miniatur|Flagge der Interbrigaden miniatur|Interbrigadisten der XI. Internationalen Brigade aufseiten der Spanischen Republik während der Schlacht von Belchite (1937)
Die Internationalen Brigaden, kurz Interbrigaden, auf Spanisch las Brigadas Internacionales, waren von der Kommunistischen Internationale rekrutierte und ausgebildete militärische Freiwilligenverbände (Milizionäre), die im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Spanischen Republik mit ihrer gewählten Regierung gegen den von Franco angeführten Staatsstreich und dessen von Hitler und Mussolini unterstützte Verbände (nationalspanische Koalition) kämpften. Der republikanische Parlamentsvorsitzende Diego Martínez Barrio ließ 1936 fünf Zahlen des spanischen Heeres für die Internationalen Brigaden reservieren: die Nummern von XI. bis XV.
Erste internationale Milizionäre Die ersten Internationalen Milizionäre waren vornehmlich Teilnehmer der Volksolympiade in Barcelona und Emigranten mit einem politischen Hintergrund, die in Spanien lebten. Es waren an die 300 internationale Milizionäre, welche sich nach dem Militärputsch vornehmlich in Barcelona in Gruppen organisierten. Sie bildeten mit den ersten internationalen Freiwilligen, die über Frankreich nach Spanien kamen, die ersten internationalen Milizgruppen. Anarchistische internationale Freiwillige kämpften vornehmlich in CNT-Milizeinheiten, sozialistische internationale Freiwillige vornehmlich in POUM-Milizeinheiten und kommunistische internationale Freiwillige vornehmlich in PSUC-Milizeinheiten. Diese internationalen Milizgruppen gingen auf in Hundertschaften (spanisch Centuria). Kommunistische Italiener formierten die Centuria Giustizia e Libertà und die Centuria Gastone Sozzi, Deutsche Kommunisten die Centuria Thälmann (Thälmann-Kolonne), polnische Kommunisten die Milizgruppe Dąbrowski. Eine Anzahl kommunistischer Franzosen und Belgier formierten die Milizgruppe Commune-de-Paris.
Beschluss zur Aufstellung einer Internationalen Brigade Am 3. August 1936 beschloss die Komintern eine allgemein gehaltene Resolution zur Aufstellung einer Internationalen Brigade zur Unterstützung Spaniens. Erst am 18. September 1936, nachdem Stalin einen Entschluss gefasst hatte, wurde in Paris eine Sitzung einberufen, in der Eugen Fried den Beschluss Stalins zur Aufstellung einer Internationalen Brigade verkündete. Hieraufhin organisierten Kommunistische Parteien verschiedener Länder die Rekrutierung von Freiwilligen.Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg, 2. Auflage, ISBN 978-3-442-15492-0, (a) Seite 203, (b) 203, (c) 208, (d) 209, (e) 364. Wichtige Mitglieder des gebildeten Organisationskomitees waren André Marty und seine rechte Hand Luigi Longo, die sich in Spanien aufhielten, sowie der Chef des Pariser Büros Giuseppe Di Vittorio. Weitere Organisatoren waren Josip Broz Tito, der sich ebenfalls in Paris aufhielt, und Milovan Đilas. Beide organisierten den Freiwilligenstrom von Jugoslawien nach Frankreich. Des Weiteren organisierte der sowjetische Geheimdienstoffizier Walter Germanowitsch Kriwitzki in Den Haag die Rekrutierung von Freiwilligen.
Paris wurde zum Hauptrekrutierungszentrum. Das Rekrutierungsbüro befand sich in der Rue Lafayette. Nach der Erfassung der Personalien und einer Aufnahmeprozedur wurden die Freiwilligen auf verschiedene Gewerkschaftshäuser (Maison de Peuple) verteilt. Eines dieser Gewerkschaftshäuser war in der Rue Mathourin-Moreau Nr. 8. Die Freiwilligen fuhren nach einigen Tagen per Bahn von Paris mit dem sogenannten Freiwilligenexpress über Perpignan, Barcelona nach Albacete. In der Calle de la Libertad in Albacete befand sich in der ehemaligen Kaserne der Guardia Civil der zentrale Stützpunkt der Internationalen Brigaden. caiman.de, ed 11/2011; abgerufen am 16. Mai 2012.
Das Organisationskomitee zur Aufstellung einer Internationalen Brigade wandelte sich am 26. Oktober 1936 zu einem Militärrat um. Angehörige des Militärrates waren Vital Gaymann (Vidal), Vittorio Vidali (Carlos Contreras) und Karol Świerczewski (General Walter). Dolmetscherin des Rates war Constancia de la Mora. Der Militärrat residierte in einer Villa am Rande von Albacete.
