Stäfa (im zürichdeutschen Ortsdialekt Stääfe [ˈʃtæːfə]Eintrag Stäfa im Zürcher Siedlungsnamenbuch, online auf ortsnamen.ch, dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung (abgerufen am 10. Juli 2025).) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Sie liegt am oberen rechten Zürichseeufer – der sogenannten Goldküste – am südöstlichen Ende des Pfannenstiels und gehört zum Bezirk Meilen. Die Gemeinde erstreckt sich über ein Höhenintervall zwischen 613 Metern über Meer beim Stäfnertürli und 403 m am Seeufer.

Geographie Am See liegen die Ortsteile Oetikon (zürichdeutsch Öödike,Eintrag Oetikon im Zürcher Siedlungsnamenbuch. am Hafen), Kehlhof (zürichdeutsch ChällhoofEintrag Kehlhof im Zürcher Siedlungsnamenbuch.), Uerikon (zürichdeutsch ÜürikeEintrag Uerikon im Zürcher Siedlungsnamenbuch.), beim heutigen Bahnhof Oberhusen, in Hanglage Uelikon (zürichdeutsch ÜülikeEintrag Uelikon im Zürcher Siedlungsnamenbuch.), Grundhalden, Dorf (bei der reformierten Kirche), und zwischen dem See und dem Fuss der Buechhalden-Reben liegt der Weiler Mutzmalen (zürichdeutsch i de oder a de MutzmaaleEintrag Mutzmalen im Zürcher Siedlungsnamenbuch.).

Die Fläche beträgt 859 ha, davon 46 % Landwirtschaft, 19 % Wald, 27 % Siedlungen, 7 % Verkehr.

Geschichte Das Zürichseeufer von Stäfa ist seit der Jungsteinzeit besiedelt, wie 1937 in Ürikon gefundene Spuren einer damaligen Siedlung belegen. 1874 bereits wurde im Ortsteil Oberredlikon ein Mädchengrab mit verschiedenen Grabbeigaben gefunden, das auf etwa 400 v. Chr. datiert wurde.

Der Ortsname «Stäfa» findet sich erstmals 958 als Steveia bezeugt (972, 996, 1018 Stéueia, Steueia) und dürfte alemannischer Herkunft sein. Im Vorderglied wird ein altalemannisches Substantiv *stëf vermutet (vgl. schweizerdeutsch Stääf ‹Drahtstift; (eiserne) Spitze des Spazierstockes›, verwandt mit althochdeutsch stift, oberdeutsch steft ‹Stachel, Dorn, Nadel›). Im Hinterglied verbirgt sich wohl altalemannisch *eia (schweizerdeutsch Ei, Eie) ‹Insel, Land am Wasser›, eine Nebenform des gleichbedeutenden althochdeutschen ouwa. Somit wäre als Grundform des heutigen Stäfa ein rekonstruiertes *Stëfeia oder allenfalls *Stëfeneia mit einer Bedeutung ‹Land am Wasser bei oder mit Pfahlspitzen› anzusetzen. Das Namenmotiv könnte ein mit Pfählen abgesichertes Landstücks am See sein. Ältere Herleitungen, die auf das Keltische zurückgehen, werden aus Gründen der lautgesetzlichen Verhältnisse heute nicht mehr weiterverfolgt.

1794/95 gab die Gemeinde einer Auseinandersetzung über die politische und wirtschaftliche Benachteiligung der Zürcher Landschaft gegenüber der Stadt ihren Namen (→ Stäfnerhandel).

1837 wurde der obere Teil des Stäfner Kirchturmes vom Architekten Ferdinand Stadler neu aufgebaut.

Anfang 1952 begann Robert Barth, Begründer des Unternehmens «Milkin-Institut Robert R. Barth», in einer ehemaligen Weinhandlung in Stäfa mit der Produktion des schweizerischen Erfolgsgetränks Rivella, das heute als Nationalgetränk in der Schweiz auf dem zweiten Platz hinter Coca-Cola steht.

Wappen Blasonierung In Silber die heilige Verena, golden nimbiert, in goldenem Kleid und rotem Mantel, in der Rechten einen goldenen Kamm, mit der Linken einen grünen Wasserkrug haltend.

Das Wappen von Stäfa zeigt seit 1526 die heilige Verena, die im Schild der damaligen Obervogtei geführt wurde.

Dorfwappen

Bevölkerung + Bevölkerungsentwicklung1799–1970: Stäfa (Gemeinde) im Historischen Lexikon der Schweiz; 1960–2025: Zürcher Gemeinden in Zahlen. Bevölkerungsbestand. Stäfa. Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. Mai 2026. Jahr 1850 1900 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2015 2020 2025 Einwohner 3'705 4'228 5'294 6'947 9'937 10'698 10'485 12'721 13'923 14'152 14'782 15'211

Ausländeranteil: 21,4 % (Stand 2025)Zürcher Gemeinden in Zahlen. Bevölkerung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit. Stäfa. Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. Mai 2026. Altersquotient: 43,3 % (Stand 2025)Zürcher Gemeinden in Zahlen. Alters- und Jugendquotient. stäfa. Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. Mai 2026. Jugendquotient: 32,4 % (Stand 2025)Zürcher Gemeinden in Zahlen. Alters- und Jugendquotient. stäfa. Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. Mai 2026.

