Oderwitz (, ) ist eine sächsische Gemeinde im Landkreis Görlitz in der Oberlausitz. Sie befindet sich im Südosten des Freistaates Sachsen, unweit der Grenzen zu Tschechien und Polen. Die Gemeinde entstand 1999 durch die Fusion der Orte Oberoderwitz und Niederoderwitz, die seine Ortsteile bilden. In der historischen Dreiteilung des Ortes unterschied man auch Mitteloderwitz. Mit knapp 5000 Einwohnern ist Oderwitz eine der größeren nichtstädtischen Gemeinden des Landkreises.

Oderwitz geht auf eine slawische Siedlung namens Wudrijecz zurück und wurde urkundlich erstmals 1324 als Odrowitz erwähnt. Bis ins 18. Jahrhundert war die Gemeinde durch Landwirtschaft und die grundherrschaftliche Trennung in sieben Anteile geprägt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort mit vielen Webereien zu einer Industriegemeinde. Ab 1960 erlebte die Gemeinde ihre wirtschaftliche Blütezeit, es wurden große Mengen Damastwaren produziert und exportiert. Nach der Wiedervereinigung verlor Oderwitz seine Bedeutung als Textilzentrum.

In neuerer Zeit wurde der Ort durch seine drei Bockwindmühlen und das Meteorologiezentrum Wetterkabinett „Zittauer Gebirge“ als Windmühlen- und Wetterdorf bekannt. Ein weiteres touristisches Ziel ist die Sommerrodelbahn am Hang des Oderwitzer Spitzberges.

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Geographie Geographische Lage und Ausdehnung Die Gemeinde Oderwitz liegt im südlichen Teil des Landkreises Görlitz, etwa neun Kilometer nordwestlich von Zittau und fünfzehn Kilometer südlich von Löbau im Oberlausitzer Bergland. Der Ort erstreckt sich über eine Länge von neun Kilometern und folgt dem Lauf des Flüsschens Landwasser. Zahlreiche kleine Bäche und Rinnsale durchziehen die Oderwitzer Flur. Die ursprüngliche Bewaldung ist durch die Schaffung von Acker- und Siedlungsflächen fast völlig verschwunden, nur das Königsholz im Osten blieb als größeres zusammenhängendes Waldgebiet erhalten.

mini|Gemeinde Oderwitz mit Ortsteilen Das Oderwitzer Tal liegt auf einer Höhe von etwa 300 Metern, wobei der Ortsteil Oberoderwitz etwas höher liegt als Niederoderwitz. Den höchsten Punkt der Gemeinde bildet mit 510 Metern Seehöhe der westlich gelegene Oberoderwitzer Spitzberg, der eine der markantesten Erhebungen des Umlandes ist. Weitere wichtige Erhebungen sind der Stumpfeberg im Westen, der Hutberg und der Sonnenhübel im Osten. Oderwitz liegt auf dem Grund des Oderwitzer Beckens.

Ortsgliederung Ursprünglich bestand Oderwitz aus den beiden Ortschaften Ober- und Niederoderwitz, die sich durch die grundherrschaftliche Trennung aus mehreren Anteilen zusammensetzten. So gab es noch im 19. Jahrhundert in Oberoderwitz den Ruppersdorfer, den Hainewalder und den Zittauer Anteil, in Niederoderwitz den Hainewalder, den Zittauer und der Zieglerschen Anteil, sowie Mitteloderwitz, das bis 1839 ein Anteil von Niederoderwitz war. Im Jahr 1910 wurde Mitteloderwitz wieder nach Niederoderwitz eingemeindet.

Nach der Fusion von Oberoderwitz und Niederoderwitz am 1. Januar 1999 gibt es nur noch eine Gemeinde Oderwitz, die beiden ehemaligen Gemeinden sind Ortsteile. Aus der Geschichte des Ortes sind viele Namen der alten Bauerngüter bekannt, die aber verwaltungstechnisch keine Bedeutung haben. Solche Güter sind zum Beispiel Kleinpolen, Viehbig und Rothes Gut in Oberoderwitz, Kreischerhof und Dreihäuser in Mitteloderwitz sowie Neufelden, Viehwegshäuser und Landberghäuser in Niederoderwitz.

Die letzten statistischen Daten auf der Ebene der Gemeindeteile wurden am 31. Dezember 1998 erhoben: mini|Gemeinden des Landkreises Görlitz

ehemaliger Schlüssel Ortsteil Fläche km² Einwohner 14286290 Niederoderwitz 19,25 3457 14286310 Oberoderwitz 16,68 2870   Gemeinde Oderwitz 35,93 6327

Nachbargemeinden Fünf Gemeinden grenzen an das Gemeindegebiet von Oderwitz. Dies sind Kottmar im Nordwesten, Herrnhut im Norden, Mittelherwigsdorf im Osten und Südosten, Hainewalde im Süden und Leutersdorf im Südwesten.

