Die Diener Jesu und Mariens (Servi Jesu et Mariæ, Ordenskürzel SJM) sind eine katholische Kongregation für Priester und Laienbrüder, die 1988 von Pater Andreas Hönisch, einem ehemaligen Jesuiten, gegründet und bis zu seinem plötzlichen Tod am 25. Januar 2008 als Ordensgeneral geleitet wurde. 1994 wurden die SJM von der Kommission Ecclesia Dei als Kongregation päpstlichen Rechts anerkannt. Generaloberer der Kongregation ist seit 2026 Markus Christoph. Eine ihrer Aufgaben besteht in der pastoralen Betreuung von Gruppen der Katholischen Pfadfinderschaft Europas.
Geschichte Vorgeschichte (1986 und 1987) Nach eigenen Angaben aus dem Jahr 1986 hatte Andreas Hönisch als Bundeskurat der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) bereits zahlreiche Jugendliche, die die Priesterweihe anstrebten, zum Engelwerk geschickt. Dessen Teilorganisation Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz sei die einzige Ordensgemeinschaft, die er den Pfadfindern der KPE empfehlen könne. Am 12. Februar 1986 erörterte Hönisch in Augsburg mit Ingo Dollinger, dem Rektor der Engelwerk-Hochschule Institutum Sapientiæ im brasilianischen Anápolis, Pläne zur Gründung eines weiteren der KPE nahe stehenden Ordens.Heiner Boberski: Das Engelwerk. Ein Geheimbund in der katholischen Kirche? Otto Müller Verlag, Salzburg 1990, ISBN 978-3-7013-0781-4. S. 233 und 253 In: Diener Jesu und Mariens, Der Ruf des Königs, 2. Quartal 2017, S. 35.
Gründung (1988) Die SJM entstanden zwei Jahre später am 30. Mai 1988 aus der Jugendarbeit der KPE in Deutschland. Für die aus der KPE hervorgegangenen Seminaristen und Priester war es aufgrund ihrer Einbindung in die Ausbildungs- und Pastoralstrukturen der verschiedenen Diözesen bzw. Orden schwierig gewesen, weiterhin eine kontinuierliche seelsorgerische Betreuung der Jugend- und Pfadfindergruppen zu leisten. Um dem abzuhelfen, gründeten 1988 drei Mitglieder der KPE zusammen mit P. Hönisch die neue Gemeinschaft der SJM, die es ermöglichen sollte, Priestertum und Jugendarbeit besser miteinander zu verbinden.Wurzeln im Pfadfindertum. SJM-Kongregation, Abruf am 15. Dezember 2021 P. Hönisch war inzwischen im Streit wegen seiner Tätigkeit in der KPE vom Jesuitenorden ausgeschlossen worden und war Diözesanpriester des Bistums Augsburg.
Ausbau (1989–1999) Im Zeitraum 1990–1992 gehörte die SJM-Kongregation, vertreten durch Richard Pühringer CPPS, gemeinsam mit anderen marianischen Gruppen wie der Katholischen Pfadfinderschaft Europas, dem Engelwerk, Radio Maria und der Marianischen Priesterbewegung als stimmberechtigtes Mitglied dem Dachverband Vereinigtes Apostolat im Geiste Mariens an.Heiner Boberski: Das Engelwerk. Theorie und Praxis des Opus Angelorum. Otto Müller Verlag, Salzburg 1993, ISBN 3-7013-0854-3, S. 230.Teilnehmerliste der VAM-Sprecherversammlung. August 1992
Im Jahr 1995 wurde der Kongregation durch den Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz die weitere Nutzung des alten Kapuzinerklosters in Markt Rettenbach, Ortsteil Mussenhausen, gekündigt. Die neue Hauptniederlassung wurde daraufhin in Blindenmarkt errichtet. Anders als oft behauptet gab es für die SJM niemals ein Seelsorgeverbot in der Diözese Augsburg.Aichacher Nachrichten: „Erklärung zur SJM-Seelsorge. Diözese Augsburg nimmt Stellung“, 15. Oktober 2002
Ende 1995 klagten die SJM und der Priester Dietmar Aust FSSP erfolgreich gegen die Nachrichtenmagazine News und Focus, welche die Kongregation unbewiesen mit der Priesterbruderschaft St. Petrus und der Gemeinschaft vom heiligen Josef in Verbindung gebracht hatten.Thomas M. Hofer: Gottes rechte Kirche. Ueberreuter Verlag, Wien 1998, ISBN 3-8000-3675-4, S. 70
Seit 2000 Im Februar 2000 verließ der in der Pfarrei Jossgrund im Bistum Fulda tätige SJM-Priester Béla Horváth den Orden, woraufhin er von Ortsbischof Johannes Dyba als Pfarrer abgesetzt wurde. In der Pfarrgemeinde hatte es zuvor heftige Proteste für den Verbleib Horváths in der Pfarrei gegeben.
