Schöppingen (plattdeutsch Schüöping) ist eine Gemeinde im westlichen Münsterland im Nordwesten des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Borken im Regierungsbezirk Münster.
Die Fläche des Schöppinger Gemeindegebiets beläuft sich auf rund 69 km², was im Verhältnis zur Einwohnerzahl recht groß ist. Schöppingen wird aufgrund demografischer Daten (z. B. Volkszählung in Deutschland 2022 - Zensus 2022) als Gemeinde mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt im Kreis Borken genannt.
Geographie mini|hochkant|links|Das Alte Rathaus in Schöppingen (2010)
Die Gemeinde Schöppingen liegt im Norden des Kreises Borken. Ganz in der Nähe, am Rande der Nachbargemeinde Horstmar, am sogenannten „Dreiländereck“, treffen die drei Kreisgebiete Borken, Coesfeld und Steinfurt zusammen.
Der Ort liegt an der Vechte, einem 167 km langen Fluss, der im Ortsteil Eggerode aus dem Zusammenfluss der Bäche Burloer Bach und Rokeler Bach entsteht und zunächst nach Norden Richtung Nordhorn, dann nach Westen fließt.
Im Süden liegt der Ortsteil Tinge.
Nach Osten wird Schöppingen vom Schöppinger Berg begrenzt, einem Ausläufer der Baumberge und mit die höchste Erhebung des Kreises Borken.
mini|Ortschaften und Bauerschaften von Schöppingen
Am 1. Juli 1969 wurden die Gemeinden Wigbold Schöppingen, Kirchspiel Schöppingen und Eggerode zur neuen Gemeinde Schöppingen zusammengeschlossen.
Geschichte und Wirtschaft Ein Hinweis auf die jahrhundertealte Kulturnahme und landwirtschaftlichen Tätigkeiten sind die zahlreichen Eschfluren v. a. östlich der Vechte und am Nordrand des Osterwicker Hügellandes. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche liegt im Vergleich zur Gesamtkatasterfläche bei 79,1 % und verdeutlicht damit den landschaftsprägenden Charakter der Landwirtschaft im Schöppinger Raum.
Dienten die ersten, durch Rodung entstandenen, landwirtschaftlich genutzten Flächen weitgehend nur der Eigenversorgung, so waren bereits im Mittelalter mit der Entwicklung größerer Siedlungen und befestigter Städte die in der Landwirtschaft produzierten Güter auch Handelswaren. Die Erweiterung der Produktion erforderte auch einen größeren Flächenbedarf – die Rodungen wurden erweitert. Eine erste Ausbauphase war die Anlage der Eschfluren einhergehend mit der Gründung der Schultenhöfe entlang der Vechte sowie Üding, Höping, Haverbeck und Gemen. Eine weitere Auflichtung erfuhr das ehemalige Waldland durch die Allmende-Nutzung bzw. die gemeinschaftliche Nutzung des Markenlandes. Bedingt durch Waldweide und Überweidung wurden die Waldbereiche weiter zurückgedrängt. Einen erneuten Ausbau der Produktionsflächen widerfuhr der mittelalterlichen Landschaft durch die am Rande der bestehenden genutzten Flur angesiedelten Kötter. In der Bauerschaft Heven standen diese Kotten ganz am Rande der Wersche. Bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert war die Landwirtschaft der Haupterwerbszweig der Landbevölkerung.
Zusammen mit den Juden aus Eggerode bildeten die jüdischen Einwohner Schöppingens seit 1856 eine selbstständige Untergemeinde im Synagogenbezirk Ahaus. Um 1815 lebten hier zwei jüdische Familien, um 1850 sechs Familien, drei davon wanderten in die USA aus. Zu Beginn der 1930er Jahre wohnte nur noch eine einzige jüdische Familie im Ort. Heute erinnern zwölf Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof an die jüdischen Familien. Am 19. Dezember 2023 wurden vom Künstler Gunter Demnig Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt.
Auch heute noch bestimmt die Landwirtschaft das Landschaftsbild, jedoch gibt es nur noch wenige Erwerbstätige in der Landwirtschaft. 1999 wurden in Schöppingen nur 3,1 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Sparte „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ geführt. Das Verhältnis von Teilbeschäftigten (307) und Vollbeschäftigten (129) in der Schöppinger Landwirtschaft für das Jahr 1999 verdeutlicht die geringen und weiter rückläufigen Erwerbsmöglichkeiten in der modernen Landwirtschaft.