Internationale Brigaden Die Interbrigaden wurden ab dem 9. Oktober 1936 aufgestellt. Militärischer Befehlshaber der XI. Internationalen Brigade wurde Manfred Stern (General Kleber). Am 12. Oktober erreichten die ersten 650 Freiwilligen mit dem Dampfer „Ciudad de Barcelona“ den Hafen von Alicante. Die ersten Bataillone, die in Alicante aufgestellt wurden, waren das André-Marty-Bataillon, das Dąbrowski-Bataillon und das Edgar-André-Bataillon. Am 8. November 1936 erreichten die drei aus Albacete kommenden Bataillone Madrid. Die drei Bataillone wurden direkt in die Vororte von Madrid beordert. Dort kämpften weitere Bataillone der Internationalen Brigaden, die bereits am 1. November 1936 in die XI. Internationale Brigade eingruppiert wurden. Sociedad Benéfica de Historiadores Aficionados y Creadores; abgerufen am 27. August 2012. (spanisch) abgerufen am 13. Mai 2012. Eines dieser Bataillone, das an der Madrider Front kämpfte, war das deutsche Thälmann-Bataillon. Am 3. März 1937 brachten die Interbrigaden dem von Mussolini nach Spanien geschickten Expeditionskorps Corpo Truppe Volontarie bei Guadalajara eine vernichtende Niederlage bei.
1938 zwangen Briten und Franzosen die spanische Republik, die Internationale Brigade aufzulösen. Die Kämpfer erhielten darum pro forma die spanische Staatsbürgerschaft und wurden in die reguläre spanische Armee aufgenommen.
Herkunftsländer Nation Anzahl Frankreich Deutschland Italien Polen USA Vereinigtes Königreich Sowjetunion Belgien Jugoslawien Ungarn Tschechoslowakei Kanada Österreich Schweiz Niederlande Schweden Bulgarien Irischer Freistaat Estland Griechenland Mexiko Zypern Albanien
Die Sollstärke der Internationalen Brigaden lag bei 18.000 Mann, welche aber durch die anhaltenden Verluste nie erreicht wurde. Mehr als die Hälfte der insgesamt 40.000 Interbrigadisten kam ums Leben. Mäßig bis schlecht ausgerüstet und zusätzlich durch das Problem der Verständigung aufgrund der unterschiedlichen Sprachen der Kämpfer beeinträchtigt, machten die Interbrigadisten, die sich in Verkennung ihrer Kampfkraft als Elitetruppen begriffen, nur wenige Unzulänglichkeiten durch Enthusiasmus wett.
Ein Viertel der Brigadisten kam aus Frankreich (André-Marty-Bataillon, Commune-de-Paris-Bataillon und Meunier-Bataillon), von denen 3.000 fielen. Es waren aber auch 5.000 Deutsche (von denen 2.000 fielen, Thälmann-Bataillon und Edgar-André-Bataillon in der XI. Brigade) und 1.400 Österreicher (Bataillon 12. Februar), 4.000 Italiener (Garibaldi-Bataillon), 1.500 Kanadier (Mackenzie-Papineau-Bataillon, XV. Brigade), 3.000 US-Amerikaner (Abraham-Lincoln-Bataillon und George-Washington-Bataillon, XV. Brigade), 800 SchweizerFranziska Zaugg: Die Schweiz und der Spanische Bürgerkrieg Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 25. Juni 2026Paul Senn, Hans Staub: « … dass Friede und Glück Europas vom Sieg der spanischen Republik abhängt.» Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg. Limmat Verlag, Zürich 1986, ISBN 978-3-85791-107-1. und 1.500 bis 2.000 Tschechoslowaken in den Brigaden vertreten. Auch aus zahlreichen anderen Ländern stießen Freiwillige zu den Internationalen Brigaden (siehe Henri-Vuillemin-Bataillon, Tschapajew-Bataillon, Louise-Michel-Bataillon, Saklatvala-Bataillon, Dimitrow-Bataillon, Neun-Nationen-Bataillon, Connolly Column aus Irland).Bob Doyle, Spanish Civil War veteran, dies aged 92. In: The Irish Times, 24. Januar 2009. Zum Beispiel aus RumänienDie Zahl der rumänischen Freiwilligen betrug etwas über 400 Personen, vgl. Laura Polexe: Autobiografische Berichte rumänischer Freiwilliger aus dem Spanischen Bürgerkrieg – Eine Analyse. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft I/2010. und Jugoslawien (Djuro-Djakovic-Bataillon),Avgust Lešnik: Jugoslawen im Spanischen Bürgerkrieg, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft I/2006. es gab sogar eine Gruppe chinesischer Kombattanten, In: El Publico. 25. Januar 2009. zudem kämpften 300 Juden aus dem britischen Mandatsgebiet Palästina (siehe Naftali-Botwin-Kompanie).Einer von ihnen war Kurt Goldstein, dokumentiert in der WDR-Fernsehproduktion 300 Juden gegen Franco.
Neuformierung von Bataillonen ab Oktober 1936 Die Neuformierung von Bataillonen der Internationalen Brigaden erfolgte ab Oktober 1936 in Albacete, dem zentralen Stützpunkt und Ausbildungslager der Internationalen Brigaden.
Zusammensetzung im Sommer 1937 Nummer gegründet Name Bataillone überwiegende nationale Zusammensetzung BI-XI Oktober 1936 Thälmann I. Thälmann II. Edgar André III. Hans Beimler IV. 12. Februar deutsch skandinavisch niederländisch österreichisch BI-XII November 1936 Garibaldi 1. Garibaldi 2.–4. spanisch-italienische Bataillone ohne Namensgebung italienisch BI-XIII Dezember 1936 Dąbrowski siehe XIII. Internationale Brigade deutsch polnischpolnisch/russisch bulgarisch/österreichisch ungarisch spanisch BI-XIV Dezember 1936 Marseillaise 1. Commune de Paris 2. Henri Vuillemin 3. Henri Barbusse 4. Pierre Brachet 5. 6 de febrero französisch BI-XV Juli 1937 Lincoln/Washington 1. Abraham Lincoln 1. George Washington 1. Mackenzie-Papineau 2. Español 2. Six Février 2. Dimitrow 2. Galindo US-amerikanisch kanadisch britisch irisch
Interne Strömungen und „Armee der Komintern“ Auseinandersetzungen innerhalb der auf republikanischer Seite kämpfenden Gruppen sind vor dem Hintergrund unterschiedlicher Strategien im Kampf gegen den europäischen Faschismus zu sehen. Während die Kommunistische Partei Spaniens und die Sowjetunion auf ein partielles Bündnis auch mit bürgerlichen oder sozialdemokratischen Kräften setzten (Volksfrontpolitik), stand für anarchistische, linkssozialistische und trotzkistische Gruppen eine soziale Revolution im Vordergrund.
In der Geschichtsschreibung wird zum Teil behauptet, dass die Internationalen Brigaden als Armee der Komintern missbraucht worden seien. Die neuere Forschung widerlegt dies. Die Brigaden stellten nie eine Bedrohung der Republik dar und wurden auch nicht in Barcelona im Mai 1937 eingesetzt. In den Reihen der Brigaden herrschte zwar strenge (aus militärischen Gesichtspunkten ggf. angebrachte) Disziplin, aber kein Terrorregime.Frank Schauff: Der Spanische Bürgerkrieg. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-03704-X, S. 165–166. Hingegen berichtet der Autor Antony Beevor von einem Internierungslager der Internationalen Brigaden, dem Camp Lukacs, in dem nicht weniger als 4000 Männer zwischen dem 1. August und dem 1. November interniert wurden. Das Camp Lukacs befand sich 16 Kilometer von Albacete, dem Hauptquartier der Internationalen Brigaden. Der Historiker Hugh Thomas bezeichnet diese Lager als Schulungslager, in denen aber auch Deserteure liquidiert wurden.Hugh Thomas: Der spanische Bürgerkrieg. Ullstein, 1967, (a) Seite 304, (b) 304ff., (c) 374.
Flucht und Schicksal der „Spanienkämpfer“ miniatur|Erinnerungstuch der Internationalen Brigaden im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden miniatur|Gedenktafel im KZ Mauthausen miniatur|Gedenktafel im KZ Mauthausen
An den in Spanien in Francos Konzentrationslagern internierten Brigadisten wurden schon ab 1938 – mit nationalsozialistischer Unterstützung – rassenideologisch motivierte medizinische Versuche durchgeführt, die angebliche körperliche und psychische Deformationen, die bei Anhängern des „Marxismus“ vorkämen, erforschen sollten.Javier Bandrés, Rafael Llavona: La psicología en los campos de concentración de Franco. In: Psicothema, , Vol. 8, Nr. 1, 1996, S. 1–11.