Sterzing ([]; ist eine Stadt und eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Wipptal in Südtirol. Zur Gemeinde Sterzing zählen neben dem engeren Stadtgebiet die Fraktionen Ried, Thuins und Tschöfs. Aufgrund der Lage zwischen den alpinen Übergängen Jaufen- und Brennerpass sowie dem Penser Joch ist Sterzing seit alters her eine wichtige Handelsstadt. Die Stadt ist heute als Hauptort der Bezirksgemeinschaft Wipptal, Einkaufsstadt, lokales Tourismus- und Wirtschaftszentrum sowie Standort eines Krankenhauses von Bedeutung.

Geografie Geografische Lage mini|Sterzing in einer Luftaufnahme aus südwestlicher Richtung gesehen (2014)

Sterzing liegt im Norden Südtirols (Italien) zwischen dem 46. und 47. Breitengrad und zwischen dem 11. und 12. Längengrad Ost. Das Stadtzentrum befindet sich am nordwestlichen Rand des Sterzinger Beckens, der ersten Talweitung im Wipptal südlich des Brenners. Das Sterzinger Becken, in das von Westen das Ridnauntal und von Nordosten das Pfitscher Tal einmünden, wird von den Stubaier Alpen im Westen, Nordwesten und Norden, den Zillertaler Alpen im Osten sowie den Sarntaler Alpen im Süden und Südwesten begrenzt. Der an der Altstadt vorbeifließende Eisack ist der zweitlängste Fluss Südtirols.

Vom nördlichen Alpenrand ist die Stadt rund 95 km entfernt, vom südlichen etwa 140 km. Der Brennerpass und damit die Grenze zu Österreich befinden sich in 15 km Entfernung. Sterzing ist damit die nördlichste Stadt Italiens und zählt mit einer Höhe von zu den höchstgelegenen Städten der Alpen. Nahe gelegene größere Städte sind Innsbruck (41 km Luftlinie nördlich), Meran (32 km Luftlinie südwestlich, 58 Straßenkilometer mit der SS 44 über den Jaufenpass) und Bozen (45 km Luftlinie südlich, 70 Straßenkilometer).

Geologie mini|Das Sterzinger Becken von Süden (Elzenbaumer Wetterkreuz) gesehen; das Betonband der Brennerautobahn gut erkennbar

Das Stadtgebiet von Sterzing befindet sich auf einer geologischen Trennlinie zwischen den Schieferformationen der aus Kalkglimmerschiefer gebildeten oberen Schieferhülle des Tuxer Kamms, einer Bergkette in den Zillertaler Alpen im Osten und dem Glimmerschiefer des Hausbergs Rosskopf, in dessen Gipfelregion auch Schiefergneise und Gneise zu finden sind. Nur an wenigen Stellen dieser Region im Westen des Eisacks sind Kalkglimmerschiefervorkommen zu finden. Im Gebiet des Vallmingtals östlich des Rosskopfs werden die Telfer Weißen aus Dolomitgestein gebildet, das auch den Gipfelkegel der Weißspitze bildet und vereinzelt auch in Flans nachweisbar ist. Der Talboden wird von Aufschüttungsböden dominiert, die durch die Verlandung eines großen Sees entstanden sind, der einst große Teile des heutigen Stadtgebietes bedeckte. Mächtige Moränenablagerungen sind bei Thuins, in Flans unterhalb des Rosskopfs und unter der Weißspitze zu finden.gis2.provinz.bz.it: (PDF; 74 kB) In: provinz.bz.it, [o. D.], abgerufen am 29. September 2010.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Sterzinger Gemeindegebiet bedeckt eine Fläche von 33,18 km². Es wird im Talbereich des Sterzinger Beckens durch Eisack und Ridnauner Bach begrenzt, die südöstlich des Stadtzentrums zusammenfließen. Im Südwesten reicht es zudem mit einem schmalen Geländestreifen bis zu den Höfen von Unter- und Oberackern in den Anfangsbereich des Ridnauntals hinein. Nördlich des Sterzinger Beckens umfasst das Gemeindegebiet am Rosskopf () und an den Telfer Weißen () auch einige das Wipptal im Westen begrenzende Berggebiete des Aggls-Rosskopf-Kamms der Stubaier Alpen. Auf der gegenüberliegenden östlichen Talseite, im Tuxer Kamm der Zillertaler Alpen, findet Sterzing am Gipfel der Weißspitze () seinen höchsten Punkt.

