mini|Historische Karte des Kyffhäusers mini|Blick von Norden zum Kyffhäuser mini|„Der Kiffhäuser von Tilleda aus“ gesehen, Anfang 19. Jahrhundert
Der Kyffhäuser (Duden – Das Aussprachewörterbuch. 7. Auflage. Berlin 2015, S. 538., seltener und historisch auch Kyffhäusergebirge genannt) ist ein kleines Mittelgebirge südlich des Harzes. Es ist ein Pultschollengebirge aus paläozoischen Gesteinen, welches sich steil nach Norden, aber nur sanft nach Süden hin abflacht und dort im Süden und auch Westen vom Zechstein (Gipskarst) überlagert ist. Es liegt größtenteils im Thüringer Kyffhäuserkreis und reicht am Nordrand geringfügig in den sachsen-anhaltischen Landkreis Mansfeld-Südharz hinein. Der Kyffhäuser ist bis zu hoch und erstreckt sich über rund 70 km². Aufgrund seiner Nähe und wegen einiger geologischer Gemeinsamkeiten wird der Kyffhäuser auch „kleiner Bruder des Harzes“ genannt.
Seine höchste Erhebung ist der Kulpenberg, auf dem seit den 1960er Jahren ein Fernsehturm steht. Der Vorgängerbau des Fernsehturms war ein etwa 50 m hoher Signalturm des dortigen trigonometrischen Punktes. Der Fernsehturm wurde nur wenige Meter neben ihm errichtet. Weitere Signaltürme von trigonometrischen Punkten im Kyffhäuser befanden sich auf dem Saukopf (zwischen Tilleda und Udersleben), auf dem Schlachtberg neben dem Bauernkriegsdenkmal nördlich von Bad Frankenhausen, neben der Falkenburg oberhalb (nördlich) der Barbarossahöhle (Rottleben) und auf dem Stöckey zwischen Badra und der Numburg.
Auf einem Bergvorsprung im Nordosten des Kyffhäusergebirges befinden sich die Ruinen der Reichsburg Kyffhausen, die Ende des 19. Jahrhunderts durch das Kyffhäuserdenkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I. ergänzt wurden. Dabei wurde vor allem die Mittelburg zerstört, auf ihrem Platz wurde das Denkmal errichtet. Teile der Ruinen der Ober- und Unterburg dagegen blieben erhalten, ebenso wurde der 176 m tiefe Burgbrunnen wieder restauriert.
Während ein Großteil des Kyffhäusers mit Wald bedeckt ist, fallen an seinem Süd- und Westrand unbewaldete Hänge auf. Das Fehlen von Wald resultiert aus einem Mangel an flachem Grundwasser im gipshaltigen, stark verkarsteten Untergrund.
Der Kyffhäuser ist auch Namensgeber des Geoparks Kyffhäuser, der neben dem Kyffhäusergebirge noch weitere Gebiete im Westen, Süden und Osten umfasst.
Namensherkunft Der Name Kyffhäuser wird auf das Wort cuffese (=Kuppe/Kopf) zurückgeführt.Zur Namensherkunft auf der Seite über die Burg Kyffhausen bei kyffnet.de Historisch existieren auch die Schreibweisen Kiffhäuser und Kyfshäuser. Eine weitere Variante der Namensdeutung „Kyff“ ist „Krieg“ oder auch „Streit“, sodass der Kyffhäuser ein Streithaus, eben eine Burg, ist.Thomas Zunkel: Burgen im Kyffhäuserland. Dingsda-Verlag, Querfurt 2004, ISBN 3-928498-93-2, S. 18. Im lokalen Nordthüringer Dialekt wird er „Kipphiesr“ genannt.
Geographie Geographische Lage Der rund 12,5 km lange und 5,5 km breite Kyffhäuser erstreckt sich südlich der ca. 6 km breiten Goldene Aue genannten Niederung der Helme, die ihn vom Unterharz trennt. Südwestlich (und südlich) des Kyffhäusers liegen die Höhenzüge Windleite und Hainleite.
Unmittelbar umliegende Ortschaften sind Kelbra im Nordwesten, Sittendorf und Tilleda im Norden, Ichstedt und Udersleben im Osten, Bad Frankenhausen und Rottleben im Süden, Steinthaleben im Südwesten und Badra im Westen. Im Zentrum befindet sich das Rathsfeld.
