mini|alt=Bettlerin auf etwas Niedrigem sitzend, Einkaufstüten aus Polyethylenfolie gefüllt mit Textilien, Becher mit Münzen am Pflaster|Bettlerin in München (2014) mini|Bettelmädchen in Spanien, Malerei (1852)
Bettler sind Menschen, die ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus Almosen – milden Gaben anderer – bestreiten. Meistens wird um Geld gebettelt. Einige betteln gezielt vor religiösen Stätten, da die Gabe von Almosen in vielen Religionen als erwünscht oder sogar als Pflicht der Gläubigen betrachtet wird.
Ein Teil der Bettelnden ist zusätzlich von Obdachlosigkeit betroffen.
Ursachen Seit Jahrhunderten ist bereits bekannt, dass Armut oft mit Krankheit, einschließlich psychischer Erkrankungen und Suchterkrankungen (z. B. Alkoholabhängigkeit) sowie ihrer sozialen und wirtschaftlichen Folgen in Zusammenhang steht. Insbesondere längere und chronische Erkrankungen sowie Folgen von Unfällen oder psychischer Traumatisierung, die mit teilweiser oder vollständiger Arbeitsunfähigkeit einhergehen, können zur Verarmung führen.Arme, Bettler, Beutelschneider. Die Ursachen der Armut. S. 28–57. Springer Link, abgerufen am 20. Juni 2021.
Zahlreiche Ursachen treffen sowohl auf Betteln als auch auf Obdachlosigkeit zu. Hierzu zählen: Verlust des Arbeitsplatzes, Suchterkrankungen, Überschuldung, Verlust eines geliebten Menschen durch Trennung oder Tod sowie Krankheit, Behinderung oder psychische Probleme.Gesellschaft, Soziales, Obdachlosigkeit - Gründe. Statista Research Department, 01.12.2010 Statista; abgerufen am 20. Juni 2021.
Mittlerweile berichten diverse Medien darüber, was ein Leben am Rand der Gesellschaft für Einzelne, die von Betteln und/oder Flaschensammeln leben müssen, bedeutet, und stellen in Reportagen die Schicksale von Betroffenen vor.Betteln und Flaschensammeln. Überleben auf dem „fünften Arbeitsmarkt“ Von Ulrike Köppchen. Deutschlandfunk Kultur; abgerufen am 20. Juni 2021.
Das Leben als Bettler bzw. Bettlerin kann auch selbst gewählt sein und hat bisweilen sogar eine eigene Würde, besonders bei Bettelorden oder Einsiedlern.
Deutschsprachige Länder mini|hochkant|Bettler in Teheran um 1880 mini|Bettlerin mit Kindern mini|hochkant|Der Geldnarr. Holzschnitt von Jost Amman, 1568
Geschichte In der Vormoderne war Bettelei ein wesentlich weiter verbreitetes Phänomen als in heutigen modernen Gesellschaften. Vor dem Anbruch der Moderne im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert war es vermutlich eine Mehrheit der Kinder zwischen 6 und 16 Jahren, die bettelte.Jürgen Kuczynski: Studien zur Geschichte der Lage des arbeitenden Kindes in Deutschland von 1700 bis zur Gegenwart. Berlin 1968, S. 4.
Bereits im Mittelalter empfand die Obrigkeit das rasche Anwachsen der Bettelei als Gefahr für ihre Herrschaft: Man begann, durch Polizeiordnungen den „unberechtigten Bettel“ zu unterdrücken, erkannte aber andererseits bei bestimmten Personengruppen, etwa hilflosen und gebrechlichen Menschen, durch Ausstellung behördlicher Bettelbriefe ein Recht an, öffentlich um mildtätige Gaben zu bitten. Als älteste Bettlerordnung im deutschsprachigen Raum gilt die von Nürnberg aus dem Jahr 1478. In Würzburg wurde 1490 eine Bettlerordnung erlassen, nach der Betteln nur noch bei Bedürftigkeit, frommem Lebenswandel und mit Genehmigung des Oberen Rats sowie mit einem Bettelabzeichen erlaubt war.Wolfgang Schneider: Volkskultur und Alltagsleben. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1 (2001): Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. ISBN 3-8062-1465-4, S. 491–514 und 661–665, hier: S. 499 f., 502 und 663. Der Reichsabschied von 1512, der Landfrieden von 1551 und die Reichspolizeiordnung von 1577 sollten der Bettelei entgegenwirken. 1520 erließ z. B. der Zürcher Stadtrat auf vorherige Empfehlung von Ulrich Zwingli eine eigene Verordnung, die sich mit der Versorgung bedürftiger Personen befasste. Ausdrückliches Ziel dieser Regelung war es, die öffentliche Bettelei zu unterbinden und stadtfremde Bettler von der Stadt fernzuhalten. Es wurden zwei Pfleger gewählt, denen die Bedürftigkeitsprüfung und die Verteilung der durch den Rat bzw. durch Stifter zur Verfügung gestellten Mittel oblag. Um die Armen „ab der gasse“ zu bringen, erfolgte eine regelmäßige Armenspeisung. Der Zugang hierzu war davon abhängig, dass der jeweils Bedürftige vorher nicht öffentlich gebettelt hatte: Die „ordnung und Artikel antreffend das almuosen“ regeln, „das hinfür aller bettel in der stadt Zürich, es sye von heimischen oder frömbden personen, abgestellt sin sölle.“ Wenn einer trotzdem bettle, solle „im das almuosen 8 Tage abgeschlagen werden.“Vom Kampf gegen das Bettlertum – Der Anfang öffentlicher Fürsorge in Zürich. In: Neue Zürcher Zeitung. 16. November 1976, S. 39.