Geologie Bei den vulkanischen Aktivitäten im Übergang vom Alt- zum Jungtertiär wurde immer wieder zähflüssige Lava an die Erdoberfläche gedrückt. Diese erstarrte größtenteils zu Phonolith, aber auch zu Basalt und Nephelinbasanit. Letzteres tritt hauptsächlich im Norden von Oderwitz, am Unterlauf des Landwassers, sowie am Hut- und Pferdeberg zu Tage. Der Phonolith dagegen bildet neben den Kuppen von Spitzberg und Sonnenhübel auch den Hauptanteil des Deckengebirges dieser Gegend.

Im Pleistozän lagerten sich entlang des Landwassers und seiner Zuflüsse hauptsächlich trockene Kiese und Sande ab, die von einer Schicht aus Lösslehm und sandigen Tonen überdeckt wurden. Diese Deckschicht ist im Westen von Oderwitz recht mächtig, im Osten sind dagegen sandige Böden vorherrschend. Dies zeigt sich an mehreren Sand- und Kiesgruben östlich des Ortes. Die fruchtbarsten Böden befinden sich um Mitteloderwitz und am Spitzberg; sie entstanden durch die Verwitterung des Phonolithgesteins. Trotzdem ist der Boden in der hügeligen Gegend um Oderwitz im Allgemeinen nicht so ergiebig wie etwa im Zittauer Becken.

Neben Torf im Königsholz kommt unter Oderwitz lignitische Braunkohle vor, die allerdings von zahlreichen Störungen durchzogen ist. Daher kam die Förderung der Kohle über Abbauversuche am Kreischerhof und an der Oberoderwitzer Kirche nicht hinaus.

Klima mini|Klimadiagramm von Oderwitz (1976–2005)

Oderwitz liegt in der gemäßigten Klimazone, genauer in der feuchtkontinentalen Zone. Typisch sind kühl-feuchte Frühjahre und Sommer, ein langer warmer Herbst und ein Winter mit sehr häufigen, aber eher kurzen Schneeperioden.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,4 °C, die mittlere Jahresniederschlagsmenge 763,1 mm. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 17,6 und 17,5 °C und die kältesten Januar und Februar mit −0,7 und 0 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im August mit durchschnittlich 86 mm, der geringste im Februar und Oktober mit je 47 mm.

In seiner Geschichte war Oderwitz immer wieder von Starkniederschlägen im Ort selbst, aber vor allem an dem umgebenden Berghängen betroffen, die zu Überschwemmungen führten. Die letzte dieser Art ereignete sich am 9. Juni 2013, bei dem der Pegel des Landwassers von wenigen Zentimetern auf über zwei Meter anstieg.

Im Januar 2009 wurde hier mit −29,1 °C ein neuer Kälterekord für den Freistaat Sachsen gemessen, aber bereits 2012 von Marienberg-Kühnhaide abgelöst, das nun offiziell als „kältester [bewohnter] Ort Deutschlands“ gilt.

Geschichte Frühe Geschichte bis ins 14. Jahrhundert Wann genau und von wem Oderwitz gegründet wurde, ist nicht bekannt, allerdings deutet der ursprüngliche Name des Ortes, Wudrijecz, auf slawischen Ursprung hin. Es ist auch unklar, ob Oderwitz zur Zeit der Völkerwanderung, im 6. Jahrhundert, entstand, als slawische Volksstämme das Gebiet besiedelten, wo Jahrhunderte zuvor Sueben gelebt hatten. Man nimmt an, dass der slawische Stamm der Milzener – die Vorfahren der heutigen Sorben – nur in der nördlichen und mittleren Lausitz siedelte. Das Oderwitzer Tal dürfte dagegen im ersten Jahrtausend nur spärlich besiedelt gewesen sein, so wie der Rest der gebirgigen südlichen Oberlausitz. Man weiß jedoch, dass die Ortslage von Oderwitz zum Gebiet Zagost gehörte.

Über mehrere Jahrhunderte blieben die sorbischen Siedlungen in der nördlichen Lausitz bestehen, bis die Bewohner von den Markgrafen von Meißen unterworfen und christianisiert wurden. Allerdings beharrten die Sorben auf ihrer ursprünglichen Religion und verjagten die christlichen Priester. Daher fiel Kaiser Heinrich II. 1015 erneut in das Land ein und zwang die Sorben gewaltsam, sich zum Christentum zu bekennen. Viele flüchteten in die Heidegegenden und die Wälder der Region Zagost. Der Sage nach entstanden neben Oderwitz die Dörfer Eibau und Hörnitz sowie die böhmischen Städte Kreibitz und Windisch-Kamnitz.

