mini|Wilhelmshaven mini|Wilhelmshaven am Jadebusen und Bremerhaven an der Wesermündung mini|Satellitenaufnahme der Region mini|Blick über den Großen Hafen in Richtung Norden am Tag der Niedersachsen 2019 mini|Blick über den inneren Hafen
Wilhelmshaven ( , ) ist eine kreisfreie Stadt in Niedersachsen. Sie liegt im Nordwesten Deutschlands, an der Nordwestküste des Jadebusens, einer etwa 190 km² großen Meeresbucht an der Nordsee. Die Mittelstadt hat Einwohner und ist ein Oberzentrum. Seit 2006 gehört Wilhelmshaven zur Metropolregion Nordwest, einer von insgesamt zwölf europäischen Metropolregionen in Deutschland. mini|Im Süden der Stadt reicht die Bebauung bis an den Strand des Jadebusens
Die Stadtgeschichte ist seit der Einweihung als „erster deutscher Kriegshafen an der Jade“ am 17. Juni 1869 eng mit der Geschichte der Deutschen Marine verbunden. Die Stadt ist heute der größte Standort der Deutschen Marine, seit Umsetzung des Stationierungskonzepts 2011 der Bundeswehr auch der größte Standort der Bundeswehr, abgerufen am 25. November 2012. (PDF), abgerufen am 17. August 2024. und einer der größten Marinestützpunkte in Westeuropa., abgerufen am 10. Juni 2025.
Wilhelmshaven hat den Tiefwasserhafen mit der größten Wassertiefe in Deutschland und ist der größte Erdölumschlaghafen des Landes. 72 Prozent des Rohölumschlags aller deutschen Seehäfen und fast 27 Prozent des deutschen Rohölimports werden über Wilhelmshaven abgewickelt.Kennzahlen zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland (Jahresbericht 2009) (PDF; 7,8 MB) abgerufen am 2. Juli 2010. Von hier führen Pipelines zu Erdölraffinerien im Rhein-Ruhr-Gebiet und nach Hamburg. Das tiefe Fahrwasser der Jade prägt die Wirtschaft und ist die Basis für Ansiedlungen von Großbetrieben der Petrochemie, der chemischen Industrie, der stromerzeugenden Industrie, der Logistik-Industrie und weiterer maritimer Wirtschaftszweige (Reparaturwerften, Schiffsausrüstungen etc.). Mit dem im September 2012 eröffneten JadeWeserPort erhielt Wilhelmshaven ein von der Tide unabhängiges Containerterminal, das auch die größten Containerschiffe voll beladen abfertigen kann.
Die Nordseestadt ist Standort der Jade Hochschule sowie wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen wie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung, des Instituts für Vogelforschung und des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres.
Wilhelmshaven profitiert vom Tourismus an der Nordseeküste. Die Stadt zieht mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und ihren touristischen Einrichtungen Feriengäste der umliegenden Badeorte an.
Geografie Geografische Lage mini|Blick über das Wattgebiet bei Mariensiel
Wilhelmshaven liegt im Nordwesten Deutschlands an der Nordwestküste des Jadebusens, einer großen Meeresbucht an der Nordsee. Das Stadtgebiet liegt im östlichen Teil der ostfriesischen Halbinsel zwischen Dollart und Jadebusen. Das Watt in dieser Küstenregion gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.
Geologie Die Stadt wird durch die umgebende Marsch-Landschaft geprägt. Marschen sind generell flache Landstriche ohne natürliche Erhebungen. Entstehungsgeschichtlich gehört die Marsch zu den jüngsten geologischen Formationen. Sie ist holozänen, also nacheiszeitlichen Ursprunges. Bedingt durch die Marsch liegt Wilhelmshaven im Durchschnitt nur zwei Meter über Normalnull. Das Stadtgebiet muss daher vollständig durch Deiche vor Sturmfluten geschützt werden. Die ständige Erhaltung und Verbesserung der Deiche ist Aufgabe des III. Oldenburgischen Deichbands.Wasser- und Bodenverbände Friesland / Wilhelmshaven – Sielacht Rüstringen, abgerufen am 24. Januar 2025.
Die tiefste Stelle des Stadtgebiets befindet sich in der Maadesenkung am Kreuzelwerk mit . Die höchste Erhebung ist mit der künstliche „Rüstringer Berg“ am Ölhafen. Er ist durch Sandabdeckung einer gesprengten Geschützstellung aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden.
