Ludwig Münstermann (* um 1575; † 1637/1638) war ein Bildhauer und Holzschnitzer des Manierismus, wahrscheinlich aus Bremen, nachweislich mit einer Werkstatt in Hamburg. Seine Werke sind ausschließlich in lutherischen Kirchen des Oldenburger Landes erhalten.

Biografie mini|hochkant=1.3|Altar, Kanzel und Taufstein der Schlosskirche Varel mini|König David vom Rotenburger Orgelprospekt (1608) im Bremer Focke-Museum Münstermann wurde um 1575 vermutlich in Bremen geboren. Sein Vater Johann Münstermann war Drechslermeister. Seine frühen Jahre sind in Quellen nicht greifbar. Er lernte in der Werkstatt des bremischen Bildhauers Hans Winter (1565–1603). Während dieser Lehrzeit lernte er den von Cornelis Floris übernommenen manieristischen Dekorationsstil kennen, der vor allem durch Stichvorlagen weit verbreitet war.Lexikon der Kunst, Band 5: Mosb–Q. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-865-02084-4, S. 40. Seine erste urkundliche Erwähnung datiert in 1599, als er in das Hamburger Drechsleramt erhoben wurde. In Hamburg durfte er als Bilderhauer nicht öffentlich wirken, so dass er vor allem für die Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst arbeitete. Von 1607 bis 1612 wirkte er im Auftrag von Johann Prange am Oldenburger Schloss. Er signierte seine Werke mit „Bildhauer aus Hamburg“.

Münstermann gestaltete viele Altäre, Kanzeln, Taufen und Orgelprospekte in Kirchen, insbesondere in der Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst. Der größte erhaltene Altar befindet sich in der Vareler Schlosskirche (1614). In der St.-Ansgarii-Kirche in Bremen arbeitete er an Epitaphien (um 1590, in der Winter-Werkstatt). Der Orgelprospekt aus der ehemaligen Schlosskapelle von Rotenburg/Wümme (1608) und eine steinerne Herkules-Statue befinden sich im Focke-Museum in Bremen.

In den Kirchen St. Matthäus in Stadland-Rodenkirchen (1629–31) und St. Secundus in Stadland-Schwei (1618–38) befinden sich weitere Altäre, Kanzeln und Taufsteindeckel von Ludwig Münstermann, in Hohenkirchen Altar (1620) und Kanzel (1628), in St. Hippolyt in Blexen Altarfiguren und eine Kanzel (1638).

Zwischen März 1637 und Dezember 1638 ist Ludwig Münstermann, einer Quellen-Notiz folgend, in Hamburg gestorben. Seine Söhne Johann und Claus Münstermann führten die Werkstatt einige Zeit weiter. Sein Geselle Onno Dircksen betrieb eine eigene Werkstatt in Tossens. Zum nahen Umfeld Münstermanns gehören Jacob Cröpelin (Esens), Albrecht Wulff (Bremen) und Christian Wolfgang Heimbach (Oldenburg).

Münstermann ist einer der exponiertesten Vertreter der manieristischen Bildhauerkunst Norddeutschlands. Sein Stil zeichnet sich durch eigentümlich übersteigerte, bis zum Grotesken bewegte Figürlichkeit und dramatische Ausdruckskraft aus, die Darstellungen sind gerahmt von kleinteilig-manieristischen Ornament- und Architekturelementen. Wesentlicher Bestandteil seiner Dekorationsweise sind aufwendige Farbfassungen in geradezu grellen Tönen und Lüstrierungen, die allerdings teilweise durch verständnislose „Restaurierungen“ verloren gingen. Es ist signifikant, dass Münstermann von der Kunstgeschichtswissenschaft erst in der Ära des Expressionismus wahrgenommen wurde.Albert Erich Brinckmann: Barockskulptur, 1917, S. ?.

In Rodenkirchen (Ludwig Münstermann Straße), Tossens (Münstermannweg), Hamburg (Münstermannsweg), Jever (Münstermannstraße), Oldenburg (Münstermannstraße) und Rotenburg (Wümme) (Münstermannstraße) sind Straßen nach ihm benannt.

Zu den zeitgenössischen Künstlern, die sich von Münstermann inspirieren ließen, gehört Markus Lüpertz.Markus Lüpertz im Bodemuseum Gunst der Götter, auf tagesspiegel.de Seine Zeichnungen zum Vareler Apoll (heute: Bodemuseum Berlin) wurden 2017 in der Vareler Schlosskirche St. Petri gezeigt.

2018 wurde in Oldenburg die Ludwig-Münstermann-Gesellschaft begründet, die sein Werk touristisch erschließen will und das wissenschaftliche Netzwerk fördert. Unter dem Titel "Münstermann" veranstaltete das Landesmuseum für Kunst und Kultur in Oldenburg in Kooperation mit der Ludwig-Münstermann-Gesellschaft vom 23. August bis 30. November 2025 die erste monografische Ausstellung mit Werken von Ludwig Münstermann.Bericht bei Landesmuseum-Ol.de, Abruf am 24. August 2025. Die Ausstellung wurde begleitet von einem Ludwig Münstermann (Musik) Festival, einem theologisch-kunsthistorischen Symposium und Exkursionen zu den Münstermann-Kirchen.