Bereits in den 1950er Jahren setzte in der Landwirtschaft durch Rationalisierung und Intensivierung ein Strukturwandel ein. Schöppingen wurde dadurch ein Schwerpunkt der agraren Veredelungsindustrie in Nordrhein-Westfalen. Von 213 im Jahr 1999 gezählten landwirtschaftlichen Betrieben widmeten sich 56,3 % ausschließlich der Veredlung und 19,7 % dem Futteranbau. Schöppingen wies 1999 mit 1380 Schweinen auf je 100 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche die höchste Schweinedichte im Kreis Borken auf. Auch die Absolutzahlen spiegeln dies wider. Nach der Stadt Borken (102.223 Schweine) und der Stadt Ahaus (85.025 Schweine) hielten die Landwirte der Gemeinde Schöppingen 1999 mit 73.637 den drittgrößten Schweinebestand im Kreis Borken (Kreis Borken 2001). Die Firma Tummel in Schöppingen gehört zu den größten Schweineschlachtbetrieben Deutschlands.Schwein:D ie zehn größten Schlachthöfe in Deutschland, agrarheute.com, 2. Januar 2015 Mit 219.897 Hühnern nahm Schöppingen 1999 auch eine Spitzenposition in der Geflügelproduktion im Kreis Borken ein.
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft der letzten zwanzig Jahre hat bereits landschaftsprägenden Charakter. So schrumpfte der Grünlandanteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Schöppingen von 40 % (ca. 2172 ha) im Jahr 1977 auf 9 % (490 ha) im Jahr 1999. Gleichzeitig stieg der Anteil der Ackerflächen an der landwirtschaftlich genutzten von fast 60 % (1977) auf 90 % (1999).
Der Haushalt war 2008 – wie schon in den Vorjahren – ausgeglichen. 2008 fielen jedoch etwa 1.000.000 € Zulagen des Landes weg, da die Steuereinnahmen gestiegen waren. Daher mussten ca. 220.000 € Sozialabgaben etc. mehr abgegeben werden, was dazu führte, dass 2009 ein Minus von 1.500.000 € entstand, was allerdings durch Rücklagen der letzten Jahre kompensiert werden konnte. Die Verschuldung Schöppingens konnte im letzten Jahr um 1.300.000 € auf 1.670.000 € gesenkt werden. Der Anteil von Sozialhilfeempfängern ist mit 2,68 % der niedrigste im Kreis Borken (Vergleich zu Gronau: > 8 %).
Entwicklung des Postwesens in Schöppingen, Heven und Eggerode
Politik und Verwaltung mini|Rathaus von Schöppingen
Gemeinderat Ergebnisse der Wahlen zum Gemeinderat seit 2004:
Wahljahr CDU UWG Grüne SPD FDP Wahlbeteiligung2025Stimmanteil43,1 %35,4 %7,7 %9,1 %4,7 %67,4 %Sitze982212020Stimmanteil43,6 %31,1 %11,8 %9,8 %3,7 %58,3 %Sitze97321 2014 Stimmanteil 51,8 % 29,9 % 7,0 % 9,7 % 1,6 % 59,0 % Sitze 14 8 2 2 – 2009 Stimmanteil 50,4 % 28,1 % 6,3 % 7,7 % 7,6 % 64,6 % Sitze 14 7 1 2 2 2004 Stimmanteil 49,8 % 38,9 % 6,2 % 5,1 % – 68,7 % Sitze 13 10 2 1 –
Bürgermeister Bei den Kommunalwahlen in NRW am 30. August 2009 wurde der amtierende parteilose Bürgermeister Josef Niehoff mit einem Stimmenanteil von 77,3 % bei einem Gegenkandidaten, Matthias Haase (SPD), wiedergewählt.
Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 13. September 2015 abgelöst durch den parteilosen Kandidaten Franz-Josef Franzbach (CDU/UWG), der die Wahl mit 87,7 % der gültigen Stimmen vor Jürgen Holste (SPD) gewann. Franzbach wurde bei den Kommunalwahlen am 13. September 2020 ohne Gegenkandidat mit einer Zustimmung von 78,3 % der gültigen Ja-Stimmen im Amt bestätigt.
Bei den Kommunalwahlen am 14. September 2025 wurde der parteilose Kandidat Christoph Giesel (UWG/Grüne) zum Bürgermeister gewählt. Er gewann die Wahl mit 54,5 % der gültigen Stimmen vor Ralf Marpert (CDU).
Gemeindepartnerschaften Schöppingen unterhielt früher mit dem niederländischen Diepenheim eine Gemeindepartnerschaft. Der örtliche Verein Historische Vereniging Old Deep'n unterhält weiterhin kulturelle Kontakte, darunter Kulturreisen nach Schöppingen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten sind das 1583 erbaute Alte Rathaus und der Wallfahrtsort St. Mariä Geburt, Eggerode. Bemerkenswert ist auch die denkmalgeschützte Antoniuskirche.
