mini|250px|Schadprogramm-Statistik 2011. Den größten Teil machten damals Trojanische Pferde aus. Als Schadprogramm, Schadsoftware oder zunehmend als Malware [] – englisch , , oder [] (Kofferwort aus ‚bösartig‘ und ) – bezeichnet man Computerprogramme, die entwickelt wurden, um, aus Sicht des Opfers, unerwünschte und gegebenenfalls schädliche Funktionen auszuführen. Der Begriff des Virus ist häufig nicht klar abgegrenzt. So ist die Rede von Virenschutz, womit viel allgemeiner der Schutz vor Schadsoftware jeglicher Art gemeint ist.

Von Malware abzugrenzen ist fehlerhafte Software, obwohl auch diese selbst Schaden anrichten kann oder durch Sicherheitslücken beziehungsweise mangelnde Informationssicherheit zum Angriff auf Computersysteme ausgenutzt werden kann.

Die Schadfunktionen sind gewöhnlich getarnt, oder die Software läuft gänzlich unbemerkt im Hintergrund (Typisierung siehe unten). Schadfunktionen können zum Beispiel die Manipulation oder das Löschen von Dateien oder die technische Kompromittierung der Sicherheitssoftware und anderer Sicherheitseinrichtungen (wie z. B. Firewalls und Antivirenprogramme) eines Computers sein, aber auch das ungefragte Sammeln von Daten zu Marketing-Zwecken. Es ist bei mancher Malware auch üblich, dass eine ordnungsgemäße Deinstallation mit den generell gebräuchlichen Mitteln fehlschlägt, so dass zumindest Software-Fragmente im System verbleiben. Diese können möglicherweise auch nach der Deinstallation weiterhin unerwünschte Funktionen ausführen.

Die bisher bekannte Malware kann man grundsätzlich in drei verschiedene Klassen einteilen: Die Computerviren, die Computerwürmer und die Trojanischen Pferde. Ein Computervirus ist per Definition ein Programmcode, der sich selbstständig oder automatisiert weiterverbreiten kann, indem er Dateien infiziert. Der Begriff „computer virus“ wurde im Jahr 1981 durch den Informatiker Leonard M. Adleman etabliert, der die Bezeichnung erstmals öffentlich verwendete. Vergleiche von Programmcodes mit biologischen Viren gab es aber schon in den Jahren zuvor. Das erste bekannte Computervirus soll den meisten Quellen nach Elk Cloner für den Apple II im Jahr 1982 gewesen sein. Ein Computerwurm ist per Definition ein eigenständiges Computerprogramm oder Skript, das sich selbstständig oder automatisiert weiterverbreitet. Als Erfinder des theoretischen Konzepts der Selbstreplikation gilt John von Neumann im Jahr 1953. Die erste bekannte Schadsoftware überhaupt war der Computerwurm Creeper im Jahr 1971. Die Bezeichnung „computer worm“ geht auf den Endzeit-Roman Der Schockwellenreiter von John Brunner aus dem Jahr 1975 zurück. Ob Brunner den Begriff wirklich selbst erfunden hat, ist nicht bekannt. Er prägte ihn aber zumindest dauerhaft. Ein Trojanisches Pferd ist per Definition ein eigenständiges Programm, das als Haupt- oder Nebenfunktion schädlichen Code enthält, sich aber nicht selbstständig oder automatisiert weiterverbreiten kann. Die Infektion erfolgt daher großteils durch Drive-by-Download oder durch Spam-Kampagnen. Daniel Edwards stellte 1972 das theoretische Konzept solcher Malware als Bedrohung für die Rechnersicherheit auf und benannte sie erstmals als „trojan horse“. Das Spiel Pervading Animal aus dem Jahr 1975 wird als das erste bekannte Trojanische Pferd bezeichnet.

Klassifizierung Computerviren

Computerviren werden üblicherweise nach Art der Wirtsdatei/en in folgende Unterklassen eingeordnet:

Bootsektorviren infizieren Bootblöcke wie Bootsektor und/oder MBR, RDB etc. Ein Bootblock ist technisch gesehen eine Datei. Companionviren erstellen infizierte Kopien einer Exe-Datei als Com-Variante. Dateiviren infizieren ausführbare Dateien mit der Endung Exe oder Com. Kernelviren infizieren Dateien, die zum Kernel des Betriebssystems gehören. Clusterviren infizieren Sektoren auf dem Datenträger und verlinken darauf. Davon ausgenommen sind Bootsektor und Bootblock. Makroviren infizieren MS-Office-Dokumente. Hybridviren infizieren Exe- oder Com-Dateien und ebenfalls Bootsektoren bzw. MBR.