Anfang der 2000er Jahre unterrichteten die Theologen Reto Nay und David Berger in der Ausbildungsstätte der SJM in Blindenmarkt. Berger distanzierte sich später von der Gemeinschaft.David Berger: Der heilige Schein. Ullstein Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-550-08855-1.Anna Loll und Peter Wensierski: „Verweiblichtes Verhalten“. Ende 2004 kam es zu Konflikten und gegenseitigen Vorwürfen zwischen den Dienern Jesu und Mariens und Teilen der österreichischen KPE. Nach Berichten der Gemeinschaft vom heiligen Josef und kath.net verließen zwei Gruppen und drei Mitglieder der dortigen Bundesführung um den Priester Martin Leitner die KPE-Ö, da ihrer Meinung nach der deutsche Verband – insbesondere Bundeskurat Andreas Hönisch SJM – versucht habe, größeren Einfluss in der österreichischen Organisation zu gewinnen. Hönisch gab an, Anschuldigungen mit strafrechtlichen Folgen gegen SJM-Mitglieder und eine negative Erwähnung im Sektenreferat der Erzdiözese Wien seien ihm nicht bekannt. Der Hönisch nahe stehende Teil der genannten Bundesführung blieb im Amt und stellte sich hinter den deutschen Bundeskuraten. kath.net vom 5. Januar 2005 kath.net vom 10. Januar 2005 kath.net vom 7. Januar 2005 kath.net vom 11. Januar 2005
Nach 2004 scheiterten SJM und KPE mit Verleumdungsklagen gegen den Journalisten Georg Restle vor mehreren Gerichten in St. Pölten und Wien. Restle hatte angegeben, in Veröffentlichungen der KPE homophobe und antisemitische Äußerungen gefunden zu haben.„Răspopiţi“ catolici din Austria păcătuiesc în România. Adevărul, 4. Mai 2010 Seiten 1 ff mini|Papst Johannes Paul II. und eine Gruppe KPE-Pfadfinderinnen im Sommer 2004
Im Oktober 2006 wurden die von Bischof Johannes Dyba ausgehandelten Gestellungsverträge des Bistums Fulda mit der Kongregation durch Bischof Heinz Josef Algermissen gekündigt, nachdem es zu Differenzen zwischen dem Bischof und dem SJM-Generaloberen Pater Andreas Hönisch gekommen war.Fulda: ‚Vertrauen der Bistumsleitung in den Orden zerstört’. kath.net, 7. November 2006, abgerufen am 1. Dezember 2016 (kath.net-Bericht über die Ursachen der Entpflichtung)Andreas Hönisch: Richtigstellungen. kath.net, 7. November 2006, abgerufen am 1. Dezember 2016 (Stellungnahme von P. Andreas Hönisch SJM). Die betroffenen Pfarreien reagierten mit Unmut und Unverständnis auf die Kündigung durch das Bistum Fulda. Bei einer Unterschriftenaktion setzten sich über 75 % der Pfarreimitglieder für einen Verbleib der SJM-Priester ein.
Seit 2010 Mit Stand von Anfang 2013 arbeiteten SJM-Patres im Bistum Augsburg in Marienfried und Rennertshofen in der Seelsorge. In der Kirche von Alsmoos in Petersdorf (Schwaben), wo SJM-Förderer Ingo Dollinger bis 1995 Pfarradministrator gewesen war, wurden sie als Aushilfen zugelassen. Augsburger Allgemeine vom 26. Januar 2017
2013 wurde P. Leopold Kropfreiter SJM von der zentralasiatischen Bischofskonferenz zum Nationaldirektor des päpstlichen Missionswerks Missio in Kasachstan ernannt. 2020 hat ihn der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Im Jahr 2016 bewarben die SJM eine Veranstaltung mit Weihbischof Athanasius Schneider ORC, einem hochrangigen Mitglied des Engelwerkes, dessen Bücher Corpus Christi und Dominus est im SJM-Verlag erschienen waren. in: Diener Jesu und Mariens, Der Ruf des Königs, Ausgabe 2016/1, S. 34 Website des SJM-Verlags, 2009. ISBN 978-3-940879-33-2Athanasius Schneider: Dominus est. SJM-Verlag Neusäß, 2008, ISBN 978-3-932426-44-5. Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek Im Januar 2016 besuchte Schneider auf Einladung des Rektors der SJM-Ordensschule Sint-IgnatiusRemy Amkreutz: Nieuw lespakket: elke dag vijftig Weesgegroetjes. De Morgen vom 10. Juni 2015 die belgische SJM-Niederlassung Het Oude Klooster Maleizen in Overijse. sjm-online vom 18. Januar 2016 Die Schule finanzierte sich über das Konto der kreationistischen Gruppe Stop Christenvervolging unter Fernando Pauwels, der von der Katholischen Universität in Löwen wegen „zu extremer religiöser Auffassungen“ entlassen wurde, und Yves Pernet, einem Aktivisten der rechtsextremen Gruppen Vlaams Belang und Voorpost sowie Autor der flämisch-nationalistischen Website Rechts Actueel, die die Schule beim Crowdfunding unterstützt. Verwalter des Kontos war die Stiftung Kerk en Geloof (Kirche und Glaube).Marie Gathon: "Sint-Ignatius": quand les ultra-cathos retournent à l'école. Le Vif, 16. Juli 2015Odile Leherte: Une école ultra-catholique à Overijse: qui est à la manœuvre?. RTBF vom 15. Juni 2015 Rechts actueel, 2. September 2015 Die Schule mit fünf Schülern war im Jahr 2015 Gegenstand einer Debatte im belgischen Parlament. Seit ihrer staatlichen Anerkennung konnte der Orden vollgültige Schulzeugnisse ausstellen. Der Ruf des Königs, 4. Quartal 2016, S. 12 f
Die belgische Bischofskonferenz erklärte 2016, die Schule habe die kirchliche Anerkennung weder beantragt noch erhalten.Piet De Loof, Philippe Keulemans: Crevits laat ultra-katholieke school opnieuw controleren. Belgische Bischofskonferenz, 13. Januar 2016 Nachdem das Erzbistum Mecheln-Brüssel und der für die Bischofskonferenz tätige flämische Schuldachverband „Katholiek Onderwijs Vlaanderen“Katholiek Onderwijs Vlaanderen: Missie en visie van onze koepelvereniging bemängelt hatten, die von den SJM betriebene Schule im Alten Kloster Maleizen biete eine „weltfremde Bildung“, leitete Flanderns Bildungsministerin und Vizeministerpräsidentin Hilde Crevits (CD&V) im Januar 2016 eine erneute Untersuchung der Schule ein. Dieser wurden Kreationismus und Rechtsextremismus vorgeworfen. Wouter Jambon, erster Schatzmeister der Schule und Vorsitzender der rechtskonservativen Studentenverbindung KVHV, verneinte letzteren. Hilde Crevits’ Website vom 14. Januar 2016Crevits onderneemt stappen tegen ultrakatholieke school. Het Laatste Nieuws vom 13. Januar 2016 Die Schule konnte ihren Betrieb unter Auflagen und der Bedingung künftiger Kontrollen fortsetzen, nachdem beanstandete Teile ihrer Website gelöscht worden waren. Der Vorsitzende der Open Vlaamse Liberalen en Democraten im flämischen Parlament, Jean-Jacques De Gucht, bezeichnete die Anerkennung der Schule als absurd und inakzeptabel.“Onaanvaardbaar dat ultrakatholieke school erkenning behoudt”. De Standaard vom 18. März 2016 Seit 2018 wird die Schule vom Orden nicht mehr als „unsere Schule“, sondern als rechtlich und finanziell eigenständige „Initiative engagierter Eltern“ bezeichnet. Der Ruf des Königs 2017/4, S. 22. Erschienen im Januar 2018 Auf ihrer Website gab die Schule weiterhin an, vom Orden unterstützt zu werden und mit ihm zusammenzuarbeiten. → Zur weiteren Entwicklung der Schule siehe dort.
Jüngere Geschichte Seit 2018 Im März 2018 wurde P. Karl Barton SJM mit Zustimmung des Ortsbischofs Konrad Zdarsa als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Ronsberg-Ebersbach-Willofs im Bistum Augsburg installiert.Pater Karl Barton ins Amt eingeführt. Allgäuer Zeitung, 7. März 2018, S. 26. 2018 verließ das Noviziat des Ordens den Auhof in Blindenmarkt und übersiedelte nach Haus Assen in Deutschland.
Im Jahr 2016 wurde mit der Sanierung des Hauses Assen begonnen, das nach dem Sturmtief „Friederike“ starke Schäden im Dachstuhl aufgewiesen hatte sowie Beschädigungen an der Fassade im Innenhof. Rund 335.000 Euro kosten die Sanierungsarbeiten, finanziell wird das Bauvorhaben durch die Landesregierung NRW, den Bund, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Spenden unterstützt.
2018 absolvierten vier Postulanten und ein Novize entweder ein Einführungsjahr oder ein Probe-Praktium auf Haus Assen in Lippetal.
Seit 2020 Am 15. Oktober 2020 bestätigte das Generalkapitel Paul Schindele als Generaloberen und wählte ihn mit großer Mehrheit für eine weitere sechsjährige Amtszeit.
Am 26. April 2021 stimmte der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, der Errichtung einer kanonischen Niederlassung der SJM im Bistum Augsburg zu. Der kirchenrechtliche Sitz der SJM in der Diözese wird laut Mitteilung des Ordens in der Pfarreiengemeinschaft Ebersbach (Ostallgäu) liegen.