Die hawaiische oder hawaiianische SpracheDuden Online hawaiisch, Duden Online hawaiianisch, s. auch . (Eigenbezeichnung ʻōlelo Hawaiʻi) ist die Sprache der polynesischen Ureinwohner der Hawaii-Inseln, der Kānaka Maoli. Hawaiisch und Englisch sind die Amtssprachen des US-Bundesstaats Hawaii., Article XV, Section 4 Hawaiisch weist mit 13 Phonemen sehr wenige bedeutungsunterscheidende Laute auf; nur wenige Sprachen haben noch weniger. Zum Vergleich: Deutsch hat etwa 40 Phoneme.

Das Hawaiische gehört zusammen mit den anderen polynesischen Sprachen, wie z. B. Samoanisch, Māori, Tahitianisch und Tonga, zur austronesischen Sprachfamilie. Es wird in die Untergruppe der marquesischen Sprachen eingeordnet.

Adelbert von Chamisso veröffentlichte in seinem Bericht Über die Hawaiische Sprache vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 12. Januar 1837 die erste Grammatik des Hawaiischen.Hartmut Schröder: . S. 2; Paul G. Chapin: Adelbert von Chamisso. Über die Hawaiische Sprache. In: Oceanic Linguistics, Vol. 10, No. 2. (Winter, 1971), S. 152–157. (online bei JSTOR: Review Article)

Die hawaiische Sprache ist vom Aussterben bedroht. Auf den meisten der Hawaii-Inseln wurde sie vom Englischen verdrängt und wird kaum noch als Alltagssprache der Bevölkerung verwendet. Eine Ausnahme stellt die Insel Niʻihau dar, die sich in Privatbesitz befindet und deren Besuch streng reglementiert ist.

Verdrängung und Wiederbelebung 1900 sprachen noch 37.000 Menschen Hawaiisch als Muttersprache. Diese Zahl hat sich inzwischen auf 1000 Muttersprachler reduziert; die Hälfte von ihnen ist heute über 70 Jahre alt.

Die Verdrängung der hawaiischen Sprache begann mit dem sinkenden Anteil der Hawaiier an der Gesamtbevölkerung Hawaiis im 19. Jahrhundert. 1896 erklärte ein Gesetz zudem Englisch zur Hauptsprache an allen öffentlichen und privaten Schulen (1896 Laws of the Republic of Hawaii, Act 57, sec. 30, 8. Juni 1896).Book Review: Noenoe Silva, Aloha Betrayed: Native Hawaiian Resistance to American Colonialism, note 2, siehe auch (englisch) Das 1957 erstmals erschienene Hawaiian-English Dictionary (Pukui/Elbert)Mary Kawena Pukui, Samuel H. Elbert: Hawaiian-English Dictionary. University of Hawaii Press, Honolulu 1957. kann als Wendepunkt betrachtet werden. In den folgenden Jahren wuchs im Rahmen der hawaiischen Renaissance das Interesse an der hawaiischen Sprache auf verschiedenen Gebieten, (englisch) bis sie schließlich 1978 durch eine Ergänzung der Verfassung des US-Bundesstaates Hawaii (Add Const Con 1978 and election Nov 7, 1978) in den Rang einer Amtssprache erhoben wurde. Mitte der 1980er Jahre wurde begonnen, ʻŌlelo Hawaiʻi an Vorschulen für Kinder zu unterrichten, deren Eltern die Sprache für die nächste Generation erhalten wollen.Lawmakers adopt resolution apologizing for ban on Hawaiian language in schools hawaiinewsnow.com, 28. April 2022, abgerufen am 28. April 2022 (englisch) Im Rundfunk gibt es ein „Hawaiisches Wort des Tages“.vgl. George S. Kanahele: Zwischen 2006 und 2008 gaben mehr als 24.000 US-Staatsbürger in einer Volkszählung an, Hawaiisch im Alltag zu verwenden.

Eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung des Hawaiischen spielt die Wiedergabe seiner Laute in der Schriftsprache. Da die unterschiedliche Aussprache hawaiischer Wörter zu verschiedenen Bedeutungen führt, ist die Schreibung mit den diakritischen Zeichen ʻOkina und Kahakō eine wesentliche Voraussetzung zur Verwendung hawaiischer Namen und Begriffe.Suzanne Romaine: Signs of Identity, Signs of Discord. Glottal Goofs and the Green Grocer's Glottal in Debates on Hawaiian Orthography. In: Journal of Linguistic Anthropology, December 2002, Vol. 12, No. 2, pp. 189–224."The presence or absence of glottal stops and macrons changes both pronunciation and meaning, …" (S. 226); "I call particular attention to the symbols for two important elements in the spoken language: the glottal stop (reversed apostrophe) and lengthened, stressed vowels (macron). Without these symbols in the written language, pronunciation of a great many Hawaiian words cannot be determined - nor, it follows, can their meanings be accurately deciphered."(S. VI): Mary Kawena Pūkui, Samuel H. Elbert: New pocket Hawaiian dictionary. With a concise grammar and given names in Hawaiian. University of Hawaii Press: Honolulu 1996. ISBN 0-8248-1392-8.

