Die Äbtissinnen des Stifts Essen regierten das Frauenstift Essen vom Ende des 9. Jahrhunderts bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1802. Das Stift wurde um 845 von einer Adelsgruppe um den späteren Hildesheimer Bischof Altfrid gegründet. Als Leiterinnen eines reichen Frauenstifts, das im 10. Jahrhundert eine einem Hauskloster der seinerzeit regierenden Liudolfinger vergleichbare Stellung hatte, waren sie ab etwa 1226 Reichsfürstinnen des Heiligen Römischen Reiches.
Die Aufstellung folgt der vom Essener Domkapitular Alfred Pothmann 1987 aufgestellten Liste. Aufgrund der dürftigen Quellenlage ist die Reihenfolge der Äbtissinnen zwischen 906 und 973 unsicher, nach Ansicht einiger Forscher (wie etwa Torsten Fremer), der diese Frage in der Einführung seiner Dissertation über Äbtissin Theophanu anreißt, amtierte Agana Anfang des 10. Jahrhunderts. Dem schließt sich die Forschung inzwischen zunehmend an.
Äbtissinnen
Name (Lebensdaten) Abbatiat Sterbetag AnmerkungenGerswith I.unbekanntab Stiftsgründung bis ??30. DezemberGerswith I. soll Schwester des Stiftsgründers Altfrid gewesen sein. Ihr Grabgedicht ist überliefert. Das Grab soll in der Essener St. Quintinskapelle gewesen sein.Gerswith II.unbekanntunbekannt23. OktoberMit Gerswith II. starb vermutlich die Sippe Bischofs Altfrids aus.Adalwiunbekanntunbekannt bis vermutlich 89522. SeptemberAdalwi wurde in das Gebetsgedenken der Liudolfinger aufgenommen.Wicburgunbekannt895 (?) bis 90617. AugustWicburg empfing Pfingsten 898 eine Schenkung des Königs Zwentibold, älteste erhaltene Urkunde des Stifts Essen, und wurde in das Gebetsgedenken der Liudolfinger aufgenommen.Mathildeunbekannt906 (?) bis 910 (?)7. JanuarSoll in der Essener Münsterkirche begraben sein.80pxHathwigunbekannt910 (?) bis 951 (?)18. JuliUnter Hathwig brannte 946 das Stift nieder, was Quellen bestätigen. Nach dem überlieferten Grabgedicht amtierte sie 48 Jahre.Aganaunbekannt951 (?) bis 965 (?)17. NovemberUnter ihrer Herrschaft soll die erste Krypta des Essener Münsters gebaut worden sein, sie soll dort auch begraben worden sein.80pxIdaunbekannt965 (?) bis 971 (?)16. JuliStiftete ein Kreuz, von dem eine Inschriftenplatte im Essener Domschatz erhalten ist. Namensgeberin der Idasäule in der Münsterkirche.80pxMathilde949 bis 5. November 1011971 (?) bis 10115. NovemberEnkelin Kaiser Ottos des Großen. Ließ das Westwerk des Essener Münsters bauen, stiftete den Marsusschrein, das Otto-Mathilden-Kreuz, den Siebenarmigen Leuchter und das Kreuz mit den großen Senkschmelzen. Unter ihr kam die Goldene Madonna nach Essen. Soll das Stift Rellinghausen gegründet haben.Sophia975 bis 30. Januar 10391011 bis 1039 (?)30. JanuarTochter Kaiser Ottos II., war auch Äbtissin im Stift Gandersheim. Dass sie, wie die ältere Essener Forschung ihr vorwarf, ihr Abbatiat in Essen vernachlässigte, wird von der neueren Forschung hinterfragt. Theophanu997 bis 5. März 10581039 bis 10585. MärzEnkelin Kaiser Ottos II. Ließ den Ostteil des Essener Münsters mit der noch heute vorhandenen Krypta bauen, stiftete das Theophanu-Evangeliar, das Theophanu-Kreuz und das Kreuznagelreliquiar des Essener Domschatzes, sowie das jüngere Mathildenkreuz.80pxSuanhildunbekannt bis 30. Juli 1085 (?)1058 (?) bis 1085 (?)30. JuliErbauerin der Stiftskirche Stoppenberg, stiftete ein Prunkevangeliar und vermutlich auch ein Armreliquiar. Lutgardisunbekannt1085 bis 1118 Oda (von Calw)unbekannt1119 bis 113731. August 1137 Ermentrudisunbekannt1137 (?) bis 1154 (?)25. AprilLieß die Vorhalle am südlichen Querschiff errichten, in deren Obergeschoss sich die Schatzkammer befindet Hadwig von Wiedunbekannt1154 bis 11724. JuliHadwig, Schwester des Kölner Erzbischofs Arnold II. von Wied, war auch Äbtissin im Stift Gerresheim und gründete das Kloster Schwarzrheindorf Elisabeth I.unbekannt1172 (?) bis vor 121614. AprilWar auch Äbtissin der Stifte von St. Maria im Kapitol in Köln und Vreden
Fürstäbtissinnen
Im Jahr 1228 wird die Äbtissin des Stifts erstmals in einer Urkunde als Fürstin bezeichnet. Bis zur Aufhebung des Stifts waren die Äbtissinnen Reichsfürstinnen des Heiligen Römischen Reiches.
Name (Lebensdaten) Abstammung Abbatiat Anmerkungen Aleidis (Adelheid von Wildenberg)unbekannt bis um 23. April 1237unbekannt1216 bis 1237wurde in der Münsterkirche begraben Elisabeth II.unbekannt bis um 23. September 1241unbekanntum 1237 (?) bis um 23. September 1241 (?)war auch Äbtissin der Stifte von St. Maria im Kapitol und Vreden Berta von Arnsbergunbekannt bis 8. Januar 1292Grafen von Arnsbergvor 1243 bis 1292Unter Berta begann der Wiederaufbau der Essener Stiftskirche, die 1275 abgebrannt war, in ihrer heutigen Gestalt. Durch Übertragung der Vogtei auf König Rudolf von Habsburg schützte sie das Stift vor den expansiven Gelüsten des Kölner Erzbischofs.80pxBeatrix von Holteum 1250 bis 4. Dezember 1327Edle von Holte1292 bis 1327vollendete den Wiederaufbau der Stiftkirche und stiftete ein Armreliquiar für den Kirchenschatz. Förderte die Ansiedlung von Beginen in Essen. Kunigunde von Bergunbekannt bis 21. November 1355Grafen von Limburg1327 bis 1337 (resignierte)Kunigunde war auch Äbtissin von Gerresheim. Begraben im Essener Münster. Katharina von der Markunbekannt bis 27. September 1360Grafen von der Mark1337 bis 1360Schwester des Grafen und Stiftsvogtes Adolf II. von der Mark Irmgard von Broichunbekannt bis 28. Februar 1370Haus Broich1360 bis 1370 Elisabeth von Nassau † 30. Dezember 1412Haus Nassau-Hadamar1370 bis 1412 (resignierte)Begraben in der Essener Münsterkirche Margarete von der Mark-Arenbergunbekannt bis 12. Oktober 1429Haus Arenberg1412 bis 1426 (resignierte)Begraben in der Kreuzbrüderkirche in Köln Elisabeth Stecke van Beeckunbekannt bis 5. Mai 1445Edelherren Stecke1426 bis 1445Setzte sich im zweiten Essener Äbtissinnenstreit gegen Margarete von Limburg-Broich durch.Katharina Ulrike Mersch: Soziale Dimensionen visueller Kommunikation in hoch- und spätmittelalterlichen Frauenkommunitäten. Stifte, Chorfrauenstifte und Klöster im Vergleich, V&R Unipress, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89971-930-7, S. 379 (Google Books) Begraben in der Essener Münsterkirche Sophia von Daun-Oberstein* unbekannt; † 1447Herren von Daun-Oberstein1445 bis 1447 Elisabeth von Saffenbergunbekannt bis 28. August 1459Grafen von Virneburg (?)1447 bis 1459 Sophia von Gleichenunbekannt bis 5. August 1489 Grafen von Gleichen1459 bis 1489 (resignierte)Sophia ließ die Pfarrkirche St. Johann Baptist erneuern. Ihr Bruder Konrad von Gleichen war Abt des benachbarten Klosters Werden. Meyna von Daun-Obersteinunbekannt bis 1525Herren von Daun-Oberstein1489 bis 1521 (resignierte)Ihre Nachfolgerin wurde erst 1525 gewählt.80pxMargareta von Beichlingenunbekannt bis 11. Dezember 1534Grafen von Beichlingen1525 bis 1534Auch Äbtissin in Vreden. Gab die Altarbilder von Bartholomäus Bruyn dem Älteren in Auftrag. Sibylle von Montfort-Rothenfelsunbekannt bis 10. März 1551Grafen von Montfort1534 bis 155180pxKatharina von Tecklenburg31. Dezember 1517 bis 9. März 1560Grafen von Tecklenburg1551 bis 1560Schwester von Konrad von Tecklenburg-Schwerin, der in seinem Land die Reformation einführte. Maria von Spiegelbergunbekannt bis 13. September 1561Grafen von Spiegelberg1560 bis 1561 Irmgard von Diepholzunbekannt bis 28. Juni 1575 Grafen von Diepholz (?)1561 bis 1575 Elsabeth von Manderscheid-Blankenheim3. April 1544 bis 3. September 1586Grafen von Manderscheid-Blankenheim1575 bis 1578 (resignierte)Schwester von Hermann von Manderscheid-Blankenheim und dem Straßburger Bischof Johann IV. von Manderscheid-Blankenheim. Heiratete am 18. Dezember 1578 Wirich VI. von Daun-Falkenstein. Elisabeth von Saynunbekannt bis 5. März 1588Grafen von Sayn1578 bis 1588zugleich Äbtissin von Nottuln Elisabeth von Manderscheid-Blankenheimunbekannt bis 2. Mai 1598Grafen von Manderscheid-Blankenheim1588 bis 1598Begraben in St. Dionysius Essen-Borbeck Margarete Elisabeth von Manderscheid-Blankenheim-Gerolsteinunbekannt bis 28. November 1604Grafen von Manderscheid-Blankenheim-Gerolstein1598 bis 1604Äbtissin von Gerresheim, Schwarzrheindorf und Freckenhorst. Begraben in der Eusebiuskerk, Arnheim 80pxElisabeth von Bergh-s’Heerenberg1581 bis 12. Januar 1614Herren von Bergh1605 bis 1614Äbtissin in Freckenhorst und Nottuln. Grab im Seitenschiff des Essener Münsters Maria Clara von Spaur, Pflaum und Vallierum 1590 bis 14. Dezember 1644Freiherren von Spaur, Pflaum und Vallier1614 bis 1644Äbtissin in Nottuln und Metelen. Flüchtete aufgrund des Dreißigjährigen Krieges mit dem Domschatz nach Köln, wo sie verstarb. Anna Eleonore Freiin von Staufenum 1580 bis 23. April 1646Gräfin von Staufen1645 bis 1646Äbtissin von Thorn (Limburg)80pxAnna Salome von Salm-Reifferscheidt4. Oktober 1622 bis 15. Oktober 1688Haus Salm1646 bis 1688Siedelte 1652 Augustiner-Chorfrauen B.M.V. in Essen an, die von diesen gegründete Schule existiert noch heute. Anna Salome von Manderscheid-Blankenheim12. Dezember 1628 bis 15. März 1691Grafen von Manderscheid-Blankenheim1688 bis 1691Äbtissin von Thorn (Limburg) Bernhardine Sophia von Ostfriesland und Rietberg1654 bis 14. August 1726Grafen von Ostfriesland und Rietberg1691 bis 1726Grab in der Kapelle von Schloss Styrum 80pxFranziska Christine von Pfalz-Sulzbach16. Mai 1696 bis 16. Juli 1776Wittelsbacher1726 bis 1776Äbtissin von Thorn (Limburg). Gründete das Waisenhaus in Steele 80pxMaria Kunigunde von Sachsen10. November 1740 bis 8. April 1826Wettiner1776 bis 1802 (Aufhebung des Stifts)Äbtissin von Thorn (Limburg). Regierte ihr Fürstentum aus der Ferne.
Literatur Klaus Gereon Beuckers: Kaiserliche Äbtissinnen. Bemerkungen zur familiären Positionierung der ottonischen Äbtissinnen in Quedlinburg, Gandersheim und Essen, in: Thomas Schilp (Hrsg.): Frauen bauen Europa. Internationale Verflechtungen des Frauenstifts Essen. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0672-3, S. 65–88. Benedikt Hanschmann: Identität in Artefakten. Die historische Selbstverortung der Essener Äbtissinnen im 10. und 11. Jahrhundert. Steiner und Steiner, Regensburg 2025. ISBN 978-3-7954-9021-8 Tobias Nüssel: Überlegungen zu den Essener Äbtissinnen zwischen Wicburg und Mathilde In: Das Münster am Hellweg. Jahrbuch des Vereins für die Erhaltung des Essener Münsters-Münsterbauverein, 63, 2010, S. 7–31 Alfred Pothmann: Die Äbtissinnen des Essener Stiftes. In: Münster am Hellweg. Mitteilungsblatt des Vereins für die Erhaltung des Essener Münsters. 40, 1987, S. 5–11.
Einzelnachweise
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