Politik Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Stäfa: SVP 24,74 % (−0,38), SP 19,53 % (+2,25), FDP 16,93 % (+0,01), glp 15,13 % (−1,81), Grüne 9,06 % (−3,12), Mitte 7,75 % (+2,46), EVP 2,37 % (−0,63), EDU 1,64 % (−0,22).

Gemeindepräsident ist seit 2014 Christian Haltner.NZZ vom 6. Juli 2014

Kirchen 41,4 % der Bevölkerung zählen sich zur evangelisch-reformierten Konfession, 25,1 % zur römisch-katholischen. Bei den evangelischen Freikirchen sind deren drei in der lokalen Sektion der Evangelischen Allianz verbunden: die Chrischona-Gemeinde, die Evangelische Täufergemeinde ETG und die Hausgemeinde Lendi/Grau.http://www.each.ch/ea-st%C3%A4fa.html (abgerufen am 27. Februar 2012).

Wirtschaft Weinbau mini|links|hochkant|Traube am Schiffsteg mini|Rebberg Sternenhalde Stäfa ist die grösste Weinbaugemeinde im Kanton Zürich und blickt auf eine lange Weinbautradition zurück, da die Lage an der sonnigen Goldküste, der Zürichsee als Wärmespeicher und die häufigen Föhnlagen ideale Voraussetzungen bilden. (Siehe hierzu auch den Artikel Weinbau am Zürichsee.)

1969 wurden die Rebberge Kirchbühl, Lattenberg und Sternenhalde sowie Risi Ürikon durch die Gemeindeversammlung vor der Überbauung bewahrt und unter Schutz gestellt. Seither orientiert der Reblehrpfad Stäfa-Ürikon über Reben und Arbeiten im Weinberg.

Ansässige Unternehmen Ihren Sitz in Stäfa haben u. a. die auf Hörsysteme spezialisierte Sonova Holding AG, der Sensorhersteller Sensirion und die Landi Zürichsee AG.

Verkehr mini|Bahnhof Stäfa (2001) mini|Der Hafen am Zürichsee (2009)

Bahnverkehr Die rechtsufrige Zürichseebahn (Zürich–Meilen–Rapperswil) gilt als Vorläuferin der S-Bahn Zürich. In den 1960er Jahren erhielt sie eigens vom Kanton Zürich finanzierte RABDe 12/12-Triebzüge («Mirage») und den sogenannten starren Fahrplan (heute Taktfahrplan). Auf der Linie wurden als Vorläufer der S-Bahn ab 1968 der Halbstundentakt und der Wegfall der regelmässigen Fahrkartenkontrolle getestet und rund 25 Jahre später auf den gesamtschweizerischen Regionalverkehr ausgedehnt.

In der Gemeinde gibt es zwei Bahnstationen: Stäfa im unteren Haslenbach und Uerikon. Letztere war 1901–1947 Ausgangspunkt der Uerikon-Bauma-Bahn; die geforderte Haltestelle beim Kreuz (für Kehlhof und Dorf) wurde von der NOB abgelehnt.Frei, Beat: Die ehemalige Zivilgemeinde Ürikon. in: Ritterhaus-Vereingigung Ürikon-Stäfa: Jahresbericht 2025 mit Abhandlungen. Ürikon, 2025. p. 12. Von 1903 bis 1950 touchierte die Wetzikon–Meilen-Bahn im Mühlehölzli das Gemeindegebiet von Stäfa.

Folgende Linien der S-Bahn Zürich verkehren von den Bahnhöfen Stäfa und Uerikon:

(nur bis Stäfa)

Busverkehr Folgende Buslinien werden durch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient:

Stäfa Frohberg – Hombrechtikon – Wolfhausen – Bubikon – Bad Kämmoos – Bahnhof Rüti Bahnhof Stäfa – Bahnhof Männedorf – Bahnhof Meilen Bahnhof Stäfa – Oetwil am See Bahnhof Stäfa – Laubisrüti – Bahnhof Uerikon Bahnhof Stäfa – Kehlhof – Bahnhof Uerikon Bahnhof Stäfa – Laubisrüti – Hombrechtikon

Schiffsverkehr An den Anlegeplätzen Stäfa und Uerikon halten die Schiffe der Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft auf der Linie Zürich Bürkliplatz – Rapperswil.

750px|zentriert|Panoramabild von Stäfa (2004)

Strassen Stäfa liegt an der Seestrasse (Hauptstrasse 17) und hat in Uelikon Anschluss an die Pfannenstiel-Höhenstrasse nach Männedorf-Uetikon am See-Meilen. Direkte Verbindungen ins nördliche Zürcher Oberland sind über die Nebenstrassen nach Oetwil am See und Hombrechtikon gegeben.

Infrastruktur Abwasser Stäfa reinigt sein Abwasser in der Kläranlage Bahnhofstrasse.