Auswirkungen hat die Wiederbelebung über den Bundesstaat Hawaii hinaus. So wurden im Hawaiian National Park Language Correction Act of 2000 durch den Senat der Vereinigten Staaten die Nationalparks in Hawaiʻi umbenannt, wobei die Schreibung mit ʻOkina und Kahakō zum Gegenstand eines Bundesgesetzes wurde.

Eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung der Sprache spielen auch der Hula und hawaiische Musiker wie zum Beispiel Gabby Pahinui und Israel Kamakawiwoʻole.

Hawaiian Creole English

„Hawaiian Creole English“ (HCE; auch „Pidgin Hawaiian“ genannt, obwohl die Bezeichnung Pidgin von Linguisten nur für die erste Generation einer neuen Mischsprache gebraucht wird) ist eine örtlich gesprochene Mischung auf Basis des Englischen mit Lehnwörtern aus dem Hawaiischen und aus asiatischen Sprachen (vor allem Japanisch, Chinesisch und Tagalog), die entstand, als Einwanderer zur Arbeit auf den Zuckerrohr- und Ananasplantagen ins Land kamen und sich mit den einheimischen Plantagenarbeitern verständigen mussten. 1986 gab es noch 600.000 Sprecher des HCE, dessen stärkster Dialekt von Sprechern der englischen Standardsprache so gut wie nicht verstanden werden kann.

Das hawaiische Lautsystem Das hawaiische Lautsystem zeichnet sich durch charakteristische Lautverschiebungen gegenüber anderen polynesischen Sprachen aus. Die wichtigsten sind *[k] zu hawaiisch [ʻ] (Glottalverschlusslaut ʻOkina), *[t] zu hawaiisch [k], *[r] zu hawaiisch [l] und *[ŋ] zu hawaiisch [n]. [w] ist als solches erhalten und nicht zu [v] geworden. Die Vokale haben keine Veränderung gegenüber dem „Gemeinpolynesischen“ erfahren.

Das hawaiische Alphabet Das hawaiische Alphabet, pīʻāpā genannt, wurde im 19. Jahrhundert von US-amerikanischen Missionaren eingeführt.vgl. Fixing the letters: Missionary efforts 1820-1826. In: Albert J. Schütz: The voices of Eden: a history of Hawaiian language studies. Honolulu: University of Hawaii Press, 1994, ISBN 978-0-8248-1637-7, S. 98–133 Vor seiner Einführung gab es Hawaiisch nur in gesprochener Form.

Das hawaiische Alphabet basiert auf dem lateinischen Alphabet und besteht aus 12 Buchstaben der lateinischen Schrift und dem ʻOkina. Es ist damit eines der kürzesten Alphabete der Welt. (Das Rotokas-Alphabet hat einen Buchstaben weniger, die Pirahã-Sprache zwei.) Das Alphabet bildet die 13 Phoneme der Sprache klar ab. Die Buchstaben sind a, e, i, o, u, p, k, m, n, w, l, h. Der Buchstabe w wird manchmal auch als v geschrieben. Ein Makron (im Hawaiischen Kahakō genannt) über einem Vokal, wie bei ā, ē, ī, ō, ū, bedeutet, dass der Vokal lang gesprochen und die Silbe betont wird. Die Vokalfarbe ändert sich dabei nicht.

Für den Glottisverschlusslaut in der gesprochenen hawaiischen Sprache wurde zunächst kein Zeichen geschrieben. Daher erschien zum Beispiel die Buchstabenfolge aa im Ortsnamen Kapaa, obwohl vor dem letzten Vokal a der Glottisverschlusslaut gesprochen wird. Seit dem Erscheinen des Hawaiian-English Dictionary setzt sich zunehmend die der Aussprache entsprechende, genaue Schreibweise mit ʻOkina durch (Kapaʻa). Ohne ʻOkina können viele Wörter verwechselt werden; so heißt pua „Blume“, aber puʻa unter anderem „ausscheiden/absondern“. ʻOkina wird heute zunehmend nicht als Symbol, sondern als vollwertiger Buchstabe angesehen."It's the official language of Hawaiʻi and we're misspelling the Hawaiian language everywhere. The ʻokina is a letter in the Hawaiian alphabet," said Sen. Kalani English, D-6th (E. Maui, Molokaʻi, Lanaʻi). Jan TenBruggencate: Hawaiian spellings catch on, but slowly Zum Beispiel wird auch das Wort Hawaii auf Hawaiisch Hawaiʻi geschrieben. Hier soll nach Überlieferung der Alten der Buchstabe k fehlen, der Ursprungsname ist als Hawaiki überliefert. Die beiden i werden also auch getrennt gesprochen. Ein anderes Beispiel ist das Wort Oʻahu (die bevölkerungsreichste Insel Hawaiʻis). Die Betonung liegt hier auf dem a, nicht auf dem u.

