Die Bahnstrecke Křimov–Vejprty ist eine Eisenbahnverbindung in Tschechien, die ursprünglich von der k.k. priv. Buschtěhrader Eisenbahn (BEB) erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Křimov (Krima) von der Bahnstrecke Chomutov–Reitzenhain ab und führt am Erzgebirgskamm über Měděnec (Kupferberg) und Kovářská (Schmiedeberg) nach Vejprty (Weipert), wo sie in die Bahnstrecke Vejprty–Annaberg-Buchholz unt Bf einmündet.

Nach einem Erlass der tschechischen Regierung ist die Strecke seit dem 20. Dezember 1995 als regionale Bahn („regionální dráha“) klassifiziert.

Geschichte Vorgeschichte und Bau Die Genehmigung für eine „Locomotiveisenbahn von Kommotau bis Weipert an die königlich sächsischen Grenze zum Anschluss an die Chemnitz-Annaberger Bahn“ hatte die Buschtěhrader Eisenbahn am 1. Juli 1868 im Zusammenhang mit der Konzession der Linie von Prag über Komotau nach Eger erhalten. Die konzessionierte Linie sollte innerhalb von drei Jahren ab Konzessionserteilung fertiggestellt und dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Die Anlage eines zweiten Gleises war gefordert, wenn der „jährliche Rohertrag während zweier aufeinanderfolgender Jahre die Summe von 140.000 fl. überschreitet“.Reichsgesetzblatt für das Kaisertum Österreich vom 17. Oktober 1868 Am 29. September 1869 wurde schließlich mit Sachsen der Staatsvertrag „über die Eisenbahnanschlüsse an der böhmisch-sächsischen Grenze bei Weipert, Georgswalde und Warnsdorf“ abgeschlossen. Als Verknüpfungspunkt mit dem sächsischen Eisenbahnnetz wurde Weipert bestimmt. Sachsen verpflichtete sich, die Strecke von Annaberg bis Weipert bis zum 1. Juli 1871 fertigzustellen. Wenn sich kein privater Investor für den Streckenbau finden sollte, war dort ein Bau auf Staatskosten vorgesehen.Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder vom 12. Juli 1871

Die Strecke Komotau–Weipert wurde schließlich am 1. August 1872 in Betrieb genommen. Die durch die Konzession vorgegebene Baufrist wurde damit um über ein Jahr überschritten. Die Anschlussstrecke in Sachsen von Weipert nach Annaberg nahm zwei Tage später – am 3. August 1872 – ihren allgemeinen Betrieb auf.

Betrieb bis 1945

Der Sommerfahrplan von 1912 verzeichnete zwischen Komotau und Weipert vier Personenzugpaare 2. und 3. Klasse. Die Reisezeit zwischen Komotau und Weipert betrug fast zweieinhalb Stunden.Fahrplan der kkStB – gültig vom 1. Mai 1912.

Zum 1. Jänner 1924 ging die Strecke infolge der Verstaatlichung der BEB an die Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über. In den 1930er Jahren wurden in Neudorf, Böhmisch Hammer und in Weipert neue ortsnahe Haltestellen eingerichtet.

Im Winterfahrplan von 1937 gab es werktags sieben Personenzugpaare zwischen Komotau und Weipert. Sonn- und Feiertags verkehrte ein weiteres für Ausflügler.Winterfahrplan 1937/38 der ČSD – gültig ab 3. Oktober 1937.

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Oktober 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Dresden. Im Reichskursbuch war die Verbindung nun unter der Kursbuchstrecke 140c Weipert–Komotau enthalten.Deutsches Kursbuch - gültig vom 15. Mai bis 7. Oktober 1939

Der Niedergang nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Strecke wieder vollständig zu den ČSD. Auf Grund der veränderten politischen Verhältnisse fand nach 1945 kein planmäßiger grenzüberschreitender Verkehr mehr statt. Die Gleisverbindung blieb allerdings aus militärischen Gründen erhalten.

Am 20. Februar 1950 entliefen im Bahnhof Suniperk neun Wagen eines Güterzuges. Sie entgleisten mit hoher Geschwindigkeit in einem Gleisbogen am Kilometer 16,5 der Strecke Chomutov–Reitzenhain bei Krásná Lípa (Schönlind). Unter den verunfallten Güterwagen waren auch einige Kühlwagen der Norwegischen Staatsbahn (NSB) mit Seefisch für die Fischfabrik (vorm. Kalla) in Kovářská. Der Schaden betrug mehrere Millionen Kronen.Erzgebirgs-Zeitung - Deutsche Ausgabe - Jahrgang 2019, S. 50: Norwegische Fische sind im Jahr 1950 in der Fabrik nicht eingetroffen. Českojiřetínský spolek / Georgendorfer Verein, Litvínov 2019,

