Der GNK Dinamo Zagreb (offiziell: Građanski nogometni klub Dinamo Zagreb) ist ein Fußballverein aus dem Zagreber Stadtbezirk Maksimir und der erfolgreichste Verein Kroatiens. Neben zahlreichen Meistertiteln und Pokalsiegen in Kroatien und im ehemaligen Jugoslawien gilt der Gewinn des Messestädte-Pokals von 1967 als größter Erfolg der Vereinsgeschichte. Heimspielstätte war über Jahre hinweg das Stadion in der Koturaška cesta, ehe man 1948 ins Stadion Maksimir umgezogen ist, wo Dinamo Zagreb bis zum heutigen Tag beheimatet ist.
Als wichtigster Verein der kroatischen Hauptstadt waren Wappen, Name und Vereinsstruktur von Dinamo Zagreb nicht selten politisch aufgeladen und unterlagen relativ häufig Anpassungen an gesellschaftliche Umwälzungen. So hieß der Verein bzw. dessen Fußballabteilung im Zuge einer wechselvollen Geschichte 1. HŠK Građanski (1911–1945), FD Dinamo (Fiskulturno društvo, 1945–1950), NK Dinamo (1950–1991), HAŠK-Građanski (Hrvatski akademski športski klub, 1991–1993), NK Croatia (1993–2000), NK Dinamo (2000–2010) und nennt sich seit 2010 offiziell GNK Dinamo.
Geschichte Dinamo Zagreb ist heute legitimer Nachfolger des Ersten kroatischen bürgerlichen Sportklubs (kroat. Prvi Hrvatski Građanski Športski Klub, kurz: 1. HŠK Građanski), auf gnkdinamo.hr, abgerufen am 1. Oktober 2011.Team profile GNK Dinamo Zagreb auf uefa.com, abgerufen am 1. Oktober 2011. der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst worden ist. Diese These ist aber durchaus umstritten und wird zum Teil auch von den eigenen Fans abgelehnt,. Auf dinamo1996.bloger.hr, abgerufen am 22. Februar 2024, kroatisch da anderslautender Auffassung zufolge durch die Zäsur von 1945 keine reale Verbindung zwischen Dinamo und Građanski mehr bestünde.
1911 bis 1918: Die frühen Anfänge als 1. HŠK Građanski Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war in Zagreb eine ganze Reihe von Fußball- und Sportvereinen gegründet worden (PNIŠK, HAŠK, Concordia, Ilirija u. a.), doch war von diesen keiner der breiten bürgerlichen Masse der Stadt zugänglich. Entscheidender Stein des Anstoßes für die Gründung eines Sportklubs eigens für das kroatische Bürgertum war schließlich ein im Frühjahr 1911 kursierendes Gerücht demzufolge in Zagreb ein den Bürgern frei zugänglicher magyarisch ausgerichteter Verein vor seiner Gründung stünde, der aber nicht in der kroatischen, sondern in der ungarischen Liga mitspielen sollte. Um dem zuvorzukommen, wurde am 9. April 1911 auf Initiative des Zagreber Pionierfußballers Andrija Mutafelija im Gebäude der neuen Brauerei in der Draškovićeva ulica ein öffentliches Treffen des städtischen Sportlerverbands abgehalten, auf dem die Gründung eines weiteren Sportvereins beschlossen wurde, welcher allen Bürgern unabhängig von ihrer Profession offenstehen soll. In den Folgetagen betrieben die Veranstalter des Treffens Mundpropaganda und riefen explizit dazu auf, am 12. April 1911 dem Gründungstreffen des Zágrábi magyar torna klub beizuwohnen und diesen mit Zwischenrufen und Pöbeleien zu stören. Tags drauf, am 13. April, wurde gar ein Mob zusammengetrommelt mit dessen Unterstützung die vorgesehenen Vereinsräumlichkeiten des Zágrábi MTK demoliert wurden, ehe die Polizei durch ihr Einschreiten die Menge verscheuchte. Die Gewaltaktionen aber verfehlten ihre Wirkung nicht, so dass der magyarische Verein letzten Endes seinen Betrieb nie aufgenommen hat.Vereinshistorie auf povijestdinama.com, abgerufen am 31. Mai 2013.
