Mittelherwigsdorf ist eine sächsische Gemeinde im Landkreis Görlitz. Sie liegt nahe Zittau in der südlichen Oberlausitz.

Geographie mini|links|Karte von Oberreit mit Mittelherwigsdorf um 1845 Das 7,5 Kilometer lange Waldhufendorf liegt etwa 3 Kilometer nordwestlich von Zittau am Rietschebach und der Mandau im Bereich der Zittauer und Oderwitzer Becken. Bogenförmig setzt es sich zusammen aus Oberherwigsdorf (Oberdorf), Mittelherwigsdorf (Mitteldorf) und der Scheibe. Die Ortsteile Oberseifersdorf und Eckartsberg liegen (nord)östlich davon, und der Ortsteil Radgendorf wiederum liegt östlich von Eckartsberg.

Umgebende Gemeinden sind Herrnhut (Ortsteil Großhennersdorf) im Norden, Zittau vom Nordosten bis Süden, Bertsdorf-Hörnitz und Hainewalde im Südwesten, und Oderwitz im Westen.

Die Bundesstraße 96 schneidet auf ihrem Weg von Oderwitz nach Zittau das Mitteldorf und nimmt südlich davon die von Spitzkunnersdorf kommende Staatsstraße 139 auf, die das Siedlungsgebiet von Mittelherwigsdorf tangiert. Nach ihrer Fertigstellung wird die von der Bundesautobahn 4 kommende und über Löbau führende Bundesstraße 178 das Oberdorf schneiden und zwischen Oberseifersdorf und Eckartsberg in die bereits bestehende Nordostumgehung der Zittauer Innenstadt einmünden, die die Bundesstraße 99 kreuzt und bis zum Grenzübergang Zittau–Sieniawka führt.

Gemeindegliederung 1994 haben sich die seinerzeit eigenständigen Gemeinden Mittelherwigsdorf, Oberseifersdorf sowie Eckartsberg (mit Radgendorf) zur heutigen Gemeinde Mittelherwigsdorf zusammengeschlossen. Sitz der Gemeindeverwaltung ist das Gemeindeamt in Mittelherwigsdorf. Markus Hallmann (FWV) ist der aktuelle Bürgermeister der Gemeinde.

Ortsteile der Gemeinde Mittelherwigsdorf (gesamt 3.540 Einwohner, 3.648,02 ha) sind: Eckartsberg (794 Einwohner, 694,33 ha), Mittelherwigsdorf mit Oberherwigsdorf (1556 Einwohner, 1892,24 ha), Oberseifersdorf (1067 Einwohner, 898,57 ha), Radgendorf (123 Einwohner, 162,88 ha).

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf die Anzahl der Hauptwohnsitze am 31. Dezember 2025.

Geschichte Zum ersten Mal 1312 als „Heruici villa“ geschichtlich erwähnt, bestand der Ort ursprünglich aus drei Teilen, Oberherwigsdorf (1410 Bettelsdorf genannt und 1974 eingemeindet), der sogenannten Scheibe, einem bereits 1359 erwähnten Rittersitz und dem eigentlichen Kirchort Herwigsdorf mit jeweils eigenständigen Ortsrichtern. Infolge der Reformation waren die Cölestinermönche auf dem Oybin gezwungen, den Ort, den sie im 15. Jahrhundert in ihren Besitz bringen konnten, nach und nach an die Stadt Zittau zu verkaufen. Bis dahin überwiegend landwirtschaftlich geprägt, entwickelte sich mehr und mehr das Weberhandwerk, wodurch das heut bekannte Ortsbild mit vielen dicht gebauten Umgebindehäusern entstand.

Obwohl Mittelherwigsdorf seit 1848 über einen Eisenbahnanschluss (Bahnstrecke Zittau–Löbau) verfügte, entwickelte sich im 19. Jahrhundert keine nennenswerte Industrie, so dass der ländliche Charakter erhalten blieb.

