Rumburk (deutsch Rumburg) ist eine Stadt im Okres Děčín in der Region Ústecký kraj in Tschechien.

Geographie Lage Die Stadt liegt in Nordböhmen direkt an der Grenze zu Deutschland in einem seichten Tal an der Mandau. Südlich erhebt sich die Südwestliche Randkette des Lausitzer Berglandes mit dem Dymník (Rauchberg; 517,2 m) als Hausberg Rumburks. Nördlich verläuft die Vierte Bergkette des Lausitzer Berglandes mit einer Höhe bis ca. 445 m im Waldgebiet Březiny (Birken).

Stadtgliederung Die Stadt Rumburk besteht aus den Ortsteilen Rumburk 1 (Rumburg), Rumburk 2-Horní Jindřichov (Oberhennersdorf) und Rumburk 3-Dolní Křečany (Niederehrenberg). Grundsiedlungseinheiten sind Aloisov (Aloisburg), Antonínovo Údolí (Antonithal), Cihelna, Dolní Křečany, Dymník (Rauchberg), Horní Jindřichov, Hraniční les, Na Pražské, Nad nádražím, Obora, Písečná (Sandhöhe), Pod zámečkem, Podhájí (Frankenstein), Poustka-Popluží (Wüstegut-Vorwerk), Průmyslová zóna Rumburk, Rumburk-střed, Strážný vrch, Školní, U hřbitova, U Racka, Výletní, Výsluní-u Mandavy, Za klášterem und Zátiší (Huttung).

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Dolní Křečany, Horní Jindřichov und Rumburk.

Nachbarorte

mini|hochkant=1.35|Zentraler Stadtplatz (mit Pestsäule)

Geschichte Stadtgründung und Mittelalter Rumburg wurde wahrscheinlich vor 1298 gegründet. Der Sage nach soll an der Salzstraße zwischen Böhmen und der Lausitz im Tal der Mandau eine kleine Burg gestanden haben. Eine erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrei in den Meißner Bistumsmatrikeln – einem Ortsverzeichnis im Bistum Meißen – stammt aus dem Jahre 1346. Später entstanden weitere Ortsteile: Aloisburg / Aloisov (1764), Altheide (Althaida) / Staré vřesovište (1597), Huttung / Strážišté (1771), Frankenstein / Podhájí (1764), Johannestal / Janské údolí (1791), ein Teil von Klause (1587), Neusorge (Neu-Sorge) / Nová Starost (1626). Bis 1879 waren Altheide, Neusorge, Frankenstein und Aloisburg selbständige Gemeinden. Als weitere Ortsteile werden auch Oberhennersdorf / Horní Jindřichov, Niederehrenberg / Dolní Křečany, Antonital / Antonínovo údolí, Vorwerk / Popluži und Wüstegut / Poustka genannt.

Das Wappen der alten Herrschaftsfamilie Berka von Dubá auf Ronov (Ronberg) weist mit seinen zwei gekreuzten Baumästen nach Ansicht des Sprachforschers Antonín Profous auf das mittelhochdeutsche Wort Rone (= Baumstumpf), in polnischer Sprache Ostrew (= Baumastbarriere) hin, mit dem vermutlich der Name der Stadt Rumburg ebenfalls in Verbindung steht. Ältere Aufzeichnungen bezeichnen die heutige Stadt als Roneberch (1298), Ronberg (1347), Ronneperg, Ronsberg, Romberg, Ronsburg. Im Jahre 1347 erhielt Rumburg das Stadtrecht.

Frühe Neuzeit mini|hochkant|links|Karte der Region um Rumburg (um 1700) Nachdem zunächst die Herren von Berka aus dem weitverzweigten Geschlecht der Ronow und Biberstein die Stadt regierten, konnte unter der anschließenden Herrschaft des Geschlechtes der Wartenberg im 14. Jahrhundert das Salzmarktprivileg der Stadt zugesprochen werden. In den Jahren der Angriffe der Hussiten schien Rumburg das Schicksal vieler anderer Gemeinden der Umgebung teilen zu müssen. So baten die Rumburger die Lausitzer um Hilfe vor den hussitischen Kämpfern. Als diese jedoch immer näher kamen, konnten sie problemlos in die Stadt einziehen – die Einwohner hatten die Tore der Stadt geöffnet, um Schlimmerem vorzubeugen. Der Erfolg war jedoch nur mäßig, 1423 brannte die Stadt, und bis zum Ende des 15. Jahrhunderts bestimmten Not und Elend das Leben der Rumburger.