Im Kreise von Freunden und Anhängern vollzog Andrija Mutafelija am 26. April 1911 im Café am Preradović-Platz schließlich den Gründungsakt des Sportvereins 1. HŠK Građanski. Durch die Umstände, welche zur Gründung geführt hatten, standen die Vertreter der etablierten elitären Sportvereine dem „Bürgerverein“ äußerst wohlwollend gegenüber. Gründungspräsident Mutafelija seinerseits nahm dies als Gelegenheit wahr, zwischen den beiden stärksten Vereinen Zagrebs – den damals tief verfeindeten Erzrivalen HAŠK und Concordia – eine vermittelnde Rolle einzunehmen. So wurden Vertreter beider Vereine auch in den Vereinsrat von Građanski mit eingeladen. Sportlich wurden neben Fußball auch Handball und Fahrradfahren in den Spielbetrieb mit aufgenommen. Für die Heimspiele fungierten zunächst wechselweise drei verschiedene Spielfelder in den ehemaligen Kommunen Tuškanac, Kanal und Martinovka als Austragungsorte, ehe sich der Verein in der Koturaška cesta ein eigenes Stadion baute, das 1924 von Stjepan Radić eröffnet wurde. Sein erstes Spiel bestritt Građanski am 21. Mai 1911 gegen eine Reservemannschaft des HAŠK, wobei man gegen die um Jahre an Erfahrung reicheren Akademiker eine 1:5-Niederlage hinnehmen musste. Etwa einen Monat später, am 25. Juni konnte gegen AŠK Croatia Zagreb nach einem überzeugenden 6:1 auch der erste Sieg der Vereinsgeschichte gefeiert werden.Zagreb’s Blues. Auf www.freewebs.com, abgerufen am 12. Juli 2009. Im Verlaufe der 1912/13 ausgetragenen ersten kroatischen Meisterschaft, die vom HNS organisiert wurde, bestätigte sich allerdings die sportlich untergeordnete Rolle des Vereins. Bis zum Abbruch der Saison konnte Građanski aus 7 Spielen lediglich 2 Siege und ein Unentschieden erringen, was in der Tabelle zwar für Platz drei reichte, jedoch punktemäßig weit hinter den Leistungen der Rivalen HAŠK und Concordia lag.Kroatische Meisterschaft von 1912/13. Auf www.rsssf.org, abgerufen am 26. März 2009.
Der Erste Weltkrieg brachte das Vereinsleben fast vollends zum Erliegen. Fußball wurde nur noch hin und wieder gespielt, wenn für Benefizveranstaltungen des Roten Kreuzes genügend Spieler zusammengetrommelt werden konnten. Schon in dieser Zeit aber rückten Spieler wie Hugo Kinert, Dragutin Vrđuka oder Dragutin Vrbanić ins Rampenlicht, die auch in den sportlich erfolgreichen Nachkriegsjahren Teil der Stammelf werden sollten. Dass die Vereinsaktivität nach dem Krieg aber recht zügig wieder zur Normalität zurückfinden konnte, ist nicht zuletzt Artur Weintraub (einem ehemaligen PNIŠK-Spieler) zu verdanken, der daraufhin auch zum neuen Präsidenten gewählt wurde.
1919 bis 1928: Sportliches Aufblühen im Königreich SHS Saison Platz Liga (Teilnehmerzahl) 1918/19 1. Platz Verbandsliga Zagreb (5) 1919/20 1. Platz Verbandsliga Zagreb (7) 1920/21 2. Platz Verbandsliga Zagreb (8) 1921/22 3. Platz Verbandsliga Zagreb (8) 1923 1. Platz Verbandsliga Zagreb (5) 1923/24 1. Platz Verbandsliga Zagreb (5) 1924/25 1. Platz Verbandsliga Zagreb (5) 1925/26 1. Platz Verbandsliga Zagreb (6) 1926/27 2. Platz Verbandsliga Zagreb (6) 1927/28 1. Platz Verbandsliga Zagreb (7) grün unterlegt: Gewinn der Landesmeisterschaft
War Građanski vor dem Ersten Weltkrieg noch in rot-gelb gestreiften Trikots aufgelaufen, so hatte sich vermutlich spätestens nach diesem Blau als Vereinsfarbe endgültig durchgesetzt. Sportlich reifte die Mannschaft in der Nachkriegszeit vor allem durch Teilnahmen an diversen Freundschaftsturnieren in den Metropolen Europas. Den ersten nennenswerten internationalen Sieg errang Građanski 1921 mit einem 3:2-Auswärtserfolg gegen den SK Rapid Wien.History of Croatian Football. Auf www.xtratime.org, abgerufen am 25. Juli 2009. Ein Jahr später trat die Mannschaft auch bei einem kleinen Turnier in Barcelona an, von dem man sich nach drei Niederlagen jedoch schnell wieder verabschiedete. In der heimischen Liga gelang es dem erstarkten Verein mit gestandenen Berufsfußballern wie Rupec, Vrđuka und Babić die Stadtrivalen HAŠK und Concordia immer weiter hinter sich zu lassen. Trainiert wurde Građanski zu dieser Zeit vom Engländer Arthur Gaskell, der die Mannschaft nach zwei mageren Jahren 1923 wieder auf den ersten Platz der Zagreber Verbandsliga führte, wodurch sie auch zur Teilnahme an der Meisterschaft des Königreichs SHS berechtigt war. Musste Građanski in der ersten Runde dieses neuen K.-o.-Turniers noch den slowenischen Vertreter Ilirija Ljubljana mit 2:1 eliminieren, zog man dank Freilos im Halbfinale nach nur einem Spiel ins Finale gegen den SAŠK aus Sarajevo ein. Dieses endete 1:1, weshalb ein Wiederholungsspiel angesetzt werden musste, in dem sich Građanski schließlich mit 4:2 durchsetzen konnte und damit zum ersten Landesmeister des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen wurde.Endtabellen jugoslawischer Meisterschaften von 1923 bis 1998. Auf www.rsssf.org, abgerufen am 26. März 2009.
Einer neuerlichen Einladung aus Spanien zu Freundschaftsspielen im Baskenland, Asturien, Kantabrien und Katalonien folgend, konnte Građanski 1923 auch international einige Prestigeerfolge einfahren. Zwar begann man die Tournee mit einer 0:3-Auftaktniederlage gegen Athletic Bilbao, doch konnte Građanski bereits im Revanchespiel mit 2:1 seinen ersten Sieg auf der iberischen Halbinsel einfahren. Mit dem gleichen Ergebnis konnte auch Real Unión bezwungen werden, ehe Građanski nach Asturien weiterzog um gegen Sporting Gijón mit 3:2 den nächsten Sieg einzufahren, wobei man dort auch im Revanchespiel (2:2) ungeschlagen blieb. Nach Niederlagen gegen Racing Santander (2:5) und FC Barcelona (0:3) forderte Građanski von den Katalanen, gegen die man bereits im Jahr zuvor zwei Niederlagen (3:5, 0:3) hatte einstecken müssen, neuerlich Revanche. Im insgesamt vierten Anlauf konnte man schließlich auch den FC Barcelona (1:0) besiegen und so mit einem letzten Erfolgserlebnis die Heimreise nach Zagreb antreten.FC Barcelona – Complete International Record. Auf www.rsssf.org, abgerufen am 26. März 2009.
mini|links|Die Meistermannschaft 1923 Als neuerlicher Meister der Zagreber Verbandsliga für die Landesmeisterschaft von 1924 qualifiziert, traf Građanski gleich im Viertelfinale zum ersten Mal auf den heutigen Erzrivalen Hajduk Split. Nach den ersten 90 Minuten stand es 3:3, weshalb das Spiel in die Verlängerung gehen musste und schließlich 4:4 endete. Das erforderliche Wiederholungsspiel wurde für die Zagreber Mannschaft zum Debakel und endete 5:0 für Hajduk, woraufhin Erfolgstrainer Gaskell das Handtuch warf und den Verein verließ. Sein Nachfolger wurde der Österreicher Richard Kohn, der trotz Lücken, die Spieler wie Kinert, Šifer und Vrđuka hinterlassen hatten, mit der Mannschaft auch 1925 die Zagreber Verbandsmeisterschaft holen konnte. Im Finale der Landesmeisterschaft allerdings scheiterte Građanski mit 2:3 an SK Jugoslavija aus Belgrad, weshalb Kohn seinen Trainerposten nach nur einem Jahr wieder zur Verfügung stellte. Mit Josef Brandstätter als Nachfolger wurde neuerlich ein erfahrener Österreicher zum Trainer bestellt, dem es auch gelang Neuzugänge wie den Torjäger Slavin Cindrić besser ins Mannschaftsgefüge zu integrieren. Einer guten Mischung aus gestandenen Spielern und hungrigen Neulingen wie beispielsweise dem aufstrebenden Torhüter Maksimilijan Mihelčić ist es zu verdanken, dass Građanski auch 1926 ins Finale der Landesmeisterschaft einzog, wo wie im Vorjahr SK Jugoslavija wartete, aber diesmal mit 2:1 bezwungen werden konnte.