Jungholz ist eine Tiroler Gemeinde der Region Tannheimer Tal im Bezirk Reutte in Österreich mit einer Fläche von 7 km² und Einwohnern (Stand ) und ein Dorf, dessen Ortszentrum auf einer Höhe von liegt. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Reutte und ist nur an einem Punkt nicht von deutschem Gebiet umgeben, deshalb bezeichnen die Einheimischen ihren Ort auch als „ein Stück Tirol im Allgäu“.
Geografie Das Gemeindegebiet ist ringsum von Bayern umgeben und nur über deutsches Staatsgebiet, über die deutsche Queralpenstraße über Oberjoch oder Wertach, vom übrigen Tirol in Österreich erreichbar. (Da das Gebiet nur über einen Punkt ohne Ausdehnung mit dem Kernland verbunden ist, ist selbst eine Verbindung mit Hubschraubern nur über deutsches Hoheitsgebiet möglich.) Lediglich in einem Punkt nahe dem hohen Gipfel des Sorgschrofen ist es mit dem übrigen Land Tirol verbunden. Dadurch bildet es eine funktionale Exklave.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht neben dem Dorf Jungholz aus den Dörfern Gießenschwand, Langenschwand, Obere Höfen und Untere Höfen, dem Weiler Habsbichl sowie den Alpen Stubentalalpe und Älpele.Statistik Austria: Ortsverzeichnis Tirol 2001, S. 155 Obere Höfen hieß früher nur Höfen, während Untere Höfen als Höfle bezeichnet wurde.Topographisches Kartenblatt von 1958: 8428 Hindelang 1:25.000
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Jungholz mit linienhafter Grenze (also mehr als punktförmiger Berührung) liegen alle auf deutschem Staatsgebiet. Es sind dies Bad Hindelang (Südwesten), Wertach (Westen und Norden), Nesselwang (Nordosten) und Pfronten (Osten). An dem Punkt, an dem Jungholz das übrige Tirol am Gipfel des Sorgschrofen berührt, ergibt sich im Süden eine Nachbarschaft zur Gemeinde Schattwald im Tannheimer Tal. Die beiden bundesdeutschen Gemeinden, deren Gebiete sich hier berühren, sind Bad Hindelang (Gemarkung Unterjoch) westlich und Pfronten (Gemarkung Steinachpfronten) östlich des Grenzpunktes.
Geschichte Erste urkundliche Erwähnung fand ain guet gehaissen das Junkhholz in einem Kaufvertrag zwischen einem Bewohner von Wertach (Hermann Häselin) und einem aus dem Tannheimer Tal (Heinz Lochpühler), der am 24. Juni 1342 abgeschlossen wurde. Dadurch kam das Gebiet von Bayern zu Tirol und verblieb dort trotz mehrerer Grenzstreitigkeiten. Die endgültige Festlegung der Grenzen zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich erfolgte durch den Grenzvertrag von 1844 sowie durch einen weiteren Vertrag von 1850.
Zollanschlussgebiet Durch den Zollvertrag vom 3. Mai 1868 wurde die Gemeinde wirtschaftlich an das Königreich Bayern angebunden.Vertrag über den Anschluß der zur Grafschaft Tirol gehörigen Gemeinde Jungholz an das Bayerische Zoll- und indirekte Steuersystem. Wien, am 3. Mai 1868 (ratifiziert 26. Juni 1868). Wortlaut in: Deutscher Zollverein: Verträge und Verhandlungen aus dem Zeitraume von 1833 bis einschliesslich 1870 über die Bildung und Ausführung des Deutschen Zoll- und Handels-Vereins. Band 5, Staatsdruckerei, Berlin 1871, S. 478–481 ().
Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Gemeinde (wie auch das Kleinwalsertal) Zollanschlussgebiet der Bundesrepublik Deutschland mit einer deutschen (87491) und einer österreichischen Postleitzahl (6691). Im Jahr 2006 wollte die Österreichische Post die deutschen Postleitzahlen für Jungholz und das Kleinwalsertal nicht mehr akzeptieren, ließ sie aber nach Protesten der Bevölkerung weiter zu., Webseite des Kleinwalsertals, abgerufen am 17. Januar 2013 Für Sendungen gelten die österreichischen Tarife, auch das Auslandsporto für Post in die benachbarten Gemeinden in Bayern. Die Telefonvorwahl der deutschen Telekom (08365 – gleich wie Wertach in Deutschland) wurde abgeschaltet, sodass der Ort nur noch über die österreichische Telefonvorwahl (05676) erreichbar ist.
Die besondere geografische Lage bedingt auch den Wohnanteil von rund 69 % nichtösterreichischen (davon 98 % EU-Bürger) und 31 % österreichischen Staatsbürgern.