Große Teile im Osten der Stadtflächen hat man erst im 20. Jahrhundert der Nordsee abgerungen. Groden heißen hier die durch Deichbau und Entwässerung gewonnenen, flachen Neulandgebiete. Die folgenden drei Groden haben das Stadtgebiet beträchtlich vergrößert: (PDF; 1,3 MB) Heppenser Groden (Eindeichung ab 1938 – Fläche 640,5 Hektar) Rüstersieler Groden (Eindeichung ab 1963 – Fläche 590,9 Hektar) Voslapper Groden (Eindeichung ab 1971 – Fläche 1312,4 Hektar)
Zu diesen Flächen kam 2012 das neu aufgespülte Hafen- und Logistikgelände des JadeWeserPorts mit einer Fläche von rund 344 Hektar hinzu.. (PDF) Stadt Wilhelmshaven, S. 9: Flächennutzung; abgerufen am 22. Januar 2014.
Eine Besonderheit birgt der geologische Untergrund von Wilhelmshaven. Das Nordwestdeutsche Becken ist mit großen Salzansammlungen, den sogenannten Salzstöcken, durchzogen. Unter dem Stadtgebiet im Bereich des Ortsteils Coldewei liegt der Salzstock Rüstringen. Er wird seit 1968 als Speicherkaverne für die Erdöllagerung genutzt. Die zylinderförmigen Kavernen der Nord-West-Kavernengesellschaft (NWKG) haben eine horizontale Ausdehnung von ungefähr 250 mal 70 Meter und reichen bis zu 2000 Meter tief. Sie dienen der Lagerung der im Erdölbevorratungsgesetz vorgeschriebenen Erdölreserve für Krisenzeiten. 2022 betreibt die NWKG in Wilhelmshaven 38 Kavernen für Rohöl.Homepage der NWKG am 13.10.2022 nwkg.de
Gewässer mini|hochkant|Gezeitenanzeiger an der Kreuzung Gökerstraße / Ebertstraße
Das Stadtgebiet wird auf zwei Seiten von großen Gewässern eingefasst. Im Osten wird die Stadt vollständig vom tiefen Fahrwasser der Innenjade begrenzt. Im Südosten Wilhelmshavens verläuft das Fahrwasser weitere zwei Kilometer durch den Jadebusen. Im Süden liegen die Wattgebiete des Jadebusens, die zweimal täglich vom Meerwasser der Nordsee überschwemmt werden. Der Tidenhub der Jade beträgt 3,15 m – 4,33 m, das ist etwa so viel wie an der Wesermündung, ein halber Meter weniger als in AntwerpenGezeitentabelle für Antwerpen und gut doppelt so viel wie in Rotterdam.Gezeitentabelle für Rotterdam Mit jedem Tidenzyklus strömt bei Flut fast der gesamte Wasserinhalt des Jadebusens durch die Enge des Jadefahrwassers ein und bei Ebbe wieder aus. Diese natürliche Pendelströmung spült das Fahrwasser ständig von etwaigen störenden Sandablagerungen frei. Sie ist hier wesentlich stärker als in den Flussmündungen von Elbe und Weser, und der Eintrag von Sedimenten ist geringer. Allerdings stellt der starke Ebbstrom eine große Gefahr für Badende und Benutzer kleiner, vor allem unmotorisierter Wasserfahrzeuge dar.
Im Stadtgebiet gibt es 645 Hektar Wasserflächen, das sind 6,2 % der Gesamtfläche. Zum größten Teil bestehen diese Flächen aus den Hafenbecken des Innenhafens, also aus Vorhafen, Nordhafen, Ausrüstungshafen, Arsenalhafen, Verbindungshafen, Großem Hafen, Handelshafen, Kohlenhafen und Kanalhafen. Der Innenhafen wird über die größte Schleuse Deutschlands, die Seeschleuse der 4. Hafeneinfahrt, mit den Seeschifffahrtsstraßen der Nordsee verbunden.
Hinzu kommt die Fläche des Banter Sees, eines Brackwassersees, der bis 1945 als West- und Zwischenhafen zum Hafengebiet gehörte. Bei Kriegsende 1945 ordneten die Alliierten an, die Hafenbecken durch Dämme aus Trümmerschutt der zerbombten Stadt unbrauchbar zu machen. Der letzte noch verbliebene Damm, der Grodendamm, trennt den Banter See vom Großen Hafen. Es entstand ein künstlicher, leicht salzhaltiger See, der eines der großen Naherholungsgebiete bildet.
Auf dem Stadtgebiet beginnt bzw. endet der Ems-Jade-Kanal. Er ist eine künstliche Wasserstraße, die Wilhelmshaven über Sande und Aurich mit Emden verbindet. Die Länge des Ems-Jade-Kanals im Stadtgebiet beträgt 10,5 km. Beim Ausbau der Hafenanlagen hatte er eine große Bedeutung, da auf ihm Material wie Sand, Steine, Kohlen etc. transportiert wurde. Heute besitzt der Kanal keine wirtschaftliche Bedeutung mehr, sondern wird hauptsächlich touristisch genutzt.
