charles Callender: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Illinois, S. 673 Der einzige Unterschied zwischen den beiden Dialekten war die Aussprache der Wörter bzw. die Lautdauer gesprochener Vokale, die „Illinois/Inoca“ sprachen mit einem „kurzen“ Akzent bzw. Vokalquantität, während die „Miami/Myaamiaki“ langsamer sprachen und daher einen „langen“ Akzent aufwiesen. Zudem hatte seit Erstkontakt mit Sprechern der „Miami-Illinois“-Sprache eine Lautveränderung von r /ɹ/ zu l /l/ stattgefunden, die spätestens im 18. Jhd. abgeschlossen war.

Namen Die heute übliche Stammesbezeichnung „Miami/Myaamiaki“ leitet sich aus einer Sprache benachbarter algonkinsprachiger Stämmen ab und bedeutet „Volk, das flussabwärts lebt“ (wobei bis heute nicht geklärt ist, welcher Fluss hiermit gemeint ist). Die so bezeichneten Stämme und Bands übernahmen bald ebenfalls diese Bezeichnung als ihr Autonym und nannten sich Myaamiaki („Volk, das flussabwärts lebt“, Einzahl: Myaamia) in der Miami-Illinois-Sprache, dieser Name wurde auch von den Europäern aufgegriffen und in ihre jeweilige Sprachen übernommen. Manche Quellen behaupten, sie hätten sich Twightwee (oder Twatwa) genannt, angeblich ein lautmalerischer Verweis auf ihren heiligen Vogel, den Kanadakranich (auch Sandhügelkranich, in Miami-Illinois: Cecaahkwa). Neuere Forschungen ergaben jedoch, dass Twightwee sich von Tuwéhtuwe aus der Sprache der Lenni Lenape für die Miami ableitet. Eine heute noch übliche und von den Miami benutzte Bezeichnung war und ist Mihtohseeniaki („das Volk“, Einzahl: Mihtohseenia – „Mensch“, „Person“), es könnte sich hierbei sogar um ihre ursprüngliche Stammesbezeichnung handeln, da viele indigene Völker sich einfach als „das Volk, die Menschen“ bezeichneten.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast. Smithsonian Institution Press, Washington 1978, ISBN 0-16-004575-4, S. 681–682.

Stammesgebiet Zu Beginn des europäischen Kontakts und vermutlich auch schon einige Zeit vorher lebten die Miami sprechenden Stämme am Südende des Michigansees, vom Saint Joseph River im Norden bis zum Vermilion River im nördlichen Illinois. Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts zogen sie in den Einzugsbereich des Wabash Rivers. Die Wea und Piankashaw wurden um 1820 nach Missouri und 1832 zum Marais des Cygnes River im östlichen Kansas umgesiedelt, wo sie mit den Resten der Illinois zusammengeführt wurden. Diese Gruppe musste schließlich ins nordöstliche Oklahoma umziehen und bildete hier den Miami Tribe of Oklahoma. Die meisten Miami blieben jedoch in Indiana. Rund 600 Stammesmitglieder zogen 1846 nach Kansas und wurden nach dem Bürgerkrieg nach Oklahoma umgesiedelt. Die Nachkommen der Miami, die im nördlichen Indiana geblieben waren, nennen sich heute die Miami Nation of Indiana.Miami History, abgerufen am 31. März 2013

Stämme der Miami Französischen Aufzeichnungen aus dem siebzehnten Jahrhundert zufolge gab es insgesamt sechs Stämme, die häufig kollektiv als „Miami“ bezeichnet wurden, diese waren wiederum in mehrere Bands unterteilt. Die Stammes- bzw. Bandnamen leiteten sich meist von der Ortslage ihres Sommerdorfs, des bevorzugten Jagdgebiets, von einer charakteristischen Eigenschaft oder ihrem jeweiligen Häuptling ab.