Stadtgliederung und Nachbargemeinden mini|hochkant|Straßenszene in der Altstadt von Sterzing

Sterzing gliedert sich in das eigentliche Stadtgebiet sowie die Fraktionen Thuins, Tschöfs und Ried. Thuins liegt an den südlichen Ausläufern des Rosskopfs westlich der Altstadt, Tschöfs und Ried hingegen etwas nördlich auf der westlichen bzw. östlichen Flanke des sich Richtung Gossensaß verengenden Wipptals. Gossensaß ist der Hauptort der Gemeinde Brenner, die Sterzing im Norden von der österreichischen Grenze trennt. Im Osten grenzt die Stadt an Pfitsch, das am Ostufer des Eisacks unmittelbar an das Stadtgebiet heranreicht. Die südöstliche Nachbargemeinde im Wipptal ist Freienfeld, im westlich angrenzenden Talsystem des Ridnauntals mitsamt seinen Seitentälern erstreckt sich die Gemeinde Ratschings. Zu allen Gemeinden bestehen intensivste wirtschaftliche Beziehungen. Sterzing gilt als die Einkaufsstadt des südlichen Wipptals und hat als Standort größerer Unternehmen eine erhebliche Bedeutung als Arbeitsplatzstandort.

Klima Sterzing liegt in der gemäßigten Klimazone und wird dem mitteleuropäisch-montanen Klimatyp zugerechnet. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen in Sterzing bei 8,6 °C und die mittleren Jahresniederschläge betragen 699,1 mm. Der wärmste Monat ist der Juli. Hier werden im Mittel 18,5 °C erreicht, während die Durchschnittstemperaturen in den Wintermonaten zwischen 0 und −2 °C liegen.

Die Winter sind schneereich. Die vorherrschenden Winde sind der kalte Nordwind vom Brenner sowie seltener vorkommende West- und Südwinde, die häufig mit kräftigen Niederschlägen einhergehen.

Geschichte mini|Sterzing (Aug. 1912) – Zwölferturm mini|Sterzing (Aug. 1912), Straßenszene – A.E. Hasse

Besiedelungsspuren finden sich schon aus prähistorischer Zeit. 14 v. Chr. entstand unter Drusus im Sterzinger Raum das Römerkastell Vipitenum. Dessen Name diente als Vorlage für die 1923 im Zuge der „Italienisierung“ aus politischen Gründen geschaffene italienische Ortsbezeichnung Vipiteno, die das ältere Exonym Sterzen verdrängte.

Der Ortsname Sterzing ist 1182 in der latinisierten Schreibweise Sterçengum in einer Urkunde des Stiftes Sonnenburg erstmals nachgewiesen. Dem Erstbeleg nach dürfte Sterzing ein echter -ing-Name sein und auf einen bajuwarischen Ursiedler namens Starco oder Sterco zurückgehen. Graf Meinhard II. von Tirol erhob die Siedlung circa 1280 zur Stadt und erweiterte durch Neuausweisungen von Baugrund den Altstadtkern durch das Areal südlich vom Zwölferturm, die so genannte Neustadt.

Ausgezeichnet durch ein Handelsprivileg begann der Ort am Südhang der wichtigen Brennerroute aufzustreben. Den steilsten Aufschwung erlebte die Stadt im 15. Jahrhundert: Als um 1400 im Wipptal der Bergbau einsetzte (vor allem Silberminen wurden erschlossen), wählten viele Unternehmer die Stadt als Firmensitz. Sie gestalteten ihre Häuser im Stil der Patrizier vielfach neu und überbauten die ältere Bausubstanz. Auf diese Gründerzeit gehen die charakteristischen Bauten der Stadt zurück („Fugger-Städtchen“).

Sterzing spielte wegen der günstigen, geographisch zentralen Lage im Wipptal in der Geschichte Tirols trotz der geringen Einwohnerzahl zeitweilig eine bedeutende Rolle als Handels- und Marktplatz, Gerichtssitz, Tagungsort wichtiger Versammlungen und Beratungen, Verkehrsknotenpunkt, Zentrum des Bergbaues, bäuerlicher Wirtschaft, Kultur und Kunst.

Ende des 16. Jahrhunderts setzte mit der Erschöpfung der Silbervorkommen der wirtschaftliche Niedergang der Stadt ein, der bis Ende des 19. Jahrhunderts anhielt. Die Entsumpfung des Sterzinger Mooses ermöglichte die Entwicklung einer leistungsfähigen Landwirtschaft.

Aufgrund der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg und des Vertrages von Saint-Germain kam der Ort zusammen mit Südtirol 1920 zum Königreich Italien.

1931 wurde das Stadtgebiet um die bis dahin selbstständigen Gemeinden Tschöfs und Thuins vergrößert.

In den ersten Nachkriegsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg diente Sterzing aufgrund der Nähe zum Brennerpass als wichtiger Durchgangsort einer „Rattenlinie“, auf der hochrangige Nationalsozialisten aus Europa flüchteten. Sterzing diente ihnen häufig als vorübergehende Unterkunft. Der damalige Sterzinger Pfarrer, wie auch andere katholische Geistliche in Südtirol, beteiligten sich als Fluchthelfer. So verhalf er etwa Adolf Eichmann zu einer Unterkunft im Franziskanerkloster Bozen.

