mini|Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst (Franz von Lenbach, 1896) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image

Chlodwig Carl Viktor Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinz von Ratibor und von Corvey (* 31. März 1819 in Rotenburg an der Fulda; † 6. Juli 1901 in Bad Ragaz in der Schweiz), war ein deutscher Politiker und von 1894 bis 1900 Reichskanzler sowie preußischer Ministerpräsident. Er blieb parteilos, galt aber als gemäßigt liberal.

In der Revolutionszeit 1848/1849 war er Reichsgesandter, später in Bayern Ministerpräsident und Außenminister (1866–70). Im Kaiserreich war er von 1871 bis 1881 Reichstagsabgeordneter (Fraktion der Liberalen Reichspartei, später Hospitant bei der Deutschen Reichspartei), von 1874 bis 1885 deutscher Botschafter in Paris und 1880 kurzzeitig Staatssekretär des Auswärtigen, was heutzutage einem Außenminister entspricht. Er war ab 1885 Statthalter des Reichslandes Elsaß-Lothringen, bis Kaiser Wilhelm II. ihn 1894 überraschend zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten ernannte. Die dominierende Person in seiner Kanzlerschaft wurde allerdings ab 1897 sein Staatssekretär des Auswärtigen, Bernhard von Bülow, der im Jahr 1900 Hohenlohes Nachfolger wurde.

Herkunft Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst stammte aus der seit 1153 urkundlich bekannten fränkischen Familie Hohenlohe ab, die bis zur Mediatisierung 1806 reichsunmittelbar gewesen war.

Er war der zweite von sechs Söhnen des Fürsten Franz Joseph zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1787–1841) und dessen Frau, Prinzessin Konstanze zu Hohenlohe-Langenburg (1792–1847). Wie sein Vater war er katholisch getauft, seine Mutter dagegen protestantisch. Die Brüder von Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst – im Verwandtenkreis wurden die vier überlebenden Söhne auch „die vier Haimonskinder“Heinz Gollwitzer: Die Standesherren. 2. Auflage. Göttingen 1964, S. 175. genannt – waren: Viktor (1818–1893, der spätere Herzog von Ratibor), Philipp Ernst (1820–1845), Gustav Adolf (1823–1896, später Kardinal), Konstantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1828–1896, der spätere Obersthofmeister des österreichischen Kaisers in Wien).

Der Schwager des Vaters, der kinderlose Landgraf Victor Amadeus von Hessen-Rotenburg (1779–1834), hatte beschlossen, seinen Allodial-Besitz – Ratibor in Schlesien, Corvey in Westfalen und Treffurt im Regierungsbezirk Erfurt – den beiden ältesten Söhnen des Fürsten Franz Joseph zu vererben. Bei ihm in Rotenburg an der Fulda und im Schloss Schillingsfürst in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken verbrachte Hohenlohe die meiste Zeit seiner Kindheit.

Sein Neffe Konrad zu Hohenlohe-Schillingsfürst amtierte 1906 kurzzeitig als k.k. Ministerpräsident von Österreich-Ungarn.

Ausbildung Von 1832 an besuchte er das Gymnasium in Ansbach und das königliche Gymnasium Erfurt. Seit 1837 studierte er in Göttingen, Bonn, Lausanne, Heidelberg und dann wieder in Bonn Rechtswissenschaft. Einige Monate nach dem Tod seines Vaters bestand er in Koblenz (am 3. April 1841) das Auskultator-Examen.

In einem Erbvertrag hatten die Brüder den Nachlass des Vaters und des Onkels so aufgeteilt, dass Chlodwig die Herrschaft Corvey, Viktor das Herzogtum Ratibor und Philipp Ernst die Herrschaft Schillingsfürst bekam. Ab 1842 strebte Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst die diplomatische Laufbahn an, und zwar zunächst in Preußen, wo er nun wohnte. Eine hierfür erforderliche Ausbildungszeit in der Justiz und bei der Regierung hoffte er durch Einreichung eines Bittgesuchs an Friedrich Wilhelm IV. überspringen zu können. Das Gesuch scheiterte jedoch am Einspruch des Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten.

