mini|Bundesgeschäftsstelle des DAV in der Parkstadt Schwabing im Mai 2022 Der Deutsche Alpenverein e. V. (DAV) ist die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt und der viertgrößte nationale Sportfachverband Deutschlands. In diesem sind 355 rechtlich selbstständige Sektionen mit insgesamt Mitgliedern organisiert und er verfügt über 325 Berg- und Schutzhütten (Stand: Ende 2024). Der Verein ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dort der zuständige Fachverband für das Sport- und Wettkampfklettern, das Bergwandern und Bergsteigen, Hochtourengehen, Eisklettern und Expeditionsbergsteigen sowie das Skibergsteigen. Innerhalb des DAV gibt es eine eigene Jugendorganisation, die „Jugend des Deutschen Alpenvereins“ (JDAV). Präsident des DAV ist seit November 2022 Roland Stierle. Das Signet des Deutschen Alpenvereins ist das Edelweiß.
Geschichte mini|Gründungsaufruf vom 28. Juni 1869 in der Bayerischen Landeszeitung Der Deutsche Alpenverein (DAV) ging aus dem am 9. Mai 1869 gegründeten Bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein hervor. Die Gründer waren überwiegend unzufriedene Mitglieder des sieben Jahre zuvor gegründeten Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), welche die touristische Erschließung der Alpen nicht nur moralisch und akademisch, sondern aktiv, etwa durch den Bau von Hütten und Wegen, unterstützen wollten.
Treibende Kräfte waren der österreichische Kurat Franz Senn, der Prager Kaufmann Johann Stüdl, der Münchner Student Karl Hofmann und der Mandatar des Österreichischen Alpenvereins in Bayern, Theodor Trautwein. Zur Gründungsversammlung im Gasthaus „Blaue Traube“ in München kamen 36 Männer, und Ministerialrat Gustav von Bezold wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Bereits nach 10 Monaten gab es 22 Sektionen mit 1070 Mitgliedern, 1876 waren es bereits 500 Sektionen. Von 1873 bis 1938 waren der deutsche und der österreichische Zweig zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuOeAV) zusammengeschlossen.
Bereits im Kaiserreich entwickelten sich im DuOeAV antisemitische Tendenzen. Im Jahr 1899 wurde die Sektion „Mark Brandenburg“ ausschließlich für „christlich getaufte, deutsche Staatsbürger“ gegründet. 1905 gründete sich die Sektion Wien bereits exklusiv für „arische“ Mitbürger. Die Akademische Sektion Wien nahm 1907 den Arierparagraphen in ihre Satzung auf. Weitere Sektionsgründungen mit diesen Einschränkungen folgten in den darauffolgenden Jahren bis 1921. Einige der ausgeschlossenen Bergsteiger gründeten daraufhin die Sektion Donauland des DuOeAV. Diese wurde 1924 aus dem Gesamtverein ausgeschlossen. Zuvor war bereits 1921, nach der Übernahme des Vorsitzes der Sektion Austria durch Eduard Pichl, der Arierparagraph in 98 von 110 Sektionen eingeführt worden. 1922 schloss die Akademische Sektion Dresden des DuOeAV Juden von der Mitgliedschaft aus. Diese Sachverhalte sind durch den Kulturbeauftragten des DAV, Helmuth Zebhauser, ausführlich aufgearbeitet worden.Helmuth Zebhauser: Alpinismus im Hitlerstaat (= Dokumente des Alpinismus. Band 1). Bergverlag Rother, München 1998, ISBN 3-7633-8102-3. Neueres zum Antisemitismus des Vereins: Nicholas Mailänder: Das dunkelste Kapitel unserer Vereinsgeschichte. Die Donaulandaffäre des DuOeAV. In: DAV Panorama. Magazin des Deutschen Alpenvereins. 59. Jg., Heft 1, 2007, S. 60–62, siehe Weblinks: Donaulandaffäre.
1938 wurde der Alpenverein, jetzt nur noch Deutscher Alpenverein (DAV), als „Fachverband Bergsteigen“ in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) eingegliedert und Arthur Seyß-Inquart zum „Führer des Deutschen Alpenvereins (DAV)“ bestellt. Mit dem am 10. Oktober 1945 erlassenen Gesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates wurde der DAV als Teil des NSRL für aufgelöst erklärt und sein Eigentum beschlagnahmt. Die Neubildung unter dem gleichen oder unter einem anderen Namen wurde verboten. Schon 1945 gründete sich der Österreichische Alpenverein (OeAV) neu. Die Wiedergründung des DAV erfolgte 1950 durch die „Zwölf Apostel“ in Würzburg. Der OeAV verwaltete noch bis 1956 dessen Vermögen und Grundbesitz (Hütten) treuhänderisch, die Rückgabe erfolgte ab 1952 und fand 1956 den Abschluss.