Politik mini|hochkant|Das Rathaus Bürgermeister Bürgermeister seit 1952:

Hans Saxl: 1952–1963 Karl Oberhauser: 1963–1973 Johann Salazer: 1973–1974 Alois Graus: 1974–1977 Rudolf Pichler: 1977–1981 Josef Larch: 1981–1990 Fritz Karl Messner: 1990–2000 Thomas Egger: 2000–2005 Fritz Karl Messner: 2005–2020 Peter Volgger: seit 2020

Stadt- und Gemeinderat Der Sterzinger Stadtrat, so wird die Stadtregierung bezeichnet, besteht aus dem Bürgermeister, dem Bürgermeisterstellvertreter und weiteren vier Stadträten. Der Gemeinderat setzt sich aus insgesamt 18 Mitgliedern zusammen.

Wappen mini|hochkant|Wappen von Sterzing

Das Wappen der Stadt zeigt einen buckligen Pilger (genannt „Sterzl“) mit schwarzem Kapuzenmantel, Krücke und Rosenkranz, über den sich schützend der Tiroler Adler erhebt.

Einer Sage zufolge soll der abgebildete Mann der Gründer der Stadt sein. Neuere Deutungen gehen jedoch davon aus, dass der Pilger als Hinweis auf die Bedeutung Sterzings als Rastort mit seinen beiden Hospizen zu sehen ist, während der Adler die Bedeutung Sterzings als Stadt der Tiroler Grafen ausdrücken soll.

Das älteste überlieferte Wappen aus dem Jahre 1327 zeigt den Pilger mit einem hohen Hut nur im Brustbild. Oberhalb dieser Darstellung und ohne Verbindung zu ihr prangte die obere Hälfte des Tiroler Adlers. Seit 1524 ist das heutige Wappen gebräuchlich.Hanspaul Menara: Sterzing und Umgebung (= Südtiroler Gebietsführer. Band 38). Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1983, ISBN 88-7014-301-5, S. 52.

Städtepartnerschaften Sterzing pflegt seit 1971 eine Partnerschaft mit der Stadtgemeinde Kitzbühel in Österreich. Die Partnerschaftsfeiern fanden am 4. und 5. September 1971 in Kitzbühel zur Jubiläumsfeier zum 700. Jahrestag der Stadtgründung und ein Jahr später am 9. und 10. September 1972 in Sterzing statt. Neben der Politik wird die Partnerschaft vor allem von Schützenvereinen und Freiwilligen Feuerwehren gepflegt.Partnerstädte. Stadtgemeinde Kitzbühel, abgerufen am 5. Januar 2026.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl 1900 1672 1921 2875 1931 3175 1936 3428 1951 3596 1961 4059 1971 4565 1981 5291 1991 5596 2001 5785 2011 6401 2024 7039

Sprachgruppen Sterzing ist gemäß den seit 1981 erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich deutschsprachige Gemeinde, wobei als Berechnungsgrundlage dieser Prozentwerte allein die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen wurden. Verteilung nach Sprachgruppen Sprache 1900Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900. Band VIII: Gemeindelexikon von Tirol und Vorarlberg (ab 1907). Wien 1900 (1907), (Gesamtwerk), (Teilband), S. 30 (kobv.de). 1971 1981 1991 2001 2011 (kc-usercontent.com [PDF; 1,7 MB]). 2024 Deutsch 98,04 % 71,17 % 73,70 % 75,03 % 75,28 % 73,64 % 67,66 % Italienisch 1,96 % 28,54 % 25,95 % 24,67 % 24,29 % 25,95 % 32,08 % Ladinisch 0,28 % 0,35 % 0,30 % 0,44 % 0,41 % 0,27 %

Religion Die Sterzinger aller Sprachgruppen sind mehrheitlich römisch-katholisch. Die Stadt ist Sitz eines Dekanats, das sich in 16 Pfarreien untergliedert und zur Diözese Bozen-Brixen zählt. Die wichtigsten Kirchen der deutschsprachigen Einwohner der Pfarrei Sterzing sind die Pfarrkirche Maria im Moos, die als größte Pfarrkirche des deutschsprachigen Alpenraums gilt, und die St.-Margarethen-Kirche, die als Hilfspfarrkirche dient, da die eigentliche Pfarrkirche etwas außerhalb des Stadtgebietes liegt. Die Hauptkirche der italienischsprachigen Einwohner ist die Hl.-Geist-Kirche (auch Spitalkirche genannt, italienisch Chiesa di Santo Spirito) im Stadtzentrum. Ebenfalls in der Stadtmitte befand sich zwischen 1630 und 2021 ein Kapuziner-Kloster.

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