Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 9 9 6 24 2 6 10 9 25 3 4 4 – 8 4 4 3 6 13 5 4 2 2 8 6 3 2 4 9 7 2 2 1 5 8 2 1 1 4 2 1 1 4 10 2 – – 2 … … … … … … 16 – – 2 2 17 – – 1 1 Vollständiger Medaillenspiegel

mini|Während der Belagerung von Sarajevo durch Schüsse beschädigtes Olympiasymbol Die Olympischen Winterspiele 1984 (auch XIV. Olympische Winterspiele genannt) wurden vom 8. bis 19. Februar 1984 in Sarajevo, Jugoslawien (heute Bosnien und Herzegowina) ausgetragen.

Wahl des Austragungsortes Andere Kandidatenstädte waren das japanische Sapporo und Göteborg in Schweden. Das IOC entschied sich im zweiten Wahlgang für Sarajevo. Anfänglich war Sapporo noch der Favorit, Sarajevo galt als Überraschung. Diese Prozeduren fanden am 18. Mai 1978 auf der 80. IOC-Session in Athen statt; im ersten Wahlgang lag Sapporo bei zwei Enthaltungen mit 33 Stimmen vor Sarajevo (31) und Göteborg (10).

Ergebnis der Wahlgänge:

Ort Land Wahlgang 1 Wahlgang 2 Sarajevo 31 39 Sapporo 33 36 Göteborg 10 -

Herausragende Sportler Jens Weißflog (DDR) gewann, damals noch im Parallelstil, Gold und Silber im Skispringen. Auch Gold und Silber im Skispringen gewann Matti Nykänen (FIN). Katarina Witt, ebenfalls aus der DDR, gewann Gold im Eiskunstlauf. Auch in den anderen Disziplinen waren die Athleten der DDR sehr erfolgreich. So gelang den Rodlerinnen ein Dreifachsieg und auch die beiden Bobs fuhren einen Doppelsieg ein. Bei den Eisschnelllaufwettbewerben der Damen gewannen die DDR-Sportlerinnen neun von zwölf Medaillen. Die Finnin Marja-Liisa Hämäläinen gewann alle drei Skilanglaufwettbewerbe der Damen. Weitere herausragende Sportler waren Gaétan Boucher (CAN) und Karin Enke (DDR) mit zwei Eisschnelllauf-Goldmedaillen sowie der norwegische Biathlet Eirik Kvalfoss und der deutsche Biathlet Peter Angerer mit jeweils einem kompletten Medaillensatz. Die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland konnten nur wenige Erfolge verbuchen. Gold gab es lediglich für die Rodler im Doppelsitzer (Hans Stanggassinger und Franz Wembacher) sowie für Peter Angerer im 20-km-Biathlon-Einzellauf.