Die Strecke war während ihrer regulären Betriebszeit oft von Sperrungen infolge Schneeverwehungen betroffen. Insbesondere bei Měděnec blieben Züge mehrfach in den Schneemassen stecken. Im März 1968 kam sogar eine Dampfschneeschleuder der Deutschen Reichsbahn samt Hilfskräften zum Einsatz, um einen eingeschneiten Reisezug zwischen Rusová und Měděnec zu bergen. Es war die erste Zugfahrt über die Grenzbrücke in Weipert seit 1945. Ähnliches wiederholte sich 1970, 1988 und 2005. mini|Züge der DB und ČD im Bahnhof Veprty (1995) In den 1980er Jahren bestanden Bestrebungen seitens der Deutschen Reichsbahn, die grenzüberschreitende Verbindung über Vejprty für den Leerwagenaustausch wieder in Betrieb zu nehmen, was allerdings von tschechoslowakischer Seite nicht erwünscht war.

Seit 1. August 1993 ist die grenzüberschreitende Verbindung in Vejprty für den Personenverkehr wieder in Betrieb. Ende der 1990er Jahre wurde auch die Grenzbrücke über den Pöhlbach mit EU-Fördermitteln komplett erneuert. Seitdem wird die Strecke bei Bedarf auch wieder für den grenzüberschreitenden Güterverkehr benutzt. Einziger regelmäßiger Nutzer war bislang nur die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft, die bis 2004 Lokomotivkohle für die Schmalspurbahn Cranzahl–Oberwiesenthal aus Tschechien bezog.

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 wurde der Reisezugverkehr durch den verantwortlichen ÖPNV-Aufgabenträger Ústecký kraj abbestellt. Als Grund für die Einstellung wurde vor allem die geringe Auslastung der Züge genannt.www.zelpage.cz/zpravy/5040?oddil=1 mini|Zug der ČD im Bahnhof Kovářská (2014) Seit dem 9. Dezember 2007 wurde nur noch ein touristisch orientierter Verkehr mit zwei Zugpaaren an den Wochenenden aufrechterhalten, darunter eine durchgehende Verbindung Leipzig–Chemnitz–Chomutov der Erzgebirgsbahn. Vom 14. Dezember 2014 bis zum 1. Mai 2016 gab es zwischen Cranzahl und Vejprty keinen planmäßigen Reiseverkehr mehr. Seit 2015 ist der Betrieb zwischen Chomutov und Vejprty auf die Sommermonate von Mai bis September beschränkt. Seit Mai 2016 fuhren Reisezüge dann auch wieder zwischen Cranzahl und Vejprty.

Seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 werden die Züge unter der neu eingeführten touristischen Linie T7 geführt. Nach einer Neuausschreibung wird der saisonale Reiseverkehr seit 2020 durch Die Länderbahn (DLB) betrieben.Pressemeldung der Die Länderbahn

Neue Perspektiven als Versuchsstrecke

Im November 2023 gab die Infrastrukturverwaltung bekannt, die Teilstrecke über Vejprty zukünftig zusammen mit der benachbarten Bahnstrecke Annaberg-Buchholz–Schwarzenberg in Deutschland als grenzüberschreitende Teststrecke zur Entwicklung neuer Technologien im Eisenbahnverkehr zu nutzen. Der tschechische Staat möchte so eine freie Forschungsumgebung für Universitäten und Industrieunternehmen schaffen. Mit dem sogenannten Smart Rail Connectivity Campus der Technischen Universität Chemnitz mit Sitz in Annaberg-Buchholz unt Bf ist eine Zusammenarbeit zur grenzüberschreitenden Interoperabilität geplant. Bislang gibt es in Tschechien zwei solche Strecken im Eigentum von AŽD Praha, die nur für die Entwicklung der eigenen Produkte genutzt werden.„Česko bude mít další testovací trať. Chomutov propojí s německým polygonem Annaberg“ auf zdopravy.cz

Streckenbeschreibung Verlauf

Die Strecke führt ab Křimov parallel zum Erzgebirgskamm, der kurz vor dem Bahnhof Rusová am Preßnitzer Pass überschritten wird. Der Scheitelpunkt der Strecke liegt allerdings erst zwischen Měděnec zastávka und Kovářská městys auf der flachen Wasserscheide zwischen Preßnitz- und Schwarzwassertal. Aufgrund der dortigen neigungsarmen Trassierung liegen die Bahnhöfe in diesem Abschnitt oft weit von den namensgebenden Ortschaften entfernt. Ab České Hamry verläuft das Gleis an der rechten Talflanke des Pöhlbaches in stetem Gefälle nach Vejprty.

