mini|Johann August Sutter, Porträt von Frank Buchser, 1866. Kunstmuseum Solothurn Johann August Sutter (* 23. FebruarIn der Literatur findet sich als Geburtsdatum auch der 15. Februar, aber im Geburts- und Taufregister der Gemeinde Kandern ist eingetragen: «23. Februar 1803 früh um 5 Uhr». Durch die Uhrzeit und den bei anderen Eintragungen klar ersichtlichen Gebrauch, dass in Kandern der tatsächliche Geburtstag und nicht der Tauftag eingetragen wurden, ist der 23. Februar definitiv als Geburtstag anzusehen. Siehe hierzu Lüthi S. 22; dort auch das Zitat. 1803 in Kandern;Zum Zeitpunkt von Sutters Geburt gehörte Kandern zur Markgrafschaft Baden. In der Literatur wird vielfach das Grossherzogtum Baden genannt, was aber nicht ganz korrekt ist. Zum Zeitpunkt der Geburt war der Reichsdeputationshauptschluss noch nicht rechtswirksam. Als er dies am 27. April 1803 wurde, gehörte Kandern zunächst zum Kurfürstentum Baden und erst mit der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 entstand das Grossherzogtum Baden. † 18. Juni 1880 in Washington, D.C.) war ein Schweizer Kaufmann, der in Kalifornien zum Grossgrundbesitzer und Gründer der Privatkolonie Neu-Helvetien wurde. Sutter nahm 1840 die mexikanische Staatsbürgerschaft an. Bei seinem Sägewerk (Sutter’s Mill) wurde im Januar 1848 Gold gefunden. Dieser Fund löste den kalifornischen Goldrausch aus.
Lange wurde Sutter sowohl in den USA wie auch in der Schweiz als Pionier und Held gesehen. Seit den 1980er Jahren wird mehr und mehr seine fragwürdige Seite als Abenteurer, Milizenführer, Sklavenhalter dargestellt.
Namen und Familie Namen In der vielfältigen Literatur zu Sutter wird sein Name auch in einer Vielzahl von Varianten wiedergegeben. Amtlich wurde er in der Schweiz unter Johann August Suter geführt. Er selbst und seine Verwandtschaft schrieben sich aber Sutter.siehe Lüthi S. 21; gemäss Fussnote 1 war die amtliche Schreibweise für die Familie «Suter», aber Johann August und seine Verwandten schreiben sich immer mit «tt» Bisweilen, so z. B. während seiner Schulzeit in der Westschweiz, verwendete Sutter selbst auch die französische Namensform Jean Auguste Sutter.siehe Lüthi S. 23. Eine weitere von ihm verwendete französisierte Form war J. Aug. Soutter.siehe Zollinger S. 1068.
In den Vereinigten Staaten nannte er sich John Augustus Sutter, wobei dort oft der zweite Vorname (Mittelname) durch «A.» ersetzt oder ganz weggelassen wurde, so dass sich die Formen John A. Sutter und John Sutter finden. In den mexikanischen Dokumenten wird er Juan Augusto Sutter genannt.Abdruck des spanischen Originals der Landzuweisung in Supreme court of the United States. No. 135. : The United States, appellants, vs. John A. Sutter. Appeal from the District court U.S. for the Northern district of California. United States, Washington : Govt. print. off., 1863?, S. 74–75 (spanisch) (Digitalisat)
Familie mini|Anna Sutter-Dübeld Der Heimatort der Familie Sutter war Rünenberg im schweizerischen Kanton Basel-Landschaft, wo sie seit 1559 nachweisbar ist. Diese war ein Geschlecht von Bauern und Bandwebern. Sutters Grossvater, Johann Jakob Suter, übersiedelte 1742 nach Basel und lernte das Handwerk des Papiermachers (Papierer). Er arbeitete für die Basler Familie Häusler,Die Basler Familie Hüsler betrieb seit 1532 eine Papiermühle im St. Albantal. Der Name wurde im Laufe der Zeiten anders geschrieben: Heusler, Häusler, Häussler. Siehe auch Sandra Schultz: Papierherstellung im deutschen Südwesten: Ein neues Gewerbe im späten Mittelalter, Berlin/Boston 2018, S. 216 (online). Entgegen anders lautenden Berichten in der Literatur besass die Familie Suter/Sutter keine Papiermühlen. die neben einer Papiermühle im Basler St. Albantal auch im badischen Kandern eine Papiermühle betrieb.