Berge und Erhebungen Zu den Bergen und Erhebungen im Kyffhäuser gehören – sortiert nach Höhe in Meter über Normalhöhennull (NHN); in der Regel bzw. wenn nicht anders genannt laut
Kulpenberg (473,6 m), Gemarkung Steinthaleben mit Sender Kulpenberg (Fernsehturm; 94 m) und nahem Dorf Rathsfeld und naher Wüstung Rathvelde, etwa zwei Kilometer südlich Kyffhäuserburgberg (ca. 439,7 m), südwestlich von Tilleda, südlich von Sittendorf, Gemarkung Steinthaleben mit Kyffhäuserdenkmal mit nahem Bodenbild am Kyffhäuser, etwa einen Kilometer nördlich, in der Gemarkung von Sittendorf; außerdem mit Ruinen der Reichsburg Kyffhausen (Ober-, Mittel- und Unterburg) Berg der Rothenburg (ca. 350 m), südöstlich von Kelbra, Gemarkung Steinthaleben Altendorfer Klippen (424,1 m), südlich von Kelbra, Gemarkung Steinthaleben, untere Hälfte des Nordhangs Gemarkung Kelbra Falkenburg (282,7 m), Gemarkung Rottleben mit naher Ruine Falkenburg, ca. 610 m südsüdwestlich und mit naher Barbarossahöhle, ca. 630 m südwestlich Kattenburg (ca. 276 m), nordwestlich von Bad Frankenhausen mit nahem Erdfall Äbtissinnengrube
mini|Durch Verkarstung unbewaldete Kyffhäuserhänge
Schlachtberg (271,0 m), nördlich von Bad Frankenhausen mit Bauernkriegspanorama (Panoramamuseum Bad Frankenhausen), mit Thomas-Müntzer-Gedenkstätte und mit nahem Hausmannsturm (Frankenburg), ca. 800 m südlich Königsberg (ca. 250 m), nordöstlich von Rottleben mit naher Prinzenhöhle, ca. 500 m westlich Kosackenberg (222,7 m), nordwestlich von Bad Frankenhausen mit Opferhöhlen Pfingstberg (ca. 196 m), am südlichen Ortsrand von Tilleda mit Königspfalz Tilleda mit bei der Pfalz befindlicher Schusterhöhle
→ siehe auch Kyffhäuser auf der Liste von Bergen und Erhebungen in Thüringen
Gewässer Das Kyffhäusergebirge liegt vollständig im Einzugsgebiet der Unstrut und somit der Elbe (via Saale). Der nördliche Teil entwässert zur Helme und Kleinen Helme. Das diesbezüglich bedeutendste (weil einzig ganzjährig wasserführende) Gewässer ist der Wolweda-Bach, der am Nordwesthang der Kautsberge entspringt, von dort in nordöstlicher Richtung durchs Wolweda-Tal zwischen Kyffhäuserburgberg und Gietenkopf abfließt und schließlich bei Tilleda in die Kleine Helme mündet. Die Helme, die nordwestlich des Kyffhäusers im Helmestausee Talsperre Kelbra aufgestaut ist, fließt von dort nach Osten und passiert dabei nördlich die dem Kyffhäuser vorgelagerten Anhöhen der Sittendorf–Brückener Heide.
Das Gebiet südlich des Gietenkopfs und östlich des Rathsfelds wird vom Kyffhäuserbach entwässert.
Der Süden entwässert zur Kleinen Wipper und der Westen zum Badraer Bach/Thaleber Bach, der Hauptzubringer zur Kleinen Wipper. Die Täler und Auen, in denen diese Gewässer fließen, trennen das Kyffhäusergebirge physisch nach Westen von der Windleite und nach Süden vom östlichsten Abschnitt der Hainleite.
alt=Kyffhäusergebirge mit umliegenden Ortschaften|mini|Bodennutzung: grün = Wald; helles gelbgrün = Streuobstwiesen; braungrün = Trockenrasen auf Kalkbergen; orange = Gärten; rosa = Ortschaften; rot = Touristisches Interesse
Bis auf den Wolweda-Bach sind alle genannten Bäche linksseitige direkte Zuflüsse der Unstrut, in die sie allesamt östlich des Kyffhäusers bei Artern einmünden.
Geologie Das Kyffhäusergebirge ist geologisch eine Pultscholle, die vorzugsweise entlang von Störungen an ihren nördlichen Rändern aus dem Untergrund herausgehoben wurde. Ursächlich für die Hebung war, ebenso wie für die Hebung der übrigen deutschen Mittelgebirge, die Fernwirkung der jüngeren Phasen der Alpenbildung in Kreidezeit und Tertiär. Die betreffenden Störungen sind die herzynisch (NW-SE) streichende Kyffhäuser-(Nordostrand-)Störung, die den nordwestlichen Abschnitt der Kyffhäuser-Crimmitschauer Störungszone bildet, und die variszisch (Nordost-Südwest) streichende Kelbra-Störung. Durch die Hebung erscheint der Kyffhäuser im Kartenbild als Enklave paläozoischer Gesteine im Norden des ansonsten von Gesteinen der Trias geprägten Thüringer Beckens.Stichwörter Kyffhäuser-Aufbruch und folgende in: , u. a. mit einer Karte zur Verbreitung des Kyffhäuser-Kristallins (PDF; 345 kB).