Betriebsstellen

Křimov

mini|Bahnhof Křimov (2006) Der Bahnhof Křimov (bis 1945: Krima-Neudorf) besaß als Ausgangspunkt der Zweigstrecke nach Reitzenhain ein großzügig dimensioniertes Empfangsgebäude und einen zweiständigen Lokschuppen. In der einstigen Lokomotiveinsatzstelle ist der Eisenbahnverein společnost LOKO-MOTIV ansässig. Er wollte dort ein kleines Museum zur Geschichte der Strecke aufbauen.Homepage des Vereines společnost LOKO-MOTIV Das Aufnahmsgebäude haute ist in Privatbesitz.

Nová Ves u Křimova

Die Haltestelle Nová Ves u Křimova (bis 1938: Nová Ves u Hory Svatého Šebestiána, deutsch bis 1945: Neudorf (b Sebastiansberg)) wurde am 1. Juni 1933 eröffnet. Sie befindet sich am südlichen Rand des zu Hora Svatého Šebestiána (Sankt Sebastiansberg) gehörigen Ortsteils Nová Ves (Neudorf). An Hochbauten besitzt die Station nur eine massive Wartehalle.

Výsluní mini|Haltstelle Výsluní, Aufnahmsgebäude (2006) Die heutige HaltestelleVýsluní (bis 1945: Sonnenberg, bis 1950: Suniperk v Krušných horách) besteht seit der Streckeneröffnung. Sie liegt über zwei Kilometer nordwestlich der Stadt in den Wäldern am Erzgebirgskamm. Die Gleise der Station wurden bis auf das durchgehende Streckengleis abgebaut.

Rusová mini|Bahnhof Rusová, devastiertes Aufnahmsgebäude (2010) Der Bahnhof Rusová (bis 1945: Pressnitz-Reischdorf) besteht seit der Streckeneröffnung. Er liegt heute in der freien Landschaft südöstlich der Talsperre Preßnitz (tschech.: Vodní nádrž Přísečnice) ohne Bezug zu einer Ortschaft. Der zum Bahnhof gehörige, nördlich der Station gelegene Ort Rusová (Reischdorf) wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Talsperre Preßnitz Anfang der 1970er Jahre geräumt und bis 1974 abgerissen. Das 2012 abgerissene Aufnahmsgebäude des Bahnhofs war das letzte erhaltene Gebäude des Ortes. Seitdem befindet sich an der Station eine massive Wartehalle. Ende des Jahres 2017 wurde das verbleibende Ausweichgleis abgebaut, seitdem ist die Station Rusová nur noch eine Haltestelle.

Měděnec

Der Bahnhof Měděnec (bis 1945: Kupferberg) befindet sich im Nordosten von Měděnec an der südlichen Flurgrenze zu Kotlina (Köstelwald) an der Straßenabzweigung nach Petlery (Bettlern). Die Hochbauten der Station wurden bis auf den Güterschuppen im Jahr 2010 abgerissen, sodass es am Standort heute neben diesem Gebäude lediglich eine hölzerne Wartehütte gibt. Weiterhin wurden alle Gleise bis auf das Streckengleis entfernt, sodass die Station bezüglich der Funktion heute nur noch eine Haltestelle ist.

Měděnec zastávka

Die Haltestelle Měděnec zastávka wurde am 31. Mai 1959 am Standort des neu aufzubauenden Erzbergwerkes dul Měděnec eröffnet. Bis 2010 gab es einen Gleisanschluss vom Haltepunkt aus. Das kleine, zum Schluss devastierte Stationsgebäude wurde in jüngerer Zeit durch einen standardisierten Betonunterstand ersetzt.

Kovářská městys

Der Haltestelle Kovářská městys (bis 1945: Markt Schmiedeberg, bis 1948: Šmídeberk městys) wurde am 1. August 1908 eröffnet. Sie befindet sich außerhalb des Orts im Osten von Kovářská. Die Station verfügt lediglich über eine hölzerne Wartehütte.

Kovářská mini|Bahnhof Kovářská, devastiertes Aufnahmsgebäude (2008) Der Bahnhof Kovářská (bis 1945: Schmiedeberg, bis 1948: Šmídeberk) liegt abseits des Orts im Südwesten von Kovářská. Der 1872 eröffnete Bahnhof besitzt heute noch drei der vier Gleise. Die Station besaß weiterhin zwei Güterrampen, welche auf ein einst erhöhtes Güteraufkommen schließen lassen. An Hochbauten besaß der Bahnhof Schmiedeberg neben dem Empfangsgebäude einen Güterschuppen, ein Wasserhaus und ein Wärterhaus.

Im Jahr 2015 wurden das eingestürzte Dach und die eingestürzten Decken des Empfangsgebäudes wieder neu aufgebaut. Der baufällige Güterschuppen wurde hingegen abgerissen. Eine Rampe, das Wasserhaus und das Wärterhaus sind noch vorhanden.Beschreibung und Gleisplan des Bahnhofs Kovářská auf ceskedrahy.de

České Hamry mini|Haltestelle České Hamry (2010)