Johann Jakob d. Ä. heiratete noch in Basel, wo 1776 auch sein Sohn Johann Jakob d. J. geboren wurde. Johann Jakob d. Ä. wurde als Aufseher und Vorarbeiter nach Kandern versetzt.siehe Erhard Richter: Zum 200. Geburtstag von Johann August Sutter, dem «Kaiser von Kalifornien». In: Das Markgräflerland, Band 1/2003, S. 85 Digitalisat der UB Freiburg; das Jahr der Versetzung ist nicht bekannt. 1801 heiratete Johann Jakob d. J., der zu diesem Zeitpunkt bereits die Nachfolge seines Vaters als Vorarbeiter in der Kanderner Papiermühle angetreten hatte. 1803 wurde sein Sohn Johann August in Kandern geboren.
Am 24. Oktober 1826 heiratete Johann August in Burgdorf Anna (Nanette) DübeldIn der Literatur findet sich vielfach der Name Dübold; hier wird die Schreibweise von Bigler (S. 9 u. a.) verwendet, der als Archivar von Burgdorf den Zugang zu allen Akten hatte. Bei Lüthi (S. 24) wird der Vorname Annette genannt; bei Bigler (S. 10) Anna, genannt Nannette. Auf dem gemeinsamen Grabstein von Johann August und seiner Ehefrau in Lititz steht «Anna» und «Dübeld»., mit der er fünf Kinder hatte.siehe Bigler S. 10.In der Literatur wird teilweise nur von vier Kindern berichtet, wobei der früh verstorbene Carl Albert vergessen wird. Die Trauung führte der reformierte Pfarrer und Volksliederdichter Gottlieb Jakob Kuhn durch.Hieraus und aus der Eintragung im Kanderner Kirchenbuch ergibt sich, dass Sutter nicht römisch-katholisch war, wie er dies später bei der Einbürgerung in Mexiko behauptete. Bei seiner Geburt 1803 war die evangelische Landeskirche der Markgrafschaft Baden noch lutherisch. 1821 erfolgte die Vereinigung der lutherischen und der reformierten Landeskirchen zur Vereinigten Evangelisch-protestantischen Kirche im Großherzogtum Baden. Die Heirat erfolgte in der reformierten Kirche Burgdorf.
Nachfolgend ein Auszug aus der Stammliste der Familie Sutter: (Johann) Jakob Sutter (der Ältere) ⚭ 1774 Elisabetha Simon Johann Jakob Sutter (der Jüngere) * 2. Januar 1776 ⚭ 3. August 1801 Christina Wilhemina Stober * 9. Februar 1777 in Keppenbach als Tochter des Johann Adolph Stober der 1797 bis 1808 Pfarrer in Grenzach war. Johann August ⚭ 24. Oktober 1826 Anna (Nanette) Dübeld (1805–1881) Johann August jun. (1826–1897) Anna Elise (Eliza) (1828–1895) 1. ⚭ Georg David Engler; 2. ⚭ Franz Xaver Link Emil Viktor (1830–1881) Wilhelm Alphons (1832–1863)Alphons schloss sich 1855 dem Filibuster William Walker an. Nach dessen Scheitern 1860 kam Alphons nach Kalifornien zurück und liess sich in Nevada City nieder, wo er 1863 starb – vermutlich an den Spätfolgen eines Tropenfiebers, das er sich während seiner Zeit bei den Filibustern zugezogen hatte. Siehe Oscar Lewis: Sutter's Fort. Gateway to the Gold Fields, Prentice-Hall, 1966, S. 193/194 Im Internet Archive Carl Albert Maximilian (1833–1839) Jakob Friedrich (1808–1844)Teilweise finden sich Hinweise auf einen Zwillingsbruder Johann Heinrich, den es aber nicht gab. ⚭ 1831 Maria Sophie Dübeld (Schwester von Anna)
Zur Familie Dübeld Die Dübeld, die Familie von Sutters Ehefrau Anna, waren ein altes Burgdorfer Geschlecht. Annas Eltern hatten eine Bäckerei, eine Gastwirtschaft und vier Töchter. Der Vater, Samuel Dübeld, war bereits 1815 gestorben. Als Vormund für die Witwe, Rosina Dübeld-Ris, wirkte Karl Schnell,siehe Bigler S. 9. der seit 1831 Regierungsstatthalter von Burgdorf und seit 1833 Regierungsrat des Kantons Bern war. Es bleibt offen, ob dies Sutter 1834 geholfen hat, einen Pass zu erhalten.