Der einzige Binnenfluss im Stadtgebiet ist die Maade. Mit den ihr angeschlossenen Tiefs, Zug- und Schaugräben dient sie in erster Linie der Entwässerung der tiefer gelegenen Flächen hinter den Deichen. Der Fluss mündet über ein Siel in der Nähe des Stadtteils Rüstersiel in die Jade. Dieses Maadesiel ist ein Mündungsschöpfwerk mit Seeschleuse, das die Ableitung des Flusses auch dann sicherstellt, wenn ein regulärer Wasserabfluss aufgrund der Tidenverhältnisse auf der Jade nicht möglich ist.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 106,91 km². (PDF; 61 kB), Dokument 2112-U, Stand 2009. Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt 15,5 km und in West-Ost-Richtung 9,3 km. Die Stadtgrenze hat eine Gesamtlänge von 57,8 km, davon liegen 27,3 km direkt an der See, und 30,5 km grenzen landseitig an andere Gemeinden.
Flächennutzung Flächennutzung(Stand 31. Dezember 2020) Fläche in ha Anteil Wohn- und Freiflächen 1.680 15,7 % Gewerbefläche 1.430 13,4 % Verkehrsflächen 1.172 10,9 % Grünanlagen/Sport 509 4,8 % Landwirtschaftsflächen 4.157 38,8 % Waldflächen/Gehölz 120 1,1 % Sonstige Nutzung 1.639 15,3 % Gesamtfläche 10.707 100,0 %
Rund 45 % des Stadtgebietes der „Grünen Stadt am Meer“Ehemaliger Werbeslogan der Stadt, der in den 1920er Jahren von Kurdirektor Karl Rieger (1885–1949) geprägt wurde. bestehen aus Landwirtschafts- und Waldflächen sowie Grünanlagen. Die Flächenaufteilung ist im Einzelnen in der folgenden Tabelle angegeben:
Nachbargemeinden Im Westen grenzen die Gemeinde Sande und die Stadt Schortens, im Norden die Gemeinde Wangerland an. Alle drei Nachbargemeinden gehören zum Landkreis Friesland. Die Stadt grenzt im Osten und Süden an die Nordsee. In östlicher Richtung auf der anderen Seite der Jade liegt die Gemeinde Butjadingen. Sie bildet den nördlichen Teil des Landkreises Wesermarsch. In südlicher Richtung erkennt man auf der anderen Seite des Jadebusens bei gutem Wetter die Umgebung von Dangast, dem südlichsten Nordseebad an der Nordseeküste. Dangast gehört zur Stadt Varel im Landkreis Friesland.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Wilhelmshavens ist für statistische Zwecke in fünf Stadtbereiche (Süd, Mitte, West, Nord, Ost) eingeteilt. Jeder Stadtbereich besteht aus mehreren Stadtteilen. Diese sind nochmals in Stadtviertel unterteilt, wenn es sich um räumlich und strukturell zusammenhängende Gebiete handelt, die namentlich auch in der Öffentlichkeit bekannt sind.. (PDF; 8,2 MB) Stadt Wilhelmshaven, S. 4: Stadtteile und Stadtviertel; abgerufen am 30. Dezember 2011.
1 Stadtbereich Süd 11 Innenhafen Schleuseninsel Nordhafen Arsenalhafen Großer Hafen Banter See Bordum 12 Innenstadt Südstadt City Kurpark Rathausviertel 13 Bant Bant Hansaviertel Jadeviertel 14 Ebkeriege Ebkeriege Junkerei Groß Belt
2 Stadtbereich Mitte 21 Heppens Inselviertel Alt-Heppens Tonndeich Heppenser Deich Pädagogenviertel Villenviertel 22 Siebethsburg Siebethsburg 23 Rüstringer Stadtpark Sportforum Rüstringer Stadtpark 24 Neuengroden 25 Altengroden Altengroden Nord Altengroden Süd Altengroden Ost Altengroden West 26 Rüstersiel3 Stadtbereich West 31 Neuende Neuende Europaviertel 32 Schaar Schaar Maadetal-Nord Maadetal-Mitte Schaardeich Potenburg 33 Aldenburg Wiesenhof Stadtparkkolonie Aldenburg Fort Schaar 34 Maadebogen 35 Langewerth Heiligengroden/Rundum Langewerth
4 Stadtbereich Nord 41 Himmelreich/Coldewei Himmelreich Coldewei 42 Fedderwardergroden 43 Voslapp 44 Fedderwarden Schilldeich Fedderwarden 45 Sengwarden Breddewarden Utters Bohnenburg Sengwarden5 Stadtbereich Ost 51 Heppenser Groden 52 Rüstersieler Groden Maadepolder Rüstersieler Groden-Süd Rüstersieler Groden-Nord Geniusbank 53 Voslapper Groden Voslapper Groden-Süd Voslapper Groden-Nord 54 JadeWeserPort Hafengroden Containerterminal mini|Karte mit der Stadtgliederung