Werke Rotenburg (Wümme): Kapelle des bischöflichen Schlosses, Gehäuse für die Orgel von Hans Scherer d. Ä., Datiert: 1608, Standort: Bremen, Focke-Museum Delmenhorst, Gräfliches Schloss, Herkules als linke Tragefigur eines Kamins, Zuschreibung: um 1610, Standort: Bremen Focke-Museum Delmenhorst, Stadtkirche, Gehäuse der Orgel von Christian Bockelmann (?), Zuschreibung: 1618, Nicht erhalten; Zwei steigende Löwen mit Wappen vom Grafenstuhl, Zuschreibung: 1633, Standort: Stadtmuseum Delmenhorst; Altar, Zuschreibung an Werkstatt: 1639, nicht erhalten Oldenburg, Gräfliches Residenzschloss, Bildhauerarbeiten an den Fassaden, vor 1612, nicht identifiziert; Figur der Fama als Wetterfahne auf der Turmspitze, Zuschreibung: 2. Jahrzehnt des 17. Jhs., nicht erhalten; Modell für das Relief einer Herkules-Figur als Schmuck eines Geschützrohrs auf einer Schlossbastion, 1612, nicht erhalten Oldenburg, St.-Lamberti-Kirche, Kanzel, 1612, nur die Moses-Figur als Träger erhalten, Standort: Landesmuseum Oldenburg; Cronament, 1621, Nicht erhalten; zwei Abendmahlsbänke, 1622, nicht erhalten Oldenburg-Osternburg, Dreifaltigkeitskirche, Taufbecken, Zuschreibung: 1616 Rastede, St.-Ulrichs-Kirche, Kanzel, signiert und datiert: 1612 Schlosskirche (Varel), Kanzel, signiert und datiert: 1613; Altar, datiert: 1614; Gehäuse der Orgel von Christian Bockelmann, 1615, allein die Figuren des Apollo und zweier musizierender Engel erhalten, Standort: Berlin Bodemuseum, Privatbesitz; Grafenstuhl, 1616, allein Figur der Fama und sieben Konsolköpfe erhalten, Standort: Landesmuseum Oldenburg; Taufbecken mit Deckel, signiert und datiert: 1618 Eckwarden, St. Lamberti, Taufbecken, Zuschreibung: 1616; Kanzel, 1623, nicht erhalten; Altar, 1628; Epitaph des Vogtes Meent Siassen, datiert: 1631 Schwei, St.-Secundus-Kirche, Kanzel, 1618; Deckel zum Taufbecken, 1623; Altar, datiert: 1638, Zuschreibung an Johann Münstermann Altenesch-Süderbrook, St.-Gallus-Kirche, Kanzel, 1619 Hohenkirchen, St.-Sixtus-und-Sinicius-Kirche, Altar, signiert und datiert: 1620; Kanzel, signiert und datiert: 1628 Tossens, St. Bartholomäus, Taufbecken mit Deckel, signiert und datiert: 1623; Altar, datiert 1631, Einzelne Figuren abgenommen: Standort: Landesmuseum Oldenburg; Schalldeckel zur Kanzel, datiert: 1632 Holle, St. Dionysius, Taufbecken mit Deckel, 1624; Kanzel, datiert: 1637 Burhave, St. Petri, Kanzel, 1626, nicht erhalten Abbehausen, St. Laurentius, Epitaph für den Vogt Tönnies Meiners und Frau Tide, 1627; Taufbecken; signiert und datiert: 1628; Altar, 1635, allein das Relief des Kirchenpatrons erhalten Standort: Landesmuseum Oldenburg Stollhamm, St.-Nikolai-Kirche, Taufbecken mit Deckel, 1628, in Fragmenten erhalten, Standort: Kirche in Schweiburg, Landesmuseum Oldenburg; Kanzel, 1628, nicht erhalten; Altar, 1633, nicht erhalten Rodenkirchen, St.-Matthäus-Kirche, Altar, signiert und datiert: 1629; Taufbecken, um 1630; Kanzel, signiert und datiert: 1631; Epitaph für Hinrich Dethmers und Frau Metke, datiert: 1637 Langwarden, St.-Laurentius-Kirche, ein Paar Konsolköpfe, um 1635, Standort: Landesmuseum Oldenburg; Kanzel, 1638, nur eine Brüstungsnische erhalten Altenhuntorf, St.-Jacobi-Kirche, Rahmen eines Epitaphs, um 1630, Standort: Landesmuseum Oldenburg Apen, St.-Nikolaus-Kirche, Kanzel, um 1630 Heppens, St.-Nikolai-Kirche, Kanzel, Claus Münstermann, signiert und datiert: 1632 Golzwarden, St.-Bartholomäus-Kirche, Taufbecken, 1633 Blexen, St.-Hippolythus-Kirche, Altar, 1637, lediglich die vier Figuren der Evangelisten Ludwig Münstermann, die übrigen drei Johann Münstermann zugeschrieben; Kanzel, Johann Münstermann, signiert und datiert: 1638 Berne, St. Ägidius-Rotary, Altar, Albrecht Wulff nach Entwurf Ludwig Münstermanns, datiert: 1637