In der DDR erhielt der DAV keine Neuzulassung. Bergsteiger und Kletterer fanden sich im 1958 gegründeten Deutschen Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO) zusammen. Nach der Wende gründeten sich viele der vor 1945 bestehenden Sektionen neu.
Frauen waren seit der Gründung nur in einigen Sektionen zugelassen, die meisten Sektionen haben Frauen ausgeschlossen, obwohl es viele Bergsteigerinnen gab. Frauen am Berg wurden als Witzfiguren oder Karikaturen dargestellt und ihre Leistungen ignoriert und selten dokumentiert. In Berlin blieben Männer bis 1929 unter sich, die Sektion Bayerland lässt Frauen gar erst seit 1990 und die Sektion Berggeist erst seit 1997 zu. In den letzten Jahren ist der Anteil weiblichen Mitglieder kontinuierlich gestiegen, seit 2024 sind 44,2 % der Mitglieder weiblich. In der Führungsetage geht es aber immer noch sehr männlich zu: nur ca. 10 % der Sektionsvorsitzenden sind weiblich, in den Ehrenämtern sind knapp 25 % im Bundesvorstand und rund 30 % in den Sektionsgremien weiblich.
Der DAV ist Gründungsmitglied des multilateralen Abkommens Gegenrecht auf Hütten, das 1978 eingeführt wurde.
1992 trat der Deutsche Alpenverein dem Deutschen Sportbund bei, zu diesem Zweck wurden erstmals Landesverbände gegründet, die wiederum Mitglied in den Landessportbünden wurden.
Der DAV ist Gründungsmitglied des Club Arc Alpin (CAA).
2008 trat der DAV zum Jahresende zusammen mit dem ÖAV und dem VAVÖ aus der UIAA aus.UIAA: Circular letter to all UIAA Member Federations. (PDF; 90 kB) abgerufen am 10. Januar 2012. Grund dafür waren Verstimmungen über die Bemühungen der UIAA, Sportklettern als olympische Disziplin zu etablieren.Jörg Eberlein: Abschied des DAV aus der internationalen Bergsteigerorganisation UIAA. (PDF; 3,4 MB) abgerufen am 10. Januar 2012.czechclimbing.com Kündigungsschreiben im Wortlaut – ohne Bezugnahme auf die Olympischen Spiele Nach einer Neuausrichtung der Verbandsziele der UIAA traten der DAV und der VAVÖ der UIAA im Jahr 2013 wieder bei.
Im Jahr 2017 war der Deutsche Alpenverein Gründungsmitglied des europäischen Dachverbandes European Union of Mountaineering Associations (EUMA).
UIAA-Ehrenmitglieder aus den Reihen des DAV sind seit 1969 Hans von Bomhard, seit 2003 Fritz März und seit 2008 Pit Schubert.
Vorsitzende und Präsidenten Eine chronologische Übersicht über alle Vorsitzenden und Präsidenten seit Gründung.DAV-Bibliothek.de: Festschrift 125 Jahre Deutscher Alpenverein (PDF; 26 MB) Seite 5 Von 1869 bis 1945 gab es nur einen Ersten Vorsitzenden, von 1945 bis 1950 war der Deutsche Alpenverein verboten. Von 1950 bis 2003 gab es einen Ersten, Zweiten und Dritten Vorsitzenden, seit 2003 gibt es nur noch einen Präsidenten und mehrere Vize-Präsidenten.