Im April 1842 trat er als Auskultator beim Gericht in Koblenz an, im August 1843 bestand er die zweite juristische Prüfung. Anschließend war er als Referendar bei der Regierung in Potsdam tätig. Dieser Schritt in den nichtdiplomatischen Staatsdienst war für einen Standesherrn, der sich gegenüber den regierenden Häusern als gleichrangig verstand, sehr ungewöhnlich. [hier: S. 487]. Allerdings hielt es Hohenlohe-Schillingsfürst auch während seiner Ausbildung für selbstverständlich, als Gleichgestellter jede Woche mit dem König (Friedrich Wilhelm IV.) zu speisen.Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 3: Von der deutschen Doppelrevolution bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. 1849–1914. München 1995, ISBN 3-406-32490-8, S. 174.

Politiker in Bayern vor und nach der Revolution von 1848/49 Als Mitte Mai 1845 der dritte der Brüder, Philipp Ernst, verstarb, trat Chlodwig den Besitz in Corvey an seinen Bruder Viktor, den Herzog von Ratibor, ab und übernahm dafür das väterliche Stammhaus Schillingsfürst in Franken. Da er damit im Königreich Bayern ansässig geworden war, schied er 1846 aus dem preußischen Staatsdienst aus. Durch die Übertragung der Herrschaft Schillingsfürst auf ihn wurde er erbliches Mitglied in der bayerischen Kammer der Reichsräte (der Ersten Kammer des Landtags). Er vertrat dort eine liberale, auf die Einigung Deutschlands abzielende Politik und bekämpfte die österreichisch-ultramontane Richtung. Innerhalb der Kammer blieb er aber ohne größere Resonanz für seine Ideen.

Während der Revolution von 1848 unterstützte er die Frankfurter Nationalversammlung und die provisorische Zentralgewalt. Zunächst überbrachte er den Regierungen in Athen, Rom und Florenz die offizielle Nachricht über den Antritt des Reichsverwesers Erzherzog Johann. Im Jahr 1849 war er Reichsgesandter in London. In der Revolution sah Hohenlohe-Schillingsfürst eine Chance für das Erreichen der deutschen Einheit.Winfried Baumgart: Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. In: Wilhelm v. Sternburg (Hrsg.): Die deutschen Kanzler. Von Bismarck bis Kohl. 2. Auflage. Berlin 1998, S. 55–67, hier: S. 57. [hier: S. 488]. Dem Verfassungsentwurf von Friedrich Christoph Dahlmann (1785–1860) stand er sehr nahe.

mini|Hohenlohe-Schillingsfürst im Jahr 1867 Nach dem Scheitern der Revolution unterstützte Hohenlohe-Schillingsfürst offen den preußischen Anspruch auf Hegemonie in der deutschen Politik, da er die weiter bestehende Macht des deutschen Partikularismus ablehnte. Er war Anhänger der Unionspolitik. Seine preußenfreundliche Haltung vertrat Hohenlohe-Schillingsfürst trotz der mehrheitlich ablehnenden Haltung des übrigen bayerischen Adels. Insbesondere zwischen 1861 und 1866 befand er sich in offener Opposition gegenüber Ludwig von der Pfordten [hier: S. 488], der seit 1864 wieder Vorsitzender im Ministerrat war.

Regierungsverantwortung in Bayern Nach der Niederlage auch Bayerns im Deutschen Krieg war ein Wechsel in der Innenpolitik unabdingbar. Daher ernannte König Ludwig II. nach dem Rücktritt von Ludwig von der Pfordten noch am 31. Dezember 1866 Hohenlohe-Schillingsfürst zum bayerischen Ministerpräsidenten und Außenminister. Er erkannte das Schutz- und Trutzbündnis vom 23. August 1866 mit Preußen an und sah in ihm ein „Instrument [zur] Wahrung deutschen Gebiets“. Einen Beitritt Bayerns zum neuen Bundesstaat, dem Norddeutschen Bund, lehnte er ab. Ein Süddeutscher Bund kam nicht zustande. Trotz Bedenken musste Hohenlohe-Schillingsfürst dem Zollvereinsvertrag vom 8. Juli 1867 zustimmen. Der Versuch, Änderungen des Vertrages in Berlin zu erreichen, scheiterte. Auch in Bayern fand die Zollparlamentswahl 1868 statt. Hohenlohe-Schillingsfürst wurde Vizepräsident des Zollparlamentes. Sein Plan, daneben einen weiteren Bund unter Einschluss der süddeutschen Staaten, des norddeutschen Bundes und Österreichs zu schaffen, scheiterte am Widerstand aus Wien. Die Lösung wirtschaftspolitischer Probleme gelang ihm in dieser Zeit wesentlich besser. In seiner Amtszeit wurde die bayerische Armee durch Kriegsminister Freiherr von Pranckh auf der Grundlage des Wehrgesetzes von 1828 und der Bayerischen Verfassung von 1818 reorganisiert.

