The Beatles (im Deutschen auch Die Beatles) war eine aus Liverpool stammende britische Beat-, Rock- und Pop-Band in den 1960er Jahren, bestehend aus John Lennon (1940–1980), Paul McCartney (* 1942), George Harrison (1943–2001) und Ringo Starr (* 1940). Mit mehr als 600 Millionen – nach Schätzungen ihrer Plattenfirma EMI sogar mehr als einer Milliarde – verkauften Tonträgern ist sie die erfolgreichste Band der Musikgeschichte.

Die musikalischen Ursprünge der Gruppe liegen im Rock ’n’ Roll der ausgehenden 1950er Jahre, in den Stilelemente der Liverpooler Beatmusik einflossen. Ihre erste Single Love Me Do erschien 1962. Den weltweiten Durchbruch schafften die Beatles im Jahr 1963 mit der Single I Want to Hold Your Hand. Aufgrund ihres damals neuartigen Musikstils und ihres öffentlichen Auftretens entwickelten sie sich schnell zu einer der populärsten Bands und wurden zu einer starken schöpferischen Kraft der modernen Popkultur.

Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte die Band zwischen 1964 und 1969, als sie zeitweise in fast allen Ländern die Hitparaden anführte. 1970 lösten sich die Beatles aufgrund interner Spannungen auf. Die Musiker verfolgten danach erfolgreich eigene Musikprojekte.

Die meisten Stücke der Band stammen von den Songwriting-Partnern Lennon und McCartney, die ihre Songs laut McCartney meist in etwa drei StundenPaul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 248. geschrieben haben. George Harrison ist 22-mal als Songwriter vertreten, Ringo Starr zweimal. Alle vier Beatles wurden im Oktober 1965Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 270. zu Members of the British Empire (MBE), dem untersten Rang des britischen Verdienstordens Order of the British Empire, ernannt. Als Arrangeur wirkte auch der Produzent der Beatles, George Martin, entscheidend beim Entstehen derer Werke mit.

Geschichte Frühe Jahre (1956–1960) Die späteren „Beatles“ gingen Ende der 1950er Jahre aus einer Reihe von Vorläuferbands um den Liverpooler Schüler John Lennon hervor. Der musikbegeisterte 16-Jährige gründete gegen Ende des Jahres 1956 in Liverpool die Skiffle-Gruppe The Quarrymen, benannt nach der Quarry Bank High School, die er besuchte. Erste Mitglieder dieser Schülerband waren neben Lennon (Gesang/Gitarre) der Gitarrist Eric Griffiths, der Schlagzeuger Colin Hanton, der Banjospieler Rod Davis, der Bassist Len Garry und Pete Shotton am Waschbrett. Die Besetzung der Quarrymen, die bei privaten Feiern und Schulfesten ihre ersten Auftritte absolvierte, wechselte allerdings ständig, was nicht unwesentlich am exzentrisch-launischen Bandleader Lennon lag. Zum Repertoire der Gruppe gehörten Stücke damaliger Musikgrößen wie Buddy Holly, Eddie Cochran und Lonnie Donegan.

mini|St Peter’s Church Hall: Am 6. Juli 1957 lernten sich John Lennon und Paul McCartney bei einem Gartenfest der Pfarrgemeinde kennen. Am 6. Juli 1957 traten die Quarrymen bei einem Gartenfest der Pfarrgemeinde „St. Peter“ von Liverpool-Woolton auf. Nach dem ersten von zwei Konzerten wurde dem 15-jährigen Paul McCartney von seinem Schulfreund Ivan Vaughan, der mit ihm die Woolton Village Fete besuchte, John Lennon vorgestellt.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 258. Lennon war beeindruckt, als McCartney textsicher eine Version des Cochran-Stücks Twenty Flight Rock zum Besten gab. Einige Tage später wurde er in die Gruppe aufgenommen. Der erste gemeinsame Auftritt fand am 18. Oktober 1957 in der Liverpooler New Clubmoor Hall statt.