Die hawaiische Sprache besitzt mit nur 162 möglichen Silben den kleinsten Silbenvorrat aller Sprachen. Die Bedeutung mancher Wörter ändert sich mit der Silbenlänge: kane = Hautkrankheit, aber mit Längung der ersten Silbe kāne = Mann; mana = Macht oder Kraft, dagegen māna = gekaute Masse.vgl. , , ,

Grammatik Wie alle polynesischen Sprachen oder auch das Chinesische ist Hawaiisch eine isolierende Sprache. Das heißt, dass alle grammatikalischen Beziehungen durch Wortstellung und Partikeln ausgedrückt werden. Endungen gibt es nicht, und die Wörter verändern sich auch nicht anderweitig. Ausnahmen sind einige wenige Vorsilben und Nachsilben zur Wortbildung, insbesondere das Kausativ-Präfix hoʻo-, wie in hoʻonui = vergrößern, zu nui = groß und das Substantivierungs-Suffix -na, wie in ʻokina = "Trennungszeichen" (ʻOkina), zu ʻoki = abschneiden, trennen. Einige Wörter haben eigene Pluralformen, bei denen Vokale gedehnt werden, wie wāhine („Frauen“) zu wahine („Frau“). Im Allgemeinen wird der Plural aber nur durch die Artikel ausgedrückt.

Es gibt nur zwei Wortarten: Bedeutungswörter und Partikeln. Alle Bedeutungswörter können die Funktion von Substantiven, Adjektiven oder Verben haben, je nachdem, wo sie stehen und welche Partikeln ihnen vorausgehen. So steht im Satz ʻŌlelo Hawaiʻi ʻoe? (Sprechen Sie hawaiisch?) ʻōlelo für das Verb sprechen, markiert durch die Stellung am Satzanfang, aber in dem Satz ʻIke ʻoe i ka ʻōlelo Hawaiʻi? (Kennen Sie die hawaiische Sprache?) ʻōlelo für das Substantiv Sprache, markiert u. a. mit dem Artikel ka.

Ein grammatisches Geschlecht ist unbekannt. ia heißt er, sie und es.

Wortstellung Die normale Wortstellung im Satz ist Verb – Subjekt – Objekt. Sogenannte statische Verben entsprechen in der deutschen Sprache Adjektiven mit dem Hilfsverb "sein", z. B. Nui ka hale. - Das Haus ist groß.

Zu allen drei Teilen können Partikeln gehören, die den Satzteil bestimmen.

Zur Betonung können Satzteile wie im Deutschen vorangestellt werden. Sie werden dann regelmäßig mit dem Determinierer ʻo gekennzeichnet: ʻO au kou kaikuahine. - Ich bin deine Schwester. vs. ʻO kou kaikuahine au. - Deine Schwester bin ich.

Verbalphrase Zeit und Aktionsart Von Verben in unserem Sinn kann man im Hawaiischen nicht reden. Stattdessen gibt es Partikeln, die ein Bedeutungswort zum Verb machen. Diese Partikeln bestimmen gleichzeitig Zeit und Aktionsaspekt:

ua … perfektiv (abgeschlossene, beginnende oder einmalige Handlung) e … ana imperfektiv (weitergehende Handlung, wie englische continuous forms) ke … nei Präsens e … Imperativ mai … verneinter Imperativ

In der gesprochenen Sprache werden die Partikeln ua und e oft weggelassen.

Für das Passiv wird die Partikel ʻia dem Verb nachgestellt.

Richtungspartikel und Adverbiale Hinter dem Verb können Partikeln stehen, die eine Richtung angeben, unter anderem wie deutsch her und weg. Diese Direktionalen sind: aʻe = hinauf; dann; markiert Komparative aku = weg (vom Sprecher), z. B. Hele aku! = Geh weg! iho = hinunter; sich, für sich mai = her (zum Sprecher), z. B. Hele mai! = Komm her! Aʻe nach Eigenschaften steigert diese: maikaʻi = gut, maikaʻi aʻe = besser, am besten. Iho steht oft nach Verben, die Körperfunktionen ausdrücken und für unser Verständnis nicht reflexiv sind, wie essen (ʻai), trinken (inu) und denken (manaʻo).

Nach den Richtungspartikeln können noch Adverbiale stehen wie nō = sehr, lā = dort, dann; naʻe = jedoch, aber; ʻē = schon, paha = vielleicht, hoʻi = ziemlich, eigentlich, denn; oder wale = eben, halt.

Verneinung