Weitere zahlreiche landespolizeiliche Verordnungen sollten in den deutschen Territorien das Betteln eindämmen, zumal nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die englische Gesetzgebung bestrafte im 16. Jahrhundert Bettler und Landstreicher sogar durch Auspeitschungen und Brandmarkungen. Seit dem 17./18. Jahrhundert wurde ein Teil der Bettler auch in Arbeitshäusern untergebracht, um sie aus der Öffentlichkeit zu entfernen und ihre Arbeitskraft zu nutzen.Zur Arbeitshausunterbringung im 19. und 20. Jahrhundert vgl. Wolfgang Ayaß: Das Arbeitshaus Breitenau. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, Zuhälter und Fürsorgeempfänger in der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau (1874–1949)., Kassel 1992.
In der vorindustriellen Gesellschaft hatte die Armut viele Gesichter. Zum Problem der Armut und der Landstreicherei trugen mehrere Ursachen bei, die allerdings je nach Land, Region und Jahrzehnt in ihrer Bedeutung variierten. Die folgende Liste ist nicht als erschöpfende Aufzählung der Gründe gedacht; sie soll in Umrissen lediglich die wesentlichen Ursachen vorstellen, die vor dem 19. Jahrhundert eine Massenverarmung bewirkten. Die Armut war eine Lebenserfahrung zahlreicher sozialer Gruppen, auch wenn sie für die Unterschichten am ehesten existenzbedrohend werden konnte. Nicht nur Tagelöhner, Häusler und Lohnempfänger waren gefährdet, sondern auch Handwerker, Bauern und sogar der niedere Adel. Jeder konnte durch Krankheit, Unfälle, vorzeitigen Tod des Ernährers oder Partners oder Pflegebedürftigkeit verarmen und in einer Epoche, in der die soziale Sicherheit nicht garantiert wurde, waren die Folgen eines solchen Unglücks schwerer zu überwinden, was in vielen Fällen zur Verarmung oder sogar ins Elend führte.
Im Zuge der Industrialisierung rückte die Erziehung zu einer Fabrikdisziplin, ausgehend von den britischen Arbeitshäusern, immer stärker in den Vordergrund. Zum Bettelwesen für das ausgehende 19. Jahrhundert, insbesondere zum Einsatz von Kindern zur Bettelei schreibt Meyers Enzyklopädie von 1888:
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erließ das preußische Innenministerium am 1. Juni 1933 eine Verordnung zur Unterdrückung des öffentlichen Bettelunwesens.Abgedruckt bei Wolfgang Ayaß (Bearb.): „Gemeinschaftsfremde“. Quellen zur Verfolgung von „Asozialen“ 1933–1945. (PDF) Koblenz 1998, Nr. 4. Armut und Bedürftigkeit wurden mehr und mehr kriminalisiert.
Mit der Abschaffung des § 361 Abs. 1 Nr. 4 im Strafgesetzbuch mit Wirkung zum 2. April 1974 ist Betteln in der Bundesrepublik Deutschland grundsätzlich nicht mehr strafbar.§ 361 a.F. lexetius.com; abgerufen am 4. November 2012.
mini|Bettlertaler von 1602, Erzbistum Mainz. Die Episode der Mantelteilung.
Aus religiöser Sicht ist die Unterstützung, Verpflegung und Beherbergung von Armen und Kranken ein Werk der Barmherzigkeit. Dabei ist Sachleistungen (Essen, warme Quartiere) der Vorzug zu geben, aus den oben genannten Bedingungen.