Atchatchakangouen, Atchakangouen, (Sandhill) Crane Band oder Greater Miami (Eigentliche Miami) (der Name leitet sich vermutlich von einer Ojibwe-Übersetzung für Cecaahkwa (Plural: Cecaahkwaki) der Miami-Illinois-Bezeichnung für ihren heiligen Vogel – den Kanadakranich (Sandhügelkranich) ab; die größte und politisch bedeutendste Band, ihre Hauptstadt – eine Ansammlung von mehreren verstreuten Siedlungen – war Kekionga / Kiihkayonki („Ort des Brombeeren-Strauchs“) am Zusammenfluss vom St. Joseph River (Kociihsa Siipiiwi) („Bohnen-Fluss“) und St. Marys River (Nameewa Siipiiwi/Mameewa Siipiiwi) („Fluss des Atlantischen Störs“) zum Maumee River (Taawaawa Siipiiwi) („Fluss der Händler, d. h. der Odawa“) am Rande des Great Black Swamp in Indiana. Kekionga / Kiihkayonki war auf Grund seiner Lage auch als Saakiiweeki Taawaawa Siipiiwi („Zusammenfluss/Mündung in/zum Maumee River“)da hier sich der Maumee River durch den Zusammenfluss von St. Joseph River und St. Marys River bildet bekannt und die traditionelle Hauptstadt der Miami-Konföderation, wo der Stammesrat abgehalten wurde, daher nannten die Europäer diese auch einfach “the Miami Towns” oder “Miamitown”) Kilatika, Kilatak, Kiratika, später von den Briten als Eel River Miami Band bezeichnet; Eigenbezeichnung: Kineepikomeekwaki („Volk entlang des Snake-Fish-River, d. h. Eel River“, ihr Hauptdorf Kineepikwameekwa / Kenapekwamakwah / Kenapocomoco – “Snake-Fish-Town” oder “Eel River Village”weitere Namensvarianten des Hauptdorfes waren: Kenapacomaqua, Kenapeequomakonga, Kikiah, Kenapeco-maqua Town, Eel River Town, Eel Town, The Snakelike Fish, L’Anguille, ye olde village oder Olde Towne, wechselte im Laufe der Jahrzehnte öfter zwischen dem Oberlauf des Eel River (Kineepikwameekwa Siipiiwi) („Aal–Fluss“) (nahe Logansport, Indiana) bis zu dessen Mündung in den Wabash River (Waapaahšiki Siipiiwi) („hell, weiß glänzender Fluss“) (nahe Columbia City, Indiana) im Norden Indianas, zur Zeit der Franzosen wurde das Hauptdorf der damals noch als Kilatika / Kiratika bezeichneten Band am Zusammenfluss der Flüsse Kankakee River und Des Plaines River zum Illinois River ca. 16 km südwestlich des heutigen Joliet in Illinois verzeichnet) Mengakonkia oder Mengkonkia Pepikokia, Pepicokea, Tepicon, Tippecanoe; Eigenbezeichnung: Kiteepihkwana (ihr gleichnamiges Hauptdorf Kithtippecanuck / Kiteepihkwana („Ort des Büffelfisch“) wechselte oftmals zwischen dem Oberlauf (östlich von Old Tip Town, Indiana) des Tippecanoe River (Kiteepihkwana siipiiwi) („Fluss des Büffelfischs“) und dessen Mündung (nahe Lafayette, Indiana) in den Wabash River seinen Standort, manchmal auch als Nation de la Gruë (nach einem Häuptling bzw. dem führenden Clan benannt) oder als Miamis of Meramec River bekannt, der Name bezieht sich wahrscheinlich auf eine Miami-Illinois-sprachige Band Myaarameekwa („Katzenwelse Band, wörtlich: Hässlicher Fisch Band“) entlang des Meramec River („Fluss der hässlichen Fische“)) Piankashaw, Piankashaw, Pianguichia; Eigenbezeichnung: Peeyankihšiaki („jene die sich absonderten“, lebten in mehreren Dörfern entlang des White River im Westen Indianas, des Vermilion Rivers und Wabash Rivers in