Wird in einer anderen Datei ein Link auf den eigentlichen Viruscode gesetzt, gilt auch diese Datei als infiziert, bzw. zählt als Wirtsdatei, da der Link als Bestandteil des Viruscodes angesehen wird.

Speicherresidente Viren infizieren zusätzlich den RAM, was für diese Einteilung aber ohne Belang ist, da der RAM keine Wirtsdatei darstellt.

Die zahlreichen weiteren Bezeichnungen für Viren beziehen sich meist auf ihr Infektions-Verhalten, die Wirtssysteme, den Payload, eingebaute Trigger oder angewendete Techniken.

Computerwürmer

Würmer unterteilt man nach der Art ihrer Verbreitung in folgende Klassen:

Netzwerkwürmer nutzen Sicherheitslücken und schwache Passwörter in Betriebssystemen und Anwendungen, um sich über das Netzwerk (z. B. P2P) direkt auf andere Computer zu kopieren. Als Mittel zum Zweck wurden in den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts häufig die damals beliebten Tauschbörsen und BitTorrents ausgenutzt. Auch Instant-Messenger werden von Würmern zur Verbreitung zweckentfremdet. E-Mailwürmer verschicken sich automatisiert oder teilautomatisiert per E-Mail und nutzen dabei oft Exploits in Outlook oder anderen E-Mail-Programmen. Würmer für Wechseldatenträger oder für USB-Kleingeräte verbreiten sich über USB-Sticks und Wechselfestplatten und nutzen dabei häufig Sicherheitslücken in der Autostart-Funktion. IRC-Würmer nutzen die Steuerungsskripte des Internet Relay Chats aus, um sich zu verbreiten. Bluetooth-Würmer nutzen Exploits der Bluetooth-Technik von Mobiltelefonen und Tablet-Computern. MMS-Würmer versenden sich automatisiert per Multimedia Messaging Service.

Würmer werden in den Massenmedien oft fälschlich als Viren bezeichnet. Als klares Unterscheidungsmerkmal gilt, dass ein Computerwurm keine Wirtsdatei benötigt.

Trojanische Pferde

Je nach der Art ihrer schädlichen Auswirkungen gibt es eine Vielzahl weiterer, mehr oder weniger etablierter Bezeichnungen für Malware. Oft handelt es sich bei diesen Programmen um Trojanische Pferde, da sie sich nicht selbstständig oder automatisiert weiterverbreiten können. Eine häufig verwendete Kurzform ist Trojaner, dieser Begriff wird aufgrund seiner Wortherkunft aber häufig als falsch angesehen. Allerdings ist der Begriff in der deutschen Sprache sowohl im Fachbereich als in der Allgemeinheit fest etabliert und stellt somit eine korrekte Bezeichnung dar. Ein Trojanisches Pferd lädt man meist aufgrund von Täuschung aus dem Internet, fängt es sich als Drive-by-Download ein, oder bekommt es versehentlich oder absichtlich zugespielt.

Die folgenden Typen von Malware treten meist in Form von Trojanischen Pferden auf:

