mini|Blick von der Theodor-Haebler-Straße zur Kirche und der Gaststätte Zur Weberstube mini|Gemeindeverwaltung Großschönau mini|Mündung der Lausur in die Mandau mini|Der Goldfabianteich im südlichen Gemeindegebiet im Winter (2020)
Großschönau ( Grußschiene ) ist eine sächsische Gemeinde im Landkreis Görlitz an der deutsch-tschechischen Grenze. Sie ist Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Großschönau-Hainewalde. Der Name leitet sich von der Gründung des Ortes ab; Großschönau liegt in einer Flussaue an der Mandau. Der Gemeindeteil Waltersdorf ist staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Die Gemeinde liegt im Tal der Mandau, in die hier die Lausur und der Pochebach münden. Hausberg ist der hohe Hutberg. Westlich erhebt sich der Finkenhübel.
Geschichte mini|Rittergut Großschönau, Herrenhaus Großschönau wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert von fränkischen Siedlern als Waldhufendorf angelegt. Der Ortsteil Neuschönau besteht aus einzelnen Häuslerzeilen. Die erste urkundliche Erwähnung von Großschönau als „Magnum Sonow“ stammt aus dem Jahr 1352. Der Ortsnamensteil „Schönau“ bedeutet „schöne Aue“ und bezieht sich auf die Lage des Ortes; der Zusatz „Groß-“ diente der Unterscheidung des etwa zehn Kilometer östlich gelegenen Dorfes Sieniawka in Polen, das bis 1945 zu Deutschland gehörte und dessen deutscher Name Kleinschönau lautet.Jan Meškank: Die Ortsnamen der Oberlausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1981, S. 49. 1430 besaß Großschönau einen Rittersitz unter dem Grundherrn Peter von Maxen, einem Widersacher der Hussiten,Walter Heinich: Spremberg – Versuch zu einer Ortsgeschichte des Kirchdorfes Spremberg in der sächsischen Oberlausitz. Spremberg u. Schirgiswalde 1918. und 1564 ein Rittergut.
Großschönau unterstand von 1587 an über 250 Jahre dem Zittauer Rat als Grundherrn. 1666 entsandte dieser die Brüder Friedrich und Christoph Lange, zwei Leineweber des Ortes, nach Holland, um die Kunst der Damastweberei zu erlernen. Schon wenige Jahrzehnte später war der Leinendamast aus Großschönau weit über die Landesgrenzen bekannt. Europäische Herrschaftshäuser bezogen deshalb ihre Tischwäsche vorzugsweise aus Großschönau.
1834 vereinfachte die Jacquardtechnik die bis dahin sehr aufwendige Damastweberei. Schon 1856 stellte der Großschönauer Fabrikant Carl Heinrich Schiffner den ersten Frottierwebstuhl in Deutschland auf. Seitdem entwickelte sich Großschönau zu einem Industrieort mit leistungsstarken Frottierwebereien wie Lieske & Häbler, Richter & Goldberg und C. G. Hänsch. Heute führen die Firmen Frottana-Textil GmbH und Damino GmbH die langjährige Textilindustrie in Großschönau fort.
Entwicklung zum Textildorf Großschönau ist mit der Textilgeschichte der Damast- und Frottierweberei so eng verbunden wie kaum eine andere Gemeinde in Deutschland. Deshalb trägt der Ort seit einiger Zeit auch den Marketingnamen „Textildorf Großschönau“. Das Ortsbild Großschönaus ist davon stark geprägt: Auffallend sind die vielen kleinen und großen Umgebindehäuser, welche größtenteils Weberhäuser waren, sowie die für ein Dorf ungewöhnlich vielen Villen der Fabrikanten.
Im Damast- und Frottiermuseum werden Besucher in die bis 1666 zurückreichende Tradition der Damastweberei geführt. Auch bei der Frottierweberei blickt Großschönau auf die deutschlandweit längste Tradition zurück. 1856 wurde hier der erste Frottierhandwebstuhl Deutschlands in Betrieb genommen. Der letzte funktionstüchtige Webstuhl für diese Gewebeart zählt zu den besonderen Raritäten des Deutschen Damast- und Frottiermuseums, ebenso wie ein funktionstüchtiger Damastwebstuhl von 1835.
Die Textilindustrie prägt nach wie vor die Wirtschaftsstruktur der Gemeinde, jedoch befindet sich der Charakter der Gemeinde im Wandel. Um 1834 etwa ernährte die Damastmanufaktur etwa 3800 Menschen, was zur damaligen Zeit drei Viertel der Einwohner ausmachte.