Erwähnenswertes Die Eröffnungsfeier fand im Koševo-Stadion von Sarajevo statt; offiziell eröffnet wurden die Spiele durch den jugoslawischen Präsidenten Mika Špiljak. Letzte Fackelträgerin war die jugoslawische Eiskunstläuferin Sanda Dubravčić. Den olympischen Eid sprachen der jugoslawische alpine Rennfahrer Bojan Križaj und der jugoslawische alpine Kampfrichter Dragan Perović. Die Schlussfeier am 19. Februar begann um 20:00 Uhr in der Zetra-Halle, wobei Juan Antonio Samaranch, der erstmals bei Olympischen Winterspielen als IOC-Präsident amtierte, eine Ansprache hielt. Maskottchen der Spiele war Vučko, ein Wolf. Die Zeitungsleser der jugoslawischen Presse stimmten aus einer Liste mit sechs Vorschlägen ab. Um einem drohenden Stromausfall vorzubeugen, wurde in Sarajevo ein neues Verteilerzentrum in Betrieb genommen. Im Vorfeld der Winterspiele hatte es wegen der großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Gastgeberlandes Stromreduzierungen gegeben, während der Spiele brauchte nicht gespart zu werden.Glosse „Olympia-Splitter“; zweiter Beitrag, in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 29 vom 4./5. Februar 1984, S. 35; POS. Spalte 4 Um die Stadt Sarajevo von ihrer schönen Seite zu zeigen, waren Putzkolonnen mit viertausend jugendlichen Unterstützern im Einsatz. An den Verkaufsläden waren Werbetafeln und -aufschriften mit Angeboten für Ananas, Bananen und Kaffee – alles Waren, die üblicherweise nicht im Sortiment waren – zu erblicken. Es wurde davon ausgegangen, dass dies nur eine temporäre Angelegenheit war.Glosse „Olympia Spezial“ in «Kleine Zeitung» vom 8. Februar 1984, S. 34; POS.: vierter BeitragGlosse „Olympia Spezial“ mit Titel „Potenkimsches Olympiadorf?“ in «Kleine Zeitung» vom 10. Februar 1984, S. 30, 31. Laut Zentralcomputer der Universität Zagreb waren mehr als zwei Drittel aller 28.057 Akkreditierungen schon sieben Tage vor Beginn der Spiele ausgegeben, wobei 68 % (bezogen auf diese zwei Drittel) auf Mitglieder des Organisationskomitees kamen, 1.582 Journalisten (36 %) hatten schon ihre Arbeit aufgenommen – nur 6 % hatte bis dahin die Rate der eingetroffenen Sportler betragen.Glosse „Olympia-Splitter“; vierter und sechster Beitrag, in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 30 vom 6. Februar 1984, S. 14; POS. Spalte 4 Die Großschanze sowie viele weitere Sportstätten wurden acht Jahre später im Bosnienkrieg schwer beschädigt und werden heute nicht mehr verwendet. Laut offiziellen Angaben des Organisationskomitees war das Verhältnis der Zahl der Sportler und Betreuer mit 1590 zu 1333 nahezu ausgeglichen, wobei 13 der 49 Mannschaften mehr Funktionäre als Sportler entsandt hatten (bei Monaco bemühten sich fünf Betreuer um einen Sportler). Aber auch Österreich, das mit den USA (108) und mit Italien (102) mehr als 100 Funktionäre stellte, stand bei nur 72 Sportlern in einer dementsprechenden Wertung weit voran. Costa Rica (zwei Biathleten), Puerto Rico (ein Rodler) und Senegal (ein alpiner Rennläufer) waren ohne Begleitperson vertreten.„Erste Medaille hätte Österreich verdient“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 27 vom 2. Februar 1984, S. 15; POS.: Spalte 1, zweite Überschrift Männer und Frauen waren erstmals in zwei olympischen Dörfern untergebracht. Diese beiden „olympischen Dörfer“, das Pressezentrum und das Radio-TV-Zentrum wurden schon am 26. Januar ihren Bestimmungen übergeben. Das olympische Dorf Mojmilo wies 640 Appartements auf. Der „Dorfbürgermeister“, Sabahudin Selesković, konnte acht Sportler und Funktionäre aus Kanada, der DDR und der UdSSR als erste Bewohner begrüßen. Das Dorf hatte ein Ausmaß von zwölf Hektar Baugrund mit 24 Wohnblocks mit 639 Appartements und 2100 Betten, verfügte über einen Speisesaal für 800 Personen, einen Laden, eine Post- und eine Bankfiliale sowie Freizeiteinrichtungen wie Kino, Theater, Diskothek, Spielsalon, Fernsehräume, Cafeteria, Sporthalle mit Sauna. Neu war eine Einrichtung seitens des IOC, nämlich Büros für Athletenberatung wie Doping und Sportlermitbestimmung.„Olympia öffnet seine Tore“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 22 vom 28. Januar 1984, S. 13. Im regionalen „TV Sarajevo“ wurden täglich Programmteile in englischer und französischer Sprache ausgestrahlt. Ab 1. Februar hatte die Stadtverwaltung von Sarajevo größere Verkehrsbeschränkungen erlassen: es gab drei Zonen, in denen nur mit entsprechenden Erlaubnisscheinen gefahren werden durfte. Öffentliche Verkehrsmittel waren rund um die Uhr eingerichtet.Glosse „Olympia-Splitter“; zweiter und fünfter Beitrag, in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 26 vom 1. Februar 1984, S. 13; POS. Spalte 4 Im November 1983 war noch die Meldung gekommen, dass die Wettkampfstätten ohne Schnee seien und dort die Blumen blühten. Es waren 49 Nationen vertreten – als Letzte hatten (verspätet) die Virgin Islands, und zwar für einen Eisschnellläufer, genannt. Demgegenüber hatten Portugal und Dänemark ihre Meldungen zurückgezogen.