1485 erwarb die Familie von Schleinitz die Grundherrschaft mit der Burg Tollenstein, erbauten 1555 in Rumburg ein Renaissanceschloss und Rumburg wurde der Hauptort des „Schleinitzer Ländchens“ mit etlichen Kirchspielen. Aufgrund ihrer Regentschaft erhielt Rumburg 1543 das Privileg des Bierbrauens und erneut des Salzhandels, 1579 die Gerichtsbarkeit. Leineweber, Schneider, Schuhmacher, Schmiede, Schlosser, Bäcker und andere Zünfte bekamen zur selben Zeit Privilegien. Von der Familie Schleinitz kam das bisherige Hoflehen 1586 durch Verkauf an den kaiserlichen Vizekanzler Georg Mehl (Michael) von Strehlitz.Mathias Scholz: Burgen in Nordböhmen. Berlin 2012, S. 55. Auf dessen Betreiben wurde die Herrschaft noch im selben Jahr vom Kaiser aus der Hoflehen- in die Landtafel übertragen, womit sie aus dem Feudalverband ausschied.Franz Aloys Mussik: Der Markt Schönlinde und dessen eingepfarrte Ortschaften. Nebst einem kurzen Abrisse der Herrschaften Böhmisch-Kamnitz, Hainspach, Schluckenau und Rumburg. Ein historisch-topographischer Versuch. Prag 1828, S. 162–177. Dies erklärt wohl, weshalb Kaiser Rudolf II. der Stadt Rumburg am 17. Dezember 1587 erneut die Stadtrechte verlieh. Durch Vermittlung des Grundherren Georg Mehl von Strehlitz, verstorben 1589 in Prag, Lehensherr auf Burg Grabštejn, bewilligte Kaiser Rudolph II. der Stadt Rumburg das Stadtwappen, das gegenwärtig noch geführt wird. Es ist das Familienwappen der Mehl von Strehlitz und hält die Erinnerung an ihn und seine Zeit wach. Es zeigt: Einen roten Schild mit silberner Torburg und offenem Tor. Die Torflügel sind blau, mit je drei goldenen Lilien belegt, im offenen Tor auf grünem Boden ein silberner Ritter, darüber, zwischen zwei Türmen, die rechts mit roten, links mit blauen Jagdhörnern belegt sind, hinter einem grünen Schilfbusch ein silberner Schwan mit goldenem Pfeil im Schnabel und goldenem Kreuz auf der Brust.Die Wappen des böhmischen Adels, J.Siebmachers grosses Wappenbuch, Band 30, Neustadt an der Aisch 1979, Mehl von Strelitz, Seite 240 f., Wappentafel 107, ISBN 3-87947-030-8. Von unten bis zur Mitte des Schildes kennzeichnet eine weiße Stadtmauer aus Quadersteinen das Wappen als Stadtwappen.

Bereits im Jahr 1566 wurde in Rumburg eine Brauerei gebaut, die nach einem schweren Brand im Jahr 1724 neu aufgebaut wurde. 1967 wurde der Brauereibetrieb dort endgültig stillgelegt. Ab den 1920er Jahren wurde in der Brauerei Bodenbach im dreißig Kilometer entfernt gelegenen Bodenbach Bier für die Rumburger Brauerei abgefüllt.

Während des Dreißigjährigen Krieges brannten Reiter Wallensteins im Jahre 1627 einen beachtlichen Teil der Stadt samt Kirche und Pfarrhaus nieder. Der nach dem böhmischen Aufstand von 1620 konfiszierte Besitz gelangte an Wilhelm Kinsky von Wchinitz und Tettau, der aber mit Wallenstein zusammen 1634 ermordet wurde; wiederum wurde der Besitz eingezogen. Neuer Besitzer der Herrschaft wurde Johann Christoph Liebel von Grünberg. Als Heiratsgut von Liebels einziger Tochter ging Rumburg einschließlich des Gutes Niederleutersdorf an Franz Eusebius von Pötting und Persing über.

1681 entstand auf dem Marktplatz zur Erinnerung an das Erlöschen der Pest eine Pestsäule der Heiligen Dreifaltigkeit. Im selben Jahr verkaufte Franz Eusebius Erbe Johann Sebastian von Pötting und Persing die Herrschaft an Anton Florian von Liechtenstein. Sein Geschlecht besaß von da das Gebiet, bis es 1923 in einer Bodenreform in der Tschechoslowakei in staatlichen Besitz überging.

Schon im ersten Quartal des 19. Jahrhunderts bestanden in Rumburg zahlreiche Manufakturen verschiedener Art, und es wurde ein reger Handel betrieben. 1813 zogen französische und preußische Heere durch die Stadt; andere Quellen berichten, dass neben den Franzosen auch Polen und Russen in diesem Orte aufgetaucht seien. Während des preußisch-österreichischen Krieges im Jahre 1866 lagen in Rumburg einige preußische Regimenter. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Ende der Erbuntertänigkeit bildete Rumburg bis 1918 eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Rumburg in der Monarchie Österreich-Ungarn, wobei die Stadt Sitz des Bezirksgerichts war. Auch die Bezirkshauptmannschaft befand sich in Rumburg. Eine Haupterwerbsquelle war im 19. Jahrhundert die Weberei; im Jahr 1832 hatten in der Stadt 240 Weber eine Betriebserlaubnis, die zusammen 1090 Personen beschäftigten. Die Stadt hatte ein Gymnasium und eine Fachschule für Weberei.