Zu DDR-Zeiten errichtete der VEB Erdölverarbeitungswerk Schwedt ein Kinder-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.Facebook-Eintrag

Politik

Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 15 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Freiwilliger Wählerverein (FWV): 7 Sitze (− 2) Alternative für Deutschland (AfD): 3 Sitze (+ 3) Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU): 3 Sitze (− 1) offene Liste Mittelherwigsdorf (OL): 2 Sitze (− 1) +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freiwilliger Wählerverein742,7950,1739,3AfD322,5––––CDU319,5424,7532,6offene Liste Mittelherwigsdorf215,3320,7424,5Linke–––4,5––NPD–––––3,6Wahlbeteiligung77,8 %70,1 %64,5 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2012 Markus Hallmann (FWV). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2026Markus HallmannFWV98,0201999,8201254,52008Bernd Rößner79,3200170,1

Partnergemeinden Die Gemeinde Mittelherwigsdorf hat zwei Gemeindepartnerschaften in Baden-Württemberg, die von den Vorgängermeinden geschlossen wurden. Die damalige Gemeinde Eckartsberg ging 1990 eine Partnerschaft mit der Gemeinde Dischingen ein, und Mittelherwigsdorf ging 1991 eine Partnerschaft mit Neunkirchen in Baden ein.

Öffentliche Einrichtungen Freizeit- und Sportanlagen Das Naherholungsgebiet Sandbüschel ist seit 1959 Veranstaltungsort für die Sandbüschelfeste. Die Gemeinde unterhält einen ca. 3 km langen Barfußpfad. Dieser wurde 2013 neu hergerichtet. Anfang und Ende befinden sich am Sportzentrum Mittelherwigsdorf in Scheibe.

Verkehr Der Haltepunkt Mittelherwigsdorf liegt an den Bahnstrecken Zittau–Löbau sowie Mittelherwigsdorf–Varnsdorf–Eibau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten → siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Mittelherwigsdorf Die Kulturfabrik Meda am Bahnhof Mittelherwigsdorf unterhält ein Filmtheater und veranstaltet regelmäßig Workshops. Sie betreibt in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Hochschulinstitut Zittau eine Forschungs-Pflanzenkläranlage. Die Kirche Mittelherwigsdorf ist eine der ältesten erhaltenen Dorfkirchen der Oberlausitz. Traumpalast: Musik und sonstige Veranstaltungen Dorfmuseum Eckartsberg im Riedelschen Gut Sandbüschelfeste

Naturschutz

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Johann Georg Weber (1687–1753), lutherischer Theologe Ernst Willkomm (1810–1886), Schriftsteller Heinrich Moritz Willkomm (1821–1895), Botaniker Alwin Reinhold Korselt (1864–1947), Mathematiker Walther Förster (1886–1946), Kommunalpolitiker Hellmut Lehmann (1907–1994), evangelischer Pfarrer, Missionsinspektor der Berliner Missionsgesellschaft und Autor Eberhard Mannack (1928–2018), Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer Herbert Bergmann (* 1929), Politiker (DBD) Uwe Häntsch (* 1949), Grafiker

Weitere Persönlichkeiten David Fleischmann (1546–1606), lutherischer Pfarrer in Herwigsdorf, später in Reichenau, Besitzer der Zittauer Bibel

Einzelnachweise

Literatur

Friedrich Eckhart: Weyland Friedrich Eckarths, Chronica Oder Historische Beschreibung Des Dorffes Herwingsdorff. Herwingsdorff 1737 (Digitalisat)

Theodor Korselt und Hans-Dieter Meirich: Dorfbuch für Mittelherwigsdorf. Ein historisches Ortsbild von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert. Leipzig: AMF 1999 (= Schriftenreihe der AMF 80) Carl Gottlob Moráwek: Geschichte von Eckartsberg bei Zittau. Zittau 1873 (Digitalisat)

Weblinks

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