Die Erforschung der Genealogie der Bettler ist ein schwieriges Spezialgebiet, das sich auf oft umfangreiche Gerichts- und Polizeiakten, Steckbriefe usw. stützen kann.
Die auch heute noch gebräuchliche Benutzung der Bezeichnung Brandbrief als eine Ein- und Aufforderung zur schnellen Hilfe geht auf das als Brandbettelbrief bekannt gewordene Schriftstück zurück. Dieser Brandbettelbrief war ein Schreiben von Behörden, das sogenannten Abgebrannten, also Menschen die Hab und Gut und Haus durch einen Brand verloren hatten, zum Zwecke der Bettelei, die örtlich zum Teil streng verboten war, ausgegeben wurde. Da auch teilweise Missbrauch damit einherging, wurde mit Einführung der Feuerpflichtversicherungen die Brandbettelei abgeschafft.
Rechtslage in Deutschland mini|Bettler in Unna Betteln ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt, doch Vortäuschung falscher Verhältnisse (zum Beispiel „bin obdachlos“, „Geldbörse gestohlen“) kann einen Bettelbetrug darstellen und aufdringliches Betteln kann in Deutschland als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Abs. 1 OWiG Bettler sind zum Teil obdachlos.
Betteln ist in Deutschland grundsätzlich steuerfrei, das heißt Einkünfte hieraus unterliegen nicht der Einkommensteuer. Sofern jedoch „gewerbsmäßiges Betteln“ vorliegt,zur Gewerbsmäßigkeit können diese gegebenenfalls als Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach EStG aufgefasst werden, wobei dies praktisch kaum nachweisbar sein dürfte.
Es gibt Berichte, etwa aus Köln und München, wonach in dort oft als „Bettelmafia“ bezeichneten Gruppen Einwanderer aus Rumänien oder Bulgarien organisiert betteln und durch die sogenannte Bettelmafia ausgenutzt würden.Auswahl: Die rumänische Bettelmafia von Köln. Deutsche Welle, 10. Dezember 2013; Banden in Deutschland unterwegs – Wie die Bettelmafia aus Mitleid Geld macht. In: Focus, 26. September 2012; Carla Gospodarek: Obdachlos oder Bettel-Mafia? So erkennt man den Unterschied München t-Online, 17. Dezember 2024 / aktualisiert am 4. August 2026
Bettina Wilhelm, Erste Bürgermeisterin von Schwäbisch Hall, stellte nach Überprüfung der Vorwürfe fest: „Die Angst mancher Haller Bürger, dass die Bettler zu organisierten kriminellen Banden gehören, ist völlig unbegründet.“Sigrid Bauer: Roma in Schwäbisch Hall: Bürgermeisterin besucht Bettler. In: Haller Tagblatt, 13. November 2014.
Besonders das Betteln von Kindern ist höchst umstritten, ausgehend von einer Ächtung von Kinderarbeit. Problematisch ist es vor allem dann, wenn Kindern dadurch der regelmäßige Schulbesuch vorenthalten wird.
Zahlreiche Kommunen haben ihre Regelungen in Bezug auf das Betteln seit 2016 verschärft. Verboten ist beispielsweise in Essen ab März 2017 das bandenmäßige oder organisierte Betteln, das Vortäuschen künstlerischer Darbietungen, das Betteln unter Anfassen, Festhalten oder Bedrängen von Passanten, das Betteln unter Beeinträchtigung des Verkehrs, das Betteln unter Vortäuschen von Behinderungen, Krankheiten oder Notlagen und das Betteln mithilfe von Kindern oder Tieren.
Grundsätzlich hat hier jede Stadt bzw. jede Kommune die Möglichkeit eigene Verordnungen zu erlassen. So ist z. B. in München das sogenannte Demutsbetteln oder stille Betteln – mit Ausnahme der Altstadt-Fußgängerzone und des Oktoberfestes – erlaubt. Bettler dürfen jedoch nicht durch ihr Verhalten andere Bürgerinnen und Bürger belästigen, aggressives Betteln sowie organisiertes („bandenmäßiges“) Betteln können daher als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.Betteln in München. Stadtverwaltung München; abgerufen am 20. Juni 2021.
Rechtslage in Österreich In Österreich gelten ähnliche Regeln wie in Deutschland. Jedoch muss bei Einkünften über 624,18 € Einkommensteuer bezahlt werden. Das Betteln mit Kindern ist seit der Einführung eines entsprechenden Gesetzes im Juni 2005 strengstens untersagt und wird mit Freiheitsstrafe oder Sozialarbeitspflicht geahndet.