Pinneberg (niederdeutsch Pinnbarg) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Kreises in Holstein im Land Schleswig-Holstein und liegt in der Metropolregion Hamburg.

Geografie Pinneberg liegt Luftlinie etwa 18 Kilometer nordwestlich der Hamburger Innenstadt an der Mündung des Flusses Mühlenau in die Pinnau, die über die Unterelbe in die Nordsee abfließt. Die Stadt besteht aus den Ortsteilen Zentrum, Quellental, Thesdorf, Eggerstedt, Pinnebergerdorf (auch als Pinneberg-Nord oder Ratsberg bezeichnet) und Waldenau-Datum. Sie grenzt im Norden an die Gemeinden Prisdorf, Kummerfeld und Borstel-Hohenraden, im Osten an die Gemeinden Tangstedt, Rellingen und Halstenbek, im Süden an die Städte Schenefeld und Hamburg (Stadtteil Hamburg-Rissen) und im Westen an die Gemeinde Appen.

Geschichte Bereits in der Eisenzeit gab es erste Siedlungen im Nordwesten des heutigen Pinneberger Stadtgebietes. 2016 wurde bei Grabungen ein Langhaus in der Nähe einer frühgeschichtlichen Bestattungsstätte am heutigen Ratsberg gefunden.1600 Jahre Altes Germanen-Haus bei Bauarbeiten entdeckt. abendblatt.de, 17. Februar 2016; abgerufen am 18. Februar 2016 Um das Jahr 1200 entstand eine erste romanische Burg eines nicht näher bekannten Rittergeschlechts, die der Landesherr, der Schauenburger Graf Adolf VIII., 1370 eroberte. Nachdem sich in der Nähe der Burg Hofbedienstete und Handwerker angesiedelt hatten – die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt von 1351 – entwickelte sich die Freie Thingstätte Pinneberg, erstmals 1397 genannt. Von dem Gerichtsort (Thing) stammt die Straßenbezeichnung Dingstätte (Dingstuhl).

Von 1290 bis 1640 war Pinneberg die Residenz der Grafschaft Holstein-Pinneberg, die von einer Linie des Hauses Schauenburg in Personalunion mit der Grafschaft Schaumburg regiert wurde. Die ursprüngliche Burg lag im Winkel zwischen Mühlenau und Pinnau, nahe deren Zusammenfluss, auf einer Burginsel, die von einer Schleife der Pinnau gebildet wurde. Über die alte Burgstelle führt seit 1844 die Bahnlinie nach Elmshorn, sodass davon nichts erhalten ist.

Unter den Brüdern Adolf X. und Erich wurde 1472 die alte Burg durch ein Renaissanceschloss ersetzt, das man einige hundert Meter südöstlich errichtete, zwischen Koppelstraße und Mühlenstraße, wo heute städtebaulich unansehnliche Gebäude das Industriegebiet Am Hafen füllen.So hat Pinnebergs Schloss einmal ausgesehen, in: Hamburger Abendblatt vom 15. April 2010 Es wurde zunächst im Stil der Spätgotik begonnen, dann aber im neuen Renaissancestil vollendet.Abbildung von Schloss Pinneberg, auf: pinnebergmuseum.de Es wurde später zu einer Festung mit Wall und Wassergraben ausgebaut und diente den Grafen von Schauenburg und ihren Landdrosten sowie später den dänischen Drosten als Sitz. Die Schauenburger Grafen von Holstein-Pinneberg residierten aber meist auf Schloss Bückeburg in ihrer Grafschaft Schaumburg. Nachdem das Schloss den Dreißigjährigen Krieg ohne großen Schaden überstanden hatte, brannten es schwedische Truppen 1658 im Zweiten Nordischen Krieg nieder. Ein Wiederaufbau verzögerte sich, auch weil es nach dem Aussterben der Grafen von Holstein-Pinneberg 1640 seine Funktion als Niederlassung der Schauenburger Grafen verloren hatte. Die Grafschaft Holstein-Pinneberg wurde zwischen dem dänischen König zu zwei Dritteln und dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf zu einem Drittel aufgeteilt. Doch beide benötigten hier keinen Wohnsitz. Die für die Verwaltung zuständigen Landdroste wohnten im Ort Pinneberg, später in der dort 1765–67 erbauten Drostei Pinneberg. 1720 riss man auf königliche Anordnung das Schloss endgültig ab. Ein Modell des Pinneberger Schlosses mit dem turmartigen Torhaus, Brücke und Damm steht im Pinneberg Museum.So hat Pinnebergs Schloss einmal ausgesehen, in: Hamburger Abendblatt vom 15. April 2010

mini|Drostei, das Wahrzeichen von Pinneberg Von 1765 bis 1767 ließ der Landdrost Hans von Ahlefeldt als Nachfolgebau die Drostei errichten. Dieser Backsteinbau, den vermutlich Ernst Georg Sonnin erbaute, ist das bedeutendste Beispiel profaner Barockarchitektur im gesamten Kreis Pinneberg und dient heute als Kreiskulturzentrum.