Illinois sowie später entlang des Great Miami Rivers im Westen Ohios, ihre erste Hauptsiedlung Peeyankihšionki („Ort der Peeyankihšiaki/Piankashaw“) wurde am Zusammenfluss des Vermilion River (Peeyankihšiaki Siipiiwi) („Fluss der Peeyankihšiaki/Piankashaw“) mit den Wabash River errichtet (nahe Cayuga, Indiana) – eine kleinere Siedlung lag am Zusammenfluss beider Hauptarme des Vermillion Rivers (nahe Danville, Illinois)PIANKESHAW - DANVILLE WAS BUILT ON THE SITE OF THE OLD INDIAN VILLAGE OF PIANKESHAW, die zweite bedeutende Siedlung Aciipihkahkionki („Ort der essbaren Wurzeln“) wurde oberhalb der Mündung des Embarras River in den Wabash River errichtet (nahe Vincennes, Indiana), eine weitere Siedlung namens Pinkwaawilenionki / Pickawillany („Ort des Asche-Volks“) entstand entlang des Great Miami River (Ahsenisiipi) („felsiger, steiniger Fluss“) und entwickelte sich zum heutigen Piqua im Westen Ohios)sowohl die Piankashaw als auch die Wea sind in historischen Quellen zudem als Newcalenous bekannt, dies verdeutlicht nochmals die enge historische Verbindung dieser beiden Stämme Wea, Wiatonon, Ouiatanon oder Ouaouiatanoukak; Eigenbezeichnung: Waayaahtanooki („Volk am Wasserstrudel“, da ihr Hauptdorf Waayaahtanonki („am Ort des Wasserstrudels“) – auch Waayaahtanwa genannt – nahe einem Strudel im Flusslauf lag. Unter der Bezeichnung „Ouiatanon“ verstand man das ganze Stammesgebiet der Wea im Mittleren Wabash Valley zwischen dem Eel River im Norden und dem Vermilion River im Süden sowie eine Sammelbezeichnung für die insgesamt fünf Wea-Dörfer, von denen jedoch das „eigentliche“ Quiatanon an der Mündung des Wea Creek in den Wabash River das Hauptdorf wardie heute allgemein gebräuchliche Bezeichnung als „Wea“ entwickelte sich durch fehlerhafte Aussprache und Orthographie der Franzosen sowie verkürzte Transkription der Briten, da die Franzosen das Hauptdorf zwar Wiatanon aussprachen, jedoch zur Wiedergabe des Buchstabens „W“ die Buchstaben „Ou“ nutzten, so dass sie schließlich den Namen als Ouiatanon schrieben; die Briten wiederum gaben den französischen Namen zuerst als Wiatanon wider, später verkürzt einfach zu „Wea“)Walking Myaamionki Quelle für Siedlungs-, Flüsse, Orts- sowie Eigennamen der einzelnen Bands Im frühen achtzehnten Jahrhundert verloren eine Anzahl der Stämme ihre Identität und schließlich blieben nur noch die Eigentlichen Miami, die Piankashaw und die Wea übrig. Diese Stämme waren sich ihrer gemeinsamen Herkunft bewusst. Die Miami fühlten sich als die älteren Brüder der anderen Stämme, doch jeder von ihnen war vollständig unabhängig.

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bestanden die Miami aus drei Bands, deren französische Bezeichnungen wie folgt lauteten: Le Pied Froid Band (auch bekannt als „Cold Feet“, benannt nach dem führenden Häuptling der „Atchatchakangouen Band“ von der Miami-Hauptstadt Kekionga / Kiihkayonki, dieser verlor jedoch zusehends seine politische Macht an den Briten-freundlichen Piankashaw-Häuptling Meemeehšihkia / Memeskia und zog mit dem Großteil seiner Gefolgschaft ebenfalls zum Great Miami River – so dass in dieser Zeit die alte Hauptstadt stark an Bedeutung verlor)