Die Aufnahme von McCartney bedeutete für Lennon einerseits den Verlust seiner uneingeschränkten Führungsposition, andererseits aber künstlerische Konkurrenz auf Augenhöhe und eine gewinnbringende Quelle der Inspiration. Lennon sagte über McCartney: „Mir schoss es durch den Kopf, dass ich ihn [Paul] nicht aus der Reihe tanzen lassen durfte, wenn ich ihn aufnahm. Aber er war gut, daher war er es wert. Außerdem sah er aus wie Elvis. Er gefiel mir. […] Wäre es gut, ein Mitglied zu haben, das besser war als die anderen? Sollte die Gruppe gestärkt werden oder ich? Anstatt für mich als Einzelnen entschieden wir uns für die stärkere Formation – Gleichberechtigung.“ Gleich im Sommer 1957 begannen Lennon und McCartney mit dem gemeinsamen Schreiben eigener Stücke; zu den ersten gehörten Too Bad About Sorrows und Just Fun. Viele der Songs entstanden im Wohnzimmer des Reihenhauses der McCartney-Familie in der 20 Forthlin Road.

mini|Instrumente von The Quarrymen Am 6. Februar 1958 besuchte George Harrison, ein 14-jähriger Freund von Paul McCartney, ein Konzert der Quarrymen in der Wilson Hall in Liverpool-Garston. Nachdem er während einer Busfahrt Lennon das Instrumentalstück Raunchy vorgespielt hatte, wurde auch er als Gitarrist in die Gruppe aufgenommen. John Lennon sagte über George Harrison: „Ich entschied mich für ihn, und das waren dann wir drei, und der Rest der Gruppe wurde praktisch rausgeworfen.“The Beatles: The Beatles Anthology. ISBN 3-550-07132-9, S. 12.

Wegen Harrisons eher zurückhaltenden Charakters und des leichten Altersunterschiedes blieb er bis auf Weiteres im Schatten von Lennon und McCartney, deren Freundschaft noch enger wurde, nachdem Lennons Mutter Julia im Juli 1958 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. McCartneys Mutter war bereits 1956 an Brustkrebs gestorben.

Zwischen Frühling und Sommer 1958 nahmen The Quarrymen, die inzwischen aus Lennon, McCartney, Harrison, dem etwas älteren Colin Hanton und dem Klavierspieler John „Duff“ Lowe, einem Schulfreund McCartneys, bestanden, zu privaten Zwecken die Lieder That’ll Be the Day (eine Buddy-Holly-Komposition) und In Spite of All the Danger (eine McCartney/Harrison-Komposition) im „Philipps Sound Recording Service“ genannten Homerecording-Studio von Percy Phillips in Liverpool auf.Vgl. auch Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 358–360. Die Songs wurden direkt auf eine Schellackplatte aufgezeichnet. Die Schallplatte mit diesen ersten Aufnahmen der späteren Beatles wurde 1981 von Lowe an Paul McCartney verkauft und 1995 im Rahmen der Anthology erstmals veröffentlicht.

Um sich für einen Auftritt im britischen Fernsehen zu qualifizieren, nahmen die Bandmitglieder John Lennon, Paul McCartney und George Harrison im Oktober 1959 unter ihrem neuen Namen Johnny and the Moondogs an einem Talentwettbewerb des Unternehmers Carroll Levis teil. Nachdem sich die Gruppe für die Endrunde im November 1959 in Manchester hatte qualifizieren können, schien ein Sieg möglich, doch fand das Finale ohne die Moondogs statt, da die Gruppe aus finanziellen Gründen den letzten Zug nach Liverpool nehmen musste.

Im Januar 1960 stieß John Lennons Freund von der Kunstschule (Art College), der angehende Maler Stuart Sutcliffe, als Bassist zu den Moondogs. Der musikalisch unbedarfte Sutcliffe hatte sich auf Lennons Anraten hin vom Erlös eines seiner Gemälde oder (laut Paul McCartney) für 75 Pfund, die er als Gewinner eines Kunstpreises gewonnen hatte, einen halbakustischen Höfner H500/5-Bass, auch „Reeperbahn“-Bass genannt, gekauft.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. 2021, S. 570. Kurze Zeit später wurde die Gruppe in Anlehnung an die einen doppeldeutigen Bandnamen tragende Buddy-Holly-Band The Crickets (übersetzt sowohl die Insektengruppe „Grillen“ [bzw. „Grashüpfer“] als auch die Pluralform des Spiels Cricket bezeichnend)Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. 2021, S. 443. in The Silver Beetles und im Juli 1960 in The Beatles umbenannt, wobei Beatles eine gedankliche Verbindung des Musikstils Beat und des englischen Wortes für die Insektengruppe „Käfer“ (englisch beetles) herstellt. In einem Artikel, den Lennon für das Liverpooler Musikmagazin Mersey Beat verfasste, erläuterte er ironisch, die Idee sei von einem Mann auf einem brennenden Kuchen gekommen, der ihnen in einer Vision erschienen sei.

Im Mai 1960 begleiteten die Silver Beetles den Sänger Johnny Gentle auf einer Schottland-Tournee, die durch die Vermittlung des Londoner Managers und Konzertveranstalters Larry Parnes zustande gekommen war, der nach Liverpool gekommen war, um sich Bands wie Cass and The Casanovas, Derry and The Seniors und Gerry and the Pacemakers sowie die Silver Beetles anzuhören. Das Vorspiel (mit George Harrison als Leadgitarrist und Lennon und McCartney als Rhythmusgitarristen) erfolgte im Wyvern Social Club (später in Blue Angel umbenannt). Doch der erhoffte Durchbruch entwickelte sich zum Fiasko. Während der einwöchigen Reise als „Long John and the Silver Beetles“Es handelt sich um John Lennon. Die Beatles gaben sich zu dieser Zeit Phantasienamen als Künstlernamen und Lennon nannte sich „Long John Silver“ – McCartney war „Paul Ramone“ und Harrison „Carl Harrison“; vgl. auch Silver Beetles.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. 2021, S. 569–587. musste sich die noch unbekannte Gruppe mit spärlichem Publikum, Hunger und Erschöpfung auseinandersetzen. Eines der zum Teil verwahrlosten Hotels musste wegen Geldmangels Hals über Kopf verlassen werden. Zudem wurde der damalige Schlagzeuger Tommy Moore bei einem Autounfall verletzt. In Liverpool ermöglichte der Calypso-Sänger und Veranstalter Lord Woodbineeigentlich Harold Adolphus Phillips (* 15. Januar 1929; † 5. Juli 2000). Vgl. Yasmin Alibhai-Brown, James McGrath: “Lord Woodbine”: The forgotten sixth Beatle. In: The Independent. 1. Juli 2010; und Alan Clayson: Lord Woodbine. In: The Guardian, 10. Juli 2000. den Silver Beetles Auftritte in seinem New Cabaret Artists’ Club.Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Hrsg. mit einer Einleitung von Paul Muldoon. Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösche. C. H. Beck, München 2021, ISBN 978-3-406-77650-2, S. 47. Ab August 1960 verzichtete die Gruppe auf den Zusatz Silver im Namen und nannte sich fortan The Beatles.

Lehrjahre in Hamburg und Liverpool (1960–1961) Auf der Suche nach englischen Musikgruppen für seine Hamburger Nachtlokale wandte sich der deutsche Veranstalter Bruno Koschmider im Sommer 1960 an seinen Liverpooler Geschäftspartner Allan Williams. Dieser hatte zeitweise das Management der Beatles übernommen und bot ihnen ein entsprechendes Engagement an. Am 16. August 1960 kamen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Stuart Sutcliffe sowie der wenige Tage zuvor rekrutierte Schlagzeuger Pete Best in Hamburg an.

mini|Indra-Club, 2007