Ganz im Norden des Kyffhäusers, nahe dem Kreuzungsbereich von Kyffhäuser-Störung und Kelbra-Störung, wo die stärkste Hebung (ca. 1000 m) erfolgte, ist in einem kaum mehr als 500 m breiten Streifen kristallines Grundgebirge freigelegt. Es handelt sich dabei um variszisch mittelgradig metamorph überprägte (Amphibolitfazies) altpaläozoische Sedimente und teils metamorphe, teils nur tektonisch deformierte unterkarbonische plutonische Gesteine. Dies sind im Wesentlichen Biotit-Plagioklas-Gneis (assoziiert mit Amphiboliten/Hornblende-Gneisen sowie Marmor, Kalksilikatfels und Metapeliten), Hornblende-Metagabbro (mit „Einschaltungen“ von Granodiorit-Gneis) und Diorit-Gneis, ein Komplex aus verschiedenen Granitoid-Gneisen, Syenit-Gneis und Hornblende-Diorit-Gneis (Borntal-Komplex) sowie lokal von muskovitführenden Pegmatit-Gängen durchschlagener foliierter Granit (Bärenkopf-Granit). Das Kyffhäuser-Kristallin wird regionalgeologisch der Mitteldeutschen Kristallinschwelle zugerechnet, die als ehemaliger vulkanischer Inselbogen interpretiert wird.Armin Zeh, Axel Gerdes, Thomas M. Will, Ian L. Millar: Provenance and Magmatic-Metamorphic Evolution of a Variscan Island-Arc Complex: Constraints from U-Pb Dating, Petrology, and Geospeedometry of the Kyffhäuser Crystalline Complex, Central Germany. Journal of Petrology. Band 46, Nr. 7, 2005, S. 1393–1420, doi:10.1093/petrology/egi020 (Open Access).
Nach Süden hin wird das Kyffhäuser-Kristallin – im Kartenbild annähernd konzentrisch – von unmetamorphen postvariszischen Sedimentgesteinen überlagert. Zunächst ist dies eine Abfolge von fluviatil-alluvialen überwiegend roten Molassesedimenten des jüngeren Oberkarbons (Stefanium; U-Pb-Datierung von Zirkonen aus einer Tufflage im höchsten Teil der Abfolge ergab ein Alter von 299 ± 3,2 Mio. Jahren), die eine maximale Mächtigkeit von 670 m aufweist.Steffen Trümper, Birgit Gaitzsch, Jörg W. Schneider, Bodo-Carlo Ehling, Ronny Rößler: Die versteinerten Bäume des Kyffhäusers (Oberkarbon, Thüringen): Forschungshistorie, Ablagerungsraum und Alter. Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz. Band 42, 2019, S. 5–44 (ResearchGate). Lithostratographisch wird diese Abfolge als Kyffhäuser-Formation oder Siebigerode-Formation der Mansfeld-Subgruppe bezeichnet. Sie kann in einen unteren Abschnitt, der von Konglomeraten dominiert wird, und einen oberen Abschnitt, in dem feinkörnigere Ablagerungen (arkotischer Sand- und Silt-Tonstein) mindestens in etwa gleich häufig sind wie Konglomerate, gegliedert werden. Als Besonderheit enthält die Abfolge in verschiedenen Horizonten verkieselte Stämme von Cordaiten (Formgattung Dadoxylon). Interpretiert wird diese Abfolge als Ergebnis der Auffüllung eines relativ steilen Paläoreliefs durch Gebirgsflüsse mit anschließendem Übergang zur Sedimentation in einer eher schwach-reliefierten Flusslandschaft, jeweils unter semiariden Bedingungen. Die verkieselten Stämme werden als Treibhölzer interpretiert. Ablagerungsraum war die sogenannte Saale-Senke, ein Nordost-Südwest-streichendes Sedimentbecken am Nordrand des Variszischen Gebirges, das sich vom heutigen Fläming bis zum heutigen Thüringer Wald zog. Andernorts oberflächlich anstehende Zeugnisse dieser Senke sind die Gesteine des Halleschen Porphyrkomplexes.