Vorsitzender Amtszeit Erster Vorsitzender Sektion 1869–1870 Gustav von Bezold München 1871 Ferdinand von Hochstetter Wien 1872–1873 Burghard Josef Barth von Wehrenalp Wien 1874–1876 Theodor Petersen Frankfurt am Main 1877–1879 Theodor von Sendtner München 1880–1882 Burghard Josef Barth von Wehrenalp Wien 1883–1885 Eduard Richter Salzburg 1886–1888 Karl Alfred von Zittel München 1889–1891 Karl von Adamek Austria 1892–1894 Julius Scholz Berlin 1895–1897 Alexander Rigler Graz 1898–1900 Wilhelm von Burkhard München 1901–1906 Carl Ipsen Innsbruck 1907–1909 Otto von Pfister München 1910–1911 Adolf Ritter von Guttenberg Austria 1912–1928 Reinhold von Sydow Berlin 1929–1933 Robert Rehlen München 1934–1938 Raimund von Klebelsberg Innsbruck 1938–1945 Arthur Seyß-Inquart Wien
1. Vorsitzender Amtszeit 1. Vorsitzender Sektion 1945–1950 – – 1950–1958 Alfred Jennewein Stuttgart 1959 Friedrich Weiß Schwaben 1960–1966 Hans Dütting Essen 1967–1974 Ulrich Mann Schwaben 1975–1980 Reinhard Sander Frankfurt am Main 1980–1992 Fritz März Hochland 1992–2003 Josef Klenner Beckum
2. Vorsitzender Amtszeit 2. Vorsitzender Sektion 1945–1950 – – 1950–1958 Albert Heizer Berggeist 1959–1964 Hans von Bomhard Hochland 1965–1970 Hans Faber Schwaben 1971–1976 Heinrich Frank München 1977–1979 Hans Zollner München 1979–1985 Raimund Zehetmeier München 1985–1994 Gerhard Friedl München 1994–1998 Raimund Zehetmeier München 1998–1999 Hans Fröhlich Prien 1999–2000 Herwig Sedlmayer Bayerland 2000–2003 Klaus Strittmatter Geislingen
3. Vorsitzender Amtszeit 3. Vorsitzender Sektion 1945–1950 – – 1950–1955 Josef Goubeau Göttingen 1956–1960 Hans Dütting Essen 1961–1964 Hans Faber Schwaben 1965–1966 Ulrich Mann Schwaben 1967–1972 Hans-Jochen Schneider Dresden/Bayerland 1973–1978 Hans Domcke Ebersberg-Grafing 1978–1979 Wilhelm Hällfritzsch Schwaben 1979–1984 Klaus-Jürgen Gran Osnabrück 1984–1996 Carl-Hermann Bellinger Düsseldorf 1996–2003 Ingo Buchelt Allgäu-Kempten
Präsidenten seit 2003 mini|Roland Stierle, seit November 2022 Präsident des DAV Amtszeit Präsident Sektion 2003–2005 Josef Klenner Beckum 2005–2010 Heinz Röhle Oberland 2010 Ludwig Wucherpfennig Hildesheim 2010–2022 Josef Klenner Beckum 2022– Roland Stierle Stuttgart
Gliederung Sektionen mini|Jeweils ein Jahr gültige Mitgliedsausweise aus den Jahren 2021 bis 2023 Der DAV mit der Bundesgeschäftsstelle in München ist ein Dachverband für derzeit 355 Sektionen genannte eigenständige Mitgliedsvereine, die alle wiederum eingetragene Vereine sind. Eine Mitgliedschaft im DAV ist für natürliche Personen nur mittelbar über die Sektionen möglich. Die Sektionen sind weitgehend selbstständig, viele davon haben eigene Büros, Schulungs- und Veranstaltungsprogramme sowie Kletter- und Boulderhallen. In größeren Städten gibt es häufig mehrere Sektionen mit zum Teil stark unterschiedlichen Schwerpunkten und Mitgliederzahlen.
Die Sektionen sind auf regionaler Ebene zu Sektionentagen bzw. Sektionenverbänden verbunden. Darüber hinaus gibt es 11 Landesverbände.Sektionentage, Sektionenverbände, Landesverbände, alpenverein.deStruktur des DAV, alpenverein.de
Die Organe des Dachverbandes sind die Hauptversammlung, das Präsidium und der Verbandsrat.
Jugendorganisation mini|Logo der Jugend des Deutschen Alpenvereins Die Jugendorganisation des DAV ist die Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV). Ihr gehören alle Mitglieder des DAV unter 27 Jahren an. Zum Ende des Jahres 2020 hatte der JDAV rund 355.750 Mitglieder.
Die JDAV ist in zehn Landesverbände aufgeteilt, die wiederum in Bezirksverbände unterteilt sein können. Neben der Bundesjugendleitung gibt es so auch Landes- und Bezirksjugendleitungen als Vertreter der Jugendlichen. Die Jugendmitglieder der Sektionen wählen Delegierte, die die Mitglieder für die Bundes-, Landes- und Bezirksgremien wählen. Diese vertreten die Interessen der JDAV gegenüber dem Deutschen Alpenverein und der Öffentlichkeit.
Zur JDAV gehört die Jugendbildungsstätte Hindelang in Hindelang.
Hüttenwesen mini|Die Freiburger Hütte als Beispiel einer Alpenvereinshütte mini|Flagge des DAV an der Knorrhütte Vom Deutschen Alpenverein werden (Stand: Ende 2023) von 186 hüttenbesitzenden Sektionen 325 Alpenvereinshütten betreut, davon sind 195 mit rund 20.000 Gastraumplätzen bewirtschaftet und 65 bewartet. In 67 Fällen handelt es sich um Selbstversorgerhütten oder Biwaklager. 78 Hütten liegen in den deutschen Mittelgebirgen.