Adware forscht den Computer und das Nutzerverhalten aus, um gezielt Werbung zu platzieren. Adware wird häufig zusammen mit gewünschten Installationen oder Webabrufen, ohne Nachfrage und ohne Nutzen für den Anwender, gestartet. Die gesammelten Informationen dienen häufig nicht nur der personalisierten Werbung, sie stellen auch einen finanziellen Wert beim Verkauf an die Marktforschung dar. Hintertür (Backdoor) ist eine verbreitete Schadfunktion, die üblicherweise durch Viren, Würmer oder Trojanische Pferde eingebracht und installiert wird. Sie ermöglicht Dritten einen unbefugten Zugang („Hintertür“) zum Computer, jedoch versteckt und unter Umgehung der üblichen Sicherheitseinrichtungen. Backdoors werden oft genutzt, um den kompromittierten Computer als Spamverteiler oder für Denial-of-Service-Angriffe (DoS) zu missbrauchen. Spyware spioniert den Computer, die Daten und das Nutzerverhalten aus und sendet die Daten an Dritte weiter. Diese Form von Malware wird häufig zusammen mit anderer, nützlicher Software installiert, ohne den Anwender zu fragen, und bleibt auch häufig nach deren Deinstallation weiter tätig. Keylogger sind eine Unterklasse der Spyware. Sie sind Programme die dazu verwendet werden, die Eingaben des Benutzers an der Tastatur eines Computers zu protokollieren und einem Dritten bereitzustellen. Dabei werden unter anderem eingegebene Benutzernamen und Passwörter erfasst, diese geben dem Dritten wiederum die Möglichkeit, auf die Systeme zuzugreifen, für die diese Zugangsdaten bestimmt sind. Scareware ist darauf angelegt, den Benutzer zu verunsichern und ihn dazu zu verleiten, schädliche Software zu installieren oder für ein unnützes Produkt zu bezahlen. Beispielsweise werden gefälschte Warnmeldungen über angeblichen Virenbefall des Computers angezeigt, den eine käuflich zu erwerbende Software zu entfernen vorgibt. Ransomware blockiert den Zugriff auf das Betriebssystem bzw. verschlüsselt potenziell wichtige Dateien und fordert den Benutzer zur Zahlung von Lösegeld auf – meist über das digitale Bezahlsystem Monero. Rogueware (auch Rogue-Software, Rogue-Sicherheitssoftware oder ) gaukelt dem Anwender vor, vermeintliche andere Schadprogramme zu entfernen. Manche Versionen werden kostenpflichtig angeboten, andere Versionen installieren weitere Schadprogramme während des Täuschungsvorgangs. Coin mining (auch Cryptocurrency mining) bezeichnet eine Technik, bei der ein Angreifer die Hardware- und Energieressourcen von Opfern unbemerkt und ohne deren Zustimmung zum rechenintensiven Mining verwendet werden, z. B. über manipulierte Webseiten oder durch Schadsoftware. Riskware ist Software, die für legale Zwecke beworben wird, aber dabei erhebliche Sicherheitsprobleme aufwerfen kann. Beispielsweise der Missbrauch von Fernwartungsprogrammen als Backdoor-Trojaner. Archivbomben sind stark komprimierte Dateien, wie beispielsweise einfarbige Bitmapdatei in Gigabyte-Größe. Nach dem Packen haben diese eine Größe von wenigen 100 Kilobyte. Das bringt möglicherweise den Systemspeicher beim Entpacken an seine Grenzen. Virenscanner hatten früher Probleme mit der Prüfung von Archivbomben, weil sie sich dabei oft in Endlosschleifen verfingen. Dropper sind Trojaner, die einen Virus aussetzen. Meistens handelt es sich dabei um einen Bootsektorvirus. Sie dienen zu Erstfreisetzung oder zur gezielten Infektion.

Grayware

Grayware wird teils als eigene Kategorie benutzt, um Software wie Spyware und Adware oder andere Varianten, die Systemfunktionen nicht direkt beeinträchtigen, von eindeutig schädlichen Formen, der Malware, abzugrenzen. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit Grauware oder dem Reimport von Waren am offiziellen Importeur vorbei.

Bei Greyware handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um Trojanische Pferde. Strittig ist aber in vielen Einzelfällen, ob es sich nun um überhaupt um Grey- oder doch um Malware handelt. Das subjektive Empfinden spielt hier eine entscheidende Rolle und gerade diese Unklarheit ist ein Definitionsmerkmal von Greyware. Oft als solche angesehen werden unter anderem: Dialer, Einwahlprogramme auf Telefon-Mehrwertrufnummern, werden oft unter Malware genannt, obwohl sie im engeren Sinne nicht dazu zählen, sondern nur missbräuchlich für Betrugszwecke genutzt werden. Illegale Dialer-Programme führen die Einwahl heimlich, d. h. im Hintergrund und vom Benutzer unbemerkt, durch und fügen dem Opfer finanziellen Schaden zu, der etwa über die Telefonrechnung abgerechnet wird. Strafrechtlich handelt es sich hier um Onlinebetrug. Der ursprüngliche Sinn von Dialern war aber der legale Hintergrund eine Möglichkeit des einfachen und unkomplizierten Bezahlens im Internet zu ermöglichen. Govware bezeichnet meist Spyware-Trojaner oder in selteneren Fällen auch Spionagesoftware mit Wurmeigenschaften. Der Unterschied zur Malware besteht lediglich in der offiziellen Verwendung durch Geheimdienste, Zoll und andere berechtigte Institutionen.

Logikbomben