Die liberalen Parteien in Bayern, allen voran die schon 1863 in Nürnberg gegründete Bayerische Fortschrittspartei, schlossen sich seit Mitte der 1860er-Jahre zur Vereinigten Liberalen im Landtag zusammen. Angesichts der liberalen Mehrheiten im Landtag bis Ende der 1860er-Jahre konnte zunächst mit Unterstützung des Parlaments regiert werden. Seit dem deutschen Krieg von 1866 hatten sich die Liberalen entschieden, für eine kleindeutsche Nationalstaatsgründung unter Preußens Führung und ohne Österreich einzutreten. Von 1869 an lag die Mehrheit jedoch bei den Konservativen, namentlich der antipreußischen großdeutsch gesinnten Bayerischen Patriotenpartei. Hohenlohe-Schillingsfürst war ein Gegner der ultramontanen Katholiken und lehnte das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma ab (Bayerischer Kulturkampf). Hohenlohe-Schillingsfürst strebte eine stärkere Trennung von Staat und Kirche an. Er legte ein Schulgesetz vor, das den Kirchen ihren bisherigen Einfluss auf die Schule nehmen sollte. Damit verstärkte er jedoch zugleich die Kritik von Seiten der partikularistisch-katholischen Patriotenpartei. Die Gegner seiner Bildungs- und propreußischen Politik vereinten sich gegen ihn, es kam zum Misstrauensvotum beider Kammern des bayerischen Parlaments. Daraufhin reichte er am 18. Februar seinen Rücktritt ein und am 7. März 1870 kam es zum Ende des Ministeriums von Hohenlohe-Schillingsfürst. Sein Nachfolger im Amt wurde Otto von Bray-Steinburg.

Reichstagsabgeordneter, Diplomat und Statthalter Hohenlohe-Schillingsfürst setzte sich noch im gleichen Jahr für die Eingliederung Bayerns in das Deutsche Reich ein und gehörte ab März 1871 bis 1881 als Abgeordneter des Wahlkreises Oberfranken 3 (Forchheim) dem Reichstag an. Zunächst war er Fraktionsvorsitzender der Liberalen Reichspartei, später saß er als Hospitant bei den Freikonservativen. Von 1871 bis 1874 war er erster Vizepräsident des Parlaments.

Trotz seines katholischen Glaubens war er Gegner der Jesuiten und trug die Kulturkampfpolitik mit. Dies trug Hohenlohe-Schillingsfürst die Feindschaft der Zentrumspartei ein.Winfried Baumgart: Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. In: Wilhelm v. Sternburg (Hrsg.): Die deutschen Kanzler. Von Bismarck bis Kohl. 2. Auflage. Berlin 1998, S. 55–67, hier: S. 57. [hier: S. 488]. Bedingt durch die Krankheit des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck erhielt er im März 1874 das Angebot, die Stellvertretung zu übernehmen. Das lehnte Hohenlohe-Schillingsfürst aber ab.

Im Jahr 1874 ging er dann als deutscher Botschafter nach Paris, wo er sich um eine Entspannung des deutsch-französischen Verhältnisses bemühte. Er trat die Nachfolge des Botschafters Harry von Arnim (1824–1881) an, der in heftige Kontroversen mit Reichskanzler Otto von Bismarck gekommen war. Durch kluges taktisches Agieren gelang es Hohenlohe-Schillingsfürst hier, die größte Schärfe aus den deutsch-französischen Gegensätzen abzubauen. Er nahm als deutscher Bevollmächtigter 1878 am Berliner Kongress teil und amtierte 1880 übergangsweise als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes.

Von 1885 bis 1894 bemühte sich Hohenlohe-Schillingsfürst als Statthalter in Elsaß-Lothringen vergeblich darum, die Bevölkerung der Reichslande für die deutsche Sache zu gewinnen. Zu diesem Misserfolg trugen auch eigene Ungeschicklichkeiten bei.

Reichskanzler und Ministerpräsident von Preußen

Regierungsübernahme im Reich und in Preußen mini|Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst