mini|Ebersberger Straße und St. Margaret
Markt Schwaben ist ein Markt an der nördlichen Grenze des oberbayerischen Landkreises Ebersberg. Obwohl Markt Schwaben der Einwohnerzahl nach die viertgrößte Gemeinde im Landkreis ist, ist sie flächenmäßig die kleinste der Ebersberger Gemeinden.
Geographie Lage mini|Blick in Richtung Markt Schwaben über das Schwabener Moos
Markt Schwaben liegt nördlich des Ebersberger Forstes in der Münchner Schotterebene nicht weit vom Quellgebiet der Sempt und dem Ismaninger Speichersee entfernt. Die Gemeinde liegt verkehrsgünstig rund 25 km östlich der Landeshauptstadt München, 14 km südlich von Erding, 28 km westlich von Haag und 15 km nördlich der Kreisstadt Ebersberg. Zum Flughafen München sind es 30 km. Markt Schwaben verfügt über einen bedeutsamen Bahnhof mit Anschluss zur S-Bahn und Regional-Express/Regionalbahn sowie über eine gute Anbindung an die A 94.
Umgebung und Gewässer mini|Vom Wasser zerstörte Brücke über den Hennigbach in Höhe Bahnhofstraße (1920)
Durch den Ort fließt der Hennigbach (ehemals Honigbach),Ebersberger Zeitung: Als der Honigbach alles andere als süß war, 27. April 2017, abgerufen am 27. April 2017. in den der Gigginger Bach südwestlich von Markt Schwaben einmündet. Der Henningbach entspringt südlich der A 94 im Gebiet der Gemeinde Anzing und mündet bei Ottenhofen in die Anzinger Sempt. Lange Zeit bildete er die Nordgrenze der Ortschaft Schwaben. Früher überschwemmte der Henningbach bei starken Regenfällen nur Wiesen und Felder, doch 1930 wurde er mit Beton kanalisiert. Folge waren schwere Hochwasserschäden in unregelmäßigen Abständen,Köhler & Blasi 2002, S. 207. so Anfang September 1920, in den 1990er Jahren und im Juli 2013. Ein großer Bereich des Ufers des Hennigbachs im Postanger wurde daher renaturiert und zu einem Park und Überflutungsbereich ausgebaut. Der Postanger entstand durch die Verlandung des Kupferschmiedweihers, der einst rund 24.000 Quadratmeter groß war und vom Henningbach gespeist wurde. Doch 1786 hatte er nur noch seichtes Wasser und 1810 erkennt man auf Landkarten nur einen kleinen 200 Quadratmeter großen Weiher, der für den Bogen der heutigen Seifensiedergasse verantwortlich ist. Auch der Bartschneiderweiher (auch Weber- oder Dechantweiher) mit mehr als 3.000 Quadratmetern, südlich der Webergasse und östlich der Ebersberger Straße ist verschwunden. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet.Köhler & Blasi 2002, S. 177–178.
Der Kirchweiher wurde als Löschwasserspeicher und Fischzucht für die Schwabener Burg (das spätere Schloss) angelegt. Hangquellen auf der Südseite liefern das Wasser. früher wurden hier von den Gerbern Häute gewaschen, es gab Waschbänke und bis 1950 nutzte der ehemalige Postwirt den Weiher, um im Winter Eis zu gewinnen. Mit dem Bau des neuen Rathauses wurde der benachbarte Schlossweiher eingeebnet und der Kirchweiher schrumpfte auf ein Drittel seiner alten Größe.Köhler & Blasi 2002, S. 112.Köhler & Blasi 2002, S. 178.
Östlich von Markt Schwaben befindet sich das Schwabener Moos, das sich bis zur Anzinger Sempt ausdehnt, einem der Quellflüsse der Sempt. Der Schwarzgraben, ein Zufluss der Anzinger Sempt, durchquert das Schwabener Moos. Höchster Punkt des Ortes ist die Wittelsbacher Höhe () am südlichen Ortsrand. Ebenfalls im Süden befindet sich das Sportzentrum mit dem Badeweiher. Nördlich der Bahngleise liegen das Neubaugebiet Burgerfeld mit Theaterhalle, weitere Wohnsiedlungen und zwei Gewerbegebiete. Der verbliebene Teil des Schlosses mit dem Rathaus, der Marktplatz und die katholische Pfarrkirche St. Margaret liegen im Ortszentrum, das Schulzentrum schließt sich südwestlich davon an.
Gemeindegliederung mini|Einfahrt nach Haus von der Erdinger Str. aus mini|Paulimühle mini|Zwischen Feichten, Staudham und Haus
Es gibt sieben offizielle Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Feichten (Weiler) Hanslmühle (Einöde) Haus (Einöde) Markt Schwaben (Hauptort) Paulimühle (Einöde) Sägmühle (Einöde) Staudham (Einöde)
Entlang der Anzinger und Forstinninger Sempt im Osten lagen ehemals elf Mahl- und zwei Sägemühlen, eine Loh- und eine Walkmühle sowie zwei Fischereien. Sechs der Mühlen waren bis zum Verbot des Jesuitenordens 1773 im Besitz des Klosters Ebersberg. Die Mühlen kamen dann unter die Verwaltung der kurfürstlichen Hofkammer München. Heute teilen sich die kleinen Siedlungen auf Markt Schwaben und seine Nachbargemeinden Anzing und Forstinning auf. Zu Markt Schwaben gehören die Einöden Hanslmühle, Paulimühle und Sägmühle sowie Walkhäusl.
Die Einöde Haus, befindet sich im Nordosten, die Einöde Staudham im Norden. Der Weiler Feichten schließt sich direkt an den Ort Markt Schwaben im Norden an. Der ehemalige Weiler Höhenrain im Süden gehört inzwischen zum Ort Markt Schwaben. Daneben liegen um Markt Schwaben herum noch einige Einzelgehöfte, so in Richtung Finsing.Köhler & Blasi 2002, S. 207–212.
Die Lohmühle und der Weiler Marolsberg existieren nicht mehr.Köhler & Blasi 2002, S. 192 & 212.
Nachbargemeinden Anzing Poing Pliening Finsing Ottenhofen Forstinning
Geschichte Von der Urgeschichte bis zum 14. Jahrhundert Ältestes archäologisches Fundstück aus Markt Schwaben ist ein länglich, runder Steinhammer (durchbohrtes Geröll), der auf ein Alter von etwa 6000 Jahren datiert wurde. Man fand ihn 1987 am Henningbach und vermutet, dass es sich bei dem Hammer um ein Opfer für einen Flussgott handelt.Köhler & Blasi 2002, S. 10. Einen Teil der Römerstraße, die Regensburg mit Italien verband, erkennt man noch im Schwabener Moos.Köhler & Blasi 2002, S. 15.
Ausgeschlossen wird die Namensgebung nach einer Person namens „Svapo“ oder „Swabo“, wie es bei Schwabing der Fall war. Seinen Namen erhielt der Ort von Siedlern aus dem alemannischen Suaben. Der Zeitpunkt der Ankunft der Siedler ist allerdings unbekannt. Mehrere historische Ereignisse könnten den Hintergrund dafür bilden. Ende des 5. Jahrhunderts wurden die Alamannen von den Franken besiegt. Flüchtlinge fanden unter dem ostgotischen König Theoderich Schutz und Aufnahme in Rätien. Die Gründung des Nachbarorts Pliening rührt vom alamannischen Sippenführer Pleon her und im bajuwarischen Gräberfeld in Altenerding fand man in Gräbern vom Ende des 5. Jahrhunderts auffallend viele Stücke, die südwestdeutsche Formen aufweisen. Man kann auch vermuten, dass die Besiedlung nach 1070 stattfand, als die schwäbischen Welfen Herzöge Bayerns wurden. Aus ihren altem Herrschaftsgebiet am Bodensee und im Allgäu siedelten sie Bewohner nach Altbayern um. 736 wurde Odilo aus dem alamannischen Zweig des Geschlechts der Agilolfinger Herzog von Baiern. Mit ihm kam eine weitere Welle von alemannischen Adligen und Siedlern.Köhler & Blasi 2002, S. 17–18.
Aus dem 7. und 8. Jahrhundert stammen ein Tuffplattengrab und Reihengräber, die man am heutigen Kolpingweg fand. Sie enthielten zwei Hiebschwerter, zwei Silberplättchen aus einem Ohrschmuck und Scherben. Dies könnte auf eine Besiedlung zwischen Henningbach und Sempt hinweisen, die deutlich älter ist, als ihre erste urkundliche Erwähnung. Der alte Flurname „Reissenberg“ für den Nordhang der Wittelsbacher Höhe könnte auf einen Hof deuten, ist aber nicht mehr sicher festzustellen.
mini|Die Kressiermühle
1115 schenkte Ritter Ulrich von Moosach eine Mühle bei Suaben und zwei Leibeigene der Kirche, zum Seelenheil seines Onkels Rupert I., Abt des Klosters Ebersberg. Diese Urkunde stellt die erste schriftliche Nennung des Ortes Schwaben dar. Bei der damals genannten Mühle handelt es sich wahrscheinlich um die noch heute existierende Kressiermühle. Sie war die einzige Mühle an der Sempt, die bis zur Säkularisation in Besitz des Klosters war. Heute gehört sie zur Gemeinde Forstinning.Köhler & Blasi 2002, S. 20.
Anfang des 13. Jahrhunderts befand sich Schwaben in Besitz der Grafen von Wasserburg und Hall. Sie hatten es wahrscheinlich von den. Grafen von Dießen/Andechs geerbt. 1202 verschenkte Graf Dietrich († 1206) die Villa Schwaben (villam, que cicitur Swaben) an das Kloster Attel, unter der Bedingung, dass sein Sohn und Erbe Konrad († 1259) kinderlos bliebe, was auch so geschehen sollte. Als im Zuge eines Streits zwischen Kaiser und Papst Herzog Otto der Erlauchte sich 1241 endgültig auf die Seite Kaisers Friedrich II. stellte, wurde der Herzog vom Papst exkommuniziert. Albert Behaim, Vertreter des Papsts, der daraufhin versuchte, die Adligen in Bayern gegen Otto aufzuwiegeln, musste 1247 Zuflucht in Wasserburg am Inn suchen. Herzog Otto befürchtete, dass Graf Konrad nun auch sein Testament von 1242, in dem er seinen Besitz dem Herzog vermachte (entgegen der Schenkung seines Vaters) zugunsten der Kirche ändern würde. Daraufhin belagerte Ottos Sohn Ludwig (der spätere Ludwig der Strenge) 119 Tage die Burg Wasserburg. Nach der Flucht Graf Konrads fiel die Burg und der Besitz der Wasserburger Grafen, inklusive Schwabens, ging an die Wittelsbacher.Köhler & Blasi 2002, S. 22.
Die Verwaltung übernahm das Amt Falkenberg bei Moosach, doch wird im Urbar von 1265/71 parallel zum Amt Falkenberg auch das Amt Schwaben erwähnt. Ohnehin starb das Herren- und Ministerialengeschlecht der Falkenberger 1272 aus.Köhler & Blasi 2002, S. 23. Seit 1280 war ein Kastenamt (Finanzamt) in Schwaben erwähnt. Im Jahre 1283 kam die Dorfgerichtsbarkeit dazu und Herzog Ludwig der Strenge ließ eine Burg erbauen, die mit einem Burggraben umgeben wurde und ab diesem Zeitpunkt Sitz der herzoglichen Verwaltung war. Bereits 1286 zerstörte sein Bruder, der niederbayerische Herzog Heinrich XIII. die Burg im Grenzgebiet. Um 1290 wurde sie wieder errichtet.Köhler & Blasi 2002, S. 29–32.
1291 wurde der erste Landrichter in Schwaben ernannt, der als Vertreter des Herzogs über Adelige, Freie und Unfreie im Gerichtsbezirk stand. Den Schutz der Burg übernahm ein Burgwart, später Pfleger, der mit der Zeit über Richter und Kastner (Finanzverwalter) stand. Zwischen 1580 und 1799 scheinen Verwalter und Richter in Personalunion vereinigt gewesen zu sein.Köhler & Blasi 2002, S. 23 & 32. Todesurteile wurden am Galgenhölzl an der Geltinger Straße, eine Stunde entfernt vollstreckt. Die meisten Delinquenten starben durch Schwert oder Galgen. Seltener war der Tod durch Verbrennen oder Ertränken. Die Leichen wurden entweder unter dem Galgen begraben oder verbrannt. Gefangene wurden im Schlossturm festgehalten. In die dunkle Zelle (Keichen) konnte man nur mit einem Seil rein- und rauskommen. Bei einer zweiten Zelle brach ein Gefangener einmal den gesamten Türstock heraus. 1690 wurden weitere Keichen eingerichtet. 1719/20 wurde der Schlossturm abgerissen. Daneben gab es spätestens ab 1532 ein Eisenamthaus (Gefängnis) mit einer abseits stehender „Torturstube“. 1638 wurde das Eisenamtshaus im Krieg niedergebrannt, gleich aber wieder mit Steinen aus dem zerstörten Teil der Burg neu errichtet. Es hatte mehrere Zellen für Männer und eine für Frauen. Nach Abbruch der Torturstube, wurde sie im Eisenamtshaus eingerichtet. 1693 verfügte es über 13 Keichen. 1705 wurde das Amtshaus von kaiserlichen Soldaten niedergebrannt. 1707 wurde es wieder aufgebaut und 1716/18 neu errichtet. Der Bauzustand wurde immer wieder bemängelt. 1841 wurde das Gefängnis schließlich nach Ebersberg verlegt.Köhler & Blasi 2002, S. 70–76.
In der Teilungsurkunde von 1310 zwischen Herzog Rudolf und Ludwig IV. wird „Swoben purcht und marcht“ zu Bayern-München-Burglengenfeld unter Rudolf zugeordnet. Es ist die erste Erwähnung des Marktrechts von Schwaben, das wahrscheinlich schon zuvor von Herzog Rudolf verliehen wurde.Köhler & Blasi 2002, S. 31233. Als Markt hatte der Ort keine Stadtmauern. Seine Grenzen markierte er stattdessen mit Säulen, Zäunen und Gattern an den Straßen.Köhler & Blasi 2002, S. 106. 1315 wird Schwaben als Pfarrfiliale von Landsham erwähnt und 1329 im Hausvertrag von Pavia als Teil Bayerns.Köhler & Blasi 2002, S. 33.