Sportliche Aspekte Das alpine Skiteam von Chile war ohne Skier, Stöcke und Schuhe angereist; die sollten erst vor Ort gekauft werden. Die Vorbereitung der Sportler aus der Volksrepublik China, die erstmals an Winterspielen teilnahmen, fanden hinsichtlich ihrer alpinen Rennläufer, Langläufer und Biathleten in Seefeld in Tirol statt, die Japaner trainierten in Stubai (Kurzbezeichnung für „Stubaital“).„Japans Skiartisten im Stubaital“ in «Tiroler Tageszeitung», Sonderbeilage Nr. 3 vom 17. Januar 1984, S. 8, unten Österreichs Medaillenausbeute war katastrophal. Anton Steiner holte mit Bronze in der alpinen Abfahrt die einzige Medaille. Sogar das kleine Nachbarland Liechtenstein hatte 2 Medaillen erobert. Im Skispringen von der Großschanze erreichte der 28-jährige Oberaudorfer B-Kader-Springer Gerhard Schaare (BRD) als Vorspringer mit 104,5 und 109,5 Metern eine größere Weite als der damalige Bronzemedaillengewinner Pavel Ploc (ČSSR). Jayne Torvill und Christopher Dean erhielten für die Kür nach der Musik zu Maurice Ravels Boléro neunmal die damalige Idealnote 6,0 in der B-Note – das war die höchstmögliche Bewertung und das einzige Mal, dass dies erreicht wurde. Die amerikanischen Zwillingsbrüder Phil und Steve Mahre belegten die ersten beiden Ränge im alpinen Slalom, und zusätzlich mit Bill Johnson als Abfahrtssieger gab es erstmals für die US-Herren alpine Goldmedaillen bei Olympischen Spielen – wie überhaupt der US-Skiverband im Alpinbereich mit zusätzlich noch Gold im Riesenslalom von Debbie Armstrong die Medaillenwertung gewann. Im Übrigen gaben die Mahre-Zwillinge hier in Sarajevo am 12. Februar ihren Rücktritt bekannt (diesen vollzogen sie nach den Weltcuprennen in Vail).„Die Zwillinge schnallen ab“ in «Kleine Zeitung» vom 13. Februar 1984, S. 13. Auch das Gold im Slalom von Paoletta Magoni bedeutete erstmals eine alpine Goldmedaille für die italienischen Damen. Die DDR gewann das erste und einzige Mal die Medaillenwertung. Nicht teilnehmen durften u. a. die alpinen Skirennläufer Ingemar Stenmark und Hanni Wenzel, da sie Profilizenzen besaßen.„Olympia ohne Wenzel und Stenmark“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 257 vom 7. November 1983, S. 15; POS.: links oben Es fehlte auch der für Luxemburg startende Österreicher Marc Girardelli. Er wollte für Österreich ins Rennen gehen, doch war ein Verbandswechsel während der Saison nicht möglich (Meldung vom 17. Oktober 1983). Der griechische Sänger Costa Cordalis wollte als Langläufer teilnehmen. Sein für die Öffentlichkeit erster Auftritt wurde in der vom ZDF produzierten und vom ORF und der SRG übernommenen TV-Show „Wetten, dass…“ mit Moderator Frank Elstner am 10. Dezember 1983 gezeigt, als der Star auf Skirollern auftrat. Allerdings wurde er vom Olympischen Komitee Griechenlands nicht nominiert.„TV-Programm“ lt. «Tiroler Tageszeitung» Nr. 285 vom 10./11. Dezember 1983, S. 6.„Und jetzt nach Sarajevo“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 298 vom 27. Dezember 1983, S. 12; POS.: großer Titel rechts unten

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