Die Stiftung Künstlerdorf Schöppingen ist eine internationale Stipendiatenstätte für Künstler, Autoren und Komponisten. Die Stipendien werden jedes Jahr weltweit ausgeschrieben. Die Auswahl wird durch Expertenjurys getroffen.
Kulturring Schöppingen e. V. Freundeskreis Schöppinger Konzerte e. V.
Die Kirchenkonzerte in der St. Brictius-Kirche und die Konzerte im Alten Rathaus gehören seit vielen Jahren zum Kulturprogramm Schöppingens. Die Kirchengemeinde St. Brictius und aktuelles forum, Volkshochschule veranstalten diese Reihe und erfreuen sich der Unterstützung der Gemeinde Schöppingen, der Sparkasse Westmünsterland, der Volksbank Gronau-Ahaus und diverser privater Spender und Förderer.
Über die Jahre wurden Konzerte veranstaltet, die wegen ihrer hohen künstlerischen Qualität weit über Schöppingens Grenzen hinaus bekannt geworden sind. Höhepunkte waren z. B. der Auftritt des Tölzer Knabenchores im Juni 2005, die Konzertlesung mit Ernesto Cardenal im März 2006 oder die Klavierabende mit Claudius und Adrian Tanski.
Der Freundeskreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Freunde klassischer Konzerte regelmäßig über aktuelle Konzerte zu informieren und hilft mit, diese Konzerte zu finanzieren und die Eintrittspreise moderat zu halten. Der eingetragene Verein hat sich im Oktober 2005 konstituiert und zählt bereits rund 30 Mitglieder.
Kapellenroute Die Kapellenroute führt zu fünf Kapellen: Stockumer Kapelle (1707) Kapelle des Hauses Koppel (1707) Kapelle des Hofes Schulze Althoff (1707) Gnadenkapelle in Eggerode (1843/1844) Pestkapelle in Gemen (ca. 1650)
Bergkapelle auf dem Schöppinger Berg mini|Bergkapelle Schöppinger Berg mini|Kleiner Schutzengel auf dem Schöppinger Berg
Die Bergkapelle wurde nach 1707 errichtet, teilweise wird auch das Jahr 1718 genannt. Sie besaß einen hölzernen Vorgängerbau, der bereits als Prozessions-Station gedient hat. Die Initiative zum Neubau der Kapelle ging von dem Schöppinger Pastor Jacob Anton Volbier aus. Dieser war seit 1709 Inhaber einer Vikarie und seit 1716 Pfarrer in Schöppingen. Bereits im Jahr nach seiner Einführung begann er mit den Planungen für die Bergkapelle, die 1718 vermutlich anlässlich der Flurprozession eingeweiht werden konnte. Finanziert wurde sie durch Spenden, zwei große Kollekten und die Kirchenkasse. So befand sie sich nicht wie viele andere Kapellen im Privatbesitz. Auch äußerlich unterscheidet sie sich von diesen. Sie besitzt einen achteckigen Grundriss. Das Bruchsteinmauerwerk wird von einem glockenförmigen Dach bekrönt. Im Inneren befindet sich ein Altar, der 1720 von Albert Everding gestiftet wurde. In barocker Scheinarchitektur zeigt er eine Madonna mit Kind auf der Mondsichel, seitlich sind der hl. Joseph und der hl. Antonius von Padua dargestellt, die ebenfalls je ein Jesuskind tragen, das somit gleich dreifach vertreten ist. Dem hl. Joseph und dem hl. Antonius von Padua wurde die Kapelle geweiht.
Anlässlich der „Großen Prozession“ wurde hier Station gemacht, wobei Observanten aus Münster die Predigt hielten. Seit 1969 wurde die traditionelle „Hagelfeier“ erstmals als Bittgang zum Berg abgehalten, an den sich ein Hochamt an der Bergkapelle anschloss. 1962 wurde die Bergkapelle zum ersten, 1980 zum zweiten Mal restauriert. Hierbei engagierten sich die Mitglieder des Kirchenchores, die sich auch weiterhin um die Pflege der Kapelle verdient machen. An der Prozessionsroute liegen die Stockumer Kapelle, die Kapelle des Hauses Koppel und die Kapelle auf dem Hof Schulze Althoff. Dabei sind auch zwei weitere Kapellen zu erwähnen, die im Gemeindegebiet Schöppingen liegen – im Ortsteil Eggerode und in der Bauerschaft Gemen. Sie liegen zwar nicht an der Kapellenroute, sind aber durch einen kleinen Abstecher schnell zu erreichen und auf jeden Fall einen Besuch wert.
Pfarrkirche St. Brictius mini|Pfarrkirche St. Brictius