Da sie dort ihrer Religion ungestört nachgehen konnten, ließ sich eine große Zahl sorbischer Siedler im Tal der Orte Oderwitz, Eibau, Walddorf und Ebersbach nieder. Wann sorbische Sprache und Sitten aus diesen Orten verschwanden, ist nicht bekannt, wahrscheinlich aber erst, als sich deutsche Ritter mit ihrem Gefolge dort niederließen und die Gegend germanisierten. Zwischen 1050 und 1150 entstand die erste Kirche am Hang des Landwassers.

Erste urkundliche Erwähnung Die erste urkundliche Erwähnung von Oderwitz stammt vom 15. Mai 1324, das Dorf hatte damals noch den Namen Odrowitz. Da Oderwitz 1384 in einem Zehntenverzeichnis der Prager erzbischöflichen Bibliothek für das Zittauer Dekanat mit der höchsten Summe von 28 Groschen genannt wird, kann davon ausgegangen werden, dass es schon zu dieser Zeit sehr bedeutend war. Dafür spricht auch, dass bereits 1350 zwischen Ober- und Niederoderwitz unterschieden wurde.

14. bis 16. Jahrhundert – Wechselnde Herrschaften und Hussitenkriege mini|Das Rittergut in Niederoderwitz um 1889

Die ersten Bewohner von Oderwitz waren noch völlig frei, ab 1368 begann die herrschaftliche Trennung des Ortes in mehrere Anteile sowie die Leibeigenschaft der Bauern. Die ältesten bekannten Grundherren von Oderwitz waren Heinrich von Reydenburg und Heinrich von Bolberitz, die 1395 und 1396 Kirchenpatrone des Ortes waren. Kurz darauf ging der Besitz an die Burggrafen von Dohna über, die nun die Oberlehnsherren des Dorfes waren. Ende des 14. Jahrhunderts gelangten Teile von Oderwitz in den Besitz der Herren von Kyaw und von Nostitz, wohl Lehnsleute derer von Dohna. Der Anteil der Familie von Kyaw blieb bis Ende des 15. Jahrhunderts in deren Besitz. 1409 wurde Heinrich von Nostitz zum Schöffen des Oberlausitzer Femgerichts ernannt.Gerhard Francke: Das Oberlausitzer Femgericht. Dittert, Dresden 1937. (Volltext der Inaugural-Dissertation SLUB Dresden ) Den Anteil der Adelsfamilie Nostitz verkaufte Heinrich von Nostitz bereits 1412 an die Johanniterkommende in Zittau.

Nach der Verbrennung des Reformators Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz am 6. Juli 1415 wüteten die Hussitenkriege von 1419 bis 1439 im Königreich Böhmen. Zwischen 1425 und 1431 fielen die Hussiten achtmal in die Oberlausitz ein; auch Oderwitz wurde mehrmals angegriffen oder besetzt. Die letzte große Schlacht ereignete sich 1469, bei der Zittau von feindlichen Truppen eingenommen wurde. Nach Ende des Krieges wurde der frühere Gutsbesitzer von Mitteloderwitz enteignet, da er mit den Hussiten paktiert hatte. Das Gut ging in den Besitz von Hugold von Schleinitz über, der 1490 auch die Anteile der Familie Dohna erwarb. Man nimmt an, dass er Besitzer und Oberlehnsherr von ganz Oderwitz wurde. Sein Sohn Heinrich von Schleinitz vergrößerte den Besitz seines Vaters, er besaß Anfang des 16. Jahrhunderts einen zusammenhängenden Grundbesitz von über 70 Quadratkilometern, der das Schleinitzer Ländchen genannt wurde.

Im Jahr 1515 verkaufte Heinrich von Schleinitz einen Teil von Oderwitz an das Cölestinerkloster auf dem Oybin. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgelöst, seine Güter fielen 1574 an die Stadt Zittau. Nach dem Oberlausitzer Pönfall zog König Ferdinand I. alle Grundbesitzungen der Sechsstädte ein, also auch die Zittauer Anteile des Dorfes. Diese verkaufte er weiter an Ulrich von Nostitz, der damit die Ruppersdorfer Herrschaft in Oderwitz begründete.

Seuchen und Kriege vom 17. bis 19. Jahrhundert Die Pest hatte schon mehrmals in Oderwitz gewütet; in den Jahren 1632 bis 1634 traf sie den Ort besonders schwer. Niederoderwitz wurde durch die Epidemie fast entvölkert und auch in Oberoderwitz starben viele hundert Menschen. Neben dem Schwarzen Tod brachen in den Jahren 1728 und 1738 auch die Blattern aus, die fast 300 Menschenleben forderten. Infolge dieser Seuchen kam es durch Unterproduktion zu Nahrungsmangel, durch den viele an Hunger oder Skorbut litten.