Zugehörigkeit zum Landkreis Sonthofen Vom 15. Oktober 1938 bis zum 8./9. Mai bzw. 19. September 1945 gehörte Jungholz zum bayerischen Landkreis Sonthofen.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Jungholz
Katholische Pfarrkirche Jungholz Unsere Liebe Frau Mariä Namen Kriegerdenkmal bei der Pfarrkirche Ortskapelle Langenschwand Hll. Peter und Paul Ortskapelle Giesenschwand hl. Antonius Kräutergarten hinter der Pfarrkirche
Wirtschaft und Infrastruktur In Jungholz war bis zur Einführung des Euro die Deutsche Mark das offizielle Zahlungsmittel; durch diese Besonderheit war Jungholz lange Jahre ein besonderer Finanzplatz für deutsches Anlagevermögen. Obwohl Jungholz weniger als 300 Einwohner hat, befanden sich bis 2015 drei Zweigstellen österreichischer Banken im Ort. Das machte Jungholz zum Ort mit der größten Bankendichte Österreichs. Trotz Zoll- und Währungsunion sowie des Wegfalls der Grenzkontrollen aufgrund des Schengener Abkommens gilt hier weiterhin das österreichische Bankgeheimnis, weshalb nach wie vor Geld aus Deutschland in Jungholz angelegt wird. Im Jahr 2007 stellten deutsche Beamte 100.000 Euro an der Grenze zu Jungholz sicher.
Auch nach der Einführung der EU-Gemeinschaftswährung Euro hat Jungholz als bundesdeutsches Zollanschlussgebiet die deutschen Mehrwertsteuersätze.
Tourismus
1948 wurde in Jungholz der erste Schlepplift des Bezirks Reutte und gleichzeitig der Region Tannheimer Tal errichtet, womit der Grundstein für den Anstieg des Wintertourismus gelegt wurde. Heute (2023) gibt es zehn Aufstiegshilfen für Skifahrer (7 Liftanlagen, 3 Personenförderbänder). Auch die Anzahl der Gäste in der Sommersaison nahm in den darauffolgenden Jahren immer mehr zu. Durch die globale Erwärmung sind die Winter in der Region kürzer und wärmer geworden. Die Liftgesellschaft meldete im Juni 2024 Insolvenz an, worauf im Winter 2024/2025 kein Liftbetrieb stattfand. Ein Verkauf im Sommer 2025 scheiterte. Am 16. Dezember 2025 wurde ein Verkauf bekannt.ORF: Insolvente Jungholzer Liftbetriebe verkauftsiehe auch die offizielle Tourismus-Website www.jungholz.tirol
Wirtschaftlich bedeutend ist auch der fast ganzjährige Tourismus. Der Ort betrachtet sich als Teil der beiden Tourismusregionen Allgäu und Tannheimer Tal und konzentriert sich auf den Familientourismus. Jungholz hat ein Freischwimmbad („Felsenbad“). In unmittelbarer Nähe des Schwimmbads befindet sich ein Minigolf- und Kinderspielplatz.jungholz.gv.at
Neben der Pfarrkirche Jungholz gibt es einen großen Kräutergarten. Besucher können bei der Herstellung von Kräuterseifen und Kräutersalz mitwirken. Es gibt einige abwechslungsreiche Wandertouren. Veranstaltungen wie das Maibaumaufstellen, Herz-Jesu-Feuer, Kräuter- und Handwerkermarkt und der Almabtrieb locken jährlich Besucher an.
Verkehr Die Straßenverbindungen zum übrigen Tirol führen über Bayern. Die 2,5 km langeAmt der Tiroler Landesregierung (Hrsg.): Statistisches Handbuch Bundesland Tirol 2019. Innsbruck 2019, S. 12 (PDF; 14,2 MB) L 23 Jungholzer Straße, die an der Grenze in die bayerische Staatsstraße St 2373 übergeht, verbindet Jungholz mit der deutschen Bundesstraße 310. Diese führt vorbei an Unterjoch nach Oberjoch, wo diese in die Bundesstraße 308 mündet, die in das Tannheimer Tal führt.
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat hat seit 2016 elf Mitglieder.
Nach den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Tirol hatte der Gemeinderat folgende Verteilungen: 2004: 5 ÖVP und 4 Unabhängige. (9 Mitglieder) 2010: 5 ÖVP und 4 Unabhängige. (9 Mitglieder) 2016: 11 Wir Jungholzer mit Zukunft. Seit 2022: 11 Gemeinsam für Jungholz
Bürgermeister
bis 2016 Bernhard Eggel (ÖVP) seit 2016 Karina Konrad (Gemeinsam für Jungholz)
Wappen Blasonierung: In Silber ein nach rechts gerichteter Tiroler Adlerflügel, aus dem ein grünblättriger Zweig wächst.Landesgesetzblatt für Tirol, Nr. 20/1978. (Digitalisat)
Das 1978 verliehene Gemeindewappen erinnert mit dem Adlerflügel an die Zugehörigkeit zu Tirol. Der aus ihm wachsende grüne Zweig symbolisiert als redendes Wappen den Gemeindenamen.
Persönlichkeiten Bernhard Eggel, Altbürgermeister und Landtagsabgeordneter von 1994 bis 1999Bernhard Eggel: „Wer Geld bekommt, braucht keine Ehrung des Landes.“ Tiroler Tageszeitung, 5. September 2019. Tom Paun (* 1952), Kunstmaler
Siehe auch Liste von Exklaven und Enklaven
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Wintersportgebiet in Tirol Kategorie:Exklave Kategorie:Ersterwähnung 1342