Am 24. August 1696 begannen in Pinneberg Friedensverhandlungen zwischen dem Schwedischen Reich und Dänemark. Die Verhandlungen sollten die wachsenden Spannungen zwischen Friedrich IV. und Christian V. beilegen. Der dänische König hatte zuvor das schleswigsche Landgericht aufgehoben und die Regierungsgemeinschaft mit dem Haus Gottorf beendet, woraufhin der Herzog von Holstein-Gottorf ein Bündnis mit Brandenburg einging. Beide Seiten entsandten Vertreter: Christian V. schickte Conrad Biermann von Ehrenschild, Johann Hugo von Lente und Landrat Blome, Friedrich IV. sein Geheimratskollegium, darunter Magnus von Wedderkop, Johann Ludwig von Pincier und Joseph August du Cros.

Der Ort erhielt erst 1826 das Fleckensprivileg und 1875 die Stadtrechte, obwohl hier schon seit 1640 der Sitz des dänischen Landdrosten und seit 1866 der Sitz des preußischen Landrates war.

Während der Belagerung Hamburgs im Kosakenwinter 1813/1814 befand sich das Hauptquartier der russischen Truppen unter General Bennigsen in Pinneberg.Dieter Kienitz: Der Kosakenwinter, S. 63

1905 kam es zur Eingemeindung von Pinneberger Dorf (heutiger Stadtteil Pinneberg-Nord) und im Jahr 1927 zur Eingemeindung der Gemeinden Thesdorf und Waldenau. Durch den Zustrom von Vertriebenen überwiegend aus Ostpreußen im Jahre 1945 verdoppelte sich Pinnebergs Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten Schleswig-Holsteins konnte Pinneberg diese zusätzlichen Einwohner dauerhaft halten.

Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung von 1824 bis 2016 nach den nebenstehenden Daten. Der starke Anstieg am Anfang des 20. Jahrhunderts ergibt sich aus Eingemeindungen. mini|Bevölkerungspyramide für Pinneberg (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Pinneberg, Alter + Geschlecht)

1824: 900 1875: 3.060 1905: 6.074, Eingemeindung Pinnebergerdorf mit 1.500 Einwohnern 1927: 7.903, Eingemeindung Thesdorf mit 1.313 Einwohnern 1939: 13.494 1948: 24.885 1955: 25.161 1970: 36.002 1990: 37.134

(jeweils zum 31. Dezember) 1998: 39.382 2000: 39.423 2005: 41.461 2010: 40.988 2016: 42.638 2021: 43.603

Konfessionsstatistik Gemäß der Zensus 2022 waren 24,0 % der Einwohner evangelisch, 6,0 % römisch-katholisch und 70,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Politik Stadtvertretung

Die Kommunalwahl vom 14. Mai 2023 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der Wahl 2018):Gemeindewahlen 14. Mai 2023, Pinneberg, Amtliches Endergebnis +Zahlen zur Politik in Pinneberg Partei 2023 2018 Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze CDU 35,4 % 17 33,49 % 14 SPD 23,0 % 11 24,45 % 10 GRÜNE 20,5 % 10 24,40 % 10 FDP 9,8 % 5 8,16 % 3 Buntes Pinneberg 11,4 % 5 – – Die Bürgernahen – – 9,50 % 4

Bürgermeister

Seit 2024 ist Thomas Voerste (parteilos) hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Pinneberg. Er wurde am 29. Oktober 2023 in einer Stichwahl mit 62,6 Prozent der Stimmen gewählt. Der unterlegene Gegenkandidat Marco Bröcker erhielt 37,4 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei der Stichwahl bei 25,3 Prozent.Stichwahl Bürgermeister auf wahlen-sh.de abgerufen am 6. März 2025

Wappen

Flagge rechts|200px|rand Die Flagge zeigt in weißem, oben und unten von je einem schmalen roten Rand begrenzten Feld das Stadtwappen, aus der Mitte des Tuches etwas zur Stange hin verschoben.

Städtepartnerschaften Partnerschaften bestehen mit der Stadt Rockville, Maryland (USA), dem Nzega-District (Tansania), mit der deutschen Volksgruppe in Hadersleben (Nordschleswig/Dänemark) und der Stadt Primorsk (Russland).

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Bahnhof Pinneberg (Aufnahme 2006) mini|Amtsgericht mini|hochkant|Die Pinnau Richtung Saarlandstraße Pinneberg liegt im Wesentlichen zwischen der Bundesautobahn 23 mit drei Anschlussstellen im Osten und der Landesstraße 103 im Westen.