Besucher sowie Einwohner der Gemeinde können das Thema Textil erleben: Deutsches Damast- und Frottiermuseum mit Schauwerkstatt regelmäßige Werksbesichtigungen der Frottana Textil GmbH & Co.KG Fabrikverkäufe der Damino GmbH und der Frottana Textil GmbH & Co. KG regelmäßige Führungen entlang des Textillehrpfads regelmäßige Ortsführungen durch das Textildorf Großschönau regelmäßige Ortsführungen durch den Erholungsort Waltersdorf entlang des Umgebindehaus-Denkmalpfades
Textillehrpfad Der Textillehrpfad verbindet historische und aktuelle Orte und Flächen der Textilindustrie Großschönaus in Form von Wissensstationen. Da die Textilindustrie verschiedene Gesellschaftsschichten und Lebensbereiche der Einwohner verband, ist es möglich, mit dem „Textillehrpfad“ ganz unterschiedliche Facetten zu beleuchten.
Technische Textilien im Textildorf Über 70 Jahre lang wurden in Großschönau Schlauchboote, Rettungswesten, Rettungsflöße und Campingzelte hergestellt. Die seit 1931 in Berlin bestehende Deutsche Schlauchbootfabrik Hans Scheibert fertigte u. a. für die deutsche Wehrmacht Schlauchboote und aufblasbare Rettungsflöße. 1940 wurde die Kriegsproduktion der Firma in Werke nach Sachsen und Schlesien verlagert. Es entstanden Schlauchbootfabriken in Großschönau und in Grottau.
Die 1832 in Großschönau gegründete Firma C. G. Hänsch gehörte zu den größten und traditionsreichsten Textilfabriken des Ortes. Diese Firma wurde 1942 per Befehl verpflichtet, Räumlichkeiten und Personal der Deutschen Schlauchbootfabrik für die Fertigung von Rüstungsartikeln zur Verfügung zu stellen. Neben dem ortsansässigen Personal wurden Zwangsarbeiter und zum Teil auch Kriegsgefangene beschäftigt.
Wegen der Rüstungsproduktion wurden 1946 drei Fünftel des Grundbesitzes und die Gebäude der Firma C. G. Hänsch enteignet. 1958 musste die Firma staatliche Beteiligung aufnehmen und wurde 1972 in der DDR komplett verstaatlicht. Es entstand der volkseigene Betrieb Webzwirn unter Angliederung an den VEB Frottana. Die Stilllegung erfolgte 1990.
Nach Einstellung der Schlauchbootproduktion in Großschönau für militärische Zwecke ging die Produktion in Richtung Konfektion. Aus gummierten Stoffen fertigte man für den maritimen Bereich Schwimmwesten, Schachtanzüge für die SDAG-Wismut, Mäntel und Kombinationen für die Volkspolizei sowie Kampfanzüge für die Volksmarine. Mit relativ geringen Mitteln wurden nach dem Krieg Gebrauchsgegenstände hergestellt. Dazu wurden Restmaterialien verwendet, die aus der ehemaligen Produktion noch zur Verfügung standen. Außerdem konnten zahlreiche Varianten an Campingzelten der Bevölkerung angeboten werden. Zelte aus der Oberlausitz waren begehrte Artikel und konnten in viele Länder exportiert werden.
Der Nachfolgebetrieb der Deutschen Schlauchbootfabrik produzierte unter verschiedenen Firmennamen wie VEB Sächsische Wetterschutzbekleidung, VEB Sportboot und als Werk 5 des VEB Textil- und Veredlungsbetriebes Neugersdorf weiterhin Schlauchboote, Rettungsflöße, Schwimmwesten, Zelte und Traglufthallen. Als Material dazu wurden Technische Textilien verwendet. Diese sind sehr stark nach der Funktionalität entwickelt worden. Eingesetzt werden sie bei der Herstellung von Rettungsgeräten, Zelten, und Sportgeräten. Auch im Bauwesen, in der Medizin und in der Raumfahrt finden sie Anwendung.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90 versuchten es einige Mitarbeiter mit der Reprivatisierung des Betriebes. 1990 wurde die Firma Seetex GmbH Großschönau gegründet. Danach übernahm 1991 die Deutsche Schlauchbootfabrik „Hans Scheibert“ Eschershausen von der Treuhand den Großschönauer Betrieb als Werk 2. Eine kleine Abteilung, hervorgegangen aus der Forschungsgruppe Konfektion des Wissenschaftlich-Technischen Zentrums Technische Textilien Dresden, entwickelte bis ins Jahr 2000 verschiedene Rettungsfloßserien. Das waren nach neuesten internationalen Forderungen auch selbstaufrichtende und umkehrbare Rettungsflöße.