Lebensgeschichte Vor der Auswanderung (1803 bis 1834) mini|Ansicht von Burgdorf Mitte des 19. Jahrhunderts Über Sutters Jugendzeit in Kandern ist wenig bekannt. Es wird angenommen, dass er bis zu seinem 15. Lebensjahr die örtliche Schule besuchte.siehe Lüthi S. 22. Danach schickte ihn sein Vater auf eine Schule in Saint-Blaise bei Neuchâtel, wo er 1818/19 ein Jahr verbrachte.Sutter in Neuchatel oder St. Blaise
Anschliessend machte er eine kaufmännische Lehre in der Druckerei und Verlagsbuchhandlung von Emanuel Thurneysen in Basel.Thurneysen hatte 1819 die Papiermühle in Kandern erworben und die Lehrstelle war wohl der Position seines Vaters zu verdanken. Nach Abschluss der Lehre (1823) wurde er nicht von der Firma übernommen. Sutter fand in Aarburg eine Beschäftigung in einer Tuchhandlung, wo er mutmasslich seine künftige Frau kennenlernte. Ihr folgte er 1824 nach Burgdorf im Kanton Bern, wo er zunächst als Gehilfe in einem Gemischtwarenladen tätig war.In der Literatur ist von der Spezereihandlung des Salzfaktors Aeschlimann in der Burgdorfer Schmiedengasse die Rede, wo er als Handelscommis arbeitete. Dieses eher unwichtige Detail wird hier nur kommentiert, um dem Leser der Literatur zu Sutter gleich die Erklärung der heute unüblichen Begriffe mitzugeben.
1828 kaufte Sutter ein Haus an der Schmiedengasse in Burgdorf und gründete ein Tuch- und Garngeschäft. Da das Geschäft schon bald in Schwierigkeiten geriet, nahm er Benedikt Seelhofer als Kompagnon auf und begründete die Firma Sutter & Cie. Schon 1832 geriet die Firma in ernsthafte Schwierigkeiten und musste mit den Gläubigern einen Schuldenerlass aushandeln, bei dem diese auf 75 Prozent ihrer Forderungen verzichteten. Der Kompagnon setzte sich mit der Hälfte des Warenlagers ab, und Sutter verkaufte das Haus an seine Schwiegermutter Rosina Dübeld-Ris († 1835), die es ihm gegen Zinszahlung zur Nutzung überliess.Zollinger, S. 1068.
Das Geschäft lief schlecht, der Schuldenberg wuchs, und auch die Miete an die Schwiegermutter war ständig im Rückstand. «Am 5. Mai 1834 stellte Sutter beim Bezirksstatthalter von Sissach ein Gesuch zur Auswanderung nach Nordamerika, welchem der Regierungsrat von Baselland am 8. Mai auch entsprochen hat.»Lüthi S. 29. Am 10. Mai 1834 verkaufte die Schwiegermutter das Haus und Sutter sein Rückkaufrecht.Bigler S. 12. Sutter erhielt am 13. Mai 1834 vom Oberamt Burgdorf einen in französischer Sprache ausgestellten Pass, der als Bestimmungsort der Reise Amerika nannte. Zu einem für den 4. Juni anberaumten Gerichtstermin erschien Sutter nicht mehr.Siehe Lüthi, S. 29. Anfang Juni erhielt Anna Sutter einen Brief ihres Mannes aus Le Havre, in dem dieser mitteilt, dass er nicht zurückkehren werde. Frau Sutter stellte am 9. Juni den Konkursantrag,Bei Bigler, S. 13: «Sofort rief sie den Geldstag an.» Zum Begriff Geldstag siehe Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm und am 12. Juni 1834 (einen Monat nach Ausstellung des Passes) wurde Sutter auf Betreiben der Sparkasse Sumiswald zur Fahndung ausgeschrieben. Wann er Burgdorf genau verlassen hat, ist nicht bekannt, die Behörden nahmen den 8. oder 9. Juni an.Siehe Lüthi, S. 29, bei Bigler, S. 13 wird der 8. oder 9. Mai angegeben, was aber nicht zum Datum des Passes passt. Frau Sutter wurde unterstellt, dass sie von der Flucht ihres Mannes wusste und ihn dabei unterstützt habe. Am 26. Juni erfolgte eine Versteigerung, und am 5. Oktober 1834 war das Konkursverfahren abgeschlossen. Am 23. Oktober 1835 wurde in Burgdorf noch eine Untersuchung wegen betrügerischem Konkurs gegen Sutter eingeleitet, da ihm vorgeworfen wurde, dass er Teile der Konkursmasse ins Ausland verbracht und damit die Gläubiger vorsätzlich geschädigt habe. Nach späteren Schilderungen aus Missouri scheint Sutter tatsächlich teure Kleidung und Lagerbestände an Textilien nach Amerika verbracht zu haben.
Auf dem Weg nach Kalifornien (1834 bis 1839) mini|Johann August Sutter etwa um 1835 Am 7. Juli 1834 kam Sutter in New York an. Von dort zog er weiter über Cincinnati nach Indiana und schliesslich nach Saint Louis. Gottfried Duden hatte für die deutsche Siedlung in Missouri in der Heimat geworben. Nach kurzer Zeit wich Sutter vor seinen dortigen Gläubigern nach Saint Charles (Missouri) aus.