Seit den 1970er Jahren ist in Pinneberg eine Westumgehung geplant, die die Autobahn mit der L 103 verbinden und damit die Stadt entlasten soll. Das erste Teilstück ist bereits unter dem Namen „Westring“ realisiert worden. Der Baubeginn der beiden verbleibenden Teilstücke erfolgte im Jahr 2015. Diese wurden am 29. September 2019 unter dem Namen „Westumgehung“ für die Öffentlichkeit freigegeben. NDR.de vom 11. Dezember 2015, abgerufen am 24. November 2016Hier wächst die Pinneberger Westumgehung Abendblatt.de vom 11. Juni 2016, abgerufen am 24. November 2016

Pinneberg wird von der Bahnstrecke Hamburg-Altona–Kiel, die die Altona-Kieler Eisenbahn-Gesellschaft erbaute – der ersten dänischen Eisenbahn – durchquert. Im Zentrum der Stadt befindet sich der Bahnhof Pinneberg, an dem die Regionalzüge von Hamburg-Altona und Hamburg-Hauptbahnhof über Elmshorn nach Itzehoe und Wrist halten. Seit einer Fahrplanumstellung fahren die meisten RegionalExpress-Züge nach Husum und Sylt sowie nach Neumünster, Flensburg und zur Landeshauptstadt Kiel dagegen ohne Halt durch. In Pinneberg endet außerdem die S3 der S-Bahn Hamburg. Das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1844 ist das älteste noch bestehende Bahnhofsgebäude in Schleswig-Holstein. Seit Ende 2018 wird es grundlegend renoviert und ein neuer Fußgängertunnel gebaut, so dass Fahrgäste zur Nordbahn nicht mehr über den S-Bahn-Bahnsteig gehen müssen.

Eine weitere S-Bahn-Station befindet sich im Ortsteil Thesdorf. Sie hat einen großen Park+Ride-Parkplatz, den viele Fahrgäste aus dem Kreis Pinneberg nutzen (beispielsweise aus Tornesch und Barmstedt außerhalb des Großbereichs des Hamburger Verkehrsverbund).

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) betreiben in Pinneberg und Umgebung mehrere Buslinien innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV). Die sieben wichtigsten Buslinien der Stadt sind: Linie Verlauf Bf. Elmshorn (ZOB) – Ellerhoop – Pinneberg – S Halstenbek – Schenefeld Bf. Elmshorn (ZOB) – Daimlerstraße – Ellerhoop – Kummerfeld – Pinneberg Bf – Rellingen – S Halstenbek – Schenefeld Busbetriebshof Bf. Pinneberg – Hamburg-Iserbrook Pinneberg Bf – Thesdorf – Waldenau – Schenefeld – Hamburg-Iserbrook, Reinheimer Weg Bf. Pinneberg – U Niendorf Nord Pinneberg Bf – Rellingen – Egenbüttel – Ellerbek – Hamburg-Schnelsen – U-Bf Niendorf Nord Bf. Pinneberg – U Garstedt Pinneberg Bf – Rellingen – Ellerbek – Bönningstedt – Norderstedt, U-Bf Garstedt S Wedel – U Garstedt Wedel – Appen-Etz – Pinneberg Bf – Rellingen – Tangstedt – Hasloh – Norderstedt, U Garstedt Wedel – Pinneberg – Quickborn – Norderstedt Mitte (Wedel, Schulau Fähre –) Wedel Bf – Holm – Appen-Etz – Pinneberg Bf – Borstel – Hohenraden – Renzel – Quickborn Bf – Norderstedt Mitte Bf Bf. Pinneberg – Uetersen Pinneberg Bf – Appen – Moorrege – Uetersen, Buttermarkt (Linie der KViP)

Baumschulen Pinneberg ist in diesem Wirtschaftszweig laut Eigenauskunft unübertroffen in der Welt bei der Anzahl der Züchtung von unterschiedlichen Gehölzarten. Es gibt sowohl kleine Familienbetriebe als auch Mittel- und Großbetriebe. Der größte Anteil der Pflanzen (neben Bäumen auch Sträucher, Rosen und viele weitere Blühpflanzen) wird außerhalb von Schleswig-Holstein verkauft. Kunden sind unter anderem Baumschulen des In- und Auslandes, Landschaftsgärtner, Gartencenter und Warenhäuser.

Die Baumschulen im Umkreis von Pinneberg bewirtschaften eine Fläche von etwa 4.170 Hektar, die jedoch seit einigen Jahren stetig abnimmt. Zum einen erlaubt die Zugehörigkeit zur Metropolregion Hamburg eine profitablere Verwertung der Flächen zu Wohnzwecken, zum anderen nehmen die Folgen des jahrzehntelangen Gebrauchs von Pflanzengiften und Insektiziden zu. Mehrere Trinkwasserbrunnen im Gebiet der Stadt Pinneberg mussten wegen erhöhter Belastung durch Insektizide und Fungizide in den frühen 1990er Jahren geschlossen werden.

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