In Großschönau wurden die ersten deutschen Großraumflöße mit einer Rettungskapazität von 100 bis 150 Personen entwickelt und gefertigt. Die Erprobungen der Prototypen fanden meist im Waldstrandbad statt.
Im Jahre 2001 wurde die Deutsche Schlauchbootfabrik an die Fa. Wardle Storys (Safety and Survival Equipment) Ltd. in Großbritannien verkauft. Es erfolgte eine Umfirmierung in DSB Deutsche Schlauchboot GmbH & Co. KG.
Von 2005 bis 2008 fertigte das Werk Großschönau die Floßkörper der Aviation Produktion der englischen Firma RFD. Obwohl zahlreiche Aufträge für die Fertigung von aufblasbaren Rettungsflößen für die Schifffahrt und Luftfahrt vorlagen, wurde das Werk Großschönau im Jahre 2008 durch die nordirische Geschäftsleitung geschlossen und große Teile der Produktion nach China und Nordirland ausgelagert. Die gesamte Belegschaft wurde arbeitslos.
Ortsnamenformen Großschönau: 1352: Magnum Sonow, 1358: Magna Sonaw, 1360: Maior Schonow, 1384: Schonow magnum, 1430: Grozen Schone, 1430: Gross Schonaw, 1515: Grossen Schone, 1576: Groschinaw, 1791: Groß-Schönau Neuschönau: 1875: Neuschönauer Dörfchen
Verwaltungszugehörigkeit Großschönau: 1777: Görlitzer Kreis, 1843: Landgerichtsbezirk Löbau, 1856: Gerichtsamt Großschönau,Juristischer Nachfolger des Gerichtsamts Großschönau war das Amtsgericht Großschönau. 1875: Amtshauptmannschaft Zittau, 1952: Kreis Zittau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz
Eingemeindungen 1867 wurde Neuschönau in die Gemeinde Großschönau integriert. Am 1. Januar 2003 wurde der Erholungsort Waltersdorf nach Großschönau eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Großschönau von 1834 bis 2016
Jahr Einwohner Neuschönau Großschönau 1777 48 Häusler,11 wüste Wirtschaften 35 besessene Mann,32 Gärtner, 362 Häusler,14 wüste Wirtschaften 1834 543 4479 1871 im Jahr 1867nach Großschönaueingemeindet 5715 1880 – 5877Adressbuch der Amtshauptmannschaft Zittau, 1880. (Digitalisat) 1890 – 6328 1905 – 7500Adress- und Auskunfts-Buch von Großschönau i. S., 1905. (Digitalisat) 1910 – 7806 1925 – 7348 1939 – 7093 1946 – 8299 1950 – 8471 1964 – 8088 1990 – 6371 2000 – 5707 2007 – 6310 2010 – 603531. Dezember, Angaben der Gemeinde auf ihrer Website 2012 – 5804 2013 – 5767 2014 – 5714 2015 – 5589 2016 – 5525 2017 – 5465 2018 – 5465 2019 – 5363 2020 – 5335 2021 – 5230 2022 – 5276 2023 – 5204
Politik
Gemeinderat Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurden die 14 Sitze des Gemeinderats wie folgt auf die einzelnen Parteien und Listen verteilt:
CDU: 6 Sitze SPD: 3 Sitze AfD: 3 Sitze FW: 1 Sitz Linke: 1 Sitz +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU638,7630,9842,8AfD332,6119,8––SPD317,3630,3630,2Freie Wähler18,3213,5211,9Linke13,115,519,3NPD––––15,8Wahlbeteiligung67,2 %63,4 %52,3 %
Bürgermeister Zusätzliches Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister. Dies ist seit 1. August 2008 in zweiter Amtsperiode Frank Peuker, der im Juni 2015 für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt wurde. Er ist seit 2001 im Amt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Frank PeukerPeuker65,32015SPD95,0200895,6200157,9
Partnergemeinden Hüfingen, Baden-Württemberg Olszyna, Polen
Ortsgliederung Großschönau mit dem 1867 eingemeindeten Neuschönau Waltersdorf mit Herrenwalde, Pilzdörfel und Saalendorf Am 1. Januar 2003 bildeten die Gemeinde Großschönau und die ehemalige Gemeinde Waltersdorf eine Einheitsgemeinde.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke mini|Kupferhaus der Damastfabrik Ch. D. Wäntig & Söhne … mini|… heute Deutsches Damast- und Frottiermuseum mini|Evangelisch-lutherische Kirche Entlang der Mandau stehen viele der regional typischen Umgebindehäuser, die das größte intakte Ensemble dieser Art in der Oberlausitz bilden. Das gesamte Ortsbild der Gemeinde wird von über 650 Umgebindehäusern geprägt. Villa, heute Sitz der Gemeindeverwaltung.