1918 bis 1945 Gegen Ende des Ersten Weltkriegs 1914–1918 kam es am 21. Mai 1918 zu einem Militäraufstand, durch den Rumburg in ganz Österreich-Ungarn wie auch bei den übrigen Mittelmächten sehr bekannt wurde: „Das Ersatzbataillon des k.u.k. Schützenregimentes Nr. 7 von Pilsen – zu ¾ aus Tschechen bestehend – war im Mai 1915 nach Rumburg verlegt worden. Drei Jahre blieb es loyal, jedoch meuterte es im Mai 1918. Anlass war die Forderung nach Urlaub für die ‚Russlandheimkehrer‘, also für jene, welche sowohl aus russischer Gefangenschaft befreit als auch aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt waren. Diese Meuterer beherrschten die ganze Stadt, die Offiziere waren geflohen. Schließlich wurden alpenländische Truppen herbeigeschafft, um die Ruhe wiederherzustellen. Ein Militärgericht verurteilte die Rädelsführer zum Tode. Drei von ihnen – František Noha, Vojtěch Kovář und Stanko Vodička – wurden südöstlich des Friedhofs auf der Försterwiese hinter der Kammstraße gegen Huttung erschossen und auf dem Rumburger Friedhof begraben. 560 Meuterer kamen nach Theresienstadt, wo sie in der Kleinen Festung interniert wurden.“

Nach dem Kriegsende wurden die Erschossenen 1919 exhumiert und in Pilsen feierlich beigesetzt, wo sie auch ein Denkmal erhielten. 1948 wurde am Ort der Erschießung ein Gedenkstein errichtet. Aus Anlass der 40-Jahr-Feier des Aufstandes wurde 1958 der ehemalige Klostergarten in „Park Rumburské vzpoury“ umbenannt und die Statue Nepokořený (Der Unbezwungene) von Vendelín Zdrůbecký dort aufgestellt und am 1. Juni feierlich enthüllt. 1968 erfolgte dort in Anwesenheit des Staatspräsidenten Ludvík Svoboda eine große Gedenkfeier. An die Ereignisse des Jahres 1918 erinnern die Erzählungen von V. Kaplicky und das vom Regisseur Martin Frič verfilmte Spiel Hvězda zvaná Pelyněk.

Nach dem Krieg kam es zum Zerfall der Habsburgermonarchie. Die Tschechoslowakei beanspruchte jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich (später Österreich) galten. Der Vertrag von St. GermainFelix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919–1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Rumburg an den neuen Staat.

Als Folge des Münchner Abkommens von 1938 gehörte die Stadt Rumburg von 1938 bis 1945 zum Landkreis Rumburg, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Nach 1945 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der 700 Opfer von Rumburg, Oberhennersdorf und Niederehrenberg forderte, wurde die Stadt wieder von der Tschechoslowakei übernommen. Bereits vor der Potsdamer Konferenz 1945 setzte eine Vertreibung und Enteignung der deutschböhmischen Bevölkerung ein, die in der Folgezeit auf Grundlage der Beneš-Dekrete der Tschechoslowakei legalisiert wurde. Nicht wenige Einwohner flohen bereits vorzeitig.

Die beiden Ortschaften Oberhennersdorf und Niederehrenberg wurden 1960 mit Rumburk vereinigt und offiziell Rumburk 2 und 3 genannt, doch auf Landkarten und bei den Einheimischen werden weiterhin die Ortsnamen Horní Jindřichov und Dolní Křečany verwendet.

Seit der Samtenen Revolution konnte der Verfall der Stadt aufgehalten werden, Straßen, Plätze und Gebäude wurden renoviert. Ein Gewerbegebiet und Tankstellen entstanden in der Nähe des Parkplatzes am ehemaligen Lkw-Grenzübergang. 1990 wurde die Ortsumgehung Rumburks (Silnice I/9) fertiggestellt. Etliche Supermärkte entstanden sowohl für Tschechen als auch für Deutsche, welche die drei Grenzübergänge von Rumburk nach Neugersdorf und Seifhennersdorf nutzen. Heute lebt in Rumburk eine große Bevölkerungsgruppe der Roma, deren Anteil im Vergleich zur übrigen Bevölkerung wächst. Hierbei kam es wiederholt zu Konflikten.Karl-Peter Schwarz: Roma in Tschechien: Zwist im Zipfel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. September 2011.