Literatur Georg Sello: Des Hamburger Bildschnitzers Ludwig Münstermann Werke in Oldenburg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. 11. Band, Lütcke & Wulff, Hamburg 1903, S. 349–356 (Digitalisat SUB Hamburg). Wilhelm Becker: Der Bildschnitzer Ludwig Münstermann von Hamburg. In: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. 13. Band, Gräfe & Sillem, Hamburg 1908, S. 71–73 (Digitalisat SUB Hamburg). Martha Riesebieter: Ludwig Münstermann. Ein Beitrag zur Geschichte der frühen niederdeutschen Barockplastik. Verlag Klinkhardt & Biermann, Berlin 1930 (Digitalisat).

Peter Königfeld, Günter Goege, Klaus Thönes: Die Farbigkeit der Bildwerke Ludwig Münstermanns. In: Hans-Herbert Möller (Hrsg.): Restaurierung von Kulturdenkmalen. Beispiele aus der niedersächsischen Denkmalpflege (= Berichte zur Denkmalpflege, Beiheft 2). Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Verlag CW Niemeyer, Hameln 1989, ISBN 3-87585-152-8, S. 286–292. Wilhelm Knollmann, Dietmar Jürgen Ponert, Rolf Schäfer: Ludwig Münstermann (= Veröffentlichungen der Oldenburgischen Landschaft. 1). Isensee Verlag, Oldenburg 1992, ISBN 978-3-89442-134-2. Holger Reimers: Ludwig Münstermann. Zwischen protestantischer Askese und gegenreformatorischer Sinnlichkeit. Jonas Verlag, Marburg 1993, ISBN 978-3-89445-152-3.

Jörgen Welp, Kerstin Schnaars: Auf den Spuren Ludwig Münstermanns. Touristikgemeinschaft Wesermarsch, Brake 2005, 2007 (Digitalisat).

Dietmar J. Ponert, Rolf Schäfer, Tobias Trapp: Ludwig Münstermann. Der Meister – die Werkstatt – die Nachfolger. Bildhauerkunst des Manierismus im Dienste lutherischer Glaubenslehre in Kirchen der Grafschaft Oldenburg. Schnell + Steiner, Regensburg; Isensee, Oldenburg 2016, ISBN 978-3-7308-1275-4, ISBN 978-3-7954-3166-2. ‐ Addenda und Corrigenda (Stand: 4.1.2022) (PDF; 335 KB). In: www.ludwig-muenstermann.de/literatur. Ludwig-Münstermann-Gesellschaft, abgerufen am 21. Juni 2024 Rolf Schäfer: Münstermann-Bilder. Isensee Verlag, Oldenburg 2017, ISBN 978-3-7308-1398-0. Dietmar J. Ponert: Die Orgelprospekte Ludwig Münstermanns. Rotenburg an der Wümme (1608), Varel (1615), Delmenhorst (1618), Oldenburg (1635), Berne (1638). In: Acta Organologica. Bd. 35, 2017, S. 39–74. Rolf Schäfer: Advent und Weihnachten bei Ludwig Münstermann (= Münstermann-Bilder. 2). Isensee Verlag, Oldenburg 2018, ISBN 978-3-7308-1501-4.

Rolf Schäfer: Karfreitag und Ostern bei Ludwig Münstermann (= Münstermann-Bilder. 3). Isensee Verlag, Oldenburg 2020, ISBN 978-3-7308-1724-7. Dietmar J. Ponert: Auf der Ludwig-Münstermann-Straße durch das Oldenburger Land. Ein Begleiter zu den Werken Ludwig Münstermanns mit einführenden Erläuterungen. Isensee Verlag, 2022, ISBN 978-3-7308-1838-1 (76 Seiten, farbige Abbildungen). Ralph Hennings, Katrin Schöß zeichnet Ludwig Münstermann, Isensee Verlag, Oldenburg 2025, ISBN 978-3-7308-2231-9. Anna Heinze, Hannes Eckstein: Münstermann. Michael Imhof Verlag, Petersberg bei Fulda 2025, ISBN 978-3-7319-1514-0. Anna Heinze, Das Phänomen Münstermann, in: Heinze/Eckstein, 2025, S. 14–23. Dietmar J. Ponert, Manieristische Gestaltungsmotive in Werken Ludwig Münstermanns, in: Heinze/Eckstein, 2025, S. 24–37. Hannes Eckstein, Von leibhaftigen Teufeln, Löwenkriegern und Melancholikern: Tendenzen der Typisierung im Oevre Münstermanns, in: Heinze/Eckstein, 2025, S. 38–51. Johann Anselm Steiger, Ludwig Münstermanns skulpturale Repräsentationen des Gnadenstuhls: die Altarretabeln in Varel, Rodenkirchen und Hohenkirchen, in: Heinze/Eckstein, 2025, S. 52–63. Tom O. Brok, Spirituelle Miniaturen zur Kunst Ludwig Münstermanns, in: Heinze/Eckstein, 2025, S. 64–77.