Kunst, Kultur mini|Ansicht von Feusisberg auf Stäfa, Wollerau im Vordergrund mini|Wannenbrünneli der heiligen Verena, Zeuge früher zentraler Wasserversorgung mini|Reformierte Kirche

alt=Das Patriotendenkmal von August Bösch|mini|Das Patriotendenkmal von August Bösch (1898)

Sehenswürdigkeiten mini|Stadlervilla Sehenswürdigkeiten in Stäfa sind das Gasthaus Alte Krone, wo Johann Wolfgang von Goethe 1797 beim Besuch seines Freundes Heinrich Meyer übernachtete – heute erinnert eine Gedenktafel daran – und das sogenannte Goethebänkli, von wo man einen grossartigen Blick auf den Zürichsee, die Insel Ufenau, den Etzel und die Alpen geniesst.

Architektonisch interessant ist die Villa des Ferdinand Stadler, fertiggestellt 1850.

Überregional bedeutsam sind die vom Künstler Dan Rubinstein (* 1940 in Netanja) gestalteten Glasfenster in der römisch-katholischen Kirche St. Verena, die Szenen der ersten beiden Bücher des Alten Testaments in leuchtenden Farben nacherzählen (Zyklus von 13 Fenstern, die unter das Motto «Barmherzigkeit und Liebe – Gesetz und Gerechtigkeit» gestellt sind).

Das Patriotendenkmal von August Bösch wurde 1898 eingeweiht.Das Patriotendenkmal in Stäfa

In Ürikon steht am Seeufer das sogenannte Ritterhaus Ürikon mit Kapelle.

Im Ortsteil Kehlhof steht direkt am See die 1906 im Jugendstil erbaute Villa Sunneschy. Sie wurde 2001 umfangreich restauriert. Die Rückkehr zur freigelegten Originalsubstanz brachte Räume, die durch ihre Farbigkeit faszinieren. Die Villa mit ihrer grossen Wiese ist heute im Besitz der Gemeinde und wird öffentlich genutzt.

Weniger eine Sehenswürdigkeit als vielmehr eine Besonderheit ist der Stäfner Stein, ein in einer Untiefe vor Stäfa liegender Felsblock im Zürichsee.

Ortsmuseum Das Ortsmuseum zur Farb gibt einen Einblick in das Leben um 1600.

Sport Sportanlagen Die grösste Sportanlage in Stäfa ist der Sportplatz Frohberg. Neben drei Fussballplätzen (davon einer mit Kunstrasen) sind zahlreiche Tennisplätze, sowie die Mehrzweckhalle «Halle für Alle» zu finden.

Handball In Stäfa gibt es einen Handballclub mit einer Juniorenabteilung, die Lakers Stäfa. Die erste Mannschaft hat in der Saison 2008/2009 in der Nationalliga A gespielt, wurde als Tabellenletzter jedoch in die Nationalliga B relegiert. Am 1. Mai 2010 gelang der sofortige Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse.

Unihockey Den Unihockeyclub Lokomotive Stäfa gibt es seit 1993. Heute spielen acht Mannschaften in der Meisterschaft mit, in verschiedene Ligen. Von den acht Mannschaften sind fünf Junioren.

Fussball Der 1895 gegründete FC Stäfa ist einer der ältesten Fussballvereine der Schweiz. Im Jahr 2019 zählte er 35 Mannschaften. Seit über 30 Jahren kicken auch Frauen auf der Sportanlage Frohberg. Der Club hat rund 700 Aktivmitglieder und unterhält 24 Junioren- und 6 Juniorinnen-Mannschaften.

Volleyball Der Volleyballclub Stäfa wurde 1974 gegründet und bestand damals aus mehreren Teams. Im Laufe der Zeit verschwanden einzelne Mannschaften, bis nur noch eine Damen- und eine Juniorinnen-Mannschaft blieb. 2010 entstand erneut ein Herrenteam, das von 2011/12 bis 2016/17 in der 4. Liga und seit 2017/18 in der 3. Liga spielt. Ein neues Damenteam bildete sich im Mai 2016 und spielt seit der Saison 2017/18 in der 5. Liga. Der Verein zählt rund 85 Mitglieder und nimmt mit 2 Juniorenteams an den aktuellen Meisterschaften teil. (Stand 2022)Vereinsgeschichte Volleyball Club Stäfa. Auf der Webseite des Volleyballclubs Stäfa, abgerufen am 12. Juni 2022.

Turnverein Der Turnverein Stäfa bezweckt in erster Linie die Förderung und Unterstützung des Breiten- und Leistungssportes. Jeder soll nach seinen Möglichkeiten und Grenzen mithalten können. Ganz nach dem Motto, Turnen in einem Verein von 3–99 Jahren, bietet der Turnverein Stäfa sportliche Aktivitäten für alle Altersstufen.

Persönlichkeiten Peter Arens (1928–2015), Schauspieler und Theaterregisseur Oskar Bachmann (1941–2013), Politiker (SVP) Kaspar Baumann-Zürrer (1